Bayerischer Landtag

Barbara Stamm: Verleihung des Integrationspreises „JobErfolg 2013“

Sehr geehrte, liebe Frau Badura, sehr geehrter Herr Höhenberger, sehr geehrter Herr Parvanov, sehr geehrte Preisträger, sehr geehrte Mitglieder der Jury, sehr geehrte Damen und Herren,

zum neunten Mal wird heuer der Integrationspreis Job-Erfolg verliehen. Gut ist, dass sich immer mehr Firmen und öffentliche Arbeitgeber bewerben. Das zeigt, dass unsere Botschaft angekommen ist. Aber wir wollen uns nicht daran gewöhnen. Denn Menschen mit Behinderung im Erwerbsleben müssen eine Selbstverständlichkeit sein. Da dies aber noch ein weiter Weg ist, brauchen wir Anreize und Unterstützung – wie den Integrationspreis JobErfolg.
Wenn wir über Erfolg reden, hat jede und jeder von uns seine eigenen Vorstellungen. Erfolg hat viele Gesichter. Vor allem aber hat Erfolg nichts mit Vollkommenheit zu tun, sondern mit der Erfüllung und Zufriedenheit eines Menschen. Ein erfüllendes Leben ist nur in der Vielfalt und in der Gemeinschaft möglich – also mit allen Unterschieden, mit allen Stärken und Schwächen, mit Selbstbewusstsein und Zweifeln, mit Höchstleistungen und Niederlagen. Jeder Arbeitgeber, der dies unterstützt und Menschen in ihrer Vielfalt annimmt, verdient großen Respekt und Dank.

Viele Menschen mit Behinderung fragen sich nach Ende ihrer Schul- bzw. Ausbildungszeit: Wie geht es jetzt weiter? Der Weg zur Behindertenwerkstatt mag für einige genau richtig sein, aber er darf nicht zum Automatismus werden. Der erste Arbeitsmarkt muss sich noch mehr als bisher für Behinderte öffnen. Das hat nichts mit Wohlwollen zu tun. Wir wissen, dass Menschen mit Behinderungen nicht geringer qualifiziert sind, im Gegenteil: Der Fachkräfteanteil bei schwerbehinderten Arbeitslosen ist höher als bei nicht schwerbehinderten Arbeitslosen. Das heißt, wir brauchen noch mehr Einsatz für Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Und wir brauchen mehr Arbeitgeber, die sich über unterschiedliche Arten der Behinderung informieren, die Vorurteile abbauen und die Scheu verlieren, mit Behinderten zusammen zu arbeiten. 

Die heutigen Preisträger und Bewerber haben dies bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sie zeigen, was alles möglich ist, oder anders gesagt: dass fast nichts unmöglich ist.

Ich freue mich, auch heuer wieder den Preisträger im Öffentlichen Dienst zu würdigen.

Meine Damen und Herren,
wichtig ist, dass der Öffentliche Dienst seine Vorbildfunktion für die Eingliederung von Menschen mit Behinderung ins Arbeits- und Berufsleben weiterhin wahrnimmt bzw. ausbaut.

Im Freistaat Bayern sind wir auf einem guten Weg. Zwar weist der aktuelle Schwerbehindertenbericht einen geringfügigen Rückgang von 0,02 Prozentpunkten auf. Aber insgesamt liegt die Beschäftigungsquote von 5,76 % weit über der gesetzlichen Pflichtquote. Besonders erfreulich ist der deutliche Anstieg der Werkstatt-Aufträge. Der Anteil an den Werkstatt-Aufträgen, der auf die Arbeitsleistung schwerbehinderter Menschen entfällt, lag im Jahr 2012 mehr als 10 % über dem Betrag des Vorjahres.

