Bayerischer Landtag

Der Senatssaal

Der Senatssaal | © Bildarchiv Bayerischer Landtag | Foto Rolf Poss
Der Senatssaal
Foto Rolf Poss | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Vom Galeriesaal zum Senatssaal

Der vom Bauherrn des Maximilianeums, König Maximilian II., ebenso wie der südliche Saal (heute Plenarsaal) und der Steinerne Saal großzügig mit Monumentalgemälden ausgestattete nördliche Galeriesaal war im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört worden. Von den ursprünglich in den drei Sälen ausgestellten 30 Werken gingen 13 bei den Luftangriffen auf München unwiederbringlich verloren. Die verbliebenen Ölgemälde konnten nach dem Krieg an anderer Stelle im Maximilianeum untergebracht werden, sodass nach dem Wiederaufbau der nördliche Saal als Sitzungssaal für die Ständekammer, den Bayerischen Senat, dienen konnte. Seinem neuen Zweck entsprechend erhielt der Saal den Namen Senatssaal. Auch nach der Auflösung des Bayerischen Senats durch Volksentscheid, mit Wirkung zum 31.Dezember 1999, wurde der Name Senatssaal beibehalten.

Für einen modernen Parlamentsbetrieb war der rund 300 Quadratmeter umfassende Senatssaal zunehmend unzureichend ausgestattet: Einfach verglaste Fenster, veraltete Heiz- und Lüftungstechnik, ein seit 1949 mehrfach abgeschliffenes Parkett, die provisorische Lautsprecheranlage und eine marode elektrotechnische Ausstattung machten eine grundlegende Sanierung dringend erforderlich.

150 Jahre nach der Grundsteinlegung für das Maximilianeum wurde im Mai 2007 mit dem Rück- bzw. Umbau des ehemaligen Senatssaals inklusive der damit zusammenhängenden Sanierung der Haustechnik begonnen. Nach gut einjähriger Bauzeit steht er für die im Herbst 2008 beginnende 16. Wahlperiode als moderner multifunktionaler Veranstaltungsraum wieder zur Verfügung.

Die Seeschlacht bei Salamis von Wilhelm von Kaulbach | Foto Rolf Poss | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die Seeschlacht bei Salamis von Wilhelm von Kaulbach
Foto Rolf Poss | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Mit dem Einzug des Bayerischen Parlaments ins Maximilianeum am 11. Januar 1949 wurde der ehemalige Galeriesaal Nord als Sitzungssaal für die Ständekammer, den Bayerischen Senat, eingerichtet und seinem neuen Zweck entsprechend in Senatssaal umbenannt. Seit der Auflösung des Bayerischen Senats am 1. Januar 2000 wird der Senatssaal hauptsächlich für außerparlamentarische Veranstaltungen, wie Vorträge, Diskussionen, Tagungen usw. genutzt.

„Die Seeschlacht bei Salamis“ von Wilhelm von Kaulbach

Als Würdigung an seine ursprüngliche Nutzung als Galeriesaal schmückt den Raum an der Westseite die von Wilhelm von Kaulbach (1805-1874) in Öl auf Leinwand in Szene gesetzte Seeschlacht zwischen Griechen und Persern bei Salamis (560 x 980 cm). Es ist eines der 17 noch erhaltenen Bilder, die König Max II. von Bayern seit 1853 für die Historische Gallerie des Maximilianeums in Auftrag gegeben hat zu dem Zwecke, die Hauptmomente der Weltgeschichte (vom Sündenfall bis zur Völkerschlacht bei Leipzig) durch die Kunst zu veranschaulichen – zur Bildung des Volkes und zur Förderung der Historienmalerei. Trotz der dramatischen Inszenierung ist das Monumentalgemälde weniger eine Reportage des 480 v. Chr. von den Griechen erfolgreich geführten Kampfes gegen die übermächtige persische Flotte in der Meerenge bei der Insel Salamis (von Attika) als vielmehr ein Beispiel für den von der Kultur über die Barbarei errungenen Sieg. Auf einer wolkenumdräuten Felsklippe – links oben – thront der Perserkönig Xerxes inmitten seines verzweifelten Hofstaates und versucht hektisch, noch eine Wende der Seeschlacht zu erreichen, denn persische Schiffe sinken oder sind bereits untergegangen; im Vordergrund treibt der Harem des Königs auf dem Wasser. Im Kontrast dazu befehligt siegessicher in der rechten Bildhälfte Themistokles, ruhender Pol in der tobenden Schlacht, die griechische Streitmacht. Rechts vor ihm schleudert gerade der Tragiker Aischylos, der später diese Schlacht in seinem Stück Die Perser eindrucksvoll schildern sollte, den Speer gegen Phönizier, die den geraubten Tempelschatz in Sicherheit bringen wollen. Am rechten Bildrand hat Aristides mit seinen Leuten die Insel Psyttaleia mit Waffengewalt eingenommen; ein Neffe des Perserkönigs fleht ihn um sein Leben an. Daneben sieht der 16-jährige Sophokles die Heroen Peleus, Achill und Ajax durch die Lüfte den Griechen zu Hilfe eilen.

