Bayerischer Landtag

19.05.2017 - Barbara Stamm: Rede zum 20-jährigen Bestehen Gästeführer Weinerlebnis Franken e.V.

Sehr geehrte Frau Samfaß,
sehr geehrter Herr Dr. Kolesch,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste!

Es freut mich sehr, Sie heute alle hier in meiner – in unserer – fränkischen Heimat begrüßen zu dürfen. Gerne habe ich die Schirmherrschaft über Ihr Jubiläum übernommen, das ja genau genommen ein doppeltes ist: Seit nunmehr 20 Jahren gibt es den Verein Gästeführer Weinerlebnis Franken e.V. und gleichzeitig feiert das Fränkische Weintourismus-konzept Franken-Wein.Schöner.Land – Reisen zum Wein sein 10-jähriges Bestehen.

Ich sage immer: Ein Jubiläum bietet nicht nur einen Grund zum Feiern, sondern sollte stets auch Anlass sein, zurückzublicken und Bilanz zu ziehen.

•    Wo stehen wir?
•    Was haben wir in den letzten Jahren erreicht?
•    Wo wollen wir hin?

1997 hat die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau mit der Ausbildung von Gästeführerinnen und Gästeführern begonnen und damit den Startschuss für ein mittlerweile sehr erfolgreiches weintouristisches Angebot in Franken gegeben. Und tatsächlich sprechen die Zahlen für sich: 300 ausgebildete Gästeführerinnen und Gästeführer, über 6.000 Führungen mit über 100.000 Gästen pro Jahr – das ist eine herausragende Leistung unserer Franken und bedeutet auch eine Spitzenstellung innerhalb der deutschen und europäischen Weinbaugebiete. Und wenn man sich hier umsieht, dann weiß man auch, warum das so ist!

Denn die intakte Natur und die einzigartige Landschaft geben der Weinregion Franken ihr ganz besonderes Gesicht, und sie geben vor allem dem Wein seinen unverwechselbaren Geschmack: Ausdrucksvoll und stark im Charakter – echte Franken eben!  

Kenner wissen, dass gerade das Zusammenspiel aus Boden, Klima, Rebsorte und Winzer den Wein prägt und unvergleichlichen Genuss bietet. Das Besondere entsteht nur durch die Harmonie zwischen Natur und Mensch – und darum müssen wir uns um beides gut kümmern!

Anrede
Schon Goethe schrieb ja damals an seine Frau Christiane „Sende mir noch einige Würzburger, denn kein anderer Wein will mir schmecken und ich bin verdrießlich, wenn mir mein gewohnter Lieblingstrank abgeht.“ – Zitat Ende.

Der Frankenwein, von dem Goethe schwärmte, wird seit Generationen mit Leidenschaft und Liebe zur fränkischen Heimat hergestellt und mittlerweile weltweit geschätzt. Über 4.000 Betriebe und rund 950 Weingüter sorgen mit ihrer Produktion dafür, dass die wachsende Zahl der Frankenweinliebhaber – salopp gesprochen – nicht auf dem Trockenen sitzt. Und von Seiten der Politik werden wir alles tun, damit die Erfolgsgeschichte des Frankenweins und der fränkischen Weinanbau-Gebiete weitergeht. Dabei ist es ist wichtig, dass die Politik stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Weinbauern hat. Mit ihrem Einsatz stärken die Winzer nicht nur die Region Franken, sondern sie tragen zur Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsstandorts Bayern bei.

Und wir sollten nicht vergessen: Die einmalige Wein-Landschaft von Bamberg bis Aschaffenburg bereichert unser kulturelles Leben im Freistaat in wunderbarer Weise. Der Anbau von Wein in Franken ist ein wichtiger Teil unseres Wesens und unserer Identität und er steigert unsere Lebensqualität. Wir müssen dieses hohe Gut schützen, bewahren und fördern.

Ich bin mir sicher: Die Frankenwein-Vinothek in der Münchner Residenz wird dabei – nach langem Vorlauf und trotz einigem Gegenwind – überaus positiv wirken. Sie wird an diesem prominenten Ort zahlreiche Liebhaber des Frankenweins erfreuen. Denn die gibt es auch in der Hauptstadt, und ich für meinen Teil rühre auch kräftig die Werbetrommel dafür, dass wir noch mehr Leute überzeugen können. Bei Veranstaltungen des Landtags wird deshalb selbstverständlich Frankenwein ausgeschenkt. Denn wir müssen uns wirklich nicht verstecken!

Gerade mit Blick auf den europäischen Markt sollten wir alles tun, um die Qualität unserer heimischen Erzeugnisse zu betonen und den hohen Standard unserer regionalen Produkte zu erhalten. Dann bleibt der fränkische Wein, was er immer gewesen ist: Ein einzigartiges Genussmittel, das in ganz Deutschland und in der ganzen Welt wertgeschätzt wird!

Natürlich besteht Franken nicht nur aus dem Wein. Aber er trägt ganz wesentlich dazu bei, die Kultur unseres Landes und unsere Heimat zu erschließen. Nicht umsonst erfreut sich die Marke „Franken-Wein. Schöner. Land.“ großer Beliebtheit und internationaler Bekanntheit.

