Bayerischer Landtag

31.03.2009 - Festakt anlässlich der Verabschiedung des Direktors des Bayerischen Landtags Peter Maicher und der Amtseinführung des neuen Direktors Peter Worm

Fünf Monate nach dem Wechsel an der politischen Spitze des Landtags gab es Ende März auch einen Wechsel an der Spitze des Landtagsamts. Im Rahmen eines Festakts verabschiedete der Bayerische Landtag Direktor Peter Maicher in den Ruhestand. Peter Worm wurde als sein Nachfolger in das Amt eingeführt.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit dem scheidenden Amtschef Peter Maicher (links) und seinem Nachfolger Peter Worm. | Foto: Rolf Poss
Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit dem scheidenden Amtschef Peter Maicher (links) und seinem Nachfolger Peter Worm. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Abschied und Neubeginn

Es war wie ein Blick in ein buntes Kaleidoskop, als der scheidende Landtagsdirektor Peter Maicher Menschen, Begegnungen, Erlebnisse und Anekdoten aus 32 Jahren im Maximilianeum, davon elf Jahre an der Spitze des Landtagsamts, vor dem Publikum im Senatssaal vorüberziehen ließ. „Mit herzlichem Dank und in großer Zufriedenheit nehme ich Abschied von Ihnen“, sagte er. „Servus Landtag, behüt´ Euch Gott!“.

Zuvor hatte Landtagspräsidentin Barbara Stamm das Wirken des Spitzenbeamten gewürdigt, hinter dem der Mensch nie verloren gegangen ist: „Geräuschlos und effizient, gewissenhaft und bedacht“, beschrieb sie die Arbeitsweise des Direktors, der eigentlich im niederbayerischen Rottal Lehrer hatte werden wollen, sich dann aber entschied, die Pädagogik, das Management und den Journalismus (Maicher versteht darunter die Fähigkeit, schwierige Sachverhalte zu durchdringen und verständlich darzustellen) miteinander zu verbinden. Dass ihm dies überaus erfolgreich gelang, attestierte ihm die Landtagspräsidentin, die Peter Maicher seit 1976 kennt. Der scheidende Amtschef habe stets ein sehr hohes Maß an diplomatischem Geschick und Gespür für die Menschen und die anstehenden Aufgaben gezeigt.

Stv. Landtagsdirektor Dr. Berndt Jäger buchstabierte den Namen „MAICHER“ auf seine Weise: Die Buchstaben „ch“ etwa stünden bei Maicher für „christliche Humanität“. „Die Mitarbeiter haben bei Ihnen die Wertschätzung gespürt.“ Dies sei die beste Voraussetzung für Wertschöpfung.

Auch Personalratsvorsitzender Walter Simmet hob hervor: „Es war für Sie immer wichtig zu wissen, wie es dem einzelnen Mitarbeiter geht.“ Er bedankte sich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Stellvertretend für die Direktorinnen und Direktoren der deutschen und österreichischen Landesparlamente sowie des Südtiroler Landtags überbrachten Lutz Gieseler, Direktor des Landtags von Sachsen-Anhalt, und Dr. Karl Edtstadler, Direktor des Salzburger Landtags, Grüße und Dank.

Der Reigen der vielen herzlichen und persönlich gehaltenen Ansprachen wurde immer wieder unterbrochen durch musikalische Darbietungen – darunter stimmungsvolle Lieder und Hymnen (gesungen vom Landtagschor) sowie Stücke von Antonio Vivaldi und Franz Schubert (Trompete: Josef Reimer; Mandoline: Reinhard Pobel; Klavier: Dr. Berndt Jäger).

Einstimmiges Votum

Der Abschied war zugleich ein Neubeginn: Das Präsidium hatte in seiner Sitzung Anfang Februar den bisherigen Leiter der Abteilung „Zentrale Dienste“, Peter Worm, mit einstimmigem Votum zum neuen Direktor des Bayerischen Landtags bestimmt. Die Einstimmigkeit bei der Entscheidung zeige, dass Worm „der richtige Mann am richtigen Platz sein wird“, sagte die Landtagspräsidentin. Der 51-jährige Jurist ist seit 1986 im Landtagsamt tätig und seit längerer Zeit mit umfassenden Führungsaufgaben betraut: „Ihr juristischer Sachverstand, Ihre strikte Neutralität in Parlamentsfragen und Ihre immer wieder bewiesene Bereitschaft zur Verständigung mit dem Ziel, unterschiedliche Positionen auf einen sachlich angemessenen Nenner zusammenzuführen, haben Ihnen großes Vertrauen eingebracht“, führte Barbara Stamm aus. Peter Worm stünde jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung – eine Eigenschaft, die gerade in den ersten Wochen und Monaten der neuen Legislaturperiode sehr wichtig und gefragt gewesen sei.

