Bayerischer Landtag

26.05.2004 - Dialog der Kulturen (2): Religionsfreiheit heute – Situation und Rolle der Religion und der christlichen Kirchen in der pluralen Gesellschaft

Welche Möglichkeiten, welche Erwartungen, welche Grenzen haben die christlichen Kirchen in einer offenen, pluralen Gesellschaft und gegenüber dem zur weltanschaulichen Neutralität verpflichteten Staat?

Begrüßung und Einführung
Präsident Alois Glück

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich zu der zweiten Veranstaltung in unserer neuen Reihe „Dialog der Kulturen“. Der erste Abend mit dem Eröffnungsvortrag von Prof. Ulrich Beck hat ja großen Anklang gefunden und war eine Art Einführung und Bestandsaufnahme, vielleicht auch ein Stück Fundament für unsere weiteren Überlegungen.

Meine Damen und Herren, es werden wieder vermehrt Urlauber in die bayerischen Lande kommen. Viele Urlauber haben den Eindruck, Bayern sei noch eine heile und geschlossene Welt. Sie erleben äußerlich auch Prägungen, an denen die religiösen und traditionellen Bindekräfte sichtbar werden; aber sie sehen vielleicht weniger, dass neben dieser nach außen noch sehr deutlichen Prägung, jedenfalls in weiten Landesteilen, durchaus auch ein starker innerer Veränderungsprozess nicht nur in Deutschland, sondern auch in Bayern im Gange ist.

Die Hanns-Seidel-Stiftung hat im vorigen Jahr eine „Generationenstudie“ durchgeführt, die besonders dem Thema Heimat und Heimatgefühl in Bayern gewidmet war, wie es in verschiedenen Generationen empfunden und gesehen wird. Dazu wurden über 1800 Bewohner Bayerns mit deutscher Staatsangehörigkeit befragt zu ihren aktuellen Einstellungen zur Politik und zur Gesellschaft. Vor allen Dingen wurden die Bindungen an die Heimat erforscht, also was verbinden die Menschen selbst mit Bayern. Dabei war unter anderem sehr auffallend, dass bei der Frage: Zu welchen Institutionen, Interessengruppen haben Sie Vertrauen?, die Kirchen im unteren Drittel der Vertrauensquote lagen. Allerdings war das Vertrauen bei den Älteren deutlich größer, nämlich bei den über Sechzigjährigen lag die Zahl durchaus bei 40 %, bei den Jüngeren, den Sechzehn- bis Vierunddreißígjährigen, bei etwa 24 %. Größtes Vertrauen hatten das Bundesverfassunggericht und die Polizei. Bei der Spontanassoziation, also: Was sagen Sie auf Anhieb, was verbinden Sie mit Leben in Bayern?, antworteten 47 % „Kultur und Tradition“, und bei der Frage: Und was verbinden Sie damit?, folgten „Brauchtum, Trachten“ mit 25 %, „Biergarten und Essen“ mit 19 % - wahrscheinlich waren da viele Münchner dabei -, „Vereinsfeste“ mit 8 %, „Religion“ mit 5 %. Bei der Frage nach Einstellungen zum Leben in Bayern sagten allerdings wiederum 82 % - also stimmen der Aussage zu -, „Kirchen spielen eine wichtige Rolle in Politik und Alltag“. Offen ist aber die Frage, wie sie das bewerten und empfinden. 69 % stimmten der Aussage zu, dass Kirchen wichtig sind für den Traditionserhalt in Bayern, wobei man natürlich an der Stelle gleich fragen könnte, ob das dann für die Befragten die wichtigste Rolle der Kirchen ist. Oder bei der Frage: Was ist typisch bayerisch? „Die Lebensart“ - der Glaube war mit 6 % weit zurück. Andererseits sagt dann wieder ein sehr hoher Prozentsatz, dass die Bayern doch ein religiöses Volk seien – also eigentlich ein sehr differenziertes Bild.

Das bestätigt sich auch, wenn es um die Rolle der Kirchen geht, den Anspruch der Kirchen und was von ihnen erwartet wird. In Deutschland als Ganzem ist die Veränderung schon allein statistisch viel gravierender. 1970 gehörten noch fast 94 % der Bevölkerung einer der beiden großen Volkskirchen an, heute sind es noch 67 %, also rund zwei Drittel. 25 % sind konfessionslos, wobei hier natürlich die Wiedervereinigung das Bild sehr verändert hat. Aber das sind die äußeren Zeichen. Bei verschiedenen Themen können wir mittlerweile feststellen, dass durchaus eine Debatte aufkommt etwa über den Raum für religiöse Symbole im öffentlichen Leben. Auch in Bayern hatten wir ja die Auseinandersetzung um das Kruzifix in den Klassenräumen. Es ist durchaus eine Debatte im Gang, wenn heute öffentliche Gebäude errichtet werden, ob noch mit derselben Selbstverständlichkeit wie früher Kreuze in diese öffentlichen Räume kommen.

Wir erleben gegenwärtig auch eine teilweise ja doch recht kontroverse Debatte, wenn es um Europa geht. Inwieweit ist dieses Europa christlich geprägt – und dabei geht es nicht nur um das Thema Gottesbezug in einer Präambel. Wir haben eine öffentliche Debatte um die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union. Da gibt es auf der einen Seite natürlich die Frage, ob dies aus sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich ist. Aber letztlich geht es um die Frage: Ist das vereinbar mit der kulturellen Identität Europas? Gleichzeitig ist nach meiner Beobachtung zu spüren, dass eine wachsende Unsicherheit in unserem Land da ist bezüglich unserer Identität. Wenn man selbst unsicher ist, kann man kaum mehr einen Dialog führen; denn Dialog ist ja nur möglich, wenn man einen eigenen Standort hat und dann gleichzeitig offen ist für Werte und Positionen der anderen. Kurzum: Wir erleben in unserem Land durchaus eine sehr differenzierte Lebenssituation unterschiedlicher Wertvorstellungen und Lebensstile, und so gesehen schon einen sehr deutlichen Weg in die offene Gesellschaft. Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass das vielen in unseren Kirchen noch nicht bewusst ist, dass auch vielen Christen, denen ihre christlichen Werte wichtig sind - nicht nur für ihre persönliche Lebensgestaltung, sondern auch im Hinblick auf die Entwicklung von Gesellschaft und Staat - zu wenig bewusst ist, dass in der Gesellschaft und in der Welt von heute und angesichts der Trennung von Religion und Staat Traditionen nicht mehr per se ihre Wirkkraft und Bindekraft haben, sondern dass es zunehmend von der Qualität der Argumente von Christen abhängen wird, inwieweit ihre Wertvorstellungen Wirkung entfalten.

Wie sehen die Kirchen diese Situation? Das ist letztlich das Thema heute und das ist die Anfrage an unsere beiden Referenten, mit denen wir dann diskutieren werden: “Religionsfreiheit heute – Situation und Rolle der Religion und der christlichen Kirchen in der pluralen Gesellschaft“. Wie wird die Situation der pluralen Gesellschaft gesehen? Wird sie bejaht? Was wird daraus abgeleitet? Welche Möglichkeiten, welche Erwartungen, welche Grenzen haben die christlichen Kirchen in einer offenen pluralen Gesellschaft und gegenüber dem zur weltanschaulichen Neutralität verpflichteten Staat? Zu diesen Fragen haben wir unsere heutigen Referenten und Experten gebeten, einleitend Stellung zu nehmen.

Herr Dr. Hermann Barth ist seit 1993 Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland und Leiter der Hauptabteilung „Theologie und öffentliche Verantwortung“. Geboren in Ludwigshafen, Studium der evangelischen Theologie in Heidelberg, Edinburgh und Tübingen, in den Siebzigerjahren wissenschaftlich tätig am Alttestamentlichen Seminar des Fachbereichs Evangelische Theologie der Universität Hamburg, 1974 Promotion, 1978 bis 1985 Gemeindepfarrer in der Pfalz in Kerzenheim – ich habe festgestellt, das liegt zwischen Kaiserslautern und Mainz; dann können alle, die die Fußballbundesliga mit verfolgen, es besser einordnen -, beschäftigt sich seit 1986 vor allem auch intensiv mit bioethischen Fragen und war beteiligt an verschiedenen Erklärungen und Positionsbeschreibungen sowohl der evangelischen Kirche als auch beider Kirchen. Anfang des Jahres wurde Herr Dr. Barth vom Bundeskanzler in den Nationalen Ethikrat berufen. Sehr geehrter Herr Dr. Barth, wir begrüßen Sie hier sehr herzlich!

Ihr Partner katholischerseits ist Pater Dr. Hans Langendörfer, seit 1996 Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz. Geboren in Bonn, 1972 Eintritt in den Jesuitenorden, Studium in München und Frankfurt, 1979 Priesterweihe, 1981 bis 1986 Universität Bonn, dort wissenschaftlicher Assistent im Projekt „Ethische Probleme der Sicherheitspolitik“, Promotion im Fach Moraltheologie, von 1987 bis 1989 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundeskanzleramt, seit 1989 Leiter des „Foyers der Jesuiten“ in Bonn – das jetzt seit 1996 „Foyer für Gespräche zwischen Kirche, Gesellschaft und Politik“ heißt. Er arbeitet in verschiedenen Bereichen der kirchlichen Europaarbeit und ist auch seit 1998 Mitglied des Koordinationsrates des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds. Sehr geehrter Herr Dr. Langendörfer, herzlich willkommen hier in München!

Damit genug der Vorbemerkungen. Ich darf Herrn Dr. Langendörfer bitten zu beginnen, und dann Herrn Dr. Barth.

Vortrag
P. Dr. Hans Langendörfer SJ,
Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz

Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren!

„Störfaktor Religion“ - das war der Aufmacher der Osterausgabe der „ZEIT“ in diesem Jahr. Störfaktor Religion, das meinte sowohl die christliche Religion als auch in besonderer Weise die Muslime. Ist das - darüber wollen wir sprechen - die Situation der Religion, der Kirchen, in der Gesellschaft? Grundlegend neu wäre das, ein Störfaktor zu sein, freilich nicht. Denn seit seinen Ursprüngen ist das Christentum ja auch gewohnt, als störend wahrgenommen zu werden, und sein Begründer selber, Jesus Christus, Jesus von Nazareth, galt als Unruhestifter; und das hat ihm eben das Leben gekostet und seinen Weggefährten genauso, und seither vielen anderen Christen durch die Jahrhunderte.

Christen sollen ihr Leben von Christus und von seiner Sendung her verstehen, sagt die Kirche. Sie sollen sich nicht primär definieren von Erwartungen anderer her, sondern aus sich selbst heraus. Es liegt mir daran, das heute Abend in diesem Einführungsstatement zur Geltung zu bringen. Wenn das gilt, dann haben wir auch manchen Grund, uns nicht übermäßig und falsch zu beunruhigen, denn die Kirche - ich spreche jetzt primär für die Katholische Kirche - lebt aus einem ganz besonderen eigenen, ganz und gar verbindlichen, nicht beliebigen Angebot Gottes an die Menschen - und nicht aus den von außen an sie herangetragenen Nachfragen nach Dienstleistungen caritativer Art, religiöser Art usw.

Die Außenwirkung der kirchlichen Situation ist sehr verschieden. Im Inneren fällt mir auf - und das gehört zur Situation der Kirche in Deutschland - immer wieder ein Gemisch von bleischwerer Lähmung, die nach unten zieht, und Verunsicherung, auch von Freudlosigkeit; und dagegen ist überhaupt nicht anzukommen. Empfinden Sie das auch so? - Auch nicht durch eine lautstarke Gegenanstrengung, es doch nun mal mutig und forsch zu machen, wobei dieser Gegenanstrengung häufig auch eine gewisse Larmoyanz, vielleicht sogar ein Trotz inne wohnt.

