Bayerischer Landtag

11.10.2011 - Der Landtag im Gespräch mit...Katharina Wagner und Quirin Berg

Bayreuth-Chefin und Erfolgsproduzent diskutierten im Maximilaneum über Oper, Film, Rammstein und - das liebe Geld

Landtag im Gespräch

- Zoran Gojic –

Was ist Kultur, wer braucht sie und wer finanziert sie? Das war an diesem Abend das Thema bei „Der Landtag im Gespräch…“. Zum fünften Mal hatte Landtagspräsidentin Barbara Stamm Gäste zu einem Gespräch ins Maximilaneum geladen. Und es wurde eine informative und kurzweilige Gesprächsrunde mit der Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner und dem Filmproduzenten Quirin Berg, einem der Macher des Oscarprämierten Films „Das Leben der Anderen“.

Auf den ersten Blick haben Oper und Wagner-Festspiele mit Unterhaltungs-Kino und Popkultur nicht viel zu tun. Tatsächlich gibt es viele Berührungspunkte, wie man während der Diskussion erfahren konnte. Im voll besetzten Senatssaal zeigte die Hüterin des Wagner-Erbes keinerlei Berührungsängste mit populären Kunstgattungen. Wenn sie nicht die Werke ihres Ur-Großvaters Richard Wagner höre, dann entspanne sie gerne mal zu den robusten Klängen der deutschen Gruppe „Rammstein“ bekannte sie, was Gesprächspartner Berg einleuchtete: „Das ist ja in gewisser Hinsicht gar nicht so weit auseinander“.

Wagner und Berg fanden also schnell eine gemeinsame Ebene und stellten fest, dass sich ihre Arbeitsfelder in vielem ähneln. Denn sowohl eine Festspiel-Intendantin als auch ein Filmproduzent haben das Problem mit festen Erwartungshaltungen konfrontiert zu sein und gleichzeitig mit dem Wunsch nach Originalität. Gleichzeitig muss man immer auch den ökonomische Aspekt im Auge behalten. Sowohl Wagner als auch Berg betonten, dass Kulturschaffende immer auch wirtschaftlich denken müssen.

Mit Kultur ist es genauso wie überall sonst: Ohne Geld bewegt sich nichts. Deswegen bricht Wagner eine Lanze für staatliche Subventionen. Natürlich koste ein Ereignis wie die Bayreuther Festspiele viel Steuergeld, aber die Alternative mit privaten Sponsoren große Kulturereignisse zu ermöglichen berge eine immense Gefahr. Wenn die Sponsoren wegbrechen sei Kulturgut in Gefahr. Der Staat sei in der Pflicht. Berg sprang Wagner bei und betonte, der Filmwirtschaft gehe es nicht zuletzt deswegen so gut, weil der Freistaat Bayern gezielt mit Fördermitteln helfe den Kino-Standort München zu erhalten.

Womit man schon bei der nicht selten gestellten Frage war, ob mit Staatsgeldern geförderte Kunst verstörend, sperrig oder provokativ sein darf. Den Vorwurf am Publikum vorbei zu inszenieren hört Katharina Wagner oft und sie nutzte die Gelegenheit, um ihren modernen Ansatz mit Leidenschaft zu verteidigen. „Wer sich bei uns zehn Jahre um eine Karte bewirbt, kennt das Stück mit hoher Wahrscheinlichkeit. Da kann ich bei „Lohengrin“ nicht immer den Schwan über die Bühne ziehen. Ich muss etwas Neues bieten, etwas womit sich das Publikum auseinander setzen kann. Es gibt nur eine sehr begrenzte Anzahl von Wagner-Opern, die man immer wieder interpretieren muss.“

Beim Film hingegen dürfe man die Erwartungshaltung des Publikums nicht enttäuschen, erläuterte Berg, der freimütig einräumte, dass er es sich nicht leisten kann, ausschließlich auf mitunter sperrige Filmkunst zu setzen. Er produziert auch leichtere Unterhaltungsfilme, die die genannten Erwartungen des Publikums erfüllen. Diese Erwartungen will Katharina Wagner freilich erklärtermaßen eben nicht immer bedienen. Damit das Festival lebendig bleibe, nehme sie vermeintliche Skandalinszenierungen gerne in Kauf. „Im ersten Jahr wird gebuht, danach finden es die Leute gut. Die haben dann eine neue Inszenierung, die sie hassen können“, kommentierte Wagner die Aufregung um manche Aufführungen auf dem Grünen Hügel trocken. Und verteidigte nachdrücklich ihren Ansatz das Festival moderner zu machen. Richard Wagner habe zu seiner Zeit begeistert alle Möglichkeiten der Technik genutzt. „Wer weiß, was der heute mit seiner Begeisterung für technische Effekte alles machen würde?“, fragte Wagner und Berg hatte die passende Antwort parat: „Film.“

Quirin Berg, Moderator Manuel Brug und Katharina Wagner im Senatssaal. | Foto: Rolf Poss
Landtagspräsidentin Barbara Stamm begrüßt die Gäste des Abends. | Foto: Rolf Poss
Großer Andrang im Senatssaal. | Foto: Rolf Poss
Meinungsaustausch der Besucher nach der Diskussionsrunde beim Empfang im Steinernen Saal. | Foto: Rolf Poss
 
 
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