Bayerischer Landtag

Jung und Alt debattieren beim „Parlament der Generationen“

Eröffnung des Generationenparlaments mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm im Plenarsaal. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Jung und Alt gemeinsam? Oder gibt es politische Interessenkonflikte zwischen den Generationen? | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Landtagspräsidentin Barbara Stamm verfolgt die Diskussionen in den Sitzungen und ergreift ebenfalls das Wort. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Blick in die Zukunft: So arbeitet und entscheidet das Parlament in der Zusammensetzung des Jahres 2050. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Vertreter der unterschiedlichen Altersgruppen und der verschiedenen Lebenswirklichkeiten sitzen im Plenum beieinander. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Abschlussrunde mit Akademiedirektorin Prof. Dr. Ursula Münch (Mitte) und Alterspräsident Prof. Dr. Peter Paul Gantzer (li.) wird moderiert von Anouschka Horn vom BR. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

München, 2. und 3. Juni 2016
– Von Sebastian Haas und Katja Helmö –

Beim „Parlament der Generationen“ haben sich 140 bayerische Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 16 und 83 Jahren mit dem demografischen Wandel beschäftigt. Dazu tagten im Maximilianeum ein Parlament aus dem Jahr 2016 und ein Parlament in der gesellschaftlichen Zusammensetzung des Jahres 2050. Am Ende der zweitägigen, wissenschaftlich begleiteten Politiksimulation wurden die Beschlüsse der beiden Parlamente gegenüber gestellt und miteinander verglichen. Dabei wurde deutlich: Es gibt keine klaren Kluften zwischen den Generationen. Koalitionsbildungen fanden bei vielen Themen auch zwischen den verschiedenen Altersgruppen statt.

Videos zur zweitägigen Politiksimulation und Statements | © Video Bayerischer Landtag

Etwa 21 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung sind derzeit über 67 Jahre alt – im Jahr 2050 wird sich der Anteil älterer Menschen nahezu verdoppelt haben. Die Gesellschaft wird damit nicht nur älter, sie wird zudem in bestimmten Regionen zahlenmäßig kleiner. Gleichzeitig wird die Vielfalt an Kulturen und Lebensformen größer. Was bedeuten diese Entwicklungen für den politischen Entscheidungsprozess? Nehmen die Interessenkonflikte zwischen den Generationen zwangsläufig zu oder werden die gemeinsamen Interessen und die Solidarität zwischen den Altersgruppen überwiegen?

Um diese Fragen zu beantworten, luden der Bayerische Landtag und die Akademie für Politische Bildung Tutzing zum „Parlament der Generationen“. Bei dieser wissenschaftlich begleiteten Politiksimulation schlüpften Laien in die Rolle von Parlamentariern und bildeten zwei Parlamente: Während sich das eine Laien-Parlament entsprechend der bayerischen Bevölkerung von 2016 zusammensetzte, repräsentierte das andere hinsichtlich Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund die Gesellschaft des Jahres 2050.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm zeigt sich davon überzeugt, dass der demografische Wandel gestaltet werden kann. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Blick in die Reihen der Laien-Parlamentarier | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Volles Plenum: Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wirken beim Parlament der Generationen mit. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Simulationsexperten Sebastian Schäffer (li.) und Robert Lohmann erklären die Vorgehensweise bei dem wissenschaftlichen Experiment. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Akademiedirektorin Prof. Dr. Ursula Münch dankt der Landtagspräsidentin, dass das Experiment in den Räumen des Landtags stattfindet. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Blick in die Reihen der Laien-Parlamentarier | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Behandelt wurden in beiden Parlamenten – unabhängig voneinander – die gleichen politischen Inhalte. Schwerpunkte bildeten die Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung, ÖPNV und Bildung. Die Laien-Parlamentarier diskutierten darüber als „Starter“, „Macher“, „Kenner“ und „Könner“ in vier nach Altersgruppen eingeteilte Fraktionen bzw. „Generationenräte“. In den Sitzungen der Generationenräte ebenso wie in den Ausschüssen, wo jeweils alle vier Altersgruppen vertreten waren, ging es nicht nur einfach darum, Meinungen zu den Themenschwerpunkten „Regionale Entwicklung" und „Bildung" auszutauschen. Vielmehr mussten Gegner überzeugt, Kompromisse ausgehandelt und dazu Beschlussvorlagen formuliert werden, damit – wie im richtigen Parlament – am Ende im Plenum darüber abgestimmt werden konnte.