Ich will in zwei kurzen Schritten diese Situation Störfaktor näher analysieren. Erst die Analyse der Situation - und dann von uns aus, von der Kirche selbst aus, ganz knappe Vorstellungen, welche Wege in die richtige Richtung weisen könnten. Denn es ist gefragt nach der Situation, und wie sie gestaltet werden soll.

Erstens - die nähere Analyse. Ich überschreibe sie: Zur Signatur der religiösen Situation in Deutschland. Da gibt es drei Punkte, die mir wichtig sind.

Erstens die Pluriformität des Religiösen: Eine fest geprägte Christlichkeit mit einer gerade im Katholizismus starken Verankerung in überlieferten Traditionen des Glaubens, des Betens, der Liturgie, der Moral, ist unter einen Druck geraten. Man sagt: unter einen Druck der Modernisierung. Im herkömmlichen Sinn religiös zu sein, ist weitaus weniger - der Herr Präsident hat das einführend auch schon dargestellt für Bayern - weniger normal als noch vor wenigen Jahren, zumal wenn man in den Blickwinkel nimmt, dass die neuen Bundesländer dazugekommen sind. Und wir im eigenen Bereich sind schon längst gewohnt, viele Abstufungen zu unterscheiden. Wir reden von Zugehörigkeit, von den kirchennahen Katholiken, den kirchenfern Christlichen, den nichtchristlich-religiös Eingestellten - ganz verschiedene Formen.

Die Beimischung fremder Elemente, auch modischer Elemente - denken Sie an das, was man „New Age“ nennt - in die religiöse Einstellung und Praxis ist nicht zu leugnen bis zu einem Gesamtbild, wo alles miteinander vermischt ist und verschwimmt. Und das ist eine Folge des Zuwachses, glaube ich, an gesellschaftlicher Freiheit, des Zuwachses an Entgrenzung im weitesten Sinn des Wortes. Zwar sagen uns einige, gerade in dieser Situation lägen religionsproduktive Kräfte, das produziert auch sich heraus neu Religiosität - mag sein, sage ich -, aber es ist auch wahr: Eine allgemeine, eine verfasste Kirchenpraxis schwindet dahin und damit auch Bande der Einigkeit in der Frage nach der religiösen Wahrheit.

Wenn ich dann noch das Wort aufgreifen darf, das fiel, von Traditionserhalt. Ich meine, Sie haben in Bayern schon einen Vorteil im Vergleich zu anderen Teilen der Bundesrepublik, den nämlich, durch eine sorgsame Pflege und Erneuerung des religiösen Brauchtums, das da ist, in manchem gegensteuern zu können, weil etwas bewahrt bleibt und in Erinnerung bleibt und verlebendigt werden kann, das mehr ist als an anderen Orten, wo gar nichts da ist. Es ist hier viel da. Generell aber gilt: Die Tradierung des Glaubens wird schwieriger, Gottesdienste leeren sich, die Kirchen haben ein demographisches Problem.

Mit der Pluriformität des Religiösen geht ein Zweites einher: Ich nenne es die Partikularisierung des Christlichen. Wir, die christlichen Kirchen, sind zwar unverändert die größten religiösen Organisationen in Deutschland, aber es gibt Konkurrenten und spezifische Mitbewerber. Und die Religion, die am stärksten deutlicher erkennbar wird, ist der Islam.

Es gab eine heftige, manchmal nervöse, insgesamt aber außerordentlich heilsame Diskussion über den Verfassungsvertrag der Europäischen Union und seine Präambel. Diese Debatte hat gezeigt, wie sehr das Christentum heute als eine von mehreren Religionen, eine von mehreren geistig-religiösen Traditionen gesehen wird. Sie hat gezeigt, wie die besondere Herausstellung des Christentums im Namen der Gleichbehandlung auf Kritik stößt. Was omnipräsent ist, ist der Verdacht der Privilegierung des Christlichen und der Diskriminierung anderer Religionen. Und daran ändert auch nichts - das müssen wir selbstkritisch sagen - die klare theologische Position der Kirche zur Religionsfreiheit als Menschenrecht, das jedem zusteht, der Menschenantlitz hat, die klare Position im interreligiösen Dialog.

Dies führt dann zu einem Dritten: Nach der Pluriformität der Religionen und der Partikularisierung des Christlichen ist das Dritte die Neuauslegung der Religionsfreiheit. Im theologischen Verständnis der Kirche, im Rechtsverständnis dieses Landes haben Staat und Religion verschiedene Wurzeln. Aber sie haben doch manches, ja vieles gemeinsam, weil es beiden um denselben geht, nämlich den Bürger, den Menschen. Das geltende Recht räumt den Religionsgemeinschaften, den Kirchen, auch die Möglichkeit ein zu einer breiten öffentlichen Präsenz, zu einer großen Wirksamkeit. Was wir die korporative Dimension der Religionsfreiheit nennen, die Kirchenfreiheit, dass man sich mit anderen zusammentut, dass man gemeinsam den Glauben bekennt, lebt, praktiziert, diese korporative Dimension der Religionsfreiheit ist in Deutschland stark ausgeprägt. Und das, was man positive Religionsfreiheit nennt, hat nichts mit Wertungen zu tun, sondern positive Religionsfreiheit meint, dass ich mich wirklich bekennend in der Öffentlichkeit äußern kann und das andere in Kauf zu nehmen haben, dass sie mit meinen religiösen Äußerungen auch in Kontakt kommen. Aber diese Freiheit, sich auszudrücken, ist in Turbulenzen geraten. Dafür ist in besonderer Weise der hier in Bayern ausgefochtene Streit um die Rechtmäßigkeit des Aufhängens von Kreuzen in Unterrichtsräumen staatlicher Schulen ein Beispiel, neben anderen. Auch im Hinblick auf die Frage, ob muslimische Lehrerinnen im Dienst ein Kopftuch tragen dürfen, heben wir auf katholischer Seite - überwiegend jedenfalls - sehr stark die positive Religionsfreiheit hervor: Dass man seinen Glauben auch zeigen können müsse. Deshalb bezieht man auf katholischer Seite überwiegend deutlich eine Haltung, wonach auch in Bezug auf das Kopftuch viel Freiheit bestehen sollte, ohne dass wir dabei kurzatmig die notwendigen Unterscheidungen zu den Berufspflichten und Loyalitätsobliegenheiten des Beamten, die Unterscheidungen zur Ambivalenz des Symboles Kopftuch oder die Frage des Schulfriedens übersehen würden.

Jedenfalls aber, ohne dass es hier eine Festlegung bei uns gebe auf eine Regelungsoption, eines wollen wir nicht: nämlich das, was im Berliner Gesetzesentwurf niedergelegt ist, wonach in allen Kernbereichen des Staatsdienstes sichtbare religiöse oder weltanschauliche Symbole, auffallende religiöse Bekleidung verboten werden sollte – à tout prix. Ich glaube, hier wird die bloße Möglichkeit eines Konflikts, die bloße Möglichkeit einer Gefährdung im Übermaß zum Bezugspunkt gemacht, und darin sehe ich eine fundamentale Schwächung der positiven Religionsfreiheit, sich zu äußern.

Gewiss wird die für Deutschland typische Form der Religionsfreiheit bewahrt bleiben. Für eine Änderung des Grundgesetzes gibt es gar keinen überzeugenden Grund und auch keine Mehrheit nach meinem Verständnis. Aber die Verhältnisse ändern sich, und sie verändern sich auch unter dem Einfluss des europäischen Rechts, unter dem Einfluss einer traditionellen, allmählich erst überwundenen Blindheit des europäischen Rechts für die Kirchen und Religionsgemeinschaften. Gerade deswegen ist die in Aussicht genommene Bestimmung des Verfassungsentwurfes, der jetzt wieder auf die Tagesordnung kommt, zur Bewahrung der mitgliedstaatlichen Regelungen, der Vorkehrungen, die in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union getroffen sind hinsichtlich Kirche und Staat, für uns sehr bedeutsam: dass diese Freiheit der Mitgliedstaaten erhalten bleibt, ihre Verhältnisse so zu regeln, wie es bei ihnen üblich ist.

Das waren drei Analysepunkte. Und jetzt mache ich kurze Bemerkungen, wie es zu einem Neuaufbruch nicht allgemein des Religiösen, sondern des christlich Katholischen - und das ist hier meine Aufgabe - kommen könnte. Ich skizziere zum Negativen wie zum Positiven hin einen möglichen Neuaufbruch.

Erst zum Negativen hin: Im allgemeinen öffentlichen Verständnis, auch in der Art und Weise, wie wir uns selber aufführen als Kirche, gibt es eine gewisse Tendenz, die Kirche sehr stark einzubinden in das Konzept der „intermediären Kräfte“ zwischen dem Einzelnen und dem Staat, das Konzept der „Zivilgesellschaft“, und die Kirche da zu verorten. Das ist natürlich sinnvoll, wenn man angesichts von Verschiebungen der Aufgaben und des Verständnisses des Staates, in Anbetracht auch der Aufwertung nichtstaatlicher Kräfte, hier den Ort der Kirche erneut bedenkt und bestimmt. Aber ich glaube, eine Glaubensgemeinschaft, die ja eine religiöse Überzeugung vortragen will, sollte sich nicht selbst in Bezug auf ihre öffentliche Funktion sehr stark anderen zuordnen, anderen gleichordnen, weil die Mission einer Kirche – die „missio“ sozusagen - anderer, nämlich religiöser Art ist. Ich füge ausdrücklich hinzu, damit ist nichts gesagt an die Adresse der caritativen Dienste und Einrichtungen der Kirche - die Kirchen sind einer der größten Arbeitgeber in Deutschland -, als ob das alles nicht wertvoll oder sogar fragwürdig wäre. Im Gegenteil: Auch wenn man der Zuordnung zum Konzept der Zivilgesellschaft gegenüber skeptisch ist, das Caritative kann ein bedeutsames Glaubenszeugnis anbieten, aber wir müssen immer auch daran gemessen werden, ob und inwieweit wir unsere kirchlich-caritativen Dienste und Einrichtungen auch innerlich prägen können.

Zweiter kurzer Skizzenpunkt: Überhaupt ist daran zu erinnern, dass - seien Sie nicht überrascht -, die breite öffentliche Akzeptanz der Kirche nach eigenem Verständnis nur eine zweite, unterstützende, aber nicht primäre, konstitutive Bedeutung haben sollte. Natürlich ist es gut, dass der Erzbischof von München und Freising oder der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz oder der Ratsvorsitzende der EKD Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind, dass sie Wertschätzung erfahren wegen ihres Amtes und wegen ihrer eigenen Person auch. Und ich finde es auch gut, dass die Kirche bei gewissen Themen in der Gesetzgebung und allgemein in der Politik, in den Medien, im wissenschaftlichen Leben, im kulturellen Leben als gesellschaftlich relevante Gruppe auch besondere Möglichkeiten der Mitverantwortung hat. Gerade im Blick auf Länder, in denen die Kirche eine religiöse Minderheit ist - und wir wissen, wovon wir reden, wenn wir sagen: religiöse Minderheit zu sein; das gibt es in sehr, sehr vielen Ländern -, gerade im Blick auf diese Länder, wo es entsprechende Möglichkeiten der besonderen Mitverantwortung nicht gibt, in denen die Religionsfreiheit im Argen liegt, sind wir für diese Möglichkeiten dankbar, und man muss doch hinzufügen: Die Kraft der Kirche entscheidet sich nicht primär an ihrem öffentlichen Standing, auch wenn breite Akzeptanz richtig theologisch begründet ist. Es mag vielleicht überraschen, wenn man aus dem Mund von Personen diese Bemerkung hört, die vom Nutzen öffentlicher Reputation wissen und sich um die Mehrung der Akzeptanz der Kirche auch mühen sollen. Aber ist diese Bemerkung über die relative Bedeutung des öffentlichen Standing dennoch ganz falsch?

