Bayerischer Landtag

Barbara Stamm: Rede zur Verleihung des Rotary-Jugendpreises für soziales Engagement

Sehr geehrter Herr Landrat Walch,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kegel,
lieber Herr Heider (Rotary-Präsident),
lieber Herr Dr. Kotter (Rotary-Jugenddienstbeauftragter)
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Zunächst möchte ich mich ganz herzlich für die freundliche Einladung bedanken. Ich bin sehr gern zu Ihnen gekommen. Rotary ist ja auch im Landtag vertreten. Wir haben einen Rotarischen Präsenztisch. Und ich weiß, dass Sie, liebe Rotarierinnen und Rotarier, sehr darum bemüht sind, der Gesellschaft eine Stütze zu sein.

Sie alle sind wirtschaftlich und beruflich erfolgreich.
Sie alle haben sich aber auch den Blick für andere bewahrt, denen es nicht so gut geht, die Hilfe (zur Selbsthilfe), die Förderung, die Unterstützung brauchen. Sie leisten da sehr viel. Und Sie tun es aus der Überzeugung heraus, dass unsere Gesellschaft ohne dieses Engagement nicht stabil wäre.

Und es stimmt ja auch: Jede Gesellschaft braucht Menschen, die hinschauen, die sich berühren lassen, die anpacken und andere dazu motivieren, das auch zu tun: durch ihr Vorbild, durch ihre Wertschätzung, durch ihre Anerkennung - etwa in Form eines Jugendpreises für soziales Engagement, wie Sie ihn heute verleihen.

Sie berühren damit in mir natürlich etwas, das seit Jahrzehnten eine meiner Herzensangelegenheiten ist: die Förderung des Ehrenamts - besonders bei jungen Leuten.

Und deshalb richte ich meine Worte jetzt an Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger. Sie engagieren sich ja, wie ich gehört habe, in ganz unterschiedlichen Einrichtungen: beim Technischen Hilfswerk, bei den Maltesern, bei den Pfadfindern, in den Kirchen. Und ganz gleich wo, immer setzen Sie Ihre Energie, Ihre Talente und Ihre Zeit ein, um etwas für andere, für die Gesellschaft, für uns alle zu tun.

Ihre Leistung beeindruckt mich sehr. Es ist einfach schön zu sehen, wie Sie sich einbringen, wie Sie von dem, was Sie tun, überzeugt sind.

Sie und all die anderen Ehrenamtlichen sind ein Glücksfall für unser Land.

Das hat sich gerade in den vergangenen Monaten sehr deutlich gezeigt, als so viele Menschen in ihrer Verzweiflung aus fremden Ländern vor Krieg, Not und Gewalt zu uns geflohen sind.

Die Welle der Hilfsbereitschaft, die da durchs Land ging, war überwältigend. Und auch von Ihnen engagieren sich ja einige, wie mir gesagt wurde, in der Flüchtlingshilfe und in der Entwicklungspolitik.

Ich kann das nur in den höchsten Tönen loben und allen - auch denen, die heute nicht ausgezeichnet werden oder sich anderweitig engagieren - ein großes und von Herzen kommendes Dankeschön sagen. Was Sie da machen, ist ganz großartig. - Und es hat einen Applaus verdient.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ich weiß, es ist nur eine Zahl. Aber sie stimmt zuversichtlich.
Fast vier Millionen Menschen engagieren sich freiwillig für ein gutes Miteinander hier bei uns in Bayern - und widerlegen damit das Klischee von einer Gesellschaft, die nur den eigenen Vorteil kennt.

Ich selbst bin auch immer wieder überrascht von der Vielfalt des Engagements, wenn wir den Bürgerpreis des Landtags vergeben. Die Jury steht jedes Jahr vor der Qual der Wahl - so gut und ideenreich sind sie, die Projekte, die da eingereicht werden.

Ich denke, das ist auch für die heutige Preisverleihung eine gute Botschaft. Denn es zeigt, dass durchaus Potenzial fürs ehrenamtliche Engagement vorhanden ist - auch bei der jungen Generation.

