Bayerischer Landtag

21.03.2013 - Barbara Stamm: Verleihung der Hofenfels-Medaille des Bundes der Pfalzfreunde in Bayern an Herrn Dr. Berndt Jäger

Sehr geehrte Gäste!

Ich begrüße Sie alle ganz herzlich und freue mich sehr darüber, Sie, lieber Herr Dr. Jäger, „in alter Frische“ wiederzusehen. Chronos, der Gott der Zeit, scheint bei Ihnen ein Auge zuzudrücken. Und den Frühling begrüßen dürfen wir in diesen Tagen ja auch.

Natürlich grüße ich nicht nur ihn, sondern aus den Reihen des Landtags ebenso meinen Kollegen Konrad Kobler.

Ein herzliches Willkommen auch an meinen Vor-Vorgänger im Amt, Herrn Landtagspräsidenten a. D. Johann Böhm.

Vom Bund der Pfalzfreunde darf ich stellvertretend für alle anderen Mitglieder begrüßen

- Herrn Dr. Hans von Malottki und
- Anton Freiherrn von Cetto.

Ebenso herzlich willkommen heiße ich

- Ihre Königliche Hoheit, Herzogin Helene in Bayern
- den ehemaligen Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns, Herrn Prof. Dr. Hermann Rumschöttel
- den Leiter der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, Herrn Dr. Michael Henker sowie
- Herrn Pfarrer Franz Xaver Leibiger, der uns als Seelsorger von St.-Johann-Baptist fast 20 Jahre begleitet hat.

Auch die Spitze des Hauses ist vertreten. Ich grüße den Amtschef des Landtags, Herrn Ministerialdirektor Peter Worm.

Sehr geehrte Gäste!

Der Anlass, der uns ein Jahr vor dem großen Pfalzjubiläum (1214-2014) zusammenführt, ist ein höchst erfreulicher. Sie, lieber Herr Dr. Jäger, werden mit der Hofenfels-Medaille des Bundes der Pfalzfreunde ausgezeichnet. Damit stehen Sie in einer Reihe mit so prägenden Persönlichkeiten wie Seine Eminenz Friedrich Kardinal Wetter, Prof. Dr. Bernhard Vogel und Prof. Otto Meitinger - um nur einige wenige zu nennen, die diese hohe Auszeichnung ebenfalls erhalten haben.

Wenn man die Leistung des Namensgebers der Medaille mit einem Satz zusammenfassen wollte, könnte man sagen: Er war zur Stelle, als Bayerns Staatlichkeit bedroht war, als es preisgegeben oder getauscht werden sollte - und das, obwohl er von der Pfalz den weitesten Weg in die Residenzstadt München hatte. Als Unterfränkin weiß ich, wovon ich spreche, auch wenn aus Pferdekutschen mittlerweile Pferdestärken mit hoher Laufkultur geworden sind.

Doch der Reihe nach: Nach dem Verlust großer Teile Schlesiens in den gleichnamigen Kriegen des 18. Jahrhunderts an Preußen war den Habsburgern sehr daran gelegen, ihre Stellung in Süddeutschland auszubauen. Sie erhoben Erbansprüche auf bayerisches Gebiet. Mit Dreierlei hatten sie allerdings nicht gerechnet:

- mit dem bayerischen Eigensinn
- mit dem ausgeprägten Gefühl alter Staatlichkeit und
- mit dem Freiherrn von Hofenfels.

Hofenfels hatte erkannt, dass die Preisgabe Bayerns für die Wittelsbacher und für Pfalz-Zweibrücken, in dessen Dienst er stand, keinerlei Vorteile bringen würde. Und er hatte einen prominenten Unterstützer. Dem ging es zwar weniger um Bayern, aber um die Balance zwischen Preußen und Österreich: Friedrich den Großen. Er blickt, wie Sie wissen, auch hier in diesem Saal von der Wand und soll über Bayern einmal gesagt haben: „Welch herrliches Land - bewohnt von Tieren.“

Diese königliche Äußerung war den meisten Zeitgenossen wohl nicht bekannt. Sie sahen in ihm den Retter bayerischer Selbstständigkeit. Das war verständlich. Denn im Frieden von Teschen, der den Bayerischen Erbfolgekrieg beendete, musste Bayern lediglich das Innviertel an Österreich abtreten - dank Friedrich des Großen und des Freiherrn von Hofenfels, der an den Verhandlungen maßgeblich beteiligt war.

Beide haben später auch im Zusammenspiel mit dem Deutschen Fürstenbund die Absicht des Kurfürsten Karl Theodor durchkreuzt, Bayern gegen die österreichischen Niederlande (das heutige Belgien) zu tauschen. Die Staatlichkeit unseres Landes konnte erhalten werden. Damals wurde der Grundstein für die besondere Stellung gelegt, die es noch heute im vereinten Europa hat.

Auf diese kurzen Ausführungen möchte ich mich beschränken. Herr Dr. Böhm wird zur Historie noch etwas sagen - mit wissenschaftlicher Kompetenz.
Und er wird, denke ich, auf das Symposium hier im Landtag im kommenden Jahr eingehen.

Kompetenz - das ist auch die Aura, die Sie, lieber Herr Dr. Jäger, umgibt: als „Pfalzexperten“ und als ehemals leitenden Beamten. Mit Ihnen zusammenzuarbeiten, war ebenso angenehm wie anregend. Sie hatten einen hohen Anspruch an sich selbst. Der Gedanke der perfekten Pflichterfüllung war stets präsent. Er hat entscheidend zu Ihrem beruflichen Erfolg und dazu beigetragen, dass ich Ihnen vor wenigen Jahren die Verfassungsmedaille in Silber überreichen konnte.

Im Landtag sind Sie bis zum „Ministerialdirigenten“ aufgestiegen. Selten hat diese Bezeichnung so zugetroffen wie auf Sie. Sie haben Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - und nicht nur diese, wie ich hinzufügen möchte - wirklich „dirigiert“. Bei Ihnen flossen das Musikalische, das Dienstliche und das Pädagogische gewissermaßen ineinander. Das war immer spürbar. Manch einer hat es auch zu spüren bekommen. Was in dem einen oder anderen Fall überraschend gewesen sein mag. Geschadet hat es nicht.

Vor Überraschungen sicher waren Sie selbst allerdings auch nicht. Nach langen Jahren als Chef-Redenschreiber des Hauses mussten Sie sich in die Aufgaben des Parlamentsdienstes einarbeiten. Naturgemäß war auch das für Sie kein Problem. Wo immer Sie gebraucht wurden: Sie haben Ihr Bestes gegeben und sind trotz aller Anspannung und Belastung ein humorvoller, liebenswerter Mensch geblieben.

Verehrter Herr Dr. Jäger!

Es freut mich wirklich sehr, dass Sie nun für drei Jahrzehnte Pfalzarbeit im Maximilianeum mit der Hofenfels-Medaille ausgezeichnet werden. Zumal die Eigenschaften, die man dem Freiherrn von Hofenfels zuschreibt - Arbeitsethos, Fleiß, Einsatzbereitschaft - in besonderer Weise auch auf Sie zutreffen.

Also: Herzliche Gratulation und ebenso herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, sehr geehrte Gäste!

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