Dritte negative oder dritte kurze Bemerkung der Skizze: Es gibt in Deutschland seit einiger Zeit wegen der allgemeinen religiösen Entwicklung, wegen der Bevölkerungsentwicklung, wegen des Steuerrechts und aus anderen Gründen viele Gründe, über die wirtschaftliche Lage der Kirche zu sprechen. Und das ist in Anbetracht mancher - übrigens auch hier in Bayern - zu beklagender Krisenfälle notwendig und berechtigt. In der katholischen Kirche zeigt sich mehr und mehr - das kann ich feststellen - ein Bemühen um finanzielle Transparenz, um Vergleich und Absprachen im diözesanen Bereich, auf Bundesebene. Es gibt Sparprogramme, Sanierungsprogramme, Reduzierung der Aktivitäten, Personalabbau, Vermögensveräußerungen, in nördlichen Diözesen mehr als in südlichen. Das alles aber sollte nicht zu dem Missverständnis führen, als sei die Zukunft der Kirche in erster Linie ein ökonomisches Problem, als habe man durch eine konsolidierte wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Kirche die Zukunft bereits gewonnen. Das wäre eine Ökonomisierung des Religiösen - abermals in einem sehr fragwürdigen Sinn.

Drei kurze Bemerkungen in die positive Richtung: Ich habe das Problem der Zivilgesellschaft erörtert. Ich habe die relative Bedeutung öffentlichen Einflusses diskutiert und etwas über die relative Bedeutung des Geldes. Zum Positiven: Grundlegend ist, eine unterscheidende und eigene Rolle spielt jede Religion, spielt das Christentum im Kontext einer ganz bestimmten Frage, nämlich der Gottesfrage. Der Frage nach Gott. Der Frage nach Dem, der größer ist als unsere Welt und unser Leben, dessen Möglichkeiten unsere Möglichkeiten überschreiten, der den Tod als Gesetz dieser Welt überwindet und der „den“ Menschen, und - ich sage noch einmal – jeden, der Menschenantlitz trägt, liebt und bewahren will. Gott und Mensch, Endlichkeit und Ewigkeit: davon zu reden und zu handeln, auch liturgisch betend, ist die Sendung der Kirche. Und in diesem Sinn soll sie tiefgreifend zu Lebenszufriedenheit, Lebensfreude, Hoffnung, Gemeinschaft beitragen oder auch Störfaktor da sein, wo die Kräfte des Todes, des Zynismus, der Verzweiflung ihren Einfluss zeigen.

Zweiter Punkt in diese Richtung: Das ist keine unpolitische Mission/Sendung. Die deutschen Bischöfe haben immer gesagt, sie sähen es als ihre Aufgabe an, Politik möglich zu machen. Das kirchliche Engagement geht aber weit darüber hinaus. Es zeigt sich auf vielen politischen Feldern. Ich nenne nur zwei neben anderen, die auch genannt werden könnten: Erstens den Bereich des Schutzes menschlichen Lebens vom Anfang bis zum Ende und im Blick auf die grundsätzlichen Lebensmöglichkeiten. Die Fälle für das kirchliche Handeln, auch das kirchliche anwaltschaftliche Handeln im Blick auf den Lebensschutz, reicht von der Beteiligung an der bioethischen Debatte über das Streiten in Fragen der Intensivmedizin bis zu zahllosen politischen und praktischen Aktivitäten im internationalen Bereich. Ich schließe auch bewusst vor dem Hintergrund der vielen, vielen Diskussionen der letzten zwei Jahre die Frage nach einem Frieden in Gerechtigkeit mit ein. Das ist die erste Frage: die Frage des Schutzes des menschlichen Lebens.

Der zweite Bereich, wo man die politische Relevanz des hier auch Gesagten erkennt: Er bezieht sich auf den gesamten umfänglichen Bereich von Ehe und Familie. Im gesellschaftlichen Wandel darf sich nicht die dauerhafte und zuverlässige Bindung von Mann und Frau aneinander und an die eigenen Kinder weiter lockern. Sie muss stark sein, sie muss Hilfe bekommen, sie muss gestärkt werden, und zwar in vielen Bezügen bis hin zur Sozial- und Bildungspolitik.

Ein letzter kurzer Punkt: Das Katholische lebt immer - viele von Ihnen wissen das - in der kirchlichen Gemeinschaft, im gemeinsamen Glaubensleben, im Miteinander von kirchlichem Amt und Laien, auch in Strukturen und deren Gesetzen, im Gefüge von Ortskirche und Weltkirche in Rom. Dabei ist zu spüren, das Christliche, das Katholische lebt aus der Glaubwürdigkeit der Kirche als Ganzer, aber auch aus dem Beispiel von vielen einzelnen, die überzeugend und glaubhaft sind. Und das ist eine ganz große Herausforderung für uns. Letztlich hat sich der Glaube immer stark auf das Zeugnis der Menschen gestützt, der Gläubigen, auf die Hingabe einzelner, auf, wie man heute modisch vielleicht sagen würde: burning people, denen man es wirklich anmerkt. Die Tatsache, dass wir in jüngster Zeit unter dem persönlichen Versagen einzelner, besonders auch Geistlicher, nicht wenig leiden mussten, dass wir an Glaubwürdigkeit persönlicher Art verloren haben, bestätigt die Bedeutung - lassen Sie es mich einmal fromm ausdrücken -, auch der persönlichen „Heiligkeit“ für den christlichen Glauben, der persönlichen Authentizität von Laien und Priestern, die den Glauben in ihre Lebenswelt und Alltagskultur tragen.

Das sind sehr knappe Hinweise darauf, wie die Rolle und die Aufgabe der Kirche von innen heraus neu bestimmt werden können – Bemerkungen, die ergänzungsbedürftig sind. Sie sollen zeigen, wie die Kirche produktiv mit einer Gegenwartssituation umgehen kann, in der sie vielleicht zunehmend als Störfaktor erlebt wird, der sie auch sein darf. Das Katholische wird in Deutschland künftig weniger mit hauptamtlicher Arbeit, weniger mit sozialen Einrichtungen, mit Immobilien verbunden sein, es wird in Vielem kleiner gesetzt sein. Es wird mehr als bisher auf das freiwillige und generöse Mittun einzelner gestützt sein. Damit spreche ich jetzt nicht einfach heute Abend für „Small is beautiful“. Ich meine auch unser Bestreben, gerade unser Bestreben, den Glauben stärker selbstbewusst missionarisch nach vorne zu tragen. - Eine Vision, die hoffentlich soviel Frische freisetzt, dass viel Gegenwind in Gesellschaft und Staat und in allen Ambivalenzen der modernen Welt an Bedeutung verlieren.

Vortrag
Dr. Hermann Barth,
Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland

Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren,

wenn zwei Referenten über dasselbe Thema sprechen sollen, kann man sich dafür entscheiden sich sorgfältig abzustimmen und die Themenfelder säuberlich aufzuteilen. Pater Langendörfer und ich haben uns für einen anderen Weg entschieden; wir haben es darauf ankommen lassen. Sie werden erleben, dass wir bei breiter, sachlicher Übereinstimmung sehr verschiedene Zugänge gewählt und sehr unterschiedliche Akzente gesetzt haben. Es erleichtert Ihnen vielleicht auch das Zuhören bei einem nun zweiten Redebeitrag dieses Abends.

Der Abspann des Luther-Films, der seit dem vergangenen Herbst in den Kinos mit großem Publikumserfolg gelaufen ist, beginnt mit folgendem Satz: „Was in Augsburg geschah, öffnete das Tor zur Religionsfreiheit und veränderte die Welt.“ Das Stichwort „Augsburg“ nimmt Bezug auf den Augsburger Reichstag von 1530, mit dem der Luther-Film schließt, und steht als Kürzel für die von Luthers Person und Werk ausgelöste reformatorische Bewegung.

Also die lutherische Reformation als Wegbereiter und Türöffner für das Menschenrecht der Religionsfreiheit? Schön wär’s. Gewiss hat die Reformation die Welt, sprich: das Abendland, verändert. Sie hat, gegen ihren Willen, die innere Einheit des corpus Christianum aufgelöst und eine konfessionelle Vielfalt herbeigeführt, mit der sich konkret die Frage der Religionsfreiheit stellte. Auch hat sie, etwa durch die Berufung auf das Gewissen, gegen das „zu handeln weder sicher und heilsam“ sei, Gedanken hervorgebracht, die auf die Gewährleistung von Glaubensfreiheit, Bekenntnisfreiheit und das Recht auf freie Religionsausübung, also die drei Grundelemente der Religionsfreiheit im modernen Sinne, drängen. Aber aktiver Wegbereiter und Türöffner für die Religionsfreiheit? Da würden sich die evangelischen Kirchen mit fremden Federn schmücken.

In einem Beitrag über das „Problem der Toleranz im 16. Jahrhundert“ hat der evangelische Kirchenhistoriker Heinrich Bornkamm 1961 die ernüchternde Feststellung getroffen: „Der Gedanke, dass der Glaube um seiner selbst willen dem Andersdenkenden die Freiheit für Glauben und Gottesdienst einräumen solle, war für die Zeit unvollziehbar und ist es zum Teil bis heute geblieben. So war das Feld frei für die Motive einer Toleranz aus Relativismus und Skepsis … Sie bestimmten den Weg in die Zukunft … Freilich“, so immer noch Bornkamm, „die Tatsache, dass es zu einer Toleranz aus dem Zweifel kam, weil der Weg zur Toleranz aus dem Glauben nicht gefunden worden war, bedeutete nicht nur einen fürchterlichen Kurssturz für die überlieferten Glaubensformen, sondern bei vielen auch für die Religion selbst“.

Was sich im 16. Jahrhundert als einer der Beweggründe für die Gewährung von Religionsfreiheit herausbildete, ist bis in die Gegenwart wirksam geblieben: Relativismus, Zweifel, Indifferenz. Der religiöse Streit, sagt man, bleibe unentscheidbar. Auf dem Feld der Religion gebe es keine Gewissheiten und Verbindlichkeiten; sie sei letztlich Privatsache, und darum könne man die, die Religion haben und zu brauchen meinen, gewähren lassen. Robert Leicht hat kürzlich diese Begründung der Religionsfreiheit auf die Formel gebracht: „Lass sie doch - wenn sie wollen!“ Und er fährt fort: „War die Religion noch bis in die Anfänge der Bundesrepublik der kämpferischen Abwehr wert gewesen, so hätte am Ende des 20. Jahrhunderts ein Kampf gegen die Religion wie einen Kampf gegen die Flügel längst stillgelegter Windmühlen gewirkt: Mit der etablierten Religion hatte sogar der militante Atheismus an Provokanz verloren.“

Aber man beachte wohl: Robert Leicht spricht über diese Situation als eine vergangene, bereits überholte. Einige „externe Schocks“, wie er das in der Sprache der Ökonomie nennt, nötigen zu der Einsicht: Die Gewährung der Religionsfreiheit aus Indifferenz genügt nicht mehr, ebenso wenig ein aus Indifferenz und Relativismus herauswachsender Pluralismus der Beliebigkeit.

Und an dieser Stelle setzen meine Überlegungen zu dem für heute Abend gestellten Thema ein. Sie gliedern sich in drei Abschnitte und behandeln die Fragen:

Erstens: Warum eine Begründung der Religionsfreiheit aus Indifferenz nicht genügt.