Mit einem virtuos vorgetragenen Czárdás für Violine und Klavier gratulierten Christoph und Magdalena Worm, die Kinder des neuen Amtschefs, ihrem Vater zur neuen Aufgabe. Der neue Direktor des Bayerischen Landtags, Peter Worm (siehe Porträt unten), bedankte sich für das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Es sei für ihn eine besondere Ehre und eine große Verpflichtung, in diesem Hohen Haus Dienst zu leisten.

Das Ansehen des Parlaments stärken

„Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landtagsamts möchte ich die Arbeit jedes einzelnen Parlamentariers im Rahmen der dem Amt gegebenen Möglichkeiten unterstützen, die Serviceleistungen für Abgeordnete und Fraktionen weiterentwickeln und die internen Arbeitsabläufe optimieren“, erklärte Worm. Sein oberstes Ziel sei es dabei, das Ansehen des bayerischen Parlaments insgesamt und das seiner Mitglieder weiter zu stärken. Er setzt dabei auf die gemeinsame Anstrengung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit ihm zusammen die Aufgabenstellung des Landtagsamts kompetent und mit Freude zu erfüllen. Denn – so sein Credo – „ohne Teamgeist und gegenseitige Unterstützung sind besondere Leistungen nicht möglich“. /kh

Festakt im Senatssaal - Eindrücke von der Verabschiedung und Amtseinführung

Gab stimmungsvolle Einlagen: der Landtagschor, hier begleitet von Dr. Berndt Jäger (Klavier) und Barbara Wagner (Flöte). | Foto: Rolf Poss
Barbara Stamm dankte dem scheidenden Direktor des Bayerischen Landtags für sein erfolgreiches Wirken. | Foto: Rolf Poss
Ehrengäste: Blick in die erste Reihe. | Foto: Rolf Poss
Feierlicher Moment: Landtagspräsidentin Barbara Stamm überreicht dem in den Ruhestand scheidenden Amtschef die Versetzungsurkunde | Foto: Rolf Poss
Buchstabierte den Namen Maicher auf seine Weise: Dr. Berndt Jäger, stv. Direktor des Bayerischen Landtags. | Foto: Rolf Poss
Erinnerungen an den Landtag für die Stube und für unterwegs: ein digitaler Bilderrahmen mit schönen Fotos als Abschiedsgeschenk von stv. Landtagsamtsdirektor Dr. Berndt Jäger. | Foto: Rolf Poss
Servus Landtag, behüt Euch Gott, sagte der scheidende Landtagsamtsdirektor Peter Maicher zum Schluss. | Foto: Rolf Poss
Dank für die konstruktive Zusammenarbeit: Peter Maicher (li) und Walter Simmet, Vorsitzender des Personalrats | Foto: Rolf Poss
Bedankte sich für das entgegengebrachte Vertrauen: Peter Worm, der neue Direktor des Bayerischen Landtags | Foto: Rolf Poss
Christoph und Magdalena Worm, die Kinder des neuen Amtschefs, gratulierten ihrem Vater mit einem Czardas zur neuen Aufgabe. | Foto: Rolf Poss
Landtagspräsidentin Barbara Stamm mit dem scheidenden Amtschef Peter Maicher (links) und seinem Nachfolger Peter Worm. | Foto: Rolf Poss
 

Porträt Peter Maicher

Elf Jahre lang war Peter Maicher der Chef des Landtagsamtes mit seinen 200 Mitarbeitern. Ihm lag sehr daran, den Teamgedanken zu stärken und den Ruf der Behörde als kompetente und überparteiliche Servicestelle für die Abgeordneten zu festigen. Maicher ist noch heute stolz darauf, dass er auch mit den Stimmen der SPD-Fraktion zum Direktor des Landtagsamtes gewählt wurde. Diese Aufgabe übernahm er am 1. Januar 1998. „Keine Schlagzeilen, Dienstleistung steht im Vordergrund“, gab Peter Maicher als Motto aus. Er sah die Abgeordneten als Kunden, denen ein modernes Management die Arbeit erleichtern sollte. Seine Vorschläge setzte der gelernte Pädagoge bedächtig und mit ruhiger Hand durch.

Peter Maicher hat für einen Spitzenbeamten eine bunte Karriere hinter sich: Er studierte Altphilologie und Neuere Deutsche Literatur für das Lehrfach, begann aber nicht gleich mit dem Unterrichten, sondern wurde Referent für Öffentlichkeitsarbeit und dann Direktionsassistent bei der Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH. Dabei und bei allen künftigen Tätigkeiten half ihm sein Talent zum Schreiben. Seine Arbeit als Lokal- und Gerichtsreporter bei der Passauer Neuen Presse im niederbayerischen Rottal bezeichnet er noch heute als eine „sehr wichtige Lebensschule.“ 1976 wurde Maicher Referent für Bildungs- und Kulturpolitik der CSU-Landtagsfraktion, 1987 Pressesprecher des Bayerischen Kultusministeriums und 1989 Geschäftsführer der CSU-Landtagsfraktion.

