Bayerischer Landtag

14.02.2016 - Barbara Stamm: Traueransprache anlässlich der Zugkatastrophe bei Bad Abiling

Exzellenz,
Frau Regionalbischöfin,
liebe Familien der Opfer und der Verletzten,
sehr geehrte Trauergemeinde,

plötzlich ist alles anders.
Das Unvorstellbare ist eingetreten – nicht irgendwo, sondern vor unserer Haustür: Ein geliebter Mensch aus unserer Mitte wird plötzlich in den Tod gerissen. Ein Mensch, von dem man sich am Morgen noch verabschiedet hat, mit dem man am Nachmittag vielleicht etwas gemeinsam geplant hatte an diesem Faschingsdienstag.
Für Sie, liebe Angehörige und Freunde, ist nun nichts mehr, wie es war. Es ist etwas zerstört worden, das in dieser Welt keinen Ersatz mehr findet – elf Menschen sind ihren Familien, ihren Freunden entrissen worden. Sie leben weiter in Ihren Herzen und in Ihrer Erinnerung – ein Schatz, den Sie hüten und bewahren werden.
Wir sind heute zusammengekommen, um gemeinsam zu trauern.
Wir sind zusammengekommen, weil wir in der Gemeinschaft stark sind, weil wir uns gegenseitig stützen wollen.
Wir wollen Ihnen zeigen: Sie sind nicht allein in dieser unendlich schweren Zeit.

Unsere Gedanken sind heute auch bei all denen, die die Bilder des schrecklichen Unglücks noch immer vor Augen haben: Weil sie in einem der Züge saßen. Weil sie verletzt wurden – zum Teil schwer. Weil sie Schreckliches gesehen und gehört haben.

Viele von Ihnen, die heute hier sind, waren als Rettungskräfte im Einsatz. In einer absoluten Ausnahmesituation sind Sie bis an ihre Grenzen gegangen – und darüber hinaus. Was Sie dabei erlebt haben, können wir nur erahnen. Sie haben das Menschenmögliche getan, um in diesen schlimmen Stunden zu helfen. Vergelt’s Gott! Auch Ihnen wollen wir heute sagen: Sie sind nicht allein.

Denn die Menschen hier in Bad Aibling, in der gesamten Region, stehen fest zusammen. Und wir alle in ganz Bayern, in ganz Deutschland, denken in diesen Tagen an Sie und fühlen mit Ihnen.

Halten wir uns fest an diesem Band des Miteinanders. Damit wir diese schwere Zeit der Traurigkeit gemeinsam durchgehen können.

Denn auch wenn es uns schwer fällt, heute daran zu glauben:

„Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende.“
(persischer Dichter)

Mit dieser Hoffnung blicken wir nach vorne. An eine Rückkehr in den Alltag ist heute und morgen nicht zu denken – für die Betroffenen nicht und auch darüber hinaus nicht. Für diesen weiten, anstrengenden Weg brauchen wir Zeit, viel Kraft und Gottes Segen!

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