Warum fühlen sich die Landtagsbienen so wohl?
Ein Blick in die Bienenstöcke des Bayerischen Landtags.
Sie sind heute etwas nervös, die kleinen Tierchen. „Da ziehen wir uns lieber einmal den Schutzanzug an“, empfiehlt Roland Popfinger. Seit knapp zehn Jahren besucht er regelmäßig die Bienenvölker im Bayerischen Landtag – und bei der aktuellen Wetterlage ist eine Jacke beim Blick in den Honigraum ratsam. „Bei dieser feucht-warmen Luft vor einem Gewitter sind sie manchmal auf Krawall gebürstet – aber grundsätzlich ist der Standort hier optimal und die Bienen fühlen sich sehr wohl“, sagt Roland.
Auf die Vielfalt kommt es an
Der Standort nicht weit von der Ostpforte des Bayerischen Landtags, direkt neben dem Bürogebäude, hat gleich mehrere Vorteile: Die Isar mit ihrem Grüngürtel, Hecken sowie Linden sind nicht weit entfernt und auf der benachbarten Dachfläche der Eingangspforte des Landtags blühen Wildblumen. „Dieser Platz bietet den Bienen bis zum Herbst ein wunderbares Nahrungsangebot, das sich aus verschiedenen Pflanzen zusammensetzt. Vielfalt ist wichtig, wie auch wir Menschen sollten sich Bienen nicht einseitig ernähren!“, erklärt der Imker. Darin besteht auch ein großer Vorteil für die Stadtbiene. Ihre Erträge sind im Vergleich zu den Landbienen stabiler, weil sie übers Jahr hinweg oft ein abwechslungsreicheres Nahrungsangebot findet. „Da gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf, was das Nahrungsangebot auf dem Land betrifft“, stellt Roland fest. Am Flugloch angekommen, erklärt Roland, wer dort umherschwirrt: „Hier tragen einzelne Bienen die Pollen ein, das sind die Pollensammlerinnen, die die Ernährung für die Brut liefern. Dann weiß ich, dass es Brut im Volk gibt und die Königin fleißig Eier legt!“
Einen Blick in den Bienenstock bietet das Video auf dem Instagram Kanal des Landtags.
Die Biene mobilisiert
Das Volksbegehren „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen“ im Jahr 2019 machten Insekten und die damit verbundene Sorge um das zunehmende Artensterben zu einem prominenten Thema und die Biene gewann zunehmend an Popularität. So wurde das Volksbegehren schließlich auch zum erfolgreichsten in der Geschichte des Freistaats Bayern: Über 1,7 Millionen Wahlberechtigte hatten sich vom 31. Januar bis zum 13. Februar 2019 in ihren Rathäusern dafür eingetragen. Mit ihrem Votum wollten die Bürgerinnen und Bürger den Artenschwund im Freistaat Bayern stoppen und die noch vorhandene Artenvielfalt konsequent schützen. Staatsregierung und die Mehrheit der Abgeordneten im Bayerischen Landtag stimmten dafür, nicht nur das Volksbegehren anzunehmen, sondern auch ein zusätzliches Begleitgesetz zu beschließen, um den Artenschutz zu fördern.
Extensive Betriebsweise
Und es wurden an immer mehr prominenten Plätzen Bienenstöcke aufgestellt, um ein Zeichen zu setzen – wie auch im Bayerischen Landtag. Nicht nur neben dem Gebäude des Maximilianeums fliegen knapp 40.000 Bienen in ihre Stöcke. Auch neben den Bürogebäuden des Landtagsamtes am gegenüberliegenden Isarufer arbeiten vier weitere Bienenvölker. Die Erntemengen variieren mit der Betriebsweise. Die extensiven Honigimkerei verfolgt den Anspruch der Nachhaltigkeit, indem primär das Bienenvolk und nicht der Honigertrag im Vordergrund steht. „Wir belassen viel Honig im Brutraum und füttern wenig zu. So können wir pro Volk rund zehn Kilo Honig Anfang Juli und noch einmal den Lindenhonig am Ende des Monats ernten. Das sind dann noch einmal abhängig vom Volk zehn bis fünfzehn Kilo Honig“, sagt Roland. Wer einmal probieren möchte, findet den Honig übrigens im Landtagsshop.
/AG