Von unschätzbarem Wert sind hierbei unsere ausgebildeten Gästeführerinnen und Gästeführer. Denn sie sind das Bindeglied zwischen Winzer, Weinbaugemeinde und den Gästen. Sie führen durch Weinberge und Weinkeller, sie erzählen die Geschichten der Winzerorte und der Menschen, die hier leben. Unter dem Motto „Komm ich zeig dir mein Weinland“ beweisen sie, wie vielfältig und vielschichtig Weinkultur sein kann. Und als Botschafter des Frankenweins teilen die Gästeführerinnen und Gästeführer ihr Wissen und ihre Leidenschaft. Dafür möchte ich an dieser Stelle ein ganz herzliches Vergelt’s Gott aussprechen. Sie leisten durch Ihre Arbeit einen ganz wichtigen Beitrag für unsere Heimat.

Denn Heimatverbundenheit heißt immer auch: Wissen über die eigene Heimat zu sammeln, das Charakteristische des Landes zu bewahren und anderen näherzubringen, was uns und unser Land geprägt hat.

Gelegentlich wird Heimatverbundenheit ja belächelt und als rückständig bezeichnet. Aber das stimmt nicht:
Die Liebe zur Heimat bedeutet nicht nur, Traditionen zu bewahren und sie zu pflegen, sondern sie verpflichtet darüber hinaus, der künftigen Generation eine gewisse Haltung zu vermitteln und Werte weiterzugeben. Das hat auch ein Stück weit mit dem Bildungsauftrag zu tun, den wir nicht nur an die Schulen delegieren können. Hierfür tragen wir alle eine gemeinsame Verantwortung – gerade auch in Zeiten, in denen der Begriff der Heimat zum Teil auch instrumentalisiert wird.

Zur Heimat gehört die Landschaft, die Sprache und Kultur, die Mentalität eines Landes – und all das erzeugt ein Gefühl der Zugehörigkeit, der Verankerung. Wer seine Heimat liebt, der will mehr über sie erfahren, der will wissen, wie sie zu dem wurde, was sie heute ist. Und dies ist ganz enorm wichtig! Denn wir können die Gegenwart nur verstehen und die Zukunft planen, wenn wir wissen, wie es zu dem geworden ist, wie es heute ist. Gleichzeitig macht der Blick zurück in die Vergangenheit uns aber auch immer wieder bewusst, wie glücklich und dankbar wir sein können, in einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft leben zu dürfen. Das müssen wir bewahren, hierfür müssen wir eintreten! Und wenn man das heutige Franken beschreibt, dann kann man mit Stolz sagen: Wir Franken sind traditionsbewusst, aber auch dynamisch und modern! Das sieht man nicht zuletzt am immer stärker werdenden Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad Frankens. Und an dem hat sowohl der Verein „Gästeführer Weinerlebnis Franken“ einen maßgeblichen Anteil als auch das Weintourimus-Konzept „Franken-Wein.Schöner.Land“.

Ein französischer Schriftsteller hat einmal gesagt:
Wer seine Heimat wirklich liebt, begnügt sich nicht mit täglichen Lobgesängen, sie sei die beste oder die erste auf der Welt. Nein, er arbeitet unablässig daran, dass sie es ist und bleibt.
[Zitat Ende]
 
Und deshalb möchte ich heute nicht nur gratulieren, sondern auch all denjenigen danken, die an ihrer, die an unserer Heimat unablässig arbeiten und sich für das Gemeinwohl engagieren: In einer globalisierten Welt schaffen Sie hier ein Stück Geborgenheit, lassen Sie so ein Stück Identität entstehen. Ganz besonders Sie, liebe Gästeführerinnen und Gästeführer: Sie setzen sich für Lebensqualität und eine gesunde Entwicklung in Franken ein. Sie bringen die Menschen zusammen, Sie schaffen Raum für Ideen und Kreativität und machen Franken als Ausflugs- und Urlaubsziel noch attraktiver! Und all das braucht eine Region, um auch in Zukunft zu bestehen und wettbewerbsfähig zu sein.

Für die Menschen, die hierher kommen, sei es für ein Wochenende, eine Woche, länger oder auch nur für einen Nachmittagsausflug – für die bietet die fränkische Umgebung eine ideale Auszeit. Hier kann man zur Ruhe kommen und die Natur genießen, man kann gut essen und trinken. Gerade in unserer heutigen Zeit, die immer hektischer und stressiger wird, ist es wichtig, sich auch einmal zurückzuziehen und die Seele baumeln zu lassen. Wenn es mir gelingt, einen Ausgleich zu schaffen und an einem Ort zu sein, an dem ich auftanken kann – dann kann ich anschließend auch wieder frisch in den Alltag starten. Und das klappt in unserem schönen Frankenland ganz ausgezeichnet.


Anrede
Wein führt seit Urzeiten die Menschen zusammen, er stiftet Gemeinschaft und sorgt für Lebensfreude. Jeder weiß, dass ein guter Wein auch Zeit braucht, um zu wachsen, um hergestellt zu werden und zu reifen. Und so sollten auch wir uns Zeit nehmen für den Wein. Das Jubiläum bietet dazu ja reichlich Gelegenheit: Unter dem Motto „20 Jahre, 20 Wochen“ können Sie in der kommenden Zeit bei über 20 Veranstaltungen fränkische Lebensart und Lebensfreude spüren und die Vielfalt und den Reichtum unserer schönen Heimat entdecken. Begleiten soll Sie dabei der Satz eines englischen Staatsmanns, der einmal gesagt hat:

 „Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“

Lassen Sie uns in diesem Sinne heute gemeinsam feiern und das Leben und unsere fränkische Heimat genießen.
 

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