Zweitens: Welche Art von Pluralismus wir brauchen und wie wir mit ihm umgehen.

Drittens: Was die evangelische Kirche und Theologie zur Begründung der Religionsfreiheit aus dem Glauben selbst heraus beitragen können.

I.

Bei den diesjährigen „Essener Gesprächen zum Thema Staat und Kirche“ hat sich der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof stark dafür gemacht, dass der Staat des Grundgesetzes das Recht und die Pflicht habe, im Blick auf Religionsgemeinschaften und religiöse Äußerungen Unterschiede zu machen. Folgt man diesem Gedanken, so gerät man in schwierige Abwägungsprozesse zwischen der Gewährleistung des Menschenrechts der Religionsfreiheit auf der einen und der Bestimmung ihrer Grenzen auf der anderen Seite. Eine Einschränkung der Religionsfreiheit wird dabei immer nur die ultima ratio darstellen können. Für das Grundrecht der Religionsfreiheit kennt das Grundgesetz keinen Gesetzesvorbehalt. Grenzen findet es deshalb nur dort, wo die Gewährleistung anderer Grundrechte auf dem Spiel steht. In den vergangenen Jahrzehnten fiel es der Gesetzgebung, der Rechtsprechung und der Politik relativ leicht, sich unter Berufung auf die weltanschauliche Neutralität des Staates aus der Beurteilung religiöser Angelegenheiten herauszuhalten. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass in der Bundesrepublik Deutschland Religionsgemeinschaften und religiöse Äußerungen dominierten, die mit den vom Grundgesetz repräsentierten Werten weitgehend im Einklang stehen. Insofern kam man – sofern man nicht ohnehin ein positives Verhältnis zur Religion hatte – mit der bereits zitierten Formel durch: „Lass sie doch - wenn sie wollen!“ Aber mit dieser indifferenten Haltung ist es unwiderruflich vorbei. Das unkritische Sympathisieren mit der Entstehung einer multireligiösen Gesellschaft hat sich als naiv erwiesen. Die Auseinandersetzungen etwa um die so genannte Scientology Church waren wie ein erstes Wetterleuchten. Spätestens die Konfrontation mit einem fundamentalistischen Islam, der selbst Akte des Terrors religiös legitimiert, macht es unausweichlich, der Religion – das gilt nun keineswegs nur für die neuen und die fremden religiösen Erscheinungsformen – nicht mehr mit Indifferenz, sondern mit der Kraft zur kritischen Unterscheidung zu begegnen.

Diese Kraft zur kritischen Unterscheidung muss sich in zwei Richtungen bewähren: Staat und Gesellschaft müssen erstens wachsam sein gegenüber religiös motivierten Äußerungen, die die Grundlagen der mit dem Grundgesetz geschaffenen Ordnung ablehnen und bekämpfen. Sie haben aber zugleich zweitens ein Interesse, ein positives Interesse an solchen religiösen Kräften, die die Voraussetzungen schaffen und erhalten, unter denen die vom Grundgesetz intendierte Ordnung Bestand hat. Die Kraft zur kritischen Unterscheidung hat sozusagen eine negative und eine positive Stoßrichtung.

In seinem bereits zitierten Beitrag hat Paul Kirchhof an einer Reihe von aktuellen Beispielen anschaulich gemacht, welche kritischen Fragen der Staat des Grundgesetzes heute stellen muss: ob eine religiöse Überzeugung ihren Anhängern die Teilnahme an demokratischen Wahlen empfiehlt oder untersagt; ob eine religiöse Überzeugung jedem Menschen als Ebenbild Gottes die gleiche Würde zuspricht oder den Gegner als Schädling begreift, den es zu vernichten gilt; ob eine religiöse Überzeugung die Gleichheit von Mann und Frau fordert oder von der Frau eine lebenslange Unterordnung erwartet; ob eine religiöse Überzeugung für Religionsfreiheit oder Staatsreligion für das umfassende Gewaltverbot im Sinne der Charta der UN oder die Möglichkeit „Heiliger Kriege“ eintritt.

Jeder wird diese Andeutungen selbst auf bestimmte Kontroversen in der öffentlichen Debatte und auf bereits entschiedene oder noch anhängige gerichtliche Verfahren beziehen. In diesem Zusammenhang gehört nicht zuletzt der Kopftuch-Streit. Ich teile die Position derer, die das Kopftuch nicht für eine harmlose Textille halten und darum das Tragen des Kopftuchs durch eine muslimische Lehrerin nicht schon durch die Berufung auf die positive Religionsfreiheit als legitimiert ansehen. Das Kopftuch hat neben seiner religiösen und kulturellen Bedeutung zugleich Signalcharakter für eine Sicht des Verhältnisses von Mann und Frau, die der vom Grundgesetz garantierten Gleichstellung stracks zuwiderläuft. Dem Rang der Religionsfreiheit sowohl im Grundgesetz als auch in den Menschenrechtskonventionen wird es allerdings nicht gerecht, wenn das Tragen des Kopftuchs durch eine muslimische Lehrerin pauschal als politisches Signal interpretiert und auf Verdacht mit einem generellen Verbot belegt wird. Vielfach wird die Gefahr unterschätzt, dass mit einem solchen Vorgehen das Modell des Laizismus an Boden gewinnen und im Ergebnis eine Tendenz gefördert werden könnte, die öffentliche Schule, jedenfalls was die Ausstattung des Schulgebäudes und die Äußerungen der Lehrerinnen und Lehrer angeht, von allen religiösen Bekenntnissen zu reinigen und zu einem religiös aseptischen Raum zu machen. Ich spreche mich mit anderen Worten im Kopftuch-Streit für den Weg gerichtlich überprüfbarer Einzelfallentscheidungen aus.

Auch wenn der Staat nötigenfalls einem Verhalten entgegentreten muss, obwohl er sich auf die positive Religionsfreiheit beruft, bleibt er doch auf der anderen Seite generell darauf angewiesen, die Pflege und öffentliche Artikulation religiöser Traditionen zu ermöglichen und unter Beachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes aktiv zu fördern. Denn darauf beruhen und daraus entstehen jene „Voraussetzungen“, von denen „der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt“ und „die er selbst nicht garantieren kann“.

Dieses Diktum von Ernst-Wolfgang Böckenförde hat für viele Jahrzehnte das politische und geistige Klima in unserem Land sowohl geprägt als auch repräsentiert. In diesem Klima war es eine Selbstverständlichkeit, die Partnerschaft zwischen dem Staat und den Religionsgemeinschaften zum beiderseitigen Nutzen aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln und sich vom Modell der laizistischen Trennung zwischen Staat und Kirche bewusst abzusetzen. Selbstverständlichkeiten halten nicht ewig. Das ist normal. Aber es lohnt, sich das, was sich einmal von selbst verstand, neu anzueignen.

Eine gute Gelegenheit bietet der vor einem Monat hier in München in einer großen überregionalen Tageszeitung erschienene Beitrag von Burkhard Müller. In einer Mischung von Stolz und Trotz verkündet er darin: Wir sind Heiden. „Europa hat die Nabelschnur zur Religion, die es durch die tausendjährige Schwangerschaft des Mittelalters getragen hat, endgültig durchtrennt.“ Was an diesem Beitrag so ärgerlich ist, ist die Leichtfertigkeit, mit der die möglichen Beiträge des Christentums zur persönlichen Lebensorientierung und zur Bildung eines gesellschaftlichen Grundkonsenses über das, was sich gehört, abserviert werden. Aus welchen Quellen speisen sich denn Bereitschaft und Fähigkeit, sich der Schwachen anzunehmen? Auf welchem Nährboden wächst eine Kultur der Barmherzigkeit? Wo lernt man es, den Blick für das fremde Leid zu bewahren? Welche Orte, welche Rituale, welche Texte sind es denn, die es Menschen nach einer Katastrophe wie dem 11. September oder dem Amoklauf in einem Erfurter Gymnasium erlauben, mit ihren Gefühlen zurechtzukommen, ihre Sprachlosigkeit zu überwinden und vielleicht sogar neues Zukunftsvertrauen zu gewinnen? Ich behaupte nicht, die Orientierung an der christlichen oder der jüdisch-christlichen Tradition bringe verlässlich oder gar automatisch solche Resultate hervor. Ein Blick auf die deutsche Geschichte, aber auch auf das gegenwärtige politische Klima in den USA macht da bescheiden. Ich sage auch nicht, für alle die beschriebenen Anforderungen stehe nur die jüdisch-christliche Tradition zur Verfügung. Ein solcher Exklusivitätsanspruch ist nicht gedeckt. Aber so sehr viele geistige Ressourcen und kulturelle Kräfte, auf die wir in diesen Fällen rechnen dürfen, haben wir doch nicht. Und darum ist es eine Geschmacklosigkeit, die behauptete Durchtrennung der Nabelschnur zum Christentum auch noch zu feiern. Europa, so Burkhard Müller, sei auf diese Weise „zur Welt gekommen“. Es kommt vielmehr darauf an, die Quellen, aus denen sich unsere persönliche Lebensorientierung und der gesellschaftliche Konsens speisen können, neu zu erschließen und sie wieder stärker zum fließen zu bringen.

Welche Kraft dann die christliche Tradition heute und in der Zukunft entfalten wird, hängt in erster Linie davon ab, dass die Christen und die Kirchen überzeugend und selbstbewusst für ihre Sache einstehen. Aber sie bleiben auch darauf angewiesen, dass der Staat die von ihm übernommenen Verpflichtungen erfüllt und aus dem Wissen heraus was er als Staat daran hat, den Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an den öffentlichen Schulen bewahrt, arbeitsfähige theologische Fakultäten an den Universitäten, als Ort, an dem die christliche Religion wissenschaftliche Selbstaufklärung betreibt und sich dem kritischen Dialog mit den Wissenschaften stellt, erhält oder - um ein letztes Beispiel zu nennen - die Sonn- und Feiertage „als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ wirksam gesetzlich schützt.

II.

Es entspricht der kulturellen und gesellschaftlichen Situation Deutschlands, wenn ich den Blick immer wieder vorrangig auf die christlichen Kirchen richte. Sie sind unter den Religionsgemeinschaften hierzulande die mit Abstand wichtigste Größe. Aber die Verhältnisse beginnen sich zu ändern. Zum einen, weil die Anhänger anderer Religionsgemeinschaften ins Land gekommen sind, zum anderen, weil die Mitgliederstärke der christlichen Kirchen bezogen auf die Gesamtbevölkerung abnimmt. Der religiöse und weltanschauliche Pluralismus hat deutlich zugenommen und wird sich weiter verstärken. Umso dringlicher ist die Frage: Welchen Pluralismus wollen wir? Und wie gehen wir mit der Situation des Pluralismus um?

Die Zustimmung, die der Pluralismus findet, hängt damit zusammen, dass er es erlaubt, der Einsicht gerecht zu werden: Die Wahrheit hat viele Seiten. Ich meine diesen Satz nicht in einem skeptischen oder gar zynischen Sinne. Mir geht es um die Einsicht, dass in dieser Welt keinem von uns die ganze Wahrheit zugänglich ist und wir darum in Selbstbegrenzung und Demut auch auf andere Seiten der Wahrheit zu sehen und zu hören haben. Keine einzelne Person, keine gesellschaftliche Gruppe, keine Weltanschauung, keine Konfession verfügt über die Wahrheit. Diese Einsicht hat, weil sie auf der Einschärfung des Unterschieds zwischen Mensch und Gott beruht, theologische Qualität, und darum steht es gerade den Kirchen gut an, der Sehnsucht nach der einfachen Wahrheit und damit der fundamentalistischen Versuchung zu widerstehen und den Pluralismus zu pflegen.

