Bayerischer Landtag

27.01.2016 - Barbara Stamm: Grußwort anlässlich der Eröffnung der Wanderausstellung „Die Weiße Rose“

Sehr verehrte Überlebende,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Nach diesem bewegenden Auftakt darf ich Sie nun gemeinsam mit dem Ersten Vizepräsidenten Reinhold Bocklet, den Vizepräsidentinnen Inge Aures und Ulrike Gote und dem Präsidiumsmitglied Hans Herold zur Ausstellungseröffnung begrüßen.

Herzlich willkommen heiße ich die Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen:
•    Den Vorsitzenden der Fraktion Bündnis90/Die Grünen Ludwig Hartmann,
•    die stellvertretende Vorsitzende der CSU-Fraktion Kerstin Schreyer-Stäblein,
•    die stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion Dr. Simone Strohmayr und Helga Schmitt-Bussinger
•    sowie den Kollegen Prof. Peter Bauer für die Fraktion der Freien Wähler.

Für die Staatsregierung darf ich Herrn Staatsminister Prof. Winfried Bausback herzlich willkommen heißen.

Ich begrüße den Präsidenten des Südtiroler Landtags, Herrn Dr. Thomas Widmann, der sich mit Mitgliedern des Präsidiums, den Vorsitzenden der Fraktionen und dem Generalsekretär des Südtiroler Landtags zu politischen Gesprächen bei uns in Bayern aufhält.

Ferner begrüße ich den Präsidenten des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, Herrn Peter Küspert.

Es freut mich, dass auch der frühere Staatsminister Prof. Hans Maier heute bei uns ist.

Ein herzliches Willkommen sage ich dem Amtschef des Bayerischen Landtags, Herrn Peter Worm, sowie unserem Hausherrn, dem Vorstand der Stiftung Maximilianeum, Herrn Hanspeter Beißer.

Mein Willkommensgruß gilt den Repräsentanten des Konsularischen Korps in Bayern, den Vertreterinnen und Vertretern der Kirchen und Religionsgemeinschaften, den Damen und Herren der Staatsverwaltung, der Hochschulen, der Akademien, der Verbände und der Medien.

Und besonders herzlich begrüße ich natürlich alle, die für die Ausstellung selbst oder für unsere heutige Eröffnung mit-verantwortlich sind:
•    Das sind zum einen Frau Dr. Hildegard Kronawitter als Vertreterin der Weiße Rose Stiftung und Frau Prof. Renate Wind. Beide werden wir später noch hören.
•    Ich begrüße die Künstlerinnen und Künstler vom Theater EUKITEA, die wir bereits erleben durften, und die Musiker Fred Brunner und Christian Döß, die wir noch erleben werden.
•    Und ich begrüße die Schülerinnen und Schüler des St. Irmengard-Gymnasiums Garmisch-Partenkirchen und des Städtischen Willi-Graf-Gymnasiums München – auch Sie tragen heute zu dieser Eröffnung bei. Herzlichen Dank dafür!

Und zu guter Letzt freut es mich besonders, dass einige Nachfahren der Mitglieder der Weißen Rose heute hier sind. Schön, dass Sie mit dabei sind.


Anrede
Der heutige Tag ist ein Tag des Gedenkens. Am 27. Januar erinnern wir jedes Jahr an die Opfer des Nationalsozialismus.
Der Bayerische Landtag hat bereits vor zwei Tagen den Gedenkakt gefeiert, gemeinsam mit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Wir waren zu Gast in Hersbruck, einem der zahllosen Standorte eines KZ-Außenlagers in Bayern. Tausende Menschen sind dort ums Leben gekommen – auch deshalb, weil viel zu Viele nicht sehen wollten, was vor ihren Augen geschah.

