Bayerischer Landtag

13.04.2010 - Der Landtag im Gespräch mit . . . Norbert Reithofer, Vorstandsvorsitzender der BMW AG

Ein Top-Manager gab Einblick in die Strategie eines erfolgreichen Unternehmens: Norbert Reithofer, Vorstandsvorsitzender der BMW-Group, war am 13. April 2010 Gast in der Veranstaltungsreihe „Der Landtag im Gespräch mit …“ 300 Zuhörer im Senatssaal des Maximilianeums verfolgten seine Rede unter dem Titel „Wirtschaft trägt Verantwortung für die Zukunft – Wege aus der Krise“.

– Von Katja Helmö –

Die weltweite Wirtschaftskrise, so der Vorstandsvorsitzende, habe die Prozesse des technologischen Wandels beschleunigt. Dies gelte auch für die Automobilindustrie. Der Münchner Hersteller von Premium-Fahrzeugen habe sich diesen Herausforderungen erfolgreich gestellt, zeigte sich Reithofer überzeugt: BMW sei nach der Krise ein besseres Unternehmen als vor der Krise.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm freute sich, mit Norbert Reithofer einen Gesprächspartner im Maximilianeum begrüßen zu können, dessen Unternehmen in Zeiten der Krise die richtigen Antworten für die Zukunft finden musste und diese trotz deutlicher Absatzeinbrüche und Kurzarbeit wohl auch gefunden habe: „BMW ist es gelungen, aus eigener Kraft und mit Weitsicht den veränderten Bedingungen mit jenen Werten zu antworten, die seit langem den unternehmerischen Grundsätzen entsprechen“, sagte Barbara Stamm in ihrer Begrüßung.

„Die Wurzeln unseres Unternehmens sind und bleiben in Bayern. Hier schlägt unser Herz.“

Norbert Reithofer griff die langjährige Tradition seines Unternehmens auf: Nur drei Prozent der deutschen Unternehmen seien über 50 Jahre alt. „Wir sind seit über 90 Jahren am Markt“, sagte der BMW-Vorstandsvorsitzende nicht ohne Stolz. Das Unternehmen habe den Wandel stets aufgegriffen sowie aktiv mitgestaltet und sich auf diese Weise vom Flugzeugmotorenhersteller im Jahre 1917 zum heute weltweit führenden Anbieter von Premium-Produkten und Premium-Dienstleistungen rund um die individuelle Mobilität entwickelt. Trotz der damit verbundenen Technologiesprünge und wachsenden Internationalisierung sei bei BMW der Blick auf die eigene Geschichte und Tradition nie verlorengegangen: „Die Wurzeln unseres Unternehmens sind und bleiben in Bayern. Hier schlägt unser Herz“, betonte der Vorstandsvorsitzende.

In der globalisierten Wirtschaft folge die Produktion dem Markt, erklärte Reithofer und verwies auf die steigenden Absatzzahlen in den USA und China, wo BMW Produktionsstandorte unterhält. Der bayerische Automobilhersteller sei aber auch deshalb im Ausland so erfolgreich, weil er Wurzeln habe und ausgehend davon agiere: „Deutsche Wertarbeit hat Wert“, betonte der Top-Manager und lobte an dieser Stelle die hoch motivierten, hervorragend ausgebildeten Ingenieure in Bayern.

Den hohen Stellenwert der Ausbildung habe BMW auch während der Krise unter Beweis gestellt: Das Unternehmen bildet 4000 Lehrlinge aus und stellte auch im Krisenjahr 2009 insgesamt 1000 Auszubildende neu ein – mit Blick auf den demographischen Wandel und eine alternde Belegschaft eine Zukunftsinvestition, zeigte sich der Manager überzeugt.

„Premium wird künftig nicht nur über die PS-Zahl, sondern viel stärker über Nachhaltigkeit definiert werden"

Als weitere wesentliche Voraussetzung für den unternehmerischen Erfolg von BMW nannte Reithofer die dauerhafte, vom Kunden wahrgenommene, Innovationsführerschaft. Auch in den Zeiten der Krise habe BMW an dieser Strategie festgehalten und gezielt Innovationen in Sachen Energie-Effizienz und Nachhaltigkeit vorangetrieben: „Premium wird künftig nicht nur über die PS-Zahl, sondern viel stärker über Nachhaltigkeit definiert werden“, hob Reithofer hervor. Noch vor drei Jahren sei der Kraftstoffverbrauch kein großes Thema gewesen. Heute stünden reduzierter Kraftstoffverbrauch und niedriger CO 2-Ausstoß bei den Anforderungen weit oben. Die Kunden verlangten verstärkt nach Hybrid-Antrieben und verbänden damit den Wunsch, sich „politisch korrekt“ fortzubewegen.

Was die Elektromobilität anbelangt, so werde BMW in diesem Jahr mit der Produktion sogenannter „Megacity Vehicles“ beginnen, kündigte der Manager an. Die „Megacity Vehicles“ sollen vor allem in urbanen Ballungsräumen zum Einsatz kommen und mit einem reinen Elektroantrieb oder einem extrem effizienten Verbrennungsmotor ausgestattet werden. Die Luft in den großen Metropolen solle sich so verbessern. In diesem Zusammenhang stünden auch die 2009 gestarteten, großangelegten Feldversuche für den MINI E mit Elektroantrieb. „Der MINI E wurde in einer Kleinserie von 612 Stück produziert und an Kunden verleast. Ihre Rückmeldungen liefern inzwischen nicht nur einen wichtigen Beitrag für die nächste Entwicklungsstufe, sondern beweisen: E-Mobilität ist umsetzbar“, sagte Reithofer. Demgegenüber sei die Wasserstoff-Technologie derzeit für die Serienherstellung noch nicht bereit.

Das Automobil der Zukunft werde am Industriestandort Deutschland gebaut, bekräftigte der Vorstandsvorsitzende. BMW will dazu das BMW Werk Leipzig für die Produktion eines Elektroautos erweitern und auch in Bayern an mehreren Standorten investieren. So sollen in einem Joint Venture mit SGL Carbon, SGL Automotive Fibers GmbH & CoKG in Wackersdorf zukünftig Carbonfasergelege gefertigt, die im BMW Werk Landshut zu CFK-Komponenten für das neue Fahrzeug weiterverarbeitet werden.

Bild: Der BMW-Chef bei der Diskussion mit den Zuhörern. | Foto: Rolf Poss
Der BMW-Chef bei der Diskussion mit den Zuhörern. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

„Die Abwrackprämie hat BMW praktisch nichts gebracht“

In der anschließenden Diskussion unter der Moderation von Landtagspräsidentin Barbara Stamm hatten die Zuhörer dann die Möglichkeit, ihre Fragen direkt an den Vorstandsvorsitzenden zu richten. „Die Abwrackprämie hat BMW praktisch nichts gebracht“, beantwortete Reithofer eine entsprechende Frage. Demgegenüber habe die Einführung der Kurzarbeit BMW in der Krise sehr geholfen: „Wirtschaft und Politik haben bei der Verlängerung der Kurzarbeit erfolgreich an einem Strang gezogen.“ Bei BMW habe es keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben, allerdings habe das Unternehmen die natürliche Fluktuation genutzt, um die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren. Dadurch frei gewordene Stellen seien nicht mehr nachbesetzt worden. Insgesamt habe das Unternehmen die Krisenzeit genutzt, um die Effizienz bei allen betrieblichen Abläufen zu verbessern: „Wir haben die Krise erfolgreich beim Schopf gepackt.“
/kh

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