Bayerischer Landtag

27.01.2015 - Barbara Stamm: Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Horst Seehofer,
sehr geehrter Herr Stiftungsdirektor Karl Freller,

ich freue mich, dass der Bayerische Landtag, die Bayerische Staatsregierung und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten heute gemeinsam zu dem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus hier im Maximilianeum einladen.
Hierzu begrüße ich Sie,
sehr verehrte Überlebende, lieber Max Mannheimer,
Exzellenz, lieber Herr Sheetrit,
sehr geehrte Frau Danziger,
sehr geehrter Herr Schneeberger,
sehr geehrter Herr Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs,
und Sie alle, sehr geehrte Damen und Herren, sehr herzlich.

Ich grüße die Mitglieder des Präsidiums, der Fraktionsvorstände und der Staatsregierung sowie alle anwesenden Kolleginnen und Kollegen des Bayerischen Landtags und des Deutschen Bundestags.
Ebenso herzlich willkommen heiße ich die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie des Konsularischen Korps.

Mein Gruß gilt den Künstlern, die den Gedenkakt musikalisch umrahmen,
sowie den Schülerinnen und Schülern des Otto-von-Taube-Gymnasiums Gauting und der Elly-Heuss-Realschule München.
Schön, dass Sie heute bei uns sind.

Lassen Sie mich mit einem Zitat beginnen:

„Wie kann ein Mann am Morgen aufstehen und seine Frau küssen, dann den Tag über Juden ermorden und abends auf dem Piano […] spielen?“.

Diese Frage bringt die Fassungslosigkeit zum Ausdruck, die mit dem Blick zurück auf die Befreiung von Auschwitz verbunden ist.
Gestellt hat die Frage ein israelischer Geigenbauer.

Amnon Weinstein hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Instrumente von Opfern der Shoah zu restaurieren, und er versteht diese Arbeit als einen Akt des Gedenkens. Wenn die Geigen, Bratschen und Celli wieder erklingen – dann ist das ein kleines Zeichen, ein kleiner Sieg des Guten. Das Verbrechen der Shoah ist so groß, dass wir ihm nur kleine Gesten entgegenstellen können. Aber diese kleinen Gesten sind wichtig, und wir müssen dafür sorgen, dass sie in die Gegenwart und in die Zukunft hineinwirken.

Das ist auch Kern des jährlichen Gedenkens, mit dem wir der Erinnerung einen würdigen Rahmen geben und sie damit weitertragen. Wir können nicht wiedergutmachen, was den Toten zugefügt wurde und all jenen, die Unsägliches erlitten haben. Aber wir können ihnen durch unser Gedenken die Ehre erweisen, die sie verdienen, und die ihnen einst versagt wurde.

Wir gedenken heute, 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Wir gedenken
•    der jüdischen Männer, Frauen und Kinder,
•    der Sinti und der Roma,
•    der Menschen mit Behinderungen.
•    Wir gedenken der aus politischen oder religiösen Motiven Verfolgten,
•    der Homosexuellen,
•    und all der Männer, Frauen und Kinder, die Opfer des NS-Regimes und des von Deutschland ausgegangenen Vernichtungskriegs wurden.


Elie Wiesel, ein Überlebender der Shoah, hat einmal gesagt: „Jeder, der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst zum Zeugen“.

Sehr geehrte Damen und Herren,
damit sind wir gemeint.
Lassen Sie uns diesen Auftrag annehmen.
Lassen Sie uns die Erinnerung und das Gedenken in die Zukunft tragen.
Gerade in diesen Tagen, in denen wir die schrecklichen Bilder von Paris noch in uns tragen, muss unsere Botschaft lauten:
Wir haben im dunkelsten Kapitel unserer Geschichte erlebt, dass Menschen ausgegrenzt, gedemütigt, verfolgt und ermordet wurden.
Heute sind wir eine demokratische, freiheitliche und offene Gesellschaft. Terror, Gewalt und Antisemitismus haben hier nichts zu suchen. Das ist und bleibt unverrückbar.
Dafür treten wir ein – gemeinsam mit allen Mitteln des Rechtsstaats und der Demokratie. Wir dulden weder Fanatismus, noch Radikalität und Intoleranz. Darin sind sich alle demokratischen Kräfte einig.
Wir werden deshalb auch weiterhin eng zusammenstehen!
Wir werden achtsam und wachsam sein, damit alle in unserem Land sicher und friedlich miteinander leben können!

Wir werden Recht und Freiheit immer verteidigen!

Das sind wir den Opfern des Nationalsozialismus, das sind wir der Würde jedes einzelnen Menschen schuldig!


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