Diese Tendenz gilt auch für die kommunale Ebene, die zum Teil eine Vielfalt an Tätigkeiten anzubieten hat. Dabei bedarf es manchmal nur geringer Aufwendungen, um einen Arbeitsplatz behindertengerecht zu gestalten.
Ich weiß auch, dass manches einfacher gesagt als getan ist. Aber der diesjährige Preisträger im öffentlichen Dienst – Markt Hirschaid – hat gezeigt und zeigt immer noch, dass es geht. Sowohl die Jury als auch das zuständige Integrationsamt der Region Oberfranken sind von dem vorbildlichen Engagement beeindruckt. Eine verhältnismäßig kleine Verwaltungseinheit mit 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Rathausverwaltung bzw. insgesamt 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der gesamten Gemeinde kümmert sich in außergewöhnlichem Maße um schwer behinderte Menschen. Niemand wird aufgegeben, Probleme werden gelöst, wir schaffen das gemeinsam – so könnte man die auszeichnungswürdige Einstellung der Verantwortlichen des Marktes Hirschaid, zuallererst des Bürgermeisters Andreas Schlund, zusammenfassen. Und wieder einmal wird deutlich: Der Wille und die Überzeugung des Leiters oder der Leiterin einer Behörde sind entscheidend. Wenn keine Barrieren im Kopf sind, dann verschwinden auch die Barrieren in der Umgebung.

Unabhängig von Betreuungsaufwand, von Einarbeitungszeit oder finanziellen Investitionen wird in der Verwaltung des Marktes Hirschaid versucht, jeder und jedem mit Behinderung eine Chance zu geben. Wir werden es gleich im Filmbeitrag sehen.

Besonders beeindruckt hat mich das Engagement bei einem mehrfach behinderten Büromitarbeiter, der Listen mit entsprechenden Daten erstellt. Diese Aufgabe könnte auch durch ein entsprechendes Computerprogramm erledigt werden. In der Verwaltung von Hirschaid ist man einen anderen Weg gegangen. Der betreffende Büromitarbeiter kann diese Tätigkeit auf einer ihm angepassten Schreibmaschine verrichten. Das ist nur ein herausragendes Beispiel; insgesamt werden in der Verwaltung der Gemeinde Hirschaid fünf schwerbehinderte Mitarbeiter beschäftigt. Aber auch bei den Einrichtungen in der Gemeinde, wie zum Beispiel beim Kindergarten St. Vitus, wird die Eingliederung von behinderten Menschen unterstützt und gefördert.

Darüber hinaus setzt sich die Gemeinde Hirschaid für eine barrierefreie Gestaltung ihres Gebäudes und der Umgebung ein, wie z.B. Ausstattung mit einer Induktionsanlage oder mit der Einrichtung eines Behindertenparkplatzes. Geplant sind Leitsysteme für Sehbehinderte auf dem Rathausplatz. Bei allen Neu- und Umbauten von gemeindlichen Einrichtungen schauen die Verantwortlichen durch die „barrierefreie Brille“. Damit schafft die Gemeinde insgesamt ein hervorragendes Klima für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Das wirkt sich auch auf das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung aus. Ich hoffe, dass Ihr Beispiel viele Nachahmer finden wird. Denn letztlich ist es auch der richtige Schritt in eine Gesellschaft, in der zukünftig viele ältere und alte Menschen leben werden.

Wie bereichernd der Einsatz von Menschen mit Behinderung an der richtigen Stelle für alle Beteiligten ist, zeigt ein Zitat des ehemaligen Direktors eines bekannten Berliner Universitäts-Klinikums (ich zitiere): „Werden schwerbehinderte Menschen nach ihren Fähigkeiten am richtigen Ort zur richtigen Zeit eingesetzt, sind sie 100 %ig leistungsfähig – und oftmals sogar zu 120 %iger Leistung bereit….“ (Ende Zitat)

Ein herzliches Dankeschön und natürlich meinen Glückwunsch an den Bürgermeister von Hirschaid, Herrn Andreas Schlund, und seine Mitstreiter, insbesondere an den Behindertensprecher und Mitglied des Marktgemeinderates, Herrn Dr. Josef Haas. Ich hoffe, dass sich viele Kommunen, auch gerade die kleineren, an Ihnen ein Beispiel nehmen!

(Es folgt zunächst ein kurzer Film über den Preisträger und dann die Preisübergabe durch die Landtagspräsidentin. Daran schließt sich die Rede des Preisträgers an.)

Seitenanfang