Bayerischer Landtag

26.12.2015 - Barbara Stamm: Weihnachtsansprache 2015 „Weniger Egoismus und mehr Solidarität in Europa“

Die Rede im Wortlaut:
Guten Abend, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer!

Ich grüße Sie alle sehr herzlich und hoffe, dass Sie die Feiertage zusammen mit Ihrer Familie und Ihren Freunden verbringen konnten. Weihnachten heißt auch, Zeit für uns und unsere Liebsten zu haben. Ein wenig zur Ruhe zu kommen. Und sicherlich haben Sie zu Hause über die Dinge gesprochen, die uns derzeit alle bewegen. Die Menschen fürchten um den Frieden in der Welt. Vieles scheint aus den Fugen geraten zu sein.

Ich verstehe ihre Sorgen gut. Wir stehen vor großen Herausforderungen, die wir sehr ernst nehmen. Aber wir haben guten Grund, optimistisch und zuversichtlich zu sein! Denn wir sind in unserem Land hervorragend aufgestellt.

Bayern gehört zu den lebenswertesten Regionen der Welt. Wir freuen uns über eine hohe Zahl an Arbeitsplätzen. Unsere Unternehmen blicken mit großer Zuversicht in die Zukunft. Der Staatshaushalt in Bayern kommt seit vielen Jahren ohne neue Schulden aus. Die Menschen in Bayern nutzen diese Chancen. Jung wie Alt übernehmen Verantwortung. Unser Ziel ist es, für alle Menschen die Voraussetzungen für ein gutes Leben zu schaffen. Dazu gehören insbesondere vielfältige Bildungsangebote.Wir können auch darauf vertrauen, dass sich jeder Einzelne von uns in Familie und Beruf einbringt. Selbst an den Feiertagen tun viele Menschen Dienst, etwa in den Krankenhäusern und Pflege-Einrichtungen, bei der Polizei oder im Rettungsdienst. Unsere Soldatinnen und Soldaten sind an vielen Orten im Einsatz. Und seit kurzem leistet Deutschland auch in Syrien einen wichtigen Beitrag, um seine Partner in der Welt zu unterstützen. Ihnen allen, die auch in diesen Tagen ihren Dienst tun, sage ich ein herzliches „Vergelt‘s Gott“ – auch an ihre Familien.Wir leben in einem Land, in dem Solidarität und Zusammenhalt groß geschrieben werden. Menschenwürde, Freiheit, Toleranz und gegenseitiger Respekt prägen unser Miteinander. Und wir können auf das großartige Engagement der Menschen in Bayern bauen. Im sozialen Bereich, für die Umwelt, in der Kultur, im Sport – es ist beeindruckend, wie viele Frauen und Männer ehrenamtlich aktiv sind. Vor allem auch für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, die vielleicht sogar an den Festtagen einsam oder krank sind. An sie denke ich heute besonders. Viele von ihnen sind in einer schwierigen Lebenssituation. Es ist wichtig, dies zu erkennen und ernst zu nehmen, damit wir niemanden überfordern. Das erwarten Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, zu Recht von einer starken und solidarischen Gemeinschaft. Und das geht nur im Zusammenwirken von allen. Was Ehrenamtliche dazu beitragen, wird gerade in diesen Tagen deutlich. Sie dabei zu unterstützen, ist unsere Pflicht. Bürokratische Lasten sind fehl am Platz. Stattdessen würde es uns gut zu Gesicht stehen, eine stärkere Anerkennungskultur für Ehrenamtliche auf den Weg zu bringen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,in diesem Jahr sind viele Menschen vor Krieg und Gewalt zu uns geflüchtet. Damit stehen wir vor einer gewaltigen Anstrengung, die uns allen viel abverlangt. Ohne Integration ist das Zusammenleben in einer Gemeinschaft nicht möglich. Eine Gemeinschaft auf Dauer braucht Zeit, guten Willen und die entsprechenden Rahmenbedingungen. Wir können nur so viele Flüchtlinge bei uns aufnehmen, wie wir integrieren können. Wer zu uns kommt, der muss unsere freiheitlich-demokratische Rechtsordnung anerkennen. Das müssen wir vermitteln. Der Schlüssel dazu ist die Bildung: das Erlernen der deutschen Sprache, der Schulbesuch, ein Ausbildungsplatz, ein Praktikum, eine Arbeitsstelle. Durch das Miteinander im Alltag werden Chancen auf Teilhabe eröffnet. Hier geschieht Integration. Hier werden Parallelgesellschaften verhindert. Denn wir wollen den Zusammenhalt in unserer Gemeinschaft – kein Auseinanderdriften! Bei allen Schwierigkeiten: Wir lassen uns nicht spalten. Feindseligkeit oder gar Gewalt haben bei uns keinen Platz – darin sind wir Demokraten uns einig. Wir halten zusammen auf einem stabilen Werte-Fundament. Das gilt für Bayern und für Deutschland. Und das muss auch wieder für Europa gelten. Die Klimakonferenz hat gezeigt: Wenn die Welt zusammensteht, können wir auch die größten Herausforderungen anpacken. Darauf muss sich auch Europa endlich wieder besinnen. Schließlich sind wir nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch eine Werte-Union. Wollen wir die hart erkämpften Errungenschaften der letzten 70 Jahre wirklich aufs Spiel setzen? Wir alle stehen doch gemeinsam in der Verantwortung. Wir brauchen weniger Egoismus und wieder mehr Solidarität in Europa. Leider gab es im zu Ende gehenden Jahr überall auf der Welt Gewalt, Terror und Leid. Umso mehr spüren wir in diesen Tagen, wie wichtig ein friedvolles Miteinander, Geborgenheit und Vertrauen zueinander sind. Und wir spüren auch, dass wir unseren Wertekanon nicht  nur verteidigen, sondern selbst auch leben müssen.Im Lukas-Evangelium heißt es: „Friede den Menschen auf Erden“. Mit dieser Hoffnung feiern wir Weihnachten. Und diese Hoffnung nehmen wir mit in das neue Jahr – verbunden mit dem Wunsch, dass doch wieder mehr Frieden in der Welt einkehren wird. Ihnen persönlich, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, wünsche ich ein gesundes, ein friedliches und ein hoffnungsfrohes Jahr 2016. Der Segen Gottes möge uns alle dabei begleiten!

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