Bayerischer Landtag

07.11.2017 - Barbara Stamm: Impuls zur Ausstellungseröffnung „Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort!“

Anrede
Auch von meiner Seite ein herzliches Willkommen!

Ich begrüße es sehr, dass wir uns mit einem Thema befassen, das mir nicht nur als Präsidentin des Bayerischen Landtags, sondern auch ganz persönlich sehr am Herzen liegt.

Heute Abend stehen die Frauen im Mittelpunkt!

Und ich hoffe, dass unsere Ausstellungseröffnung ein entscheidender Impuls für weitere Schritte sein kann – denn dass beim Thema Frauen in der Politik ein langer Atem notwendig ist, das wissen alle, die schon etwas länger dabei sind.

Wenn ich hier so in den Saal blicke, dann sehe ich viele Mitstreiterinnen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte – aber auch viele junge engagierte Frauen. Eine davon feiert heute übrigens einen runden Geburtstag – liebe Kollegin Ute Eiling-Hütig: Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Festtag heute!

Anrede
Dass nicht allzu viele Männer heute Abend hier sind, ist natürlich auch nicht zu leugnen. Ich kann Ihnen an dieser Stelle allerdings berichten, dass ich zum Teil von Kollegen explizite Entschuldigungen erhalten habe – verbunden mit der Bitte, die Abwesenheit heute bitte nicht als Ignoranz gegenüber dem Thema verstehen zu wollen. Ich würde mal sagen: Alle Kollegen, die heute Abend nicht hier sind, schauen sich dann hoffentlich umso genauer die Ausstellung an in den kommenden Wochen!

Anrede
Wer auf die Besetzungsliste von politischen Ämtern auf Landes- oder Bundesebene schaut, kann feststellen: Frauen sind präsent in hohen und höchsten Ämtern. Die Gleichberechtigung und die Teilnahme von Frauen an politischen Prozessen ist also zunächst einmal eine Erfolgsgeschichte – auf die wir gemeinsam stolz sein dürfen.

Aber man muss auch ganz klar sagen: Das haben wir uns hart erarbeiten müssen.

Weder uns die wir hier im Raum versammelt sind noch unseren Vorkämpferinnen ist etwas geschenkt worden. Dazu werden wir später sicherlich noch einige Beispiele hören in den Gesprächsrunden. Die Ausstellung, die wir heute gemeinsam eröffnen, war und ist mir auch deshalb ein Herzensanliegen, um einigen dieser Geschichten ein Forum und öffentliche Aufmerksamkeit bieten zu können. Denn wir Frauen neigen ja manchmal dazu, unser Licht etwas unter den Scheffel zu stellen und nicht immer das große Scheinwerferlicht zu suchen.

Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum wir nach rund 100 Jahren Frauenwahlrecht in Deutschland leider nicht nur Erfolge vermelden können, sondern nach wie vor einen langen – und ich befürchte: auch weiterhin steinigen – Weg vor uns haben.

Denn machen wir uns nichts vor: Frauen stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland. In einer repräsentativen Demokratie sollte sich dieser Anteil eigentlich auch in den Parlamenten widerspiegeln.

Dem ist aber nicht so!
•    Im neuen Deutschen Bundestag sitzen knapp 31 Prozent weibliche Abgeordnete.
•    Hier im Bayerischen Landtag ist es nur knapp ein Drittel.
•    Und im kommunalen Bereich wird es endgültig schwierig: Hier liegt der Anteil der Mandatsträgerinnen gerade einmal bei einem Viertel. Von all unseren Bürgermeistern in Bayern sind nur acht weiblich. Und es gibt tatsächlich Stadt-, Gemeinde- und Kreisräte, in denen keine einzige Frau vertreten ist!

Anrede
Ich glaube, wir sind uns einig, dass wir es dabei nicht belassen wollen und dürfen.

