Bayerischer Landtag

06.10.2014 - Barbara Stamm: Rede zum 40-jährigen Jubiläum des Förder- und Kulturvereins Schloss Amerang

Sehr geehrte Baronin von Crailsheim,
sehr geehrter Baron von Crailsheim,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Heute hier bei Ihnen in diesem noblen Ambiente sein zu können, das so viel Atmosphäre hat, freut mich wirklich sehr.

Auch wenn ich - um ehrlich zu sein - ein bisschen Lampenfieber habe. Denn die Gelegenheiten, an so einem Ort zu sprechen, umrahmt von so stimmungsvoller Musik, sind auch für eine Landtagspräsidentin eher selten.

Es ist aber nicht nur der außergewöhnliche Ort. Es ist nicht nur die außergewöhnliche Atmosphäre, die diesen Abend für mich zu etwas ganz Besonderem macht.

Es sind vor allem die Persönlichkeiten, die ihn, wenn man so will, überhaupt erst möglich gemacht haben, diesen historischen Ort:

•    mit ihrem Engagement
•    mit ihrer Tatkraft
•    mit ihrem Weitblick
•    mit ihrer Großzügigkeit.

Menschen, denen bewusst ist

•    was zu Bayern gehört
•    was erhalten werden muss
•    was Heimat stiftet.

Und die dafür ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Mittel investieren.

Ein Schloss ist ja ein besonderes Stück Heimat - zuallererst natürlich für den, der darin seine Kindheit verbracht hat. Aber auch für die, die rundherum leben oder es gern besuchen.

Sie alle können sich den Chiemgau ohne Schloss Amerang, ohne seinen zu Form und Fassade gewordenen Charakter, nicht vorstellen. Sie wollen es erhalten, pflegen und verschönern.

Das ist natürlich eine höchst anspruchsvolle Aufgabe. Genauer gesagt, eine Daueraufgabe. Denn alles in einem Schloss ist viel aufwändiger als in einem herkömmlichen Gebäude.

Ganz auf sich allein gestellt, kann das heutzutage wohl niemand mehr stemmen. Wem so ein Schloss gehört, der muss sich als Lobbyist des Bauwerks verstehen, muss Partner suchen, muss mit anderen zusammenarbeiten.

Die Eigentümer, der Förderverein, die Gemeinde und das Land Bayern tun das auch. Wenn man so will in einer Großen Koalition aus Adel, Bürgerschaft, Kommune und Staat.

Weil alle von dem, was sie tun, überzeugt sind. Und weil das, was hier geschieht, für unser Land und seine Kultur typisch ist.

Kultur ist ja, einem bekannten Bonmot zufolge, das Wissen von sich selbst - ein Wissen, das nicht preisgegeben werden darf, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Dafür hat in den vergangenen vier Jahrzehnten hier bei Ihnen der Förder- und Kulturverein Schloss Amerang gesorgt. Er hat gezeigt, dass ein guter Gedanke, wenn er von engagierten Leuten getragen wird, seinen Weg in die Gesellschaft findet und über Jahrzehnte hinweg tragfähig ist.

Natürlich gab es in den 40 Jahren des Vereinsbestehens nicht nur Höhepunkte und freudvolle Ereignisse. Es gab auch Rückschläge und Unstimmigkeiten.

Schon die Gründung des Fördervereins ging ja auf eine schwierige Phase bei der Sanierung des Schlosses zurück. Die Bayerische Landesstiftung sah sich damals außer Stande, dem Verein Mittel für die Erhaltung dieses privaten Baudenkmals zur Verfügung zu stellen. Und auch in späteren Jahren gab es bei der Sanierung des Schlosses kritische Momente.

Mitte der Neunzigerjahre drohte das Bauwerk sogar einzustürzen.

Gerettet worden ist es durch Ihre Initiative, sehr geehrter Baron von Crailsheim, „mit viel Gelassenheit und schlaflosen Nächten“, wie Sie einmal sagten. Und natürlich mit dem nötigen Eigenkapital, mit kommunaler und - nun doch - mit staatlicher Hilfe.

Aber auch
•    mit einer Frau an Ihrer Seite, die so viel Herzblut und Verantwortungsbewusstsein für die Sache hat wie Sie selbst
•    mit einem kleinen hoch motivierten Team
•    und mit einem Förderverein, dessen Engagement ich als vorbildlich bezeichnen möchte.

Heute, nach vier Jahrzehnten Vereinsgeschichte, kann man ohne Übertreibung sagen: Schloss Amerang wird getragen von einer großen Gemeinschaft gleichgesinnter, kulturinteressierter Menschen.

Sie rufen nicht immer gleich nach dem Staat, sondern sorgen selbst dafür, dass das Ensemble bewahrt und Schritt für Schritt verschönert werden kann.

Im vergangenen Jahr etwa beteiligte sich der Förderverein mit einem erheblichen Beitrag am Bau der neuen Überdachung des wunderschönen Arkadenhofs.