Dieses Potenzial müssen wir pflegen und auf eine noch breitere Grundlage stellen. Denn unsere Gesellschaft lebt von freiwilligen Leistungen. Ohne sie wären schon heute viele Projekte weder zu finanzieren noch organisatorisch zu stemmen. In der Flüchtlingskrise sieht man es besonders deutlich: Ohne Ehrenamtliche geht gar nichts!

Oder denken wir an das schreckliche Zugunglück bei Bad Aibling, wo 800 haupt- und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bis an die Grenzen ihrer (physischen und psychischen) Belastbarkeit gegangen sind - wahrscheinlich sogar weit darüber hinaus. Da wurde Unvorstellbares geleistet.

Dem Ministerpräsidenten und mir war es deshalb ein großes Anliegen, dafür unseren Dank, unseren Respekt und unsere Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Und wir können nur hoffen, dass der Empfang, den wir in der Münchner Residenz gegeben haben, bei den Helferinnen und Helfern auch so angekommen ist.

Natürlich denkt man an solchen Tagen über vieles nach, darüber etwa, warum unsere Ehrenamtlichen fast immer nur dann im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, wenn es, wie man sagt, „brennt“, wenn sich ein Unglück ereignet, wenn sich eine Krise ihre Bahn bricht.

Vielleicht liegt es daran, dass freiwillig Engagierte zur Bescheidenheit neigen und die Aufmerksamkeit der Medien eher selten suchen. Das ist einerseits zwar sehr sympathisch, andererseits unter PR-Gesichtspunkten aber nicht optimal.

Heutzutage genügt es ja nicht, Gutes nur zu tun. Man muss auch darüber sprechen, muss darüber berichten. Oder einen Preis ausloben, wie Sie das für die Jugend tun - als Zeichen der Wertschätzung jenseits aller vordergründigen Aktualität. Andernfalls läuft man Gefahr, dass das Ehrenamt nicht genügend wahrgenommen und gewürdigt.

Und genau das, dieses Nicht-gewürdigt-Werden, darf eben nicht passieren. Wir dürfen den Fokus nicht nur in der Krise auf unsere Ehrenamtlichen richten.

Nein, ihre Leistungen müssen auch sonst präsent sein - in unseren Köpfen, in unseren Herzen, in den Medien. Auch das ist eine Form der Wertschätzung, die den Menschen gut tut.

Ich halte das für ganz wichtig, weil ihre Leistungen in Zukunft eine noch viel größere Rolle spielen werden. Ja, wir werden in den kommenden Jahren noch mehr freiwilliges Engagement brauchen.

Und das heißt auch: noch mehr Bereitschaft, anderen Zeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung zu schenken.

Der Staat und die Ehrenamtlichen müssen da ganz eng zusammenarbeiten. Sie sind aufeinander angewiesen.

Staat und Kommunen bieten die Sicherheit eines funktionierenden Gemeinwesens, die Ehrenamtlichen ihre Empathie und die Bereitschaft, für andere da zu sein.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Vorhin habe ich von der beeindruckenden Zahl derer gesprochen, die sich in unserem Land freiwillig engagieren.

Wie so vieles ist aber auch dieses Engagement dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen; es kann sich ihm nicht entziehen.

Schon seit einiger Zeit wird es überlagert von einer Form des bürgerschaftlichen Engagements, die mitunter eher spontan, flexibel und vor allem sehr selbstbestimmt auftritt, also so gar nicht dem traditionellen Ehrenamt mit seiner auf Dauer angelegten Verlässlichkeit entspricht.
Das lässt sich vor allem in Großstädten feststellen und hat natürlich viel mit dem Wandel der Lebensverhältnisse zu tun, mit den Anforderungen der Arbeitswelt, mit der dauernden Verfügbarkeit über PC und Handy.