Das ist politisch wichtig, denn ohne Pluralismus gibt es keine freiheitliche Demokratie. Es ist für die Kirchen selbst wichtig. Auseinandersetzungen über das rechte Verständnis des christlichen Glaubens und die angemessene Ordnung der Kirche sind kein Betriebsunfall, kein Unglück, das besser zu vermeiden wäre, sondern Konflikte dieser Art gehören zum Weg der Kirche durch die Geschichte untrennbar dazu.

Zustimmung zum Pluralismus versteht sich, weil er anstrengend ist, nicht von selbst. Er ist nicht das freundliche und nette Miteinander, bei dem man auch bei unterschiedlichen Meinungen schiedlich-friedlich miteinander umgeht. Er ist der im labilen Gleichgewicht gehaltene Wettstreit gegensätzlicher Kräfte. Und darum ist auch die Versuchung so groß, sich in dem sicheren Hort der einfachen Wahrheit zu flüchten. Deshalb kommt es so sehr darauf an, dass Kräfte da sind, die den Pluralismus nicht bloß hinnehmen, sondern aus Überzeugung wollen und ihn pflegen.

Pluralismus bedeutet nicht Grenzenlosigkeit. Das ergibt sich allein schon daraus, dass der Pluralismus eine Situation, die seinen Streit der Überzeugungen abschaffen und zur einfachen Wahrheit zurückkehren will, nicht akzeptieren kann. Wo die Grenzen zu ziehen sind, muss für jeden Bereich einzeln entschieden werden. Das Grundgesetz und insbesondere seine Grundrechte bilden gewissermaßen Grenzpfähle für das, was politisch und rechtlich in unserem Gemeinwesen akzeptiert werden kann. Es gibt Grundwerte, die auch dem Wert des Pluralismus vorgeordnet sind. Aber sie haben eben nicht automatisch Bestand; man muss für sie werben, für sie eintreten und notfalls für sie kämpfen.

Der Pluralismus lässt sich dadurch am wirkungsvollsten pflegen, dass die Fähigkeit der Menschen gestärkt wird, abweichende Überzeugungen auszuhalten, also: Toleranz zu üben. Unter Toleranz verstehen manche inzwischen: alles gutheißen und jedem Recht geben. Eine solche Haltung zu leben und Überzeugungen zu wechseln wie Modeartikel hat aber seinen Preis. Man wird als Chamäleon für andere undefinierbar und verleitet außerdem zur Intoleranz, denn wo nichts ist, braucht auch nichts respektiert zu werden. Recht verstandene Toleranz ist anspruchsvoller. Sie zielt auf das Aushalten und das Austragen der Differenzen. Sie erwächst aus der Demut gegenüber der Wahrheit und ist darum mit der abweichenden Überzeugung in der gemeinsamen Frage und Suche nach der Wahrheit und darum auch im Streit um die Wahrheit verbunden. Vor allem aber: Toleranz kann und wird sehr wachsam sein, wenn der Toleranz und dem Pluralismus selbst der Boden unter den Füßen weggezogen zu werden droht. Pluralismus kann nichts anfangen mit einer schläfrigen, bequemen, sich gegenseitig in Ruhe lassenden Toleranz. Er braucht die wache, kämpferische Toleranz, die den Streit nicht nur möglich macht, sondern gerade austrägt.

III.

Wie aber steht es mit der Toleranz zwischen den Religionen? Wo man hinblickt: auf den Balkan, in den Nahen Osten, nach Indien – überall scheinen sich die Konflikte aus religiösen Wurzeln zu entwickeln und zu ernähren. In dieser Situation wünschen sich die einen, Religion ganz los zu werden. Aber das ist illusionär, und die faktische Entwicklung weist gerade in die entgegengesetzte Richtung: Religion stirbt nicht ab, sie gewinnt, mit Ausnahme des säkularisierten Europa, überall in der Welt neue Kraft. Andere setzen ihre Hoffnungen auf das „Projekt Weltethos“. Aber damit ist das Problem nicht gelöst, wie die konkreten Religionen ihre Differenzen im Verständnis des Menschen, der Welt und Gottes so austragen können, dass der Frieden nicht gefährdet, sondern gestärkt wird. Mit der Suspendierung der Wahrheitsfrage wird dem Dialog der Kulturen und dem Dialog der Religionen letztlich nicht gedient. Es kommt vielmehr darauf an, Wege aufzuzeigen, auf denen die Religionen den Streit um die Wahrheit in gegenseitiger Achtung austragen können.

Unter dem Titel „Christlicher Glauben und nichtchristliche Religionen“ hat die Evangelische Kirche in Deutschland im vergangenen Jahr einen von ihrer Kammer für Theologie erarbeiteten Text veröffentlicht, der sich genau dieser Aufgabe stellt. Ich gebe die wichtigsten Aussagen kurz wieder:

Wahrheit ist ein Ereignis, in dem das geschieht, worauf man sich schlechterdings verlassen kann. Nach christlichem Verständnis ereignet sich die Wahrheit in der Offenbarung Gottes in Jesus Christus. Für sie treten Christen ein, wenn sie Menschen anderer Religionen begegnen. Diese Wahrheit als Ereignis aber wird niemals ein menschlicher Besitz. Man „hat“ sie nur, weil und insofern man vor ihr ergriffen wird. Sie lässt sich nicht erzwingen und nicht fordern, sondern nur in Freiheit realisieren. In dieser Hinsicht sind Christen in der gleichen Lage wie die Menschen mit anderen religiösen Grunderfahrungen. Sie sind selbst auf das Ereignis der Wahrheit angewiesen, das sie bezeugen.

Auf diese Weise sind die Kirche und die Christen davon entlastet, den Religionen eine „Absolutheitsanspruch“ entgegenzusetzen. Sie werden das in der Begegnung mit anderen Religionen so klar wie möglich machen müssen. Ihre Lehre, ihre Lebensformen, ihre Lebensordnungen sind nicht die wahre Religion. Sie sind der Versuch, der Erfahrung der Wahrheit Gottes menschlich zu entsprechen. Die Kirchen und die Christen können und wollen deshalb mit ihrer Religion das „Ankommen“ der Wahrheit bei religiös anders glaubenden Menschen nicht erzwingen. Sie wollen mit ihrer Religion keine Mauer zwischen sich und den Menschen anderer Religionen aufrichten. Sie weisen, indem sie von der Wahrheit reden, darauf hin, dass diese Wahrheit sich nur in der Freiheit Gottes ereignen kann. Ja, sie begegnen anderen Religionen in der Erwartung, dass sich dort ebenfalls in irgendeiner Weise Erfahrungen mit dieser Wahrheit finden.

Diese Erwartung impliziert die kritische Frage an die Vertreter anderer Religionen, ob ihre religiösen Erfahrungen sie tatsächlich zur Offenheit für das Ereignis der Wahrheit, die mit Recht Gottes Wahrheit zu heißen verdient, befähigen.

Es liegt nicht in der Hand der Christen, den Gegensatz der Religionen mit einem solchen Bezeugen der Wahrheit aus der Welt zu schaffen. Nach evangelischem Verständnis wird vielmehr, wenn es zum interreligiösen Dialog kommt, um die Wahrheit in Freiheit zu streiten sein. Dass derartige Dialoge durch irgendeine Methodik zur religiösen Entdifferenzierung führen, ist weder zu erwarten noch sinnvollerweise anzustreben. Es geht allerdings um den Abbau falscher Vorstellungen von anderen Religionen, um den Versuch des Verstehens ihres besonderen Profils und vielleicht um die Entdeckung von Dimensionen der Gemeinsamkeit.

So knapp diese Skizze war, an ihr ist dennoch – so hoffe ich – deutlich geworden, wie sich die evangelische Kirche und Theologie ein Zusammenleben verschiedener Religionen vorstellen, das den Streit um die Wahrheit nicht ausblendet und gleichwohl den Frieden bewahrt oder sogar stärkt.

Ich bin auf diese Weise zum Ausgangspunkt meines Referats zurückgekehrt. Dort hatte ich beschrieben, wie es die christlichen Kirchen am Beginn des konfessionellen Zeitalters versäumt hatten, die Religionsfreiheit aus dem Glauben heraus zu begründen, und wie es deshalb zu einer Religionsfreiheit aus Relativismus und Skepsis gekommen ist. Jetzt habe ich am Beispiel eines Textes aus der evangelischen Kirche gezeigt, dass und wie dieses Versäumnis korrigiert und überwunden worden ist. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Huber, hat die somit gegebenen Bedingungen und Chancen für einen Dialog der Kulturen treffend folgendermaßen beschrieben: Mit den Daten des 11. Septembers 2001 und des 11. März 2004 ist „die Zeit der interreligiösen Schummelei unwiderruflich an ein Ende gekommen ... Ein durch Toleranz geprägter Dialog der Religionen dagegen ist keineswegs am Ende; er kann und muss vielmehr erst richtig beginnen. Doch er ist schwer.“

Auszüge aus der Diskussion

(Redigierte Abschrift eines Tonbandmitschnittes. Von den Rednern nicht autorisiert.)

Präsident Alois Glück: Herzlichen Dank beiden Referenten. Ich glaube, es ergeben sich sehr viele Fragen. Mit Sicherheit wird sich die Frage aufdrängen: Inwieweit ist das, was beide Redner über die Religionsfreiheit gesagt haben, in ihren jeweiligen Kirchen Wirklichkeit?

Oder es wäre sehr spannend, der Frage nachzugehen und auch mit zu vertiefen: Was hat der Staat, die Gesellschaft, von den Kirchen über die sozialen Dienstleistungen hinaus? Ich glaube, es wird eine der ganz wichtigen Fragen sein, sich damit mehr auseinanderzusetzen. Ich möchte aber nur eine Frage von mir aus aufwerfen an beide Herren, und dann geben wir sofort an Sie weiter.

Meine Frage an Sie beide: Da wir hier in einem Haus sind, in dem ein Parlament arbeitet - was bedeutet weltanschaulich neutraler Staat, Trennung von Religion und Staat für das Handeln von Christen im öffentlichen Leben?

Herr Dr. Langendörfer: Es bedeutet, dass derjenige, der politisch handelt, nicht die Politik missverstehen darf als Instrument, seinen eigenen Glauben missionarisch zu bewerben. Also nicht Glaube und Kirche auf der einen Seite und Staat auf der anderen Seite miteinander zu verwechseln und zu vermischen. Das wäre von jedem christlichen Politiker verlangt, und insofern einer aus dem christlichen Glauben heraus politisch aktiv ist, würde er im weltanschaulich neutralen Staat ein Klima schaffen müssen, das den Angehörigen anderer Überzeugungen genügend Raum lässt, zu diesen auch zu stehen. Das ist genau der Inhalt der Religionsfreiheit, über die wir heute Abend diskutieren.

Präsident Alois Glück: Dann müsste natürlich in seiner eigenen Kirche auch akzeptiert werden, dass die Maßstäbe der Kirche oder der Christen nicht unbedingt die Maßstäbe des politischen Handelns sein können.

Herr Dr. Langendörfer: Das ist richtig. Und das meine ich, wenn ich sage, man kann nicht Kirche und Staat miteinander vermischen, sondern man muss aus der eigenen Position heraus für sie werben, man muss im politischen Bereich Mehrheiten schaffen, und man ist sich aus der Position des Glaubens heraus gerade wegen der Pluralität auch verpflichtet, anderen nicht das Eigene überzustülpen, sondern ihnen auch genügend Raum zu lassen.