Geboren wurde Maicher am 16. März 1944 in Mährisch-Ostrau an der polnischen Grenze. Als seine Heimat aber betrachtet er Bayern. Er ist unter den Dorfbuben im niederbayerischen Rottal aufgewachsen; sein Vater unterrichtete als Volksschullehrer an der dreiklassigen Schule in dem kleinen Dorf Hirschhorn. Seinen Ruhestand verbringt der scheidende Chef des Landtagsamtes zusammen mit seiner Frau Gudrun Elsner in Zorneding im Landkreis Ebersberg. Erst einmal will er seine Freiheit und die Ruhe genießen, Zeit haben für seine kleine Enkelin Marlen, sich nicht mehr in ein Terminkorsett einzwängen lassen, erzählt Peter Maicher. Lesen, Bergwandern, Tennis und Golf sind seine Steckenpferde, die er jetzt pflegen will – und die Musik natürlich: Maicher spielt hervorragend Klavier. „Ich habe mich im Landtagsamt sehr wohl gefühlt. Die Menschen in der Politik und in der Verwaltung werde ich vermissen“, stellt Peter Maicher mit einem Blick zurück fest. /hw

Porträt Peter Worm

Der 51-jährige Jurist Peter Worm ist der neue Chef des Landtagsamtes: Kompetent, offen, klar, ein Ansprechpartner, der immer um gemeinsame Lösungen bemüht ist – so haben ihn die Abgeordneten und die Mitarbeiter in der Verwaltung bisher erlebt: Seit Dezember 2006 leitet er die Abteilung Z „Zentrale Dienste“. In dieser Funktion ist er zuständig für die Bereiche Personal, Abgeordnete, Organisation, Innere Dienste, Haushalt, Informations- und Kommunikationstechnik, Bibliothek, Dokumentation und Archiv. Das Landtagsamt kennt Worm seit 1986: Er arbeitete erst im Justiziariat, war dann Persönlicher Referent von Landtagspräsident Wilhelm Vorndran und übernahm dann 1994 die Leitung des Referats „Plenum, Ältestenrat, Parlamentarische Grundsatzfragen.“

Peter Worm ist zusammen mit drei älteren Schwestern in Fichtelberg im Landkreis Bayreuth aufgewachsen. Die Eltern waren Heimatvertriebene aus dem Altvatergebirge, die sich in Bayern mit einer Metzgerei eine neue Existenz aufbauten. Die Töchter halfen im Betrieb mit, der Sohn durfte als einziger studieren, entschied sich für Rechtswissenschaften. Er ging nach dem Abitur am Luisenburg-Gymnasium in Wunsiedel an die damals relativ neue Universität in Regenburg und schwärmt noch heute von der Aufbruchstimmung, die dort herrschte. Die Beamtenkarriere des Peter Worm begann nach dem Zweiten Juristischen Staatsexamen Ende 1985 im Geschäftsbereich des Bayerischen Innenministeriums – mit dem Posten des Direktors hat er jetzt die höchste Stufe erreicht. Er stößt überall auf großes Wohlwollen: Einstimmig wurde er zum Chef dieses überparteilichen Dienstleistungszentrums gewählt, das vor allem für die Abgeordneten da ist und ihnen die Arbeit erleichtert. Peter Worm freut sich auf seine Aufgabe an der Spitze des Landtagsamtes und auf sein Büro im „Stammhaus“. Seine bisherige Abteilung zog nach der Landtagswahl im Herbst 2008 in das Ausweichquartier in der Ismaninger Straße – mit zwei neuen Fraktionen war es im Maximilianeum zu eng geworden. Seitdem eilt Peter Worm mehrmals am Tag mit dem großen schwarzen Pilotenkoffer zwischen dem Maximilianeum und der Ismaninger Straße hin und her. Mit dem Amtsantritt als Chef des Landtagsamtes hat das jetzt für ihn ein Ende. Er hofft, dass seine Mitarbeiter in der Dependance Mitte 2011 ebenfalls ins Haupthaus zurückkehren, wenn der Erweiterungsbau im Nordhof verwirklicht ist.

Peter Worm ist ein Familienmensch. Mit seiner Frau Annette, einer Lehrerin, hat er zwei musikalisch sehr begabte Kinder: den 18-jährigen Christoph und die 13-jährige Magdalena. In der knappen Freizeit steht Walken und Bergwandern auf dem Programm – aber immer gemeinsam, betont der neue Direktor des Landtagsamtes. Geburtsort Franken, Arbeitsplatz München, seit 1992 Leben in Mering in Schwaben – Peter Worm verkörpert viele Facetten Bayerns. /hw

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