Der Hof ist für seine hervorragende Akustik bekannt. Musik hängt ja ganz unmittelbar mit Architektur zusammen. Töne sind wie Gebilde im Raum. Sie können Räume prägen und fühlbar machen.

Ohne den Förderverein wäre dieses Klang- und Raumerlebnis nicht mehr möglich gewesen. Die Konzertreihe hätte nicht fortgeführt werden können. Eine fast 50-jährige Tradition wäre zu Ende gegangen.

Dass es nicht soweit gekommen ist, darauf können alle Beteiligten stolz sein. Zumal man hier in Amerang ohne öffentliche Unterstützung oder die Förderung von Einzelsponsoren auskommt.

Bei Ihrem Förder- und Kulturverein, meine sehr geehrten Damen und Herren, läuft alles ehrenamtlich. Seine Mitglieder gehören zu jenen fast vier Millionen Menschen in unserem Land, die sich freiwillig engagieren. Sie machen Bayern mit zu dem, was es ist: ein schönes Land, in dem man sich wohlfühlen kann.

Ja, ich möchte sogar die These wagen: Je mehr ehrenamtliches Engagement es in einem Land gibt, desto wohler fühlt man sich dort.

Natürlich spricht man in Sonntagsreden - heute ist, nebenbei bemerkt, Montag - gern vom „solidarischen Engagement für andere“. Ein Ehrenamt erfordert aber weit mehr, nämlich Ausdauer, Kompetenz und Verlässlichkeit.

Wenn man sich einmal darauf einlässt, etwas zu übernehmen oder zu unterstützen, dann kann man nicht mehr sagen: „Eigentlich habe ich heute dazu gar keine Lust!“

Ehrenamtliche müssen immer präsent sein, müssen sich in die Perspektive ihres Partners oder Gegenübers, müssen sich in die Notwendigkeiten eines Vorhabens einfühlen: mit Empathie und mit viel Verständnis für die Sache und die Meinungen anderer.

All das sind Eigenschaften, die wir staatlich nicht verordnen können, die sich aus den Menschen selbst heraus entwickeln müssen, die man nicht erzwingen kann. Deshalb ist die ehrenamtliche Praxis in unserer Gesellschaft so wichtig. Sie fördert die Ausbildung dieser Eigenschaften.

Auch auf die Atmosphäre kommt es an, auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen - in Ihrem Fall - dem ehrenamtlichen Förderverein, seinem Vorstand und Beirat und der professionellen Führung des Hauses. Es ist ja nach wie vor ein Familienbetrieb. Auch dafür braucht es viel Empathie - auf allen Seiten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Förderung des Ehrenamts wurde bei uns in Bayern mittlerweile als Staatsziel in die Verfassung aufgenommen. Das ist ein ganz wichtiges Signal an alle, die sich freiwillig engagieren oder das künftig tun wollen.

Sie sollen wissen, dass der Staat ihr Engagement nach Kräften fördert. Dass er weiß, wie stark das Ehrenamt unsere Gesellschaft zusammenhält.

Deshalb haben wir auch - nun schon zum zweiten Mal - einen Kongress zum zivilgesellschaftlichen Engagement in Nürnberg veranstaltet. Dort können sich Ehrenamtliche nicht nur wertvolle Anregungen holen, sondern sich auch untereinander vernetzen und Erfahrungen austauschen.

Ganz wichtig für die Vernetzung sind auch die Koordinierungszentren für Bürgerschaftliches Engagement auf regionaler Ebene. Ihren Aufbau fördern wir bereits seit einigen Jahren. Wir wollen damit eine gut funktionierende, flächendeckende Infrastruktur für das bürgerschaftliche Engagement in Bayern schaffen.

Das sind wir unseren Ehrenamtlichen schuldig. Jeder von ihnen, jeder Verein wie der Ihre ist ein hervorragendes Beispiel freiwilligen Engagements. Es kann Schule machen und auch andere dazu ermutigen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und Gutes zu tun.

Von allein geschieht es nämlich nicht, das Gute, auch auf Schloss Amerang nicht.

Aber hier haben sich die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt zusammengefunden und in vier Jahrzehnten etwas geschaffen, das sich in jeder Beziehung sehen lassen kann.

Heute steht das Schloss für feine Konzerte, edle Pferde - dank Ihnen, sehr geehrte Baronin von Crailsheim - und für eine Kultur der Gastlichkeit, die Maßstäbe setzt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Johann Nestroy hat einmal gesagt: „Kultur beginnt im Herzen jedes einzelnen.“

Hier bei Ihnen auf Schloss Amerang hat sie in den Herzen vieler einzelner begonnen.

Dafür danke ich Ihnen aufrichtig und wünsche dem Schloss und allen, die sich ihm verbunden fühlen, eine gute und erfolgreiche Zukunft.

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