Bayerischer Landtag

19.11.2016 - Barbara Stamm: Grußwort zum Jubiläum „25 Jahre Hospizverein Würzburg e.V.“

Sehr geehrter Herr Engert,
sehr geehrter Herr Collier,
sehr geehrte Festgäste,

„Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.“

Dieser Satz von Dietrich Bonhoeffer bringt eine grundlegende Wahrheit menschlichen Zusammenlebens zum Ausdruck. Und Sie, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hospizvereins Würzburg, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiert, erleben Tag für Tag immer wieder aufs Neue den tiefen Sinn dieser Worte. Deshalb gratuliere ich dem Verein sehr herzlich zum Jubiläum und möchte Ihnen allen auch ein großes „Dankeschön“ sagen. Ihre Arbeit trägt einen ganz entscheidenden Teil dazu bei, dass unsere Gesellschaft menschlich bleibt.

Die Geschichte des Vereins zeigt dabei, wie sich die Idee des Hospizes aus der Mitte der Gesellschaft heraus entfaltet hat. 1991 wurde er als freie Initiative von engagierten Bürgerinnen und Bürgern gegründet, um alten oder schwer kranken Menschen zu helfen. Sie gingen damit auf das Bedürfnis dieser Menschen ein, in ihrer letzten Lebensphase jemanden an ihrer Seite zu haben, der sie begleitet und unterstützt. Seither haben diese Menschen das Glück, sich vertrauensvoll an geschulte Hospizhelferinnen wenden zu können.

In den nächsten Jahren entwickelte sich der Hospizverein dann zu einem ganz wichtigen Baustein innerhalb der medizinischen Versorgung in Würzburg und der Umgebung. Durch die Kooperation mit dem Juliusspital konnte vor drei Jahren sogar das große Ziel eines stationären Hospizes erreicht werden. Meine ganz große Bewunderung für das, was hier in 25 Jahren erreicht wurde!

Die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer arbeiten dabei ganz selbstverständlich mit professionellen Teams Hand in Hand. Gemeinsam leisten sie Großartiges. Vor allem weil der Verein sich hierbei an den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen orientiert, erlebte er eine wirklich beeindruckende Erfolgsgeschichte.

Und dieser Erfolg kommt nicht von Ungefähr:
Wenn man Menschen fragt, was sie sich für ihr Sterben wünschen, dann hört man fast immer zwei Dinge:
Dass sie ihr Lebensende in einem vertrauten Umfeld verbringen möchten und dass sie beim Sterben nicht allein gelassen werden wollen.

Beiden Wünschen kommen Sie im Hospizverein Würzburg seit mittlerweile einem viertel Jahrhundert in bewundernswerter Weise nach. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen, die sich an Sie wenden, auf der letzten Wegstrecke ihres Lebens beizustehen, sie liebevoll zu begleiten und auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen. Auch die Trauerarbeit, bei der Sie die Angehörigen unterstützen, ist ein ganz wichtiger Bestandteil Ihrer Arbeit.

Als Gesellschaft sind wir auf derartiges Engagement füreinander und miteinander angewiesen. Nur wenn Menschen die Gewissheit haben, dass sie am Ende des Lebens umsorgt werden und in Würde sterben dürfen, kann die Angst vor diesem letzten Lebensabschnitt, wenn auch nicht genommen, so doch zumindest gelindert werden.

Ihre Arbeit trägt dadurch auf unverzichtbare Weise dazu bei, dass Alter, Krankheit und Tod als Teile des Lebens gesehen und nicht tabuisiert werden. In diesem Sinne ist Hospizarbeit Lebenshilfe. Denn Menschen, die nicht oder nur zum Teil von Angehörigen gepflegt und begleitet werden können, dürfen auf den Hospizverein vertrauen. Da ist jemand in ihrer letzten Lebensphase für sie da und unterstützt sie.

Gerade in Zeiten, in denen die Diskussion um aktive Sterbehilfe immer wieder aufflammt, senden Menschen wie Sie mit Ihrer Arbeit die so wichtige Botschaft aus: Wir helfen Menschen „beim Sterben“, nicht „zum Sterben“. Denn der oft geäußerte Wunsch nach aktiver Sterbehilfe rührt ja vor allem daher, dass die Menschen Angst vor Hilflosigkeit haben und davor, allein gelassen zu werden. Diesem Zustand, glauben manche, durch das gezielte Herbeiführen des Todes zuvorkommen zu müssen. Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hospizes, nehmen diese Ängste wahr und bieten den Menschen eine tröstliche Alternative: Dem Schreckgespenst des einsamen, schmerzvollen Todes setzen sie die Hoffnung auf ein in Frieden und Würde beschlossenes Leben entgegen. Daher nehmen Sie, ganz einfach durch Ihr Tun, allen Forderungen nach aktiver Sterbehilfe den Wind aus den Segeln. Ihre Arbeit ist also aktive Lebenshilfe und dadurch erübrigt sich oft der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe.

Mit großer Wertschätzung und Dankbarkeit will ich daher dem Hospizverein als Schirmherrin zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen gratulieren. Vielen Dank dafür, dass Sie, seine Mitglieder, sich stets engagiert dafür einsetzen, dass so viele Menschen in dieser schwierigen Lebensphase Beistand erhalten und nicht auf sich allein gestellt sind. Sie können darauf bauen, dass ich persönlich dem Verein und Ihrer wunderbaren Arbeit auch weiterhin sehr verbunden bleiben werde.

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