Herr Dr. Barth: Für mich bedeutet die weltanschauliche Neutralität des Staates für Christen in der Politik zum einen, dass sie im Rahmen ihrer politischen Ämter an das Gebot der weltanschaulichen Neutralität, also der Gleichbehandlung der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gebunden sind und keine Privilegien an irgendwen vergeben dürfen, der ihnen besonders nahe steht oder sympathisch ist. Das schließt aber nicht aus, sondern gerade ein, dass sie da, wo sie sich mit Beiträgen in parlamentarische Debatten im Landtag oder Bundestag oder in der Öffentlichkeit einbringen, nicht nur nicht zu zögern brauchen, sich als Christen kenntlich zu machen, sondern es im Sinne eines streitbaren Pluralismus eigentlich gar nicht versäumen dürfen, das zu tun. Wir brauchen im öffentlichen Leben - und ich sehe überhaupt keine Schwierigkeit, das mit dem Prinzip der weltanschaulichen Neutralität zu verbinden - Leute, die sich ausweisen, wofür sie stehen. Denn dort, wo wir darlegen, warum wir handeln, was uns antreibt, da sollen wir uns kenntlich machen, denn nur daran lernen die Bürgerinnen und Bürger, vor allem junge Bürgerinnen und Bürger, aus welchen Kräften heraus man symbolisches Handeln bestreitet, an welchen Werten man sich orientiert. Insofern ist weltanschauliche Neutralität ein Raum, in dem aller Platz der Welt ist, sich kenntlich zu machen als der Mensch, der man mit seinen christlichen Überzeugungen ist.

Fragesteller: Meine Frage bezieht sich auf das, was den Staat, was die Gemeinschaft anbetrifft. Hier ist von Ihnen beiden nichts gesagt worden zur Rechtslage in Deutschland und in Bayern. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich 1949 ein Grundgesetz gegeben, welches in der Präambel Folgendes sagt: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“ gibt sich das deutsche Volk, in den Ländern sowieso, nachstehendes Grundgesetz. Die Bayerische Verfassung hat es anders ausgedrückt: „Angesichts des Trümmerfeldes, zu dem eine Staats- und Gesellschaftsordnung ohne Gott, ohne Gewissen und ohne Achtung vor der Würde des Menschen die Überlebenden des Zweiten Weltkrieges geführt hat“. D. h. auch die Bayerische Verfassung und der bayerische Staat fundieren auf einer von Gott abhängigen Ordnung. Deshalb brauchen wir jetzt keinen naturwissenschaftlichen Streit zu führen, ob es Gott gibt oder nicht, sondern wir leben hier in Deutschland, und in Deutschland gelten diese Gesetze. In der Auseinandersetzung mit den anderen Religionen geht es um den Gottesbegriff, nicht um die Konfessionen, sondern um den Gottesbegriff. Der verfasste Gottesbegriff ist, dass Gott der Inhalt des Guten ist. Ein Gott, der wie im Koran bestimmt, dass die Andersgläubigen umgebracht werden können, ist kein verbindlicher Gottesbegriff für uns. Der christliche Begriff, der im ersten Johannesbrief Kapitel 4 Vers 16 so bestimmt ist: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott“, ist ein allgemein verbindlicher für alle monotheistischen Religionen.

Herr Dr. Barth: Der Hinweis auf die Präambelformel im Grundgesetz und etwas anders, aber entsprechend, in der bayerischen Landesverfassung knüpft unmittelbar an diese Bemerkung zur weltanschaulichen Neutralität an. Denn mit der weltanschaulichen Neutralität nicht vereinbar wäre es, wenn wir in der Präambel eine trinitarische Gottesformel verwenden würden. Es geht nur mit dieser Gottesformel, in der sich auch andere Religionen und sogar in gewissem Umfang, aber da wird es dann schon schwierig, solche, die keinen Gottesglauben haben, wiederfinden können. Das Interessante ist, welche Debatte der letzte Satz der Antrittsrede des neu gewählten Bundespräsidenten ausgelöst hat: „Gott segne unser Land.“ Ein Vertreter des Islam hat das in einer großen Tageszeitung so kommentiert: Wir haben damit überhaupt keine Probleme; wir freuen uns darüber, wenn ein Bundespräsident das sagt. - Das zeigt, mit dieser Formel kommt man interreligiös ziemlich weit, da kriegt man keine Probleme. Probleme kriegen wir in Europa, aber das steht dann auf einem anderen Blatt.

Ich würde gern noch ergänzend eine Bedeutung des Selbstbezuges des politischen Gemeinwesens auf Gott hervorheben. Das hat etwas mit der deutschen Geschichte zu tun. Es ist auch allen vertraut hier im Raum, dass eben derjenige, der sich in Verantwortung weiß vor Gott, von vorneherein jeder Selbstüberschätzung der Politik und jeder Phantasie, die Politik könnte ein Paradies auf Erden schaffen, wie es auch immer aussieht, entgegentritt. Aus diesem auch kritischen Gehalt heraus sind wir übereinstimmend mit vielen anderen gesellschaftlichen Kräften in den letzten Monaten sehr werbend dafür tätig geworden, auch im Europäischen Verfassungsvertrag einen entsprechenden Bezug zu verankern, und der Papst hat das zuletzt noch einmal getan, werbend im Blick auf die Regierungskonferenz. Das ist eine wichtige Aussage über den Stellenwert von Politik und deren Relativierung aus dem Glauben heraus, ohne dass der christliche Glaube hier als der Alleingeltende für diese Position vorgebracht wird.

Fragesteller: Zwei kleine Fragen. Der Islam ist eine nachchristliche Religion, und ich frage die Vertreter der beiden christlichen Kirchen, wie sie den Missionsauftrag des Christentums in diesem Punkte wahrnehmen wollen. Zweitens: Wir wohnen hier in Bayern, und in der Bayerischen Verfassung ist festgehalten, dass die Erziehung an den allgemeinbildenden Schulen eine christliche Erziehung sein soll. Auch dazu hätte ich ganz gerne eine Stellungnahme, wie sich das mit dem säkularen Staat verträgt oder ob wir ihn nicht anders interpretieren müssen.

Herr Dr. Langendörfer: Ich glaube, dass alle Religionen - und da gehören auf jeden Fall das Christentum und der Islam dazu -, die für sich einen Wahrheitsanspruch erheben, immer auch darauf aus sind, dass möglichst viele Menschen zu diesem Glauben, den sie vertreten, auch hinfinden und sich ihm anschließen. Von allem, was das Christentum, was auch unsere Kirche prägt, sind wir darauf ausgerichtet, diesen Glauben zur Geltung zu bringen, nach vorne zu bringen, auch für ihn zu werben. Wir mäßigen uns natürlich aus verschiedenen Gründen im Blick auf die Verkündigung des Glaubens in muslimischen Kreisen unseres Landes. Aber wir erwarten auf der anderen Seite auch eine faire und ressentimentfreie Darstellung des Christentums in muslimischen Kreisen. Das müssen wir auch immer dazu sagen. Und was uns zutiefst bewegen muss, mehr noch als in der Vergangenheit, ist nicht eine allgemeine Position des Zusehens und des Abwartens, sondern das Gute, das Befreiende, das Vorwärtsweisende des Christentums, das missionarisch nach vorne zu bringen ist. Die Katholische Kirche ist dazu entschieden, genauso hat die Evangelische Kirche zu diesem Thema in letzter Zeit verschiedene Schwerpunkte gebildet.

Die christliche Erziehung: Ja, es stimmt, es gibt in verschiedenen Landesverfassungen, und Bayern gehört auch dazu, und in verschiedenen Landesschulgesetzen eine Bindung zumindest des Grundschulbereiches an christliche Traditionen, an Werte und Vorgaben. Ich glaube, dass das positive, das gute, das menschliche, das humane Potenzial des Christentums, auf das wir beide versucht haben hinzuweisen, es rechtfertigt, diese Grundlage im Erziehungsbereich zu wählen, weil es dem einzelnen Schüler, der Schülerin und dem Gemeinwesen von extremer Nützlichkeit und Bedeutung und ein Substanzgewinn ist, wenn aus einem solchen christlichen Verständnis Schulverhältnisse geprägt werden. Die Einzelheiten sind dann immer noch zu diskutieren, und ich habe selbst auf das Kruzifix hingewiesen, aber sie sind regelbar, sie sind auch rechtlich befriedbar. Der Impuls, die Wertgebundenheit einer Erziehung und die Vertretbarkeit des Christlichen in diesem Zusammenhang lassen sich letztlich nicht bezweifeln.

Herr Dr. Barth: Bei der Frage nach dem „missionarischen Feuer“, was in Religionen steckt, ist es gerade gegenüber dem Islam relativ einfach sich zu äußern. Der Islam und das Christentum sind beides missionarische Religionen. Das sieht beim Judentum etwas anders aus. Insofern haben wir gegenüber dem Islam überhaupt keine Probleme zu sagen: Wir sind als Christen eine missionarische Religion, die in einer Weise Mission betreibt, wie es dem heutigen Verstehen und Empfinden der Menschen auch entspricht. Wir feiern noch in diesem Jahr Bonifatius-Jubiläum. Das waren etwas andere Zeiten. Auf diese Mission schaut man manchmal mit gemischten Gefühlen zurück. Ich habe das am Ende meines Vortrages gesagt, wie heute das Gewinnenwollen für die Wahrheit in Freiheit der einzig mögliche Sinn von Mission, das einzig mögliche Verständnis von Religion sein soll. Ich glaube, wir können heute von den unter uns lebenden Muslimen in mancher Hinsicht, was offenes Bekenntnis in der Öffentlichkeit heißt, uns eine Scheibe abschneiden. Wenn man manchmal auf den Islam mit Recht sehr kritisch blickt, hat das Gründe, die überhaupt nicht zu bestreiten sind. Auf der anderen Seite muss man sagen, eine große Zahl von Muslimen, die ihren Glauben sehr aufrichtig und intensiv leben, sind wirklich für uns etwa in der Selbstverständlichkeit, mit der sie über religiöse Fragen sprechen, vorbildlich. Es ist mir nicht nur einmal passiert in einem Taxi, dass der muslimische Taxifahrer mich fragte: Glauben sie an Gott?, und dass er seinen Koran da liegen hatte. Von dieser Selbstverständlichkeit können wir eine ganze Menge lernen.

Kürzlich hat in einem Artikel ein Philosoph die heute lebenden Religionen nach heißen und kalten Religionen gesondert. Solche pauschalen Sachen stimmen einerseits und stimmen auch wieder nicht. Aber da ist etwas Wahres dran. Eine missionarische Religion ist eine heiße Religion, und wenn sie kalt ist, kann sie nicht missionarisch sein. In der Hinsicht könnten wir durch das Miteinander mit Muslimen als Christen auch ein bisschen an Motivation lernen, nach vorne zu gehen, auf Menschen zuzugehen.

Was die Frage der christlichen Erziehung an Schulen angeht, ist es charakteristisch für unser Land, dass wir in verschiedenen Bundesländern völlig unterschiedliche Verhältnisse haben. In Bayern anders als in Hamburg. In Baden-Württemberg anders als in Mecklenburg-Vorpommern. Das hat natürlich etwas mit Traditionen zu tun, aber auch mit den Bevölkerungszusammensetzung in den Ländern, und je stärker der Rückgang der christlichen Bevölkerung bezogen auf die Gesamtbevölkerung ist - er wird aus demografischen Gründen noch größer werden -, wird vielleicht allmählich auch für andere Bundesländer das eine oder andere Problem auftreten.

Fragesteller: Ich bin Hauptschullehrer, und ich bin ein Mensch, den der Koran als Muslim bezeichnet. Ich habe eine Bitte an Sie. Bitte bieten Sie uns Muslimen keine Toleranz an. Toleranz heißt erdulden. Entweder bringen Sie uns Respekt entgegen, Gleichgültigkeit oder Ablehnung. Ich biete niemandem Toleranz an, weil ich das als eine Beleidigung betrachte. Das vorneweg, weil dieses Wort Toleranz so oft benutzt worden ist.

Dann bitte ich Sie, einmal die Realität ins Auge zu fassen. Ihre Ausführungen waren für mich nicht sehr hilfreich. Wir Muslime haben im Gegensatz zu allen Christen keinerlei elementare inhaltliche Glaubensgemeinsamkeiten. Es gibt ganz verschiedene Muslime. Das hat sogar schon ein Referent in der Katholischen Akademie festgestellt. Und insofern beunruhigt es mich, wenn immer wieder von den Muslimen gesprochen wird, von dem Islam gesprochen wird. Diese Übertragung vom Christentum ist intellektuell nicht redlich.

Als Hauptschullehrer erlebe ich: Alle meine ehemaligen Schülerinnen und Schüler sind Osama bin Laden-Fans. Gehen Sie in Moscheen, auch dort ist Osama bin Laden ein heißverehrter Typ. Insofern vermisse ich von christlicher Seite eine Antwort auf diese Problematik, die uns zivilisierte Muslime sehr beschäftigt. Und ich erlebe die kuriosesten Sachen. Da gibt es einen Staatsmann, der Kleinasien entchristianisiert hat, Kemal Atatürk. Er hat mehrere 100 000 Christen umgebracht. Wenn ich darauf hinweise, dass ich Kemalismus als eine Form von Terrorismus betrachte, dann werde ich angegriffen, ich sei ein Hetzer. Hier herrschen Vorstellungen bei den Christen, die sind wirklich gespenstisch. Das ist dann im wahrsten Sinne des Wortes Toleranz. Man erduldet hier etwas, obwohl unsere Verfassung im Gegensatz zur Weimarer Verfassung keine Toleranz im Hinblick auf die Verletzungen der Normen und Werte des Grundgesetzes erlaubt.

Herr Dr. Barth: Ich möchte auf drei Punkte, die Sie angesprochen haben, kurz eingehen. Natürlich, wenn man den Toleranzbegriff so hört, wie Sie ihn hören, dann hat er wenig Attraktivität, und man sagt, ich will nicht bloß geduldet werden. Es ist aber nicht das allein mögliche Verständnis von Toleranz. Ich glaube, in der Toleranztradition der europäischen Geschichte kann man den Begriff auch sehr viel positiver füllen. Toleranz ist ein Verhalten, was dem anderen Freiheit gewährt, einen Freiheitsraum eröffnet, und nur in dem Sinne habe ich über Toleranz gesprochen. Ich stimme Ihnen ganz zu, ein bloßes Dulden und Ertragen, also tolerieren in einem solchen etwas abgeblassten und schlechten Sinne, ist nicht besonders erstrebenswert. Aber ich glaube, Toleranz ist ein Name und ein Begriff, der viel Klang und viel Kraft mit sich trägt, wenn man ihn als eine Sache versteht, wo es um die gegenseitige Gewährung von Freiheit, die Einräumung von Freiheit geht. Ich glaube, insofern kann man schon für ein tolerantes Land werben, auch weiterhin.

Ich bin sehr einverstanden mit dem, was Sie zu der nötigen Differenzierung im Blick auf verschiedene muslimische Glaubensrichtungen gesagt haben. Das gilt für die Christen auch. Trotzdem: So wie ich bei den Christen zwischen römischem Katholizismus und Protestantismus, russischer Orthodoxie und Baptisten riesige Unterschiede habe und dennoch sagen kann, sie haben einen gemeinsamen Nenner, so lasse ich mir noch nicht so ganz ausreden, dass es auch sinnvoll ist, die verschiedenen muslimischen Glaubensrichtungen darauf anzusprechen, dass sie eine gemeinsame Bezugsperson Mohammed haben, dass sie eine gemeinsame Bezugsgröße im Koran haben und insofern der Islam auch in der Weltwirklichkeit durchaus als eine in sich differenzierte, aber gesamte Größe auftaucht.

Was die Auseinandersetzung mit der Sympathie für Osama bin Laden oder ähnliche Figuren angeht, nehme ich Ihre Bitte sehr zustimmend auf. Nur ist es eine Bitte, die hier auf Gegenseitigkeit beruht. Wir sind gemeinsam darauf angewiesen, dass wir sagen, was wir davon halten und warum wir nichts davon halten. Wobei ich meine, jetzt ohne den Ball zu Ihnen zurückzuspielen, ich finde, wir sind da gemeinsam gefordert, wenn Christen oder jedenfalls Nichtmuslime etwas dazu sagen. Ich weiß nicht, ob das in der Welt der Muslime besser ankommt, wirksamer ankommt, als wenn Sie als zivilisierter Muslim dazu etwas sagen. Ich finde, wir müssen das gemeinsam machen und beide Stimmen müssen zu Wort kommen und zur Geltung kommen, so wie das auch viele im Schulterschluss tun.

Herr Dr. Langendörfer: Nur zum Begriff der Toleranz. Mag sein, dass der zu schwach ist und dass Respekt, Anerkennung hier richtiger wäre. Ich mache allerdings am Rande gern auch die Gegenprobe und sage, wenn das Christentum in manchen Ländern, die sehr stark traditionell durch den Islam geprägt sind, schon mal Toleranz in der Form erfahren würde, dass man es leben lässt und ihm einen gewissen Minimalraum gibt, dann wären wir schon ganz zufrieden. Insofern ist, glaube ich, der Begriff Toleranz nicht völlig ungeeignet, um hier an dieser Stelle ins Gespräch gebracht zu werden.

Fragestellerin: Ich bin evangelische Theologin, Supervisorin, Kommunikationstrainerin und derzeit an einer katholischen Klosterschule als evangelische Religionslehrerin tätig seit 2 Jahren. Ich möchte den Blick in eine andere Richtung lenken. Ich möchte kurz vier Gedanken sagen, die mich fasziniert haben, deren Fokussierung mir gefallen hat. Das eine ist die Idee, dass die Sehnsucht nach der einfachen Wahrheit die Quelle des Fundamentalismus ist. Fasziniert hat mich auch Ihre Idee, dass die Kirche, zumindest im theologischen Sinn verstanden, nicht auf Politik angewiesen ist, sondern aus sich selbst heraus existiert. Auch die Kontexterweiterungen, dass die Religiositätsfeindlichkeit vor allem in Europa existiert und in anderen Ländern in dem Sinn nicht existiert, war mir vorher auch nicht so bewusst. Der vierte Gedanke, der mir gut gefallen hat, bringt mich schon zur nächsten Frage, nämlich dass die Toleranz in der Weise, wie Sie sie definiert haben, das Aussagen der Differenz bedeutet, und zwar mit einem eigenen Profil. Und die anschließende Frage ist, wie ist Ihrer Ansicht nach eine Verbesserung, eine klare Konturierung dieses christlichen Profils in der Gesellschaft möglich?

Das ist die eine Frage, und die zweite, die mich noch interessieren würde, wäre die Position von Ihnen, Herr Glück, als Politiker, nämlich was Sie als Repräsentant des Staates für einen Nutzen in der Existenz der Kirche als Part, als Teil des gesellschaftlichen Systems verstehen, damit auch von außen die Sichtweise deutlich wird - möglicherweise auch differenziert nach dem Nutzen der christlichen und anderer Religionsgemeinschaften. Herzlichen Dank!

Herr Dr. Barth: Ich glaube, wir kommen aus einer Zeit, die die Nachkriegszeit sehr stark bestimmt hat, in der wir in den Kirchen - ich spreche natürlich primär aus der Erfahrung innerhalb der evangelischen Kirche - in der Öffentlichkeit eine gewisse Tendenz hatten, uns möglichst sachverständig zu den Sachfragen zu äußern, sodass man uns als Diskussionspartner wichtig und ernst nahm. Dabei haben wir das, was wir und nur wir sagen können aus einer religiösen Glaubenserfahrung heraus, manchmal sehr nach hinten geschoben oder unterdrückt, aus der Angst heraus: Das will ja keiner richtig hören, da haben die Leute kein Interesse daran und das ist fast ein bisschen peinlich. Ich sehe die größten Chancen für eine stärkere Konturierung einer evangelischen oder katholischen Stimme darin, dass diese Vermutung gar nicht stimmt, dass die Leute das Religiöse ja gar nicht hören wollen. Wir brauchen mit anderen Worten nicht die besseren medizinischen, die besseren verteidigungspolitischen, die besseren sozialpolitischen Fachleute zu sein, dafür gibt es genügend. Wir müssen unser Profil dort haben, zu sagen, aus welchen Glaubens- und religiösen Gründen wir das so sehen, wie wir es sehen. Und dann gewinnen wir auch an Kontur und Profil.

Herr Dr. Langendörfer: Ich habe vorhin gesagt, das Eigene, das Wichtigste, das Zentrum des christlichen Glaubens, überhaupt einer Religion, ist die Frage nach Gott. Die Gottesfrage. Wenn wir die in den Vordergrund stellen und wenn wir sehen, wie viel Verzweiflung, wie viel Zynismus, wie viel Selbstüberschätzung in dieser Gesellschaft in bestimmten Kreisen da ist, wie eine falsche Vergötterung von langem Leben, Lebensglück, Erfolg usw. da ist, dann sind wir mitten im Thema der Gottesfrage, nämlich der Frage nach demjenigen, der einem Heimat gibt, Bergung gibt, eine Zuversicht gibt, eine Perspektive, eine Hoffnung über diese Welt hinaus, auch dann, wenn ich keinen Erfolg habe, wenn es mir nicht mehr so gut geht und wenn ich alt geworden bin. Dieses sind die Themen des Glaubens, der Religion, die müssen wir in den Vordergrund stellen, die müssen wir bezeugen in unserer Verkündigung und auch in unseren caritativen Einrichtungen. Ich glaube, das könnten Hinweise sein, in welche Richtung es gehen sollte.

Präsident Alois Glück: Dazu möchte ich zunächst eine Bemerkung anschließen. Es gibt ja sicher die Lebenserfahrung: Not lehrt beten - und je mehr Gesellschaften Wohlstandsgesellschaften sind, umso schwerer haben es die Kirchen, die Menschen zu erreichen. So scheint es offensichtlich zu sein. Auf der anderen Seite haben diese Menschen in anderer Weise viele Nöte: seelische Nöte beispielsweise. Und warum gelingt es vonseiten der Verkündigung offenbar nicht so sehr, wie man es sich wünschen würde, diese Nöte der Menschen zu erreichen und christlichen Glauben als Heilsbotschaft und helfende Botschaft auch in solchen Lebenssituationen zu vermitteln?

Nun ist mir eine Frage gestellt worden. Ich möchte einmal knapp sagen: Die Kirchen und Religionen können und müssen das beitragen, was gerade die Politik und der Staat den Menschen nicht geben können: nämlich Sinnstiftendes, Lebensorientierung und Wertmaßstäbe, die daraus entwickelt werden, die am Schluss auch wieder das gemeinsame Handeln prägen können. Das ist das, was Böckenförde mit seinem fast epochalen Satz zum Ausdruck gebracht hat, und das ist weiter unverzichtbar. Die Neutralität des Staates und die Trennung von Religion und Staat sind ein großer Fortschritt im Hinblick auf eine humane Welt. Beides ist natürlich auch nicht eine Selbstverständlichkeit der christlichen Traditionen, sondern musste den Kirchen auch abgerungen werden. Aber überall dort, wo es das nicht gibt, beispielsweise in weiten Teilen der muslimisch geprägten Staatenwelt, haben wir genau die Intoleranz, die nicht Raum gibt für die Freiheit des Religiösen. Und insofern meine ich, ist es ein besonderer Auftrag der Politik und des Staates, den Raum zu schaffen, dass sich das Religiöse entwickeln kann, und dies zu unterstützen, ohne in die Sache selbst einzugreifen. Ich fürchte allerdings, dass die Dimension des Kirchlichen und des Religiösen gegenwärtig relativ wenig gesehen wird, und ich fürchte auch oder meine, dass eben die christlichen Kirchen daran nicht unschuldig sind, weil sie sich etwa im Zusammenhang mit der Kirchensteuerdebatte sehr häufig in der Argumentation selbst verkürzen auf eine Art Sozialwerk und die andere Dimension zu wenig zur Geltung kommt, die allerdings schwerer argumentativ und im Sinne von Nutzen darstellbar ist. Dann gerät man natürlich schnell in die Diskussion, ob das das Rote Kreuz oder diese oder jene Organisation nicht auch kann. Die christlichen Kirchen verkörpern die Werteentwicklung, die sich auch in unserer Gesetzgebung niedergeschlagen hat. Entsprechend der Religionsfreiheit des Staates müssen wir andere Religionsgemeinschaften genauso respektieren, ihnen Raum geben, solange sie Recht und Verfassung akzeptieren, also die Werte, die sich primär aus der christlichen Tradition entwickelt haben.

Fragestellerin: Ich meine, das haben Sie sehr, sehr gut aufgezeigt, dass der Islam im Gegensatz zum Christentum sehr viel jungen Nachwuchs hat. Das heißt, wir müssen uns den jungen Nachwuchs durchaus erarbeiten, erhalten, wir müssen ihm das Christentum auch ein bisschen attraktiv machen. Was bieten wir denn eigentlich unseren Jugendlichen, und wie könnten sie ein größeres Spektrum an christlichen Werten, christlichen Möglichkeiten kennen lernen? Es gibt den Religionsunterricht, aber der kommt nicht so an, wie man das hofft.

Herr Dr. Langendörfer: Ich könnte es mir jetzt zu leicht machen und Ihnen sagen, wir versuchen gerade, in der katholischen Kirche jedenfalls, eine Bewegung möglich zu machen unter dem Stichwort eines Weltjugendtages. Wir merken in allen Untersuchungen von der kirchlichen Presse bis hin zur Akzeptanz, zum Vertrauen, der Präsident hat es einleitend auch gesagt, bei jüngeren Leuten hapert es. Wir können uns nicht verständlich machen. Wir entwickeln keine Formen, die wirklich gewinnend sind. Wir haben zu viel Angst, wirklich über das Zentrum, die Bibel, den Glauben zu reden. Und wir versuchen jedenfalls, was unseren engeren Raum hier in Deutschland anbelangt, ein bisschen Tritt zu fassen und nach vorne zu gehen. Wir planen auch ein großes Erlebnis mit dem Papst in Köln nächstes Jahr. Dafür wollen wir junge Leute in unserem Land und internationale Gäste gewinnen und hoffen, dass das nachhaltig ist.

Herr Dr. Barth: Eine relativierende Bemerkung zu Ihrer Frage und ein Versuch einer Antwort. Das Problem ist natürlich im Vergleich zu der Nachwuchssituation bei uns und auf der islamischen Seite: Noch leben die muslimischen Familien auch in Deutschland viel stärker traditionsgelenkt, familiengelenkt, -geleitet, so wie es auch in unserer Kultur mal vor Jahrzehnten und erst recht vor Jahrhunderten war. Insofern ist da eine andere Ausgangslage. Davon wird der europäische Islam mit einer gewissen Verzögerung eingeholt werden, aber zurzeit haben wir hier eine große Disparität. Das Hauptproblem, was wir auf der gemeindlichen Ebene vor allem haben – ich war ja auch Gemeindepfarrer für lange Jahre – ist, dass wir in der heutigen Mentalität die früheren Langzeitbindungen wie Jungschar und junge Gemeinde heute so nicht mehr haben. Wir brauchen eine viel stärkere Übung in punktuellen Anlässen, in projektbezogenen Unternehmungen. Dazu gehört dann so etwas wie ein Weltjugendtag, dazu gehört auch der deutsche evangelische Kirchentag, der Katholikentag in den nächsten Wochen, aber das ist eigentlich der Umsteuerungsgesichtspunkt. Wir müssen für diese kurzfristigen Engagements, die wechseln nach dem Motto: Heute mache ich das, morgen mache ich was anderes und ich will mich nicht für lange Zeit binden, dafür müssen wir mehr Angebote haben, und die werden auch dann nicht so erfolgreich sein wie die alten. Aber so sind die Zeiten.

Fragesteller: Christentum, Judentum und Islam müssen vom Fanatismus getrennt betrachtet werden. Das kann man nicht auf die gleiche Ebene stellen. Der pauschale Fundamentalismusverdacht gegenüber islamischen Organisationen muss auch beendet werden. Wenn konkreter Verdacht besteht, dann sollen diese Personen gefasst werden, damit die anderen Leute ruhig leben können. Ich habe mich bemüht, mich zu integrieren, aber ich habe mich nicht assimiliert, ich habe auch meine Kinder nicht assimiliert, aber trotzdem habe ich sie integriert. Manche fanatische einzelne Personen kann man nicht mit dem Islam gleichstellen oder dem Christentum oder dem Judentum. Ich bitte, darüber nachzudenken, was für die Menschlichkeit gut tun kann. Danke schön.

Präsident Alois Glück: Ich möchte aus der Warte der Politik sagen, dass wir sehr wohl und nachhaltig unterscheiden, dass die überwältigende Zahl, die ganz große Mehrheit der Muslime in Deutschland und in Bayern im Rahmen unserer Gesetze leben will und lebt. Und dass die Minderheit der Agressiven, der Islamisten, nicht das gesamte Bild verdecken darf. Die andere Wahrheit ist natürlich auch, dass gerade wir gegenüber diesen Gruppen und Aktivisten nicht naiv sein dürfen. Und das ist das Spannungsfeld. Ich würde aber darum bitten, dass wir uns nicht zu sehr heute mit dem Thema Islam beschäftigen, denn es wird ja im Mittelpunkt des nächsten Abends stehen.

Herr Dr. Barth: Zu diesem Beitrag muss man sagen, dass es doch ein typisches Problem ist, was wir völlig abseits von der Frage „Muslime in Deutschland“ in den letzten 10, 20 Jahren leidvoll erlebt haben. Eine kleine Minderheit von ausländerfeindlichen Radikalen und Rabauken haben auf unser Land ein miserables Licht geworfen. Und neben der Aufforderung: Schmeiß nicht alle in einen Topf, ist eines der wichtigen Signale: Die schweigende Mehrheit muss auch den Mund aufmachen. Das galt für uns damals und gilt für jede dieser vergleichbaren Situationen und auch für den muslimischen Bevölkerungsanteil bei uns.

Herr Dr. Langendörfer: Mir hat die Formulierung gut gefallen: Wir wollen auch ruhig leben können. Das finde ich richtig. Ich glaube, ich kann auch das Versprechen geben und nehme jetzt meinerseits den Mund nicht zu voll: Die christlichen Kirchen haben es sich zum Programm gemacht, anderen Religionen und den Muslimen in unserem Land das auch tatsächlich zu ermöglichen. Im religiösen Dialog auf gemeindlicher Ebene ist das ein leitendes Motiv, und von den Gesamtkirchenleitungen her ist es ein ganz prägendes Motiv, dass Menschen ihren Glauben und ihre Kultur eben auch in Ruhe leben können. Da kann ich sagen, dass wir Ihnen alle Unterstützung versprechen, alle Hilfestellung, die von uns aus machbar ist, und ich glaube, wir sind die Beweise bis jetzt auch nicht schuldig geblieben.

Fragestellerin: Ein Stichwort, was im Untertext der Einladung genannt ist, sind die Erwartungen. Die sind noch etwas zu kurz gekommen. Ich hätte gerne von beiden Referenten noch einmal eine klare Formulierung der Erwartungen an den zur weltanschaulichen Neutralität verpflichteten Staat.

Herr Dr. Langendörfer: Ich habe versucht, in meinem Referat einen Punkt besonders stark hervorzuheben. Wir erwarten, und da rede ich noch einmal vom Katholizismus her, dass einerseits das, was in unserem Staat sich herausgeprägt hat, nicht schleichend ausgehöhlt wird, und wir sagen, das ist nicht eine Sonderprivilegierung des Christentums, sondern wir machen es gültig für alle Religionsgemeinschaften. Wir wollen unseren Glauben offen aussprechen, offen leben können. Ich habe etwas gesagt über das Problem der positiven Religionsfreiheit, der Freiheit, sich wirklich auch organisiert in diesem Land präsentieren zu können, und wir erwarten von der Politik, dass uns das nicht schleichend aus der Hand genommen wird. Dafür müsste man noch einzelne Beispiele bringen. Eines habe ich schon ausdrücklich angesprochen, nämlich die Entwicklung des europäischen Rechtes. Wir erwarten von einer Europäischen Union, hinter der wir stehen, die wir mittragen, die wir mit gewollt haben, wo in den Beitrittsländern katholische und evangelische Christen sehr aktiv geworden sind, dass die Europäische Union ihrerseits nicht zum Nachteil der in den Ländern herrschenden Staatskirchenverhältnisse aktiv wird.

Herr Dr. Barth: Ich erwarte vom weltanschaulich neutralen Staat erstens, dass er dem ganzen Feld Religion nicht mit Indifferenz, sondern mit Kraft zur kritischen Unterscheidung begegnet. Das Letztere ist für eine kirchliche Stimme etwas neu und ungewöhnlich, weil es eine lange Zeit gab, in der der Grundtenor war, der Staat solle sich da raushalten. Wir müssen heute gemeinsam sagen: Der Staat muss die Kraft zur kritischen Unterscheidung aufbringen und kann nicht auf dem Standpunkt stehen: Da mische ich mich nicht ein. In gewissem Umfang muss er sich auch in religiösen Angelegenheiten rechtlich und politisch einmischen. Nehmen wir einmal ein unverfängliches Beispiel! Wenn Scientology sagt, als Religionsgemeinschaft unterstützt von US-amerikanischen Filmschauspielern der ersten Riege: Wir sind Religion und haben Religionsfreiheit in den USA, dann müssen wir sagen: Es gibt Grenzen. Das nenne ich Kraft zur kritischen Unterscheidung.

Und zweitens, es gibt ein schönes Wort in der Literatur; wir sprechen in unserem Staat und unserer Kultur von „positiver Neutralität“. Das heißt, ich erwarte auch von einem weltanschaulich neutralen Staat, dass er sich darüber im Klaren ist, dass bestimmte Kräfte und Quellen eines gesellschaftlichen Lebens in Gemeinsamkeit nicht durch staatliches Handeln gewährleistet werden können. Er ist angewiesen darauf, dass es diese Kräfte gibt. Also, in diesem Sinne Kraft zur kritischen Unterscheidung und positive Neutralität.

Präsident Alois Glück: Ich möchte mich bei Ihnen, Herr Dr. Barth und Herr Dr. Langendörfer, sehr herzlich bedanken für Ihre Beiträge, für die Erläuterungen, auch für all das, was Sie uns sicher mit herausgefordert haben. Ich danke Ihnen, meine Damen und Herren für das Interesse, für das Mitdiskutieren, vielen herzlichen Dank für das Hiersein!

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