Wilhelm von Kaulbach, der für die jahrelange Arbeit an diesem Werk immerhin 35 000 Gulden ausbezahlt bekam, ist am 15. Oktober 1804 in Arolsen geboren und am 7. April 1874 in München gestorben. Als Direktor der Akademie der Bildenden Künste in München (1849-1974) war er der maßgebliche Historienmaler unter König Max II.

Kaiser Friedrich Barbarossa und Herzog Heinrich der Löwe in Chiavenna von Philipp Foltz | Foto Rolf Poss | © Bildarchiv Bayerischer Landtag
Kaiser Friedrich Barbarossa und Herzog Heinrich der Löwe in Chiavenna von Philipp Foltz
Foto Rolf Poss | Bildarchiv Bayerischer Landtag

„Kaiser Friedrich Barbarossa und Herzog Heinrich der Löwe in Chiavenna“ von Philipp Foltz

Neben Der Seeschlacht bei Salamis hängt das Historienbild Kaiser Friedrich Barbarossa und Herzog Heinrich der Löwe in Chiavenna von Philipp Foltz. In der Halle der Burg von Chiavenna, gut 20 km nördlich des Comer Sees, sinkt der Stauferkaiser Friedrich I., wegen seines roten Bartes Barbarossa genannt, vor seinem Vetter, dem Welfen Heinrich dem Löwen, damals noch Herzog von Sachsen und Baiern, in die Knie. Es ist Frühjahr 1176; die lombardischen Städte machen – trotz des Vorfriedensvertrags vom April 1175 – erneut gegen den Kaiser mobil, der bereits einen Teil seiner Truppen über die Alpen zurückgeschickt hat. Heinrich der Löwe fordert als Preis für die Heerfolge die Kaiserpfalz Goslar. Friedrich I. kann darauf nicht eingehen. Doch ist er auf die Hilfe aller angewiesen, besonders auch auf die des Welfenherzogs, der ihn 1155 so mannhaft in Rom verteidigt hat. Deshalb hat sich der Kaiser von seinem Löwenthron (rechts) erhoben, um Heinrich kniefällig um Beistand zu bitten. Dieser jedoch, in voller Rüstung auf sein Schwert gestützt, wendet sein finster entschlossenes Gesicht ab. Sein stahlblaues Wams mit dem Welfen-Löwen sticht ab vom warmen Rot des Kaisermantels und untermalt so seine Gefühlskälte. Über seine rechte Schulter flüstert ihm sein Truchsess Jordanus (mit Flügelhelm) zu: Die Krone, Herzog, die Du zu Deinen Füßen siehst, wird bald auf Deinem Haupte glänzen. Kaiserin Beatrix ist engelgleich herbeigeeilt, fasst Friedrichs rechte Hand und ermuntert ihn: Stehet auf, lieber Herr, Gott wird Euch helfen. Noch weiter dramatisiert wird diese zentrale Szene durch die unterschiedliche Reaktion der Umstehenden, die von fassungslosem Entsetzen beim Gefolge der Kaiserin (rechts), über den ohnmächtigen Zorn des Mainzer Erzbischofs Christian von Buch (hinter dem Kaiser), der entsprechend der Situation ein Kettenhemd unter seiner Pontifikalkleidung trägt, bis zum offenen Aufruhr bei den Gefolgsleuten beider Parteien (links bzw. hinter Herzog Heinrich) reicht. Nur einer noch bleibt ruhig, der wie die Hauptakteure im Rampenlicht steht und in Haltung (die Linke in die Seite gestemmt, die Streitaxt in der Rechten) sowie Beistellung als Gegenspieler des Welfenherzogs erscheint, den er scharf ins Auge gefasst hat. Es ist dies, wie die hinter ihm flatternde Reichsfahne zeigt, Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, der getreue Bannerträger des Kaisers mit dem Staufer-Adler auf der Brust; 1180 wird er an Stelle Heinrichs des Löwen mit dem Herzogtum Baiern belehnt werden. Durch die Wappentiere werden beide Kontrahenten zugleich zur Verkörperung der Schlachtrufe Hie Welf! – Hie Waiblingen!, die von nun an das ganze Heilige Römische Reich Deutscher Nation jahrhundertelang entzweien werden. Der Abfall Heinrichs des Löwen aber sollte die Niederlage Friedrich Barbarossas gegen den lombardischen Städtebund am 29. Mai 1176 bei Legnano (nordwestlich von Mailand) zur Folge haben.

