Bayerischer Landtag

Barbara Stamm: Grußwort zum 60. Akademiejubiläum am 31. Mai 2017

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Kollege Rinderspacher,
sehr geehrte, liebe Frau Professorin Münch,
sehr geehrter Herr Professor Garton Ash,
sehr geehrter Herr Dr. Rothenpieler,
sehr geehrte Gäste,
liebe Kolleginnen und Kollegen!

Auch ich darf Sie alle hier im Maximilianeum ganz herzlich willkommen heißen. Einen besseren Ort für die Feier dieses Jubiläums kann man sich nicht vorstellen. Denn hier, in diesem Haus, ist die Errichtung der Akademie für Politische Bildung beschlossen worden - am 30. Januar 1957.

Wie war das vor 60 Jahren? - So unumstritten wie heute war sie damals nicht, die Akademie für Politische Bildung.

Meine Partei, die CSU, stimmte gegen den Gesetzentwurf der Viererkoalition - aus Verfahrensgründen, wie es hieß. Unter den Berichterstattern der damaligen Opposition (also der CSU) waren auch so namhafte Persönlichkeiten wie Franz Heubl und Otto Schedl.

Und Eines stellten sie trotz aller Meinungsverschiedenheiten heraus:
Dass man sich im gemeinsamen Ziel einig war – nämlich in der Schaffung einer pädagogischen Erfahrungsstätte, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Möglichkeiten der politischen Praxis verbindet.

Ein „Kraftzentrum politischer Bildung“ sollte sie sein - nach den entsetzlichen Erfahrungen, die unser Land unter der Herrschaft der Nationalsozialisten gemacht hatte.

Und so ein „Kraftzentrum politischer Bildung“ ist die Akademie dann auch geworden. Darauf kann sie stolz sein, und dazu gratuliere ich heute sehr herzlich! Denn auch ich persönlich freue mich über die gute Entwicklung, die die Akademie für Politische Bildung genommen hat - und besonders natürlich über ihre engen Beziehungen zum Landtag.

Die Akademiegespräche hier im Haus haben mittlerweile eine über zwanzigjährige Tradition. Die Liste der Themen, die behandelt worden sind, ist lang und beeindruckend:

Ich erinnere an „Macht und Ohnmacht der Demoskopie“, die sich gerade in diesem Wahljahr ein weiteres Mal zeigt, oder an - ganz aktuell! – „Europa! Aber welches?“

Die Aufzählung ließe sich fortführen. Doch ich denke, schon allein die Nennung dieser beiden Themen ist Beweis genug, dass die Akademie immer auf der Höhe der Zeit war - und ist.

Sie erinnert uns Politikerinnen und Politiker aber auch daran, wie wichtig die Zeiten des ruhigen Nachdenkens sind. Oft werden wir ja von einer Entscheidungssituation in die andere geworfen. Und manchmal wünsche ich mir - und ich denke, den Kolleginnen und Kollegen geht es ähnlich -, wir hätten mehr von diesen Zeiten des ruhigen Nachdenkens - gerade in einer Gegenwart, die von Hektik, Ruhelosigkeit und immer kürzeren Reaktionszeiten geprägt ist.

Vielleicht ist es das, was die Bürgerinnen und Bürger vermissen. Vielleicht ist das mit ein Grund dafür, warum Politik nicht das Ansehen hat, das wir uns wünschen.

Was lässt sich dagegen tun? - Ich denke, wir müssen immer wieder aufs Neue herausstellen,

•    dass die Demokratie die anspruchsvollste und verantwortungsvollste Regierungsform ist
•    dass sie ein lebenslanges Lernen erfordert
•    und dass wir uns glücklich schätzen dürfen, sie bei uns in dieser Form seit mittlerweile 70 Jahren zu haben.

Ohne eine gut gefestigte demokratische Substanz wäre das nicht möglich geworden. Und zu dieser demokratischen Substanz hat auch die Akademie für Politische Bildung viel beigetragen.

Das ist Anlass genug, danke zu sagen. Danke für alles, was in den vergangenen sechs Jahrzehnten geleistet worden ist: An all diejenigen, die an ihrer Spitze standen und stehen, aber auch dem Kuratorium, dem Beirat und dem Freundeskreis sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Danke für Ihr Engagement, danke für Ihren Einsatz!

Er wird künftig nötiger sein denn je. Die alarmierende Weltlage gibt dazu ebenso Anlass wie die Tatsache,
•    dass extreme Positionen wieder an Zuspruch gewinnen
•    und dass die Europäische Union in ihrer wohl schwersten Krise steckt.

Vieles ist in Bewegung geraten. Und nicht alles bewegt sich in eine gute Richtung. Selbst die Errungenschaften des Rechtsstaats und der Demokratie scheinen heute nicht mehr so geschätzt zu werden, wie sie es verdienten.

Wie war das vor 60 Jahren? - Franz Heubl sagte damals, man müsse dafür sorgen: „… dass aus der politischen Lethargie des Staatsbürgers nicht eines Tages die lebensgefährliche Agonie der Demokratie wird.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Das ist in der Tat die große Herausforderung, der wir uns dauerhaft stellen müssen: die Politik, die Institutionen der politischen Bildung, aber auch jede einzelne, jeder einzelne von uns.

Der Akademie für politische Bildung Tutzing jedenfalls wird vor diesem Hintergrund die Arbeit auch in Zukunft  nicht ausgehen!

Deshalb noch einmal: Herzlichen Glückwunsch zum heutigen Jubiläum, herzlichen Dank für die hervorragende Arbeit in den vergangenen sechs Jahrzehnten – und weiterhin alles Gute für die wichtige Aufgabe, die in Ihren Händen liegt!

Ich danke Ihnen.

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