Viele Menschen können sich gar nicht mehr so langfristig engagieren, wie man es eigentlich gern hätte. Aber viele wollen sich dennoch weiterentwickeln, wollen sich einbringen. Weil sie spüren, dass es da noch mehr geben muss als nur ihren Einsatz im Beruf und ihr Leben mit Partner, Partnerin oder Familie - einer Familie, die heute mitunter etwas anders aussehen kann als vor - sagen wir - 40 oder 50 Jahren. Aber der Wille, etwas zu gestalten, etwas zu bewegen, ist nach wie vor da.

Wer bin ich? Was kann ich? Wie kann ich meine Fähigkeiten einsetzen? - Das fragen sich wohl viele, die über ein Ehrenamt nachdenken, die sozusagen kurz davor sind.
Und wenn man den neuesten Trendmeldungen glauben darf, wollen sich auch immer mehr Menschen freiwillig engagieren, die voll im Erwerbsleben stehen, also die 35- bis 50-Jährigen, die Beruf und Familie haben.

Das ist ein ermutigendes Signal, selbst wenn man hier wohl eher an unkonventionelle Formen des Mitwirkens denken muss: an ein zeitlich befristetes Engagement, an Projektarbeit, an Aufgaben, die überschaubar sind und die Wahlmöglichkeiten bieten. Aber auch das kann wirksam sein. Und allein darum geht es.

Besonders freut mich natürlich, dass mittlerweile sogar schon 14-Jährige freiwillig tätig werden wollen.
Da scheint etwas passiert zu sein. Da beginnen die Jugendlichen offenbar zu erkennen, wie gut es ihnen geht - und wollen dafür etwas zurückgeben.

Viele Schulen ermutigen sie dazu. Und auch wir im Landtag werben im Rahmen unserer pädagogischen Betreuung von Schulklassen für das Ehrenamt.
Uns ist schon bewusst, dass wir dafür besonders junge Menschen gewinnen müssen.

Es ist nun einmal so: Wer sich früh ins Engagement einübt, vergisst das sein Leben lang nicht.

Für die Jungen ist es eine Lernwerkstatt, für die Älteren eine Möglichkeit, „am Ball zu bleiben“, ja, vielleicht auch jung zu bleiben. Die Grundlagen dafür müssen jedenfalls früh gelegt werden.

Ich denke, das wollen auch Sie, liebe Rotarierinnen und Rotarier, mit der heutigen Preisverleihung zum Ausdruck bringen. Und für Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, ist es ein schönes Zeichen der Wertschätzung Ihrer Leistung.

Vielleicht lassen sich durch Ihr Vorbild auch andere jungen Menschen zum Ehrenamt bewegen. Wenn sie Sie sehen und von Ihrem Engagement sprechen hören, müssten sie eigentlich spüren, dass Ehrenamt eine Brücke von einem Menschen zum anderen baut und sehr viel Freude macht.

Machen Sie also weiter so, übernehmen Sie Verantwortung und gestalten Sie das Leben in Ihrem Umfeld, in Ihren Städten und Gemeinden, in Ihrer Heimat mit! Ihr Engagement ist für mich auch ein wichtiges Argument, wenn ich dafür kämpfe, dass das Ehrenamt mehr Förderung erhält - nicht um den Staat von Aufgaben zu entlasten, sondern um Sie zu stärken.

Es gibt so vieles, was der Staat und die Ehrenamtlichen gemeinsam tun könnten: Sei es beim Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche, sei es beim Betreuungsangebot für ältere und pflegebedürftige Menschen - um nur einige Beispiele zu nennen.

Wenn wir dieses Gemeinsame, dieses demokratische Miteinander immer wieder suchen und eine Kultur der Hilfsbereitschaft und der Solidarität pflegen, wird unser Land eine gute Zukunft haben.

Es ist schon so, wie es in einem afrikanischen Sprichwort heißt: „Wenn viele Leute an vielen Orten viele gute Dinge tun, dann können sie das Gesicht der Welt verändern.“

Mit diesem guten Gedanken möchte ich schließen.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, ebenso herzlichen Dank für Ihr Engagement und uns allen einen schönen und harmonischen Abend!

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