Bayerischer Landtag

12.10.2010 - Der Landtag im Gespräch mit . . . Verleger Prof. Hubert Burda: "Jakob Fugger und die Aktualität heute"

Bild: Augsburger Kaufmann Jakob Fugger (1495 bis 1525) | Foto: Rolf Poss
Augsburger Kaufmann Jakob Fugger (1495 bis 1525) | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

– Von Katja Helmö –

Jakob Fugger, zwischen 1495 und 1525 der bedeutendste Kaufmann Europas, lebte in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umwälzungen: Bei der Veranstaltungsreihe „Der Landtag im Gespräch mit . . .“ beleuchtete der Verleger Prof. Hubert Burda den Werdegang und das Wirken dieses erfolgreichen Unternehmers. Jakob Fugger, „der Reiche“ genannt, hatte die Umbrüche seiner Zeit stets innovativ zu nutzen gewusst. Der Blick in die Welt um 1500 ist für Prof. Burda ein wichtiger Schlüssel, um Parallelen zu den Herausforderungen der aktuellen Veränderungsprozesse, etwa der digitalen Revolution, zu ziehen.

Rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Medien, Politik und Kultur, darunter auch Mitglieder der Familie Fugger, waren in das Maximilianeum gekommen, um die Rede von Prof. Hubert Burda zu hören. „Jakob Fugger und die Aktualität heute“, lautete der Titel seines Vortrags.

In der Veranstaltungsreihe „Der Landtag im Gespräch mit …“ werden aktuelle und zukunftsrelevante Themen aufgegriffen und diskutiert. Mit Prof. Hubert Burda habe man einen erfolgreichen und mutigen Unternehmer aus dem Medienbereich als Gastredner gewinnen können, betonte die Landtagspräsidentin in ihrem Grußwort: „Wir brauchen einen Impulsgeber, der wie Sie die Dinge gedanklich durchdringt und Entwicklungen nicht nur rechtzeitig, sondern schon in ihrem Entstehen erkennt und daraus Konsequenzen zieht.“

Als Mensch, der ein Gespür für neue Entwicklungen hatte und in Zeiten des Umbruchs immer weitergegangen ist, sieht Hubert Burda auch Jakob Fugger. Die Zeit des Augsburger Kaufmanns war eine Epoche großer Umbrüche: Die Erfindung des Buchdrucks, die Reformation, die Eroberung Konstantinopels durch die Türken und die Entdeckung Amerikas läuteten die Neuzeit ein. Fugger antizipierte die neuen Entwicklungen, erlernte etwa mit der doppelten Buchführung eine völlig neue Form des Rechnungswesens oder startete neue Aktivitäten im Montanwesen: Innerhalb kürzester Zeit ließ er mit veränderten Methoden Kupfer und Silber in Rekordhöhe abbauen.

Die wesentlichste Veränderung brachte laut Burda aber die Erschließung der Seewege, die viel bedeutender wurden als die früheren Handelswege zu Lande. Auch hier reagierte der weitsichtige Kaufmann schnell, schuf neue Faktoreien an Knotenpunkten wie Lissabon oder Antwerpen und erschloss über den maritimen Weg zusätzlich den Handel mit dem neu entdeckten Amerika.

Epoche um 1500 eine "Schwellenzeit" - ebenso wie heute

Heute sei erneut eine solche Schwellenzeit, die epochale Veränderung das Internet, betonte Burda. Ebenso wie die Seewege vor 500 Jahren den Aufbruch in die Neuzeit forciert hätten, so seien es heute die digitalen Medien, die ein neues Zeitalter einläuteten: „Die neuen Mediengiganten heißen Apple, Facebook und Google. Sie stellen alle klassischen Medien-Unternehmen vor neue Herausforderungen“, sagte der Verleger. Dabei gingen die Änderungen bei den Medien immer auch mit Änderungen der Gesellschaft einher: „Denken Sie an die Debatten über Google Street View, denken Sie an die Demonstrationen gegen Stuttgart 21, die mit Hilfe von Twitter, Facebook, SMS und Handy eine vollkommen neue Qualität an Organisationsstruktur haben.“

Die neuen „maritimen“ Wege funktionieren anders und setzen ein anderes Wissen voraus: „Das ist eine andere Ökonomie“, so Burda. Fast alle Verleger hätten anfangs geglaubt, dass ihre teuer erstellten Inhalte auch im Netz vertrieben werden könnten. Doch dann kam Google und hätte die „Währung der Werbung“ vollkommen umgestellt: Anstelle von Reichweite oder Einschaltquote würden heute nur noch Klicks bezahlt.

Mit an Bord: die Heroen und die Kapitäne der neuen digitalen Zeit des Web 2.0

Der Burda-Medien-Konzern generiert mit Focus Online und internationalen Aktivitäten wie Xing, HolidayCheck oder Glam mittlerweile immerhin mehr als die Hälfte seines nationalen Umsatzes. Um auszuloten, wohin die neuen „maritimen“ Wege führen, veranstaltet das Unternehmen seit fünf Jahren eine Internetkonferenz über den digitalen Lifestyle, berichtete der Burda-Chef. Mit an Bord: die Heroen und die Kapitäne der neuen digitalen Zeit des Web 2.0.

Für Prof. Burda ist dies „eine der spannendsten Konferenzen, die es auf der Welt gibt“. Er setzt darauf, dass die Teilnehmer dieser Konferenz – die digitale Elite – seinem Haus die richtigen „Seewege“ in die Zukunft aufzeigen.

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