Den Teilnehmern machte es sichtlich Spaß, in die Rolle der Abgeordneten zu schlüpfen: Sie diskutierten  engagiert aus dem Blickwinkel ihrer Generation, sie bildeten Netzwerke und Allianzen – auch, wenn es hier zu Überraschungen kam: Manche Teilnehmer verhielten sich in den öffentlichen Verhandlungen konsensorientierter als später bei der geheimen Abstimmung und brachten damit Beschlussvorlagen auch zu Fall. Insbesondere die Generation der „Starter“ verstand es, sich schnell zu vernetzen und taktisch klug zu agieren, während in den deutlich größeren Gruppen der Älteren, die im Jahr 2050 in der Mehrheit sind, unterschiedliche Meinungen über das Vorgehen zu Tage traten. Landtagspräsidentin Barbara Stamm zeigte sich begeistert von dem politischen Experiment – vor allem darüber, mit wie viel Herzblut sich die „Parlamentarier der Generationen“ einbrachten: Alle hätten erfahren, wie herausfordernd es ist, um Mehrheiten und Positionen zu ringen, und dabei auch einmal zu unterliegen.

Auffällig war, dass die Rentner-Generation, also die Gruppe der „Könner“, ihre Entscheidungen nicht nur mit kurzfristigem Blick traf: Es ging ihnen zwar vor allem um Pflege, Gesundheit und die Qualität des Öffentlichen Nahverkehrs; sie dachten aber auch an Bildungsangebote. Und auch die Jungen, die „Starter“, achteten nicht nur auf ihre Interessen: Fitte Senioren – und wenn sie es nicht mehr sind, dann wenigstens gut versorgte – sind auch ihnen wichtig.

Bei den Abstimmungen im Plenum wurde dies deutlich: Es gab kein plakatives Alt gegen Jung. Politische Koalitionsbildungen waren themenabhängig und führten auch zu Generationen übergreifenden Bündnissen. „Es gibt viele gemeinsame Interessen, obwohl man unterschiedlichen Generationen angehört“, stellte Akademie-Direktorin Prof. Dr. Ursula Münch fest. Abläufe und Abstimmungsergebnisse der beiden Generationenparlamente werden wissenschaftlich noch genau ausgewertet und analysiert, anschließend dann in einer Publikation der Akademie für Politische Bildung, die voraussichtlich im Herbst 2016 vorliegen wird, im Überblick vorgestellt. 

Prof. Dr. Peter Paul Gantzer, mit 77 Jahren der älteste Abgeordnete, erklärt: „Die Jugend hat das Feuer. Aber wir Alten wissen, wo die Abkürzungen sind." | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Einführung in die Themen | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Landtagsvizepräsident Peter Meyer li.) begrüßt einen Teilnehmer aus seinem Wahlkreis. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Abstimmung der „Starter 2050“ | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
„Macher 2016“ bei der Arbeit | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
„Starter 2016“ beraten im Lesesaal | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Abgeordnete Katharina Schulze beim „Zukunftsdialog 2050“ im Gespräch mit einer Teilnehmerin. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Beratungen im Ausschuss für Bildungsfragen 2050 | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Landtagspräsidentin verfolgte die Diskussionen in den Ausschüssen und Generationenräten. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Zukunftsdialog 2050 mit den Landtagsabgeordneten am Abend des ersten Tages. | © Bildarchiv Bayerischer Landtag

Am Ende des ersten Tages, hatten die „Parlamentarier der Generationen" die Möglichkeit, sich mit mit den „echten" Parlamentariern" im Steinerenen Saal auszutauschen. Beim Zukunftsdialog 2050 vertieften sie gemeinsam die Themen „Politik & Parteien 2050", „Stadt & Land 2050" und „Bayerische Identität 2050". 

Alle Informationen zum Parlament der Generationen, zu Zielen, Methodik und Themen der Politiksimulation, zu Struktur und Ablauf, zu den wissenschaftlichen Experten hinter der Veranstaltung sowie ein ausführliches FAQ finden Sie auf der Projekthomepage www.parlament-der-generationen.bayern

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