Bayerischer Landtag

25.01.2017 - Barbara Stamm: Grußwort zum Festakt 100 Jahre Verbandsarbeit katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern in der Katholischen Akademie in München

Sehr geehrter Herr Prälat Piendl [Vorsitzender des Verbandes],
sehr geehrte Frau Hellfritsch [neue Geschäftsführerin seit 15. Dez. 2016]
sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf sie sehr herzlich begrüßen und gleichzeitig meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass wir heute dieses Jubiläum feiern dürfen: 100 Jahre Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern. Das ist wahrlich ein Grund zum Feiern! Ein herzliches Dankeschön an all diejenigen, die dieses Jubiläumsfest ermöglicht haben – und ein herzliches Dankeschön für all das, was der Verband seit 100 Jahren leistet!

Die Bayerische Verfassung, deren 70-jähriges Bestehen wir Ende letzten Jahres feiern durften, formuliert in Artikel 131 einen ganz grundsätzlichen Bildungsauftrag:

Danach soll es in der Pädagogik nicht nur um die Vermittlung von „Wissen und Können“ gehen, sondern vor allem auch darum, „Herz und Charakter“ zu bilden. Dieser wunderbare und zeitlose Auftrag wurde zwar eigentlich im Hinblick auf die Schule formuliert, er gilt in meinen Augen aber auch ganz besonders für Kindertageseinrichtungen. Und diesem Anspruch stellt sich der Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern nun schon seit 100 Jahren – und zwar sehr erfolgreich.
Natürlich ist in diesen 100 Jahren viel passiert, es hat sich so manches verändert. Wir werden heute ja auch noch darüber sprechen.

Im Jahr 1917, der Erste Weltkrieg tobte bereits im dritten Jahr, wurde der Verband gewissermaßen aus der Not heraus geboren. Die Väter und Mütter waren oftmals nicht präsent, in einem nie gekannten Ausmaß waren Kinder ohne Aufsicht und Schutz. Zusätzlich erforderte die wirtschaftliche Not Kinderspeisungen.

Zunächst ging es dem Verband also vor allem darum, Leid zu lindern – und das war eine ganz wichtige Aufgabe. Ohne diese Fürsorge wäre es vielen Kindern damals sicherlich noch schlechter gegangen.

Seit dieser Zeit hat der Verband eine großartige Entwicklung erlebt. Die Zahlen sprechen für sich: Heute ist er Interessenvertretung für 1.500 katholische Träger von Kindertagesstätten und damit Dachorganisation für etwa 2.000 Einrichtungen.

Und heute geht es auch – Gott sei Dank – nicht mehr um „Notversorgung“.
Inzwischen richtet sich die Betreuung der Kinder nach vielerlei Vorgaben, Leitlinien, Bildungsplänen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Dadurch ist im Übrigen sicherlich nicht alles einfacher geworden, insbesondere was das Thema Bürokratie angeht.

Gerade in den vergangen Jahren fand ein enormer Ausbau der Kinderbetreuung statt. Heute gibt es den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Und der Bedarf derer, die sich für ihr Kind eine Betreuung wünschen, kann weitgehend gedeckt werden.
Das ist aber natürlich kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. In einigen Regionen gibt es immer noch Nachholbedarf!

Entscheidend ist dabei aber vor allem auch, dass mittlerweile ein Bewusstseinswandel stattgefunden hat: Noch zu der Zeit, als ich meine Kinder großgezogen habe, gab es nicht nur kaum Angebote zur Betreuung – es wurde auch von vielen schlichtweg abgestritten, dass es in dieser Hinsicht einen Bedarf geben könnte.

Berufstätige Mütter hatten es damals wirklich noch sehr schwer – nicht nur organisatorisch (das ist heute immer noch für viele eine Herausforderung), sondern auch, weil sie mit der Ablehnung durch weite Teile der Gesellschaft zu kämpfen hatten. Und – da spreche ich aus Erfahrung – das ist nicht immer leicht, das gut auszuhalten und kein schlechtes Gewissen zu haben.

Heute haben wir Wahlfreiheit. Die jungen Mütter und Väter können sich entscheiden, welche Form der Betreuung sie für ihre Kinder möchten. Das ist eine gute Nachricht, und darauf dürfen wir auch ein wenig stolz sein.

Jetzt geht es darum, dass wir die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam angehen.
Wenn in den vergangenen Jahren oft der Ausbau der Quantität im Zentrum stand – dann müssen wir uns jetzt verstärkt der Qualität widmen. Das bedeutet nicht, dass diese bislang nicht vorhanden wäre; aber wir müssen immer dranbleiben.

Denn die Aufgaben, vor denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kindertageseinrichtungen stehen, werden ja nicht weniger, ganz im Gegenteil. Ich nenne nur die Stichworte Integration, Inklusion oder Schulkindbetreuung; viele Einrichtungen sind auch mit der Flüchtlingsthematik konfrontiert. Gerade die Kinder, die mit ihren Familien aus ihrer Heimat fliehen mussten, haben ja oft Schreckliches erlebt. Und ich sage immer: Kein Kind kann es sich aussuchen, wo es hingeboren wird.

Deshalb brauchen wir einerseits die richtigen Rahmenbedingungen – da ist die Politik gefordert.

Wir brauchen aber vor allem weiterhin Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Arbeit gerne und mit Herz und Leidenschaft tun. Denn sie betreuen ja nicht nur die Kinder, wie das früher einmal in sogenannten „Kinder-Bewahr-Anstalten“ der Fall gewesen ist. Sondern sie fördern und - vor allem – sie prägen unsere Kinder. Für diese enorm verantwortungsvolle Aufgabe ist es wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kitas eine innere Haltung haben, die sie auch vermitteln können.

Ich glaube, dass deshalb gerade die christlichen/ katholischen Einrichtungen nach wie vor eine ganz besondere Bedeutung haben – gerade auch wegen der großen „kulturellen“ Herausforderungen, mit denen wir es zu tun haben. Wer selbst eine überzeugende Haltung und stabile Wertvorstellungen hat, der kann diese auch gut vermitteln. Das gilt gerade dann, wenn die Kinder aus einem anderen Kulturkreis kommen oder einen anderen religiösen Hintergrund mitbringen.

Anrede

Ein kluger Mann [Werner Braun] hat einmal gesagt:

Ein Kind ist ein kleines Stück Zukunft, das in unsere Gegenwart hineinreicht. Geben wir ihm Liebe, Geborgenheit, Schutz und Erziehung! Der Rest wird sich alleine finden. – [Zitat Ende]

Was so leicht klingt, ist natürlich alles andere als einfach. Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kitas, wissen das. Denn sie sind ja nicht nur fachlich jeden Tag auf’s Neue herausgefordert, sondern auch körperlich. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich der Verband der katholischen Kindertageseinrichtungen Bayern für sie einsetzt, sie hegt und pflegt: Durch Fortbildungen, Fachtagungen etc., und auch durch politische Interessenvertretung. Sozusagen durch Lobbyismus im besten Sinne des Wortes.

Zu seiner beeindruckenden Geschichte und zum 100jährigen Jubiläum gratuliere ich dem Verband und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz herzlich! Ich wünsche ihnen allen für die wichtigen zukünftigen Aufgaben - auch in den kommenden 100 Jahren - alles Gute und viel Erfolg!
Und ich kann Ihnen sehr gerne versprechen, dass sie bei mir mit all Ihren Anliegen immer auf ein offenes Ohr stoßen werden. Vielen herzlichen Dank für Ihre großartige Arbeit!

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