Heute eröffnen wir hier im Bayerischen Landtag eine Ausstellung darüber, was auch möglich war: Die Mitglieder der „Weißen Rose“ sind aufgestanden gegen das NS-Regime, sie haben Verbrechen benannt, sie haben zum Widerstand aufgerufen. Viele von ihnen bezahlten dafür mit dem Tod. Der 27. Januar ist deshalb ein guter Tag, um auch auf die „Weiße Rose“ zurückzublicken.

Dabei wird immer wieder einmal die Frage gestellt, was wir denn aus diesem Blick zurück für die Gegenwart lernen können.
Wir leben doch heute unter ganz anderen Bedingungen: In einem Staat, in dem das offene Wort oder Kritik an politischen Zuständen legitim ist, ein Teil unserer Diskussionskultur und vom Grundgesetz geschützt. Im Zweifel sorgt unsere Polizei dafür, dass etwa Demonstrationen stattfinden können. Immer wieder erleben wir, dass dieses Recht manchmal auch ausgereizt wird. Ein stabiler Rechtsstaat, eine Demokratie muss das ertragen können.

Aber auch wenn die Bedingungen heute – glücklicherweise – so ganz andere sind als die, unter denen die Mitstreiter der „Weißen Rose“ leben mussten: Diese jungen Menschen haben uns damals etwas aufgezeigt, das heute immer noch Botschaft und Mahnung ist – dass Menschen immer Entscheidungen treffen können.

Die „Weiße Rose“ ist deshalb bis heute ein Stachel im Fleisch – und es ist gut, diesen Stachel immer wieder zu spüren. Denn wir wissen nicht, warum manche Menschen zu Zivilcourage fähig sind und andere nicht. Es gibt offenbar keine Formel. Aber es gibt Vorbilder, und an die wollen wir immer wieder erinnern.

Nicht nur deshalb, weil diese Erinnerung zu unserem kulturellen Erbe gehört. Nicht nur deshalb, weil wir auch ein wenig stolz darauf sind, dass es wenigstens ein paar Menschen gab, die sich dem Unrecht des Nationalsozialismus entgegengestellt haben.

Die Erinnerung ist auch deshalb wichtig, weil uns der Blick zurück immer vor die Frage stellt: „Was kann ich denn heute tun?“. Bundespräsident Joachim Gauck hat es einmal sehr schön formuliert mit den Worten: „Es ist unsere Demokratie. Niemand, wirklich niemand schwebt über ihr, um sie zu beschützen. Wir selbst […] müssen es tun.“ Zitat Ende. Dafür braucht es jeden Einzelnen von uns.

Die Mitstreiter der „Weißen Rose“ haben für etwas gekämpft, das wir heute erreicht haben. Im ersten Flugblatt hieß es – ich zitiere: „Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen Europas“.

Es ist unsere Aufgabe, diese Grundlagen zu verteidigen.

Anrede
Vor kurzem wurde das „Unwort des Jahres 2015“ gekürt – Sie haben es sicherlich verfolgt. Dieses „Unwort“ lautet „Gutmensch“. In der Begründung heißt es, dass mit diesem Begriff Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd diffamiert würden.

Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst, Willi Graf und die anderen Mitglieder der „Weißen Rose“ waren wohl „Gutmenschen“ – und zwar in einem sehr positiven Sinne. Sie haben die herrschenden Bedingungen nicht einfach als gegeben akzeptiert. Sie haben sich nicht abgewandt und mit den Schultern gezuckt. Sondern sie haben sich eingesetzt – gegen alle Widerstände, und auch gegen alle Vernunft.

Sophie Scholl antwortete im Gestapo-Verhör auf die Frage nach ihren Widerstands-Motiven mit den Worten: „Einer muss ja doch mal schließlich damit anfangen.“

Allein dieser Satz kann uns auch heute noch Mut machen. In allem, was wir tun.
Anrede
Ich freue mich, dass wir die Ausstellung „Die Weiße Rose“ heute hier im Bayerischen Landtag eröffnen und darf das Wort nun an Frau Dr. Kronawitter übergeben.

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