Bayerischer Landtag

20.07.2017 - Barbara Stamm: Grußwort beim Empfang für die am G20-Gipfel in Hamburg beteiligten Einsatzkräfte

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Staatsminister,
sehr geehrte, liebe Beamtinnen und Beamte,

auch ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu unserem gemeinsamen Empfang hier in Schloss Schleißheim.

Nach dem, was vor wenigen Tagen in Hamburg geschehen ist, waren wir uns in Landtag und Staatsregierung sehr schnell einig: Unsere bayerischen Beamtinnen und Beamten verdienen einen ganz besonderen Empfang, wenn sie wieder zurück in der Heimat sind – und ein ganz großes Dankeschön! Es ist mir eine Ehre, Ihnen dieses „Vergelt’s Gott“, wie man so schön bei uns sagt, auch im Namen des Bayerischen Landtags und aller Kolleginnen und Kollegen heute überbringen zu dürfen!

Denn was wir vor knapp zwei Wochen am Rande des G20-Gipfels erleben mussten, erschüttert mich bis heute zutiefst. Ich glaube, sehr vielen Menschen geht es ähnlich: Das Ausmaß an Zerstörungswut, Hass und blinder Gewalt, das wir in Hamburg gesehen haben, macht sprach- und fassungslos.
Allein 78 bayerische Kolleginnen und Kollegen sind im Rahmen des Einsatzes verletzt worden. Ihnen wünschen wir von Herzen rasche Genesung!

Und ich sage es in aller Deutlichkeit: Es gibt keinerlei Rechtfertigung, Erklärung oder Verteidigung für das Verhalten, das dort von einigen sogenannten Demonstranten an den Tag gelegt worden ist! In dieser Frage sind wir uns als Demokratinnen und Demokraten absolut einig – und in dieser Frage müssen wir auch fest zusammenstehen, um keinerlei Missverständnisse aufkommen zu lassen.

Das gilt vor allem in Anerkennung Ihrer Leistung, liebe Beamtinnen und Beamten. Ihrem Einsatz gebührt allergrößter Respekt! Sie haben sich mit großem Mut, enormer Entschlossenheit und oft unter Einsatz Ihres Lebens nicht nur der Gewalt entgegengestellt – Sie haben damit Bürgerinnen und Bürger unserer Republik, unseren Rechtsstaat und unsere Freiheit geschützt.
Nun weiß ich von Vielen von Ihnen, dass Sie sagen: „Selbstverständlich machen wir das, das ist schließlich unser Beruf“.

Diese Bescheidenheit und dieses Arbeitsethos ehrt Sie natürlich alle. Aber unsere Verpflichtung als Politik und als Gesellschaft ist es, Ihnen immer wieder auch einmal „Danke“ zu sagen, für das, was Sie leisten – und zwar laut und vernehmbar, und auch in Richtung Ihrer Familien. Denn Ihre Ehefrauen und Ehemänner, Ihre Partnerinnen und Partner, Ihre Eltern und Kinder verfolgen ja die entsetzlichen Bilder im Fernsehen und bangen, ob Sie wieder heil nach Hause kommen! Überbringen Sie daher bitte auch an Ihre Lieben zu Hause unseren herzlichen Dank – dafür, dass sie Ihren Beruf mit-tragen und manchmal auch mit-er-tragen.

Denn der Gipfel in Hamburg war ja gewissermaßen nur die berühmte Spitze des Eisbergs. Sie stehen als Polizistinnen und Polizisten jeden Tag unter großem Druck in Ihrem Beruf, Sie leisten jeden Tag Großartiges. Und leider vergeht auch beinahe kein Tag, an dem wir nicht von An- oder Übergriffen auf Sie hören müssen.
Ihre Arbeit, der wir eigentlich alle mit Dank und Respekt begegnen sollten, wird mittlerweile leider viel zu häufig aus fragwürdigen Motiven heraus in Frage gestellt.

Insgesamt dürfen Sie eines mit Recht von uns erwarten:
•    Dass wir Ihnen für Ihre unendlich wichtige Arbeit den Rücken stärken.
•    Und dass wir Ihnen die Rahmenbedingungen geben, die Sie brauchen.

Denn Sie stellen sich vor uns, wenn wir als Bürgerinnen und Bürger Schutz und Hilfe brauchen. Und deshalb ist es unsere Pflicht als Gesellschaft, dass wir uns klar und deutlich hinter Sie stellen.

Anrede
Es gab auch positive Bilder aus Hamburg: Die vielen Menschen, die nach den entsetzlichen Krawallen zu den Standorten der Polizei gekommen sind, um dort Blumen oder – das fand ich besonders rührend – selbstgekochte Marmelade vorbeizubringen. Kleine Gesten, um „Danke“ zu sagen für das, was alle Polizistinnen und Polizisten im Einsatz dort geleistet haben.
Ein kluger Mann [Jean-Baptiste Massillon, franz. Theologe und Prediger] hat einmal sehr treffend gesagt:
„Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens“.

Und diese Gesten der Menschen sind es, die mich zuversichtlich stimmen. Denn sie stehen
•    für eine Gesellschaft, in der man aufeinander achtet,
•    für eine Gesellschaft, in der die Menschlichkeit im Vordergrund steht
•    und für eine Gesellschaft, in der man einander „Danke“ sagt.

Liebe Beamtinnen und Beamte,
Sie setzen sich mit Ihrer Arbeit dafür ein, dass wir in einer solchen Gesellschaft leben dürfen. Dafür gebührt Ihnen nicht nur heute, sondern an 365 Tagen im Jahr höchste Anerkennung. Aber heute dürfen Sie sich einmal ganz besonders feiern lassen. Verbringen Sie hier schöne Stunden! Lehnen Sie sich auch einmal ein wenig zurück. Besprechen Sie mit den Kolleginnen und Kollegen noch einmal die Dinge, die Ihnen auf dem Herzen liegen – oder trinken Sie einfach gemütlich das ein oder andere Glas Wein oder Bier!

Vielen herzlichen Dank an Sie alle und auch denjenigen Kolleginnen und Kollegen, die heute nicht hier sein können – wie gut, dass es Sie gibt!

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