Bayerischer Landtag

29.05.2017 - Barbara Stamm: Grußwort Bayerisch-israelischer Freundschaftsabend und Eröffnung der Ausstellung „Faces of Jerusalem – Fotografien von Herlinde Koelbl“

Sehr geehrter Herr Generalkonsul, lieber Dr. Shaham,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,

ich freue mich sehr, dass Sie heute hierher ins Maximilianeum gekommen sind, um mit uns – dem Bayerischen Landtag und dem Israelischen Generalkonsulat – gemeinsam die bayerisch-israelische Freundschaft zu feiern und eine ganz besondere Fotoausstellung zu eröffnen. Die Ausstellung zeigt Fotografien von jüdischen und arabischen Menschen in Jerusalem, die gemeinsam die Hoffnung auf ein friedvolles Leben miteinander in den Alltag tragen. Durch Verständigung und verschiedene Projekte gelingt es ihnen so, Grenzen und Vorurteile zu überwinden – und dieses fruchtbare Miteinander belebt und bereichert beide Seiten.

Ein englischer Schriftsteller hat einmal gesagt: „Die Freundschaft fließt aus vielen Quellen, am reinsten aber aus Respekt“.

Und tatsächlich ist unsere bayerische Freundschaft mit Israel – unter deren Zeichen auch der heutige Abend steht – etwas, das wir immer respektvoll betrachten. Denn wir alle wissen, dass es ein besonderes Verhältnis ist, das Israel und Deutschland verbindet – und dass der intensive Dialog, den wir nun seit vielen Jahrzehnten miteinander führen, alles andere als selbstverständlich, aber unverzichtbar ist.

Angesichts der schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und des Völkermords an den Juden Europas grenzt es eigentlich an ein Wunder, dass jüdisches Leben in die Mitte unserer Gesellschaft zurückgekehrt ist. Und nicht allein deshalb, weil die Stimmen der letzten Überlebenden der Shoa bald verstummt sein werden, sind die vielen Vorträge, Austauschprogramme und Partnerschaften unentbehrliche Erinnerungsarbeit.

Wir alle kennen die furchtbaren Fakten zur deutsch-jüdischen Geschichte. Und wir bekennen uns klar zu dieser historischen Schuld. Das bedeutet aber auch, dass wir große Verantwortung dafür tragen, dass sich das Geschehene niemals wiederholt.  Die Vergangenheit können und dürfen wir nicht vergessen. Aber wir können sie überwinden – indem wir einander die Hand reichen. Das wollen wir heute Abend wieder ganz besonders tun.

Gerade in Zeiten, in denen erneut Vorurteile gegenüber Bevölkerungsgruppen laut werden, ist es umso wichtiger, die Verständigung zwischen den Menschen zu fördern. Im Gedenken an die Geschichte setzen wir uns klar und deutlich gegen jede Form der Intoleranz und Ausgrenzung ein. Und wir wollen uns gemeinsam stark machen für eine lebendige Demokratie – damit wir so für die nachfolgenden Generationen etwas aufbauen, das Bestand hat. Das gelingt am besten im Miteinander und im Kontakt mit Menschen.

Ich sage: Wir können gar nicht genug voneinander lernen, wir können gar nicht genug erfahren und wir können nicht genug Begegnungen miteinander haben!

Zahllose Schulen und Initiativen sind in dieser Hinsicht seit Jahrzehnten engagiert, und deswegen freut es mich, dass heute Abend auch so viele junge Leute anwesend sind.
Auch der Bayerische Landtag tut einiges dafür! Ich denke dabei zum Beispiel an:
•    die Studientage Israel 2013 und 2015, die wir gemeinsam mit dem Israelischen Generalkonsulat veranstaltet haben.
•    Im April 2016 gab es ein Akademiegespräch zum Thema „Komplexe Verhältnisse – Deutsch-israelische Beziehungen im Rückblick“.
•    2015 war der Ausschuss für Bildung und Kultus in Israel und für 2017 ist eine weitere Reise des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration nach Israel geplant.

Und ich selbst war 2014 mit dem Direktor der Bayerischen Gedenkstätten, Karl Freller, für mehrere Tage in diesem beeindruckenden Land.

Anrede
Die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft, für eine beständige Freundschaft zwischen Bayern und Israel sind gut. Und neben dem gewachsenen Vertrauen sind es vor allem die gemeinsamen Werte, auf denen diese Beziehung fußt.
Israel ist ebenso wie Bayern ein demokratischer Staat. Wir wissen aber auch, dass sich das Land immer wieder großen Belastungen gegenüber sieht. Der Nahostkonflikt bringt stete Umbrüche mit sich und die Menschen vor Ort erleben, dass das Miteinander der Religionen nicht immer leicht ist. Tatsächlich ist es weniger das Ansehen in der Region, sondern vielmehr der internationale Rückhalt, der Israel stärkt. Israel braucht starke Freunde – und Bayern ist ein solcher Freund!
Darauf, lieber Herr Generalkonsul, können Sie sich stets verlassen!

Diese Freundschaft wollen wir heute aus verschiedenen Perspektiven betrachten – und wir wollen sie feiern! Dafür bedanke ich mich schon jetzt sehr herzlich bei allen Beteiligten für ihr großes Engagement und wünsche uns nun allen einen wundervollen Abend – begleiten sollen uns dabei die klugen Worte eines Schriftstellers, der einmal gesagt hat:

„Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.“
Lassen Sie uns das Wunder der bayerisch-israelischen Freundschaft pflegen – in der Politik ebenso wie in den Herzen der Menschen.
Vielen Dank.

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