Der Maler des Bildes, Philipp Foltz, wurde am 11. Mai 1805 in Bingen am Rhein geboren; am 5. August 1877 ist er in München gestorben. 1851 wurde Foltz zum Professor an der Münchner Akademie der Bildenden Künste und 1865 zum Direktor der Neuen Pinakothek berufen.

Der Gobelin von Prof. Hermann Kaspar | © Bildarchiv Bayerischer Landtag | Foto Rolf Poss
Der Gobelin von Prof. Hermann Kaspar
Foto Rolf Poss | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Wandteppich Großes Bayerisches Staatswappen

An der nördlichen Stirnwand des Senatssaals hing bis Juli 2017 ein monumentaler Wandteppich mit dem Großen Bayerischen Staatswappen, der an die Nachkriegszeit und an den alten Plenarsaal erinnern sollte, in welchem sich der Bildteppich von 1950 bis 2004 befand. Nach dem Umbau des Plenarsaals (2004/05) und des Senatssaals (2007/08) konnten die Besucherinnen und Besucher des Bayerischen Landtags den Teppich im Senatssaal besichtigen, bis er 2017 dem Museum für Bayerische Geschichte in Regensburg zur Verfügung gestellt wurde.

Das Bayerische Wappen in der heutigen Form wurde 1945 von dem Münchner Künstler Eduard Ege nach alten Vorbildern geschaffen und am 5. Juni 1950 vom Bayerischen Landtag per Gesetz zum Staatswappen bestimmt: Zwei goldene Löwen halten einen gevierten Wappenschild. Das erste Feld (vom Betrachter aus oben links) zeigt in Schwarz den goldenen, rotbewehrten, aufgerichteten Pfälzer Löwen (für den Regierungsbezirk Oberpfalz), das Feld oben rechts den rot-weißen (silbernen) Rechen des einstigen Fürstbistums Würzburg (für die Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken), das Feld unten links den blauen, goldbewehrten, aufgerichteten Panther Herzog Heinrichs von Niederbaiern auf weißem (silbernem) Grund (für die Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern) und das Feld unten rechts auf Gold übereinander die drei schwarzen, rotbewehrten, schreitenden Löwen der Hohenstaufen (für den Regierungsbezirk Schwaben). Der Herzschild mit den Rauten (Wecken) in Weiß (Silber) und Blau ist das 1242 von den Grafen von Bogen übernommene Wappen der Wittelsbacher. Er repräsentiert heute symbolisch die Zusammengehörigkeit der genannten Gebiete und ihrer Bewohner im Freistaat. Die sog. Volkskrone über dem Großen Bayerischen Staatswappen ersetzt die vormalige Königskrone und ist seit 1923 Ausdruck der Volkssouveränität.

Als Besonderheit sind auf dem Wandteppich auch die Stadtwappen der Regierungssitze der Bezirke dargestellt. Da bis zur Aufhebung der Länder durch die Nationalsozialisten 1934 die Rheinpfalz als achter Regierungsbezirk zu Bayern gehörte, fand die Pfalz hier ihre Aufnahme, obwohl das Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg dem Bundesland Rheinland-Pfalz zugeteilt wurde. Zu sehen sind daher von links nach rechts folgende (teilweise sprechende) Stadtwappen: Die Zirbelnuss auf antikem Säulenkapitell (sog. Stadtpyr) für Augsburg (Schwaben), der Mönch für München (Oberbayern), die gekreuzten Petrusschlüssel für Regensburg (Oberpfalz), die golden-rot geviertete Fahne für Würzburg (Unterfranken), die drei Eisenhüte für Landshut (Niederbayern), die beiden Reuten (Rodehacke/Rodungswerkzeug) auf den Wappen der Hohenzollernschen Burggrafen von Nürnberg für Bayreuth (Oberfranken), der silisierte Kaiserdom für Speyer (Pfalz) und der Bach mit den drei Karpfen für Ansbach (Mittelfranken).

Gefertigt wurde der Wirkteppich in der Münchner Gobelinmanufaktur nach einem Entwurf von Professor Hermann Kaspar (1904-1986), der vor und nach 1945 Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München war und der wegen seines künstlerischen Schaffens im Dritten Reich bereits in den ersten Nachkriegsjahrzehnten stark umstritten war. Kaspar hatte an exponierter Stelle – unter anderem bei der Neuen Reichskanzlei in Berlin, beim Haus der Deutschen Kunst in München oder beim Nürnberger Reichsparteitagsgelände – seine Kunst in den Dienst des NS-Regimes gestellt und war dafür insbesondere in den 1960er Jahren scharf kritisiert worden. Er blieb aber bis zu seiner Emeritierung 1972 Hochschullehrer an der Akademie der Bildenden Künste, deren Vizepräsident und Ehrenmitglied er auch war.

Seitenanfang