Bayerischer Landtag

17.06.2016 - Barbara Stamm: Grußwort zur Einweihung der Förderstätte in der Katharinenburg des St.-Paulus-Stifts Neuötting

17. Juni 2016

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Haugeneder,
liebe Ingrid Heckner,
sehr geehrte Frau Lichtenegger (kaufm. Vorstand Stiftung)
sehr geehrter Herr Schwarz (päd. Vorstand Stiftung)
sehr geehrter Herr Appelt (Vorsitzender des Stiftungsrates),
sehr geehrter Herr Pfarrer Schauer,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Es ist immer schön, wenn man nach einiger Zeit wieder an einen Ort kommt und sieht, dass sich dieser Ort ganz wunderbar entwickelt hat. Die Katharinenburg strahlt wieder im neuen Glanz. Und es ist gut für mich zu wissen, dass auch der Freistaat seinen Teil dazu beigetragen hat, dass Du, liebe Ingrid (Heckner), da nicht locker gelassen hast. Denn es geht ja um Menschen, die unsere Hilfe ganz besonders brauchen; es geht um Menschen mit Behinderung.

Sich um sie zu kümmern, hat hier bei Ihnen in Neuötting eine lange Tradition. Sie reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Umso erfreulicher ist es, dass wir heute, nach grundlegender Sanierung, die „Keimzelle des St.-Paulus-Stifts“, die Katharinenburg, einweihen können. Sie wird künftig als Tages- und Förderstätte dienen und vielen Menschen mit Behinderung ein Zuhause und eine Perspektive geben.

Die Schirmherrschaft über die Einweihung habe ich sehr gern übernommen. Ich möchte damit auch der Stiftung dafür danken, dass sie die Generalsanierung, die Erweiterung der Förderstätten- und der Tagesstrukturplätze mitgetragen hat.

Gerade Menschen mit schweren oder mehrfachen Behinderungen brauchen die besonderen Bedingungen einer Förderstätte. Sie ist aber auch für diejenigen ganz wichtig, die nach dem Arbeitsleben in einer geschützten Werkstätte zu Angeboten wechseln wollen
•    die dem Tag eine Struktur geben
•    die ihren Bedürfnissen entsprechen und
•    die ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Selbstbestimmung ermöglichen.

Das geht natürlich nur, wenn zwischen den Menschen mit Behinderung und ihren Betreuerinnen und Betreuern ein Klima herrscht, das von gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist und das Kommunikation auch ohne Worte erlaubt.

Und es braucht ein breites Spektrum an Fördermaßnahmen in den Bereichen Arbeit, Lebenspraxis, Bewegung, Kunst und Musik, Entspannung, Begegnung, Religion und Allgemeinbildung.

Nur dann ist echte Teilhabe, ist echte Inklusion möglich.

Ich betone das deshalb, weil Menschen mit Mehrfachbehinderungen, wenn es um Inklusion geht, oft zu wenig berücksichtigt werden.

Das darf eigentlich nicht sein. Denn gerade für sie ist die Teilhabe am Arbeitsleben ganz wichtig. Arbeit stärkt das Selbstvertrauen. Sie ist Grundlage von Anerkennung und Wertschätzung. Beides brauchen wir doch alle - und unsere Menschen mit Mehrfachbehinderungen brauchen es ganz besonders.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Das St.-Paulus-Stift hat sich einmal als „lernende Einrichtung“ bezeichnet. Das heißt auch, dass es von den Menschen lernt, die es betreut. Und am Anfang dieses Lernens steht immer die Frage: „Was wollen Menschen mit Behinderung?“ - Ich denke, sie wollen
•    Akzeptanz und Verständnis
•    Anerkennung und Respekt
•    Gleichbehandlung und Gleichstellung
•    Unterstützung und Hilfe da, wo sie sie brauchen, und
•    mehr Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen.

Ich glaube, hier bei Ihnen in Neuötting können sie vieles davon bekommen.
Dem St.-Paulus-Stift gratuliere ich ganz herzlich zur gelungenen Sanierung und danke allen Verantwortlichen dafür, dass sie sich mit so großem Engagement und Ideenreichtum für Menschen mit Behinderung einsetzen. Und Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, danke ich ebenso herzlich für die Aufmerksamkeit, die Sie mir geschenkt haben.

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