Bayerischer Landtag

Barbara Stamm beim Festakt anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Bezirkstags Pfalz

24.9.2016 auf dem Hambacher Schloss

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident, lieber Herr Professor Lammert,
sehr geehrter Herr Bezirkstagsvorsitzender, lieber Herr Wieder,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Die Geschichte der Pfalz, das haben Sie, lieber Herr Wieder einmal gesagt, lässt sich ohne den Bezirkstag Pfalz nicht schreiben.

Und weil das so ist, freut es mich wirklich sehr, dass der Bezirksverband das 200-jährige Bestehen des Bezirkstags ganz besonders feiert - und ich als Fränkin und Bayerin heute hier bei Ihnen auf dem Hambacher Schloss sein kann, der Wiege der deutschen Demokratie und der europäischen Einigung.

Gefeiert wurde und wird bei Ihnen schon übers ganze Jahr mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, Konzerten, Vorträgen, Ausstellungen und Exkursionen.

Das hat der Bezirksverband seinem höchsten Entscheidungsgremium sozusagen zum Geschenk gemacht - und den Bezirkstag damit ins Bewusstsein einer noch größeren Öffentlichkeit gehoben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Natürlich hat all das, was vor 200 Jahren geschehen ist, mit Napoleon zu tun, mit seinem Schalten und Walten in Europa, in Deutschland. Er hob im Jahr 1800 eine erste mit Pfälzern besetzte Bezirksvertretung aus der Taufe. Wenig später wurde dieses Gremium als „Landrath“ von König Max I. Joseph wiederbelebt - ein erster Ansatz einer kommunalen Selbstverwaltung, wenn man so will.

Das blieb nicht ohne Folgen für das übrige Bayern: 1828 wurden auch hier nach dem Vorbild der Pfalz sieben Bezirke und Bezirksregierungen eingerichtet, die bis heute bestehen - bayerische Schwesterverbände sozusagen.

An der Vollversammlung des Bayerischen Bezirketags kann der Bezirksverband Pfalz übrigens nach wie vor teilnehmen. Das ist, denke ich, ein schönes Zeichen unserer gegenseitigen Verbundenheit.

Zur Zeit seiner Gründung war der pfälzische „Landrath“ etwas ganz Neues. Er war die erste Volksvertretung auf regionaler Ebene. Seinen Mitgliedern mangelte es an Selbstbewusstsein nicht. Fast alle von ihnen (es fehlte nur der Vertreter der katholischen Geistlichkeit) nahmen hier im Schloss am Hambacher Fest teil.

Was damals gefordert wurde, hat es heute noch in sich: ein konföderiertes republikanisches Europa etwa oder die Gleichstellung der Frauen. Es sind wahrlich generationenübergreifende Themen geblieben, die der „Bezirkstag“, wie er mittlerweile heißt, da schon sehr früh aufgegriffen hatte.

Und so gibt es Anlass genug, sich darüber zu freuen, dass er in diesen Tagen sein 200-jähriges Bestehen feiern kann.

Das tue ich - zusammen mit Ihnen, mit dem „Pfälzer Parlament“ und dem Bezirksverband Pfalz, diesem landesweit einmaligen Träger so vieler verdienstvoller Einrichtungen der Kultur, der Bildung, der Gesundheit, des Naturschutzes und der Landschaftspflege, aber auch der Energiepolitik in der Region.

Ich denke, es muss einfach etwas geben oberhalb der kommunalen und unterhalb der Landesebene, das ein Gemeinwesen, das das politische Ganze eines Landes zusammenhält. Und das ist bei Ihnen der Bezirksverband Pfalz mit seinem „Pfälzer Parlament“.

Herzliche Gratulation zum Zweihundertsten und auch in Zukunft eine glückliche Hand bei allen Entscheidungen in, um und für die Pfalz!

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