Über mögliche Lösungen lässt sich diskutieren. Die Debatten um Quoten, Quoren und ähnliches begleiten uns ja nun schon eine ganze Weile. Die verschiedenen Parteien gehen hier unterschiedliche Wege, auch deshalb, weil sie unterschiedliche Voraussetzungen haben.

Aber eines sage ich hier auch in aller Offenheit: Wenn qualifizierte Frauen bei den in den kommenden Wochen und Monaten anstehenden Aufstellungen wieder deutlich härter kämpfen müssen als ihre männlichen Mitbewerber – dann ist das ein Problem, das ich persönlich nicht hinnehmen will.

Und deshalb müssen wir zumindest immer und immer wieder klar und deutlich darauf hinweisen und damit auch ein Problembewusstsein schaffen. Auch deshalb ist die Ausstellung, die wir heute eröffnen, ein wichtiger Impuls. Sie kann und soll Ansporn sein, wieder neu nachzudenken – und vor allem auch Ansporn, nicht nachzulassen!

Anrede
Was wir in jedem Fall brauchen, ist der Austausch untereinander, damit wir auf dem gemeinsamen Weg einen weiteren Schritt vorankommen. Und da sind insbesondere auch Frauen wie Sie und ich gefordert – nämlich, wo wir können und so gut wir können, qualifizierte Frauen zu fördern, sie auf ihrem Weg in die Politik zu unterstützen.

Wir brauchen sichtbare Vorbilder, wir brauchen starke und mutige Frauen, die zeigen, dass man auch – und gerade als Frau – im Bereich der Politik seinen Teil dazu beitragen kann, dass die Welt ein Stück weit besser wird.

Die Ausstellung über die Geschichte der Frauen in der bayerischen Politik zeigt uns ganz deutlich: Frauen können alles. Nicht nur prinzipiell, sondern auch praktisch, in allen Ämtern der politischen Verantwortung. Politik profitiert dabei wie alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens davon, wenn Verantwortung geteilt wird und Männer ebenso wie Frauen ihren Teil zum guten Gelingen beitragen.

Mit der Ausstellung, die wir heute gemeinsam eröffnen und der ich in den kommenden Wochen [bis Mitte Januar] viele Besucherinnen und Besucher wünsche, wollen wir in diese Richtung noch einmal ein wichtiges Signal senden.

Eine der vier Mütter des Grundgesetzes, Helene Wessel, hat vor knapp 90 Jahren den Anspruch formuliert – ich zitiere: „Frauen müssen sich in die staatsbürgerlichen Aufgaben bewusst und freudig einmischen“.

Liebe Mitstreiterinnen,
ich glaube, in dieser Hinsicht haben wir uns nichts vorzuwerfen. Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam daran arbeiten, dass dieses „Einmischen“ in Zukunft noch besser und umfänglicher gelingt.

Ein herzliches Vergelt’s Gott möchte ich an dieser Stelle noch dem Präsidium des Bayerischen Landtags sagen, das dieses Projekt einstimmig auf den Weg gebracht hat. Da waren wir uns sehr einig, und dafür bin ich allen Kolleginnen und Kollegen wirklich dankbar.

Der Weg der Umsetzung dieses Beschlusses war dann natürlich mit langen und intensiven Vorbereitungen verbunden. Mein ganz herzlicher Dank für alles, was hier geleistet wurde, gilt
•    Frau Professorin Daniela Neri-Ultsch, die die Ausstellung inhaltlich konzipiert hat,
•    allen aktiven und ehemaligen Kolleginnen, die sich als Gesprächspartner zur Verfügung gestellt haben.
•    Und ich danke ganz herzlich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landtagsamts, die viel Arbeit und Zeit investiert haben, damit wir diese Ausstellung heute gemeinsam eröffnen können! Ein herzliches Vergelts Gott an das Team der Öffentlichkeitsarbeit und alle, die zum Gelingen der heutigen Veranstaltung beigetragen haben und das noch tun werden.

Und nun freue ich mich sehr auf einen interessanten Abend mit Ihnen allen!

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