Bayerischer Landtag

16.04.2015 - Barbara Stamm zur Ausstellungseröffnung „KZ überlebt“

Verehrte Überlebende,
sehr geehrte Damen und Herren,

gemeinsam mit meinem Kollegen aus dem Bayerischen Landtag, dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Herrn Staatssekretär a. D. Karl Freller, begrüße ich Sie sehr herzlich hier im Senatssaal des Maximilianeums zur Eröffnung der Ausstellung „KZ überlebt“.

Herzlich willkommen heiße ich
•    den Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, Herrn Markus Rinderspacher,
•    den Vorsitzenden der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Herrn Ludwig Hartmann,
•    die stellvertretende Vorsitzende der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Frau Gudrun Brendel-Fischer,
•    den Vorsitzenden des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen, Herrn Peter Winter,
•    den Vorsitzenden des Ausschusses für Verfassung, Recht und Parlamentsfragen, Herrn Franz Schindler sowie
•    für die Fraktion der Freien Wähler, den stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für Fragen des öffentlichen Dienstes, Herrn Günther Felbinger und
•    alle anwesenden Kolleginnen und Kollegen aus dem Bayerischen Landtag.

Ein herzliches Grüßgott sage ich auch dem Präsidenten des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, Herrn Peter Küspert.

Es freut mich sehr, dass ich heute Seine königliche Hoheit, Herzog Franz von Bayern, hier bei uns begrüßen darf. Königliche Hoheit, auch Sie wurden für die Ausstellung porträtiert. Schön, dass Sie als einer der Zeitzeugen heute bei uns sind.

Ein herzliches Willkommen sage ich dem Amtschef des Hauses, Herrn Peter Worm, sowie unserem Hausherren, dem Vorstand der Stiftung Maximilianeum, Herrn Hanspeter Beißer.

Mein Willkommensgruß gilt den Repräsentanten des Konsularischen Korps in Bayern sowie den Damen und Herren der Staatsverwaltung, den Vertreterinnen und Vertretern der Hochschulen, der Akademien, der Verbände und der Medien.

Sehr herzlich begrüße ich auch
•    den Fotografen der Porträts der heutigen Ausstellung, Herrn Stefan Hanke,
•    die Vertreterin der Europäischen Janusz Korczak Akademie [Ausspr.: Janusch Koschak], Frau Eva Haller, sowie
•    die Mitwirkenden der szenischen Präsentation, insbesondere die Regisseurin und Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters bei der Israelitischen Kultusgemeinde München, Frau Anastasia Komerloh.
 
Ein herzliches Willkommen sage ich den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften des Dante-Gymnasiums aus München, der Staatlichen Berufsschule Dachau, des Luitpold-Gymnasiums aus München und der Sinai-Ganztages-Grundschule der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern. Und herzlich begrüße ich