Bayerischer Landtag

Barbara Stamm: Grußwort zur Informationsveranstaltung Musikgeragogik

Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Thomas (Goppel),
sehr geehrter Herr Professor Altenmüller,
sehr geehrter Herr Professor Wickel,
sehr geehrte Frau de Marco,
sehr geehrte Frau Riskowski,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Landtag,
sehr geehrte Gäste!

Die Gelegenheit, ein Grußwort für die Musik im Alter zu halten, ergibt sich gar nicht so oft. Heute schon. Und das ist auch für mich etwas Besonderes, etwas Erfreuliches.

Ich hoffe, Sie fühlen sich hier bei uns im Landtag wohl. Die Räumlichkeiten für Ihre Informationsveranstaltung habe ich jedenfalls sehr gern zur Verfügung gestellt. Es handelt sich ja auch um ein Thema, das uns alle angeht - früher oder später.

Als ich das Thema der Informationsveranstaltung gelesen habe, dachte ich mir, dass auch hier die Vorsilben den Unterschied machen.

„Päd“ meint den jungen Menschen oder das Kind, „Ger“ den älteren, alten oder sehr alten Menschen. Und dazwischen liegt das Leben.

Heute wissen wir, dass Ungeborene bereits im Alter von fünf Monaten auf Musik reagieren und dass die meisten Zweijährigen sich spontan zur Musik bewegen.

Alzheimer-Patienten können sich kurzzeitig sogar wieder erinnern und Sinn für den Sprachgehalt melodischer Formen entwickeln, wenn man ihnen ein Musikstück vorspielt, das sie in jungen Jahren gern gehört haben.

Die Musik begleitet uns also ein Leben lang. Und sie ist eine gute Begleiterin, wenn wir einen Sinn für sie entwickeln, wenn man uns an sie früh heranführt und das in späteren Jahren, wenn es nötig ist, wieder tut.

Musikpädagogik und Musikgeragogik ergänzen sich in gewisser Weise. Sie spannen den Bogen von der musikalischen Früherziehung bis hin zur heilenden Kraft der Musik im Alter.

Gerade dann, wenn im hohen Alter die zeitliche und örtliche Orientierung verloren geht, wenn sich plötzlich Räume auftun, die man nicht kennt, kann Musik dazu beitragen, das eigene Ich zu behaupten - im Wissen, dass man dieses oder jenes Stück früher einmal gespielt, gehört oder dazu getanzt oder gesungen hat - und mit ihm etwas Vertrautes vergegenwärtigt.

Dass Musik auch im hohen Alter die kognitiven Fähigkeiten fördern kann, ist mittlerweile unbestritten. Ebenso unbestritten ist, dass sie auch den geistigen Alterungsprozess verlangsamen und bei Demenz vorbeugend wirken kann.

Sie ist, wenn man so will, eine gute Medizin, eine sanfte Therapie, die nicht nur den Betroffenen helfen, sondern auch die Therapierenden wirkungsvoll unterstützen kann.

Deshalb finde ich es ganz großartig, dass diese Informationsveranstaltung heute Führungskräfte und Entscheidungsträger aus den Bereichen Sozialwesen, Pflegemanagement und Musikdidaktik zusammenführt.

Denn warum sollten Musikangebote, mit denen nachweislich Gutes (und Heilendes) getan werden kann, künftig nicht auch von Einrichtungen getragen werden, die eigentlich nichts mit Musik, aber sehr viel mit alten Menschen, mit Therapie und Pflege zu tun haben?

Aus meiner Sicht spricht da nichts dagegen, sondern alles dafür. Und ich hoffe, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass Sie das genau so sehen.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihnen allen einen angenehmen und informativen Aufenthalt hier bei uns im Landtag!

Und bleiben Sie bitte auch nach der Veranstaltung miteinander im Kontakt! Auch die Musikgeragogik braucht ein gut funktionierendes Netzwerk.

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