Bayerischer Landtag

28.09.2017 - Barbara Stamm: Ansprache bei Lesung zum 1. Todestag von Max Mannheimer

Sehr geehrte Familien Mannheimer und Faessler,
sehr geehrter Herr Naor, [ Überlebender]
sehr geehrter Herr Grube, [Überlebender]
sehr geehrte Frau Präsidentin Knobloch,
sehr geehrte Schwester Elija,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen aus dem Bayerischen Landtag, [Freller, Kohnen, Stamm]
sehr geehrte Damen und Herren,

auf den Tag genau vor einem Jahr hat der Bayerische Landtag während der Plenarsitzung Max Mannheimers gedacht. Uns allen wurde damals schmerzlich bewusst: Mit seinem Tod ist einer der letzten und bekanntesten Zeitzeugen der nationalsozialistischen Verbrechen für immer von uns gegangen. Für seine besondere Verbundenheit mit der bayerischen Volksvertretung sind wir ihm zu größtem Dank verpflichtet.
Max Mannheimer hat uns in seinen Zeugnissen und in seiner Kunst ein reiches, ein wertvolles Erbe hinterlassen. Unsere Aufgabe und unsere Verpflichtung muss es sein, es zu bewahren und dafür zu sorgen, dass es unauslöschlicher Bestandteil unseres Geschichtsbewusstseins wird.

Ich darf Sie sehr herzlich zu dieser Lesung zum 1. Todestag Max Mannheimers begrüßen. Am heutigen Abend wollen wir sein vielfältiges Wirken ehren und an ihn erinnern:

•    an den Schriftsteller, der mit seinen autobiographischen Texten unzählige Menschen erreicht hat,

•    an den Maler, dessen ausdrucksstarke Bilder jeden Betrachter in ihren Bann ziehen,

•    an den Zeitzeugen, der die Erinnerungskultur in Deutschland in beispielloser Weise geprägt hat,
•    dessen Lebensgeschichte Generationen von Schülerinnen und Schülern aufgerüttelt und berührt hat und –

•    wir erinnern an eine große Persönlichkeit. Max Mannheimer fand die Kraft, schrecklichste Erfahrungen positiv umzusetzen und unermüdlich für Frieden und Menschlichkeit einzutreten.
Seine nachdenkliche Rede hier im Maximilianeum beim Holocaust-Gedenk-Akt im Jahr 2015 ist mir noch sehr präsent. Lassen Sie mich zwei seiner Gedanken aufgreifen, die mich besonders beeindruckt haben. Er hat damals unter anderem gesagt [ich zitiere]:
 
„Alles, auch die umfassendsten geschichtlichen Vorgänge beginnen mit persönlichen Entscheidungen. Und die sind frei. Sie sind frei, im positiven oder negativen Sinn verwirklicht zu werden. Die Taten von Auschwitz sind nicht im Affekt entstanden oder in Bedrängnis oder in Gefahr, sondern aus einer verbrecherischen Ideologie, die zum Programm gemacht wurde.“ [Zitat Ende]

Max Mannheimer hat damit sehr treffend die Rolle und Verantwortung des Einzelnen im gesellschaftlichen Miteinander umrissen. Wir alle sind verantwortlich für das, was um uns herum geschieht. Das ist eine Pflicht, an die wir uns immer wieder erinnern müssen. Es ist aber auch ein großes Privileg, dass wir die Möglichkeit haben, uns einzumischen. Aus diesem Grund dürfen wir dankbar und froh sein über unser heutiges Staatswesen.
Das betonte auch Max Mannheimer in seiner Rede. Ich zitiere:

„In einer Demokratie leben zu dürfen, ist nicht für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit. Deshalb sollten wir den jungen Menschen den Wert einer Demokratie bewusst machen und sie dafür stärken, sich für demokratische Werte, für Persönlichkeitsrechte, für menschliche Würde und für Religionsfreiheit einzusetzen.“ [Zitat Ende]

Diesen Auftrag und diese Verpflichtung hat Max Mannheimer sehr ernst genommen und in den Mittelpunkt seines Wirkens gestellt. Wir sollten ihn auch ernst nehmen – jeden Tag. Ich glaube, nach den Ereignissen vom letzten Sonntag müssen wir uns dies noch einmal besonders vornehmen. Dass wir dabei auf die junge Generation vertrauen dürfen, ermutigt mich. Unter den Gästen des heutigen Abends sind auch Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Grafing.
Liebe Schülerinnen und Schüler, Ihr gehört zum letzten Jahrgang Eurer Schule, der Max Mannheimer noch persönlich kennenlernen durfte. Eure Ausstellung ist deutlicher Ausdruck dafür, wie beeindruckend Eure Begegnung mit Max Mannheimer für Euch gewesen ist. Mit Eurem Projekt leistet Ihr einen wertvollen Beitrag dazu, das Andenken an Max Mannheimer zu bewahren. Und zugleich regt Ihr Eure Altersgenossen, dazu an, sich mit unserem schweren geschichtlichen Erbe auseinanderzusetzen.
 
Von Goethe gibt es den treffenden Satz: Eine Chronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist. – Mit Eurer Arbeit zeigt Ihr vorbildlich, dass Ihr Verantwortung übernehmt für eine friedliche und menschliche Gegenwart und Zukunft. Im Namen des Bayerischen Landtags und ganz persönlich möchte ich Euch und Euren Lehrkräften für das bemerkenswerte Engagement sehr herzlich danken. Und wenn ich Euch am Ende der Veranstaltung das Buch über das künstlerische Schaffen Max Mannheimers überreichen darf, ist das eine kleine Anerkennung für Euch und eine Erinnerung an einen besonderen Menschen.
Ich wünsche Eurer Ausstellung eine möglichst große Aufmerksamkeit und hoffe, dass auch die künftigen Generationen an Eurer Schule von Euren Erfahrungen etwas mitnehmen werden.
Euch, liebe Schülerinnen und Schüler wünsche ich, dass Ihr Euch Euren kritischen Geist, Eure Offenheit und Eure Neugier bewahrt.

Ich darf allen danken, die den heutigen Abend vorbereitet haben und allen, die das Leben und Wirken Max Mannheimers im Anschluss mit verschiedenen Beiträgen würdigen werden:

•    Ich danke ganz herzlich dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten Karl Freller für die einführenden Worte. Und lieber Karl, Du wirst ja an späterer Stelle noch einmal zu Wort kommen.

•    Mein Dank gilt den Kolleginnen Natascha Kohnen und Claudia Stamm, deren Mitwirkung nicht zuletzt auch Ausdruck für die fraktionsübergreifende Wertschätzung und Dankbarkeit Max Mannheimer gegenüber ist.

•    Ich danke Herr Stefan Hanke, dessen Ausstellung „KZ überlebt“ hier im Maximilianeum bereits 2015 zahlreiche Besucherinnen und Besucher beeindruckt hat und der uns von seinen persönlichen Erfahrungen mit Max Mannheimer erzählen wird.

•    Und ein ganz herzliches Vergelt`s Gott sage ich auch an Schwester Elija Boßler. Ihnen, liebe Schwester Elija, verdanken wir dieses wunderbare Buch, mit dem nun eine Seite Max Mannheimers beleuchtet wird, die bisher noch wenig öffentliche Aufmerksamkeit gefunden hat. Schön, dass Sie bei uns sind.

•    Und zu guter Letzt ein herzliches Dankeschön an die beiden Musiker, [Herrn Gaba und Herrn Dorokhov]  die unsere Veranstaltung mit einer überaus passenden Liedauswahl stimmungsvoll bereichern werden.

Der heutige Abend steht ganz im Zeichen des Andenkens an eine beeindruckende Persönlichkeit und an einen großartigen Menschen. Der Bayerische Landtag wird Max Mannheimers Erbe bewahren – heute und auch in Zukunft.

Ich danke Ihnen.
 

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