Bayerischer Landtag

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Humor und Politik – LandTalk mit Ilse Aigner

Wir sind doch nicht zum Spaß hier. Wie komisch darf Politik sein?

3. Folge von LandTalk | Bildarchiv Bayerischer Landtag

11.11.2019
– Von Isabel Winklbauer –

Pünktlich zum Faschingsbeginn am 11.11. luden Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Vizepräsident Alexander Hold zum Austausch in Sachen Humor. „Wir sind doch nicht zum Spaß hier. Wie komisch darf Politik sein?“ lautete das Thema des aktuellen LandTalks, bei dem die Podiumsgäste aus Politik, Kabarett und Forschung feststellten: Mit Komik geht es im Parlament oft besser.

 

Vollbesetzter Senatssaal: Das Interesse am 3. LandTalk zum Thema „Wir sind doch nicht zum Spaß hier. Wie komisch darf Politik sein?“ war enorm | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Bernhard Prinz mit der von ihm angefertigten Karikatur von Ilse Aigner | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Führten mit Humor und guter Laune durch den Abend: Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Landtagsvizepräsident Alexander Hold, hier mit dem Karikaturisten Bernhard Prinz (re.) | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Impuls aus der Sicht von Mama Bavaria: Kabarettistin und Schauspielerin Luise Kinseher | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Blick aufs Podium: Jürgen Kirner gibt eine musikalische Einlage | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Mitwirkende (v.li.): Prof. Dr. Andreas Dörner, Bernhard Prinz, Ilse Aigner, Luise Kinseher, Alexander Hold, Martin Frank, Roland Hefter, Jürgen Kirner | Bildarchiv Bayerischer Landtag

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Nicht nur im Senatssaal saßen die Zuschauer dicht an dicht, auch im Plenarsaal wurde das Geschehen auf dem Podium übertragen – das Interesse an der komischen Seite der Politik war enorm. „Dabei ist Politik etwas sehr Ernstes“, sagte Ilse Aigner in ihrer Begrüßungsrede. „Aber es gibt auch Momente, in denen mit Humor gearbeitet wird. Wir Politiker sind keine Komiker, aber über sich selbst lachen gehört dazu.“

Ob die Abgeordneten sich versprechen, der politische Gegner sich über sie lustig macht oder sie selbst eine unfreiwillig komische Steilvorlage zum Spott geben, Gelegenheit zur Auto-Humor-Kur gibt es im Landtag oft. Was nicht schlecht ist, wie Andreas Dörner, Professor für Medienwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg, erklärte: „Humor schafft Aufmerksamkeit und man kann sich als nahbar und geerdet zeigen, indem man über sich selbst lacht.“ Außerdem stifte Komik Gemeinschaft, könne Kritik ausdrücken, sei ein Ventil für Frustration und schaffe gute Laune. Vor allem in England und den USA sei Politik deshalb oft zum guten Teil auch Showbusiness.

In Bayern ist die liebste Form des Humors das Kabarett

In Bayern ist die liebste Form des Humors das Kabarett, insbesondere zum Starkbieranstich oder am Politischen Aschermittwoch. Natürlich war auch Luise Kinseher eingeladen, die auf dem Nockherberg jahrelang als Mama Bavaria die Politik verspottete. „Aber mit verbindendem Humor, nicht mit spaltendem“, wie sie betonte. „Die Zuschauer warten nur darauf, dass jemand erbost den Raum verlässt. Aber die Grenze ist für mich immer der Grad der Verletzlichkeit der derbleckten Person.“ In ihrem Impulsvortrag als Mama Bavaria zögerte sie allerdings nicht, ein paar abwesende Herren ordentlich in die Pfanne zu hauen. Etwa Ministerpräsident a.D. Edmund Stoiber: „Er wollte die Finanzwelt erobern – und hat es nicht mal vom Hauptbahnhof zum Flughafen geschafft.“

Die Lieblingsform von Jürgen Kirner, Turmschreiber, Autor und Kabarettist der BR „Brettlspitzen“, ist dagegen das Couplet, eine traditionelle Liedform. „Man kann mit einer sanften, eingängigen Melodie viel besser Bösartigkeiten verbreiten“, erläuterte er, „das gesprochene Wort ist härter.“ Seinen Klassiker „Duzi duzi SPD“ trug er live vor, zur Schadenfreude des Publikums und zum Leidwesen der anwesenden SPD-Anhänger. Zu diesen zählte auch Podiumsgast Roland Hefter, Musikkabarettist aus München. Er war es, der beim Tagesordnungspunkt „Grenzen des Humors“ schließlich die Politik in Schutz nahm. „Wenn man als Kabarettist an einem Abend dasselbe verdient wie ein Politiker im ganzen Monat, darf man schon darüber nachdenken, wie verletzend man wird“, sagte er. „Politiker sind Menschen, die oft bis zum Zusammenbruch arbeiten.“

Die Grenzen des Humors seien ohnehin per Strafgesetz gesteckt, bemerkte Experte Dörner. Weder die Menschenwürde dürfte verletzt werden, noch dürften Menschengruppen wegen ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Kultur verächtlich gemacht werden.

Humor ist offenbar ein gutes Erfolgsrezept

Darüber hinaus identifizierten die Podiumsgäste aber noch weitere Grenzen, an denen der Spaß aufhört. Die eine heißt „Heute Show“ und stieß nicht nur Jung-Kabarettist Martin Frank („Schleichfernsehen“) bitter auf. „Die Heute-Show will einem das Denken abnehmen“, kritisierte Frank, „sie ist runtergebrochen und populistisch.“ Die andere Grenze heißt „Spaßparteien“ und gefiel vor allem Ilse Aigner gar nicht. Wenn von Nicht-Politikern demokratische Strukturen missbraucht werden, „geht das zu weit“, befand sie.

In einem Film-Einspieler aus „Schleichfernsehen“ zeigten schließlich Martin Frank und Ilse Aigner den Idealfall. Frank befragt darin in Spaß-Interviews CSU-Abgeordnete zum Thema Frauenmangel. Und Ilse Aigner – lacht sich einfach nur krumm. Humor statt Verbitterung ist offenbar ein gutes Erfolgsrezept.

Stilblüten aus dem Bayerischen Landtag

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Im Gespräch (v.li.): Luise Kinseher, Roland Hefter, Martin Frank | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Podiumsgäste und ihre Karikaturen | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Lounge-Musik mit Christian Kirschstein (Flügel) und Michal Hornstein (Saxofon) | Bildarchiv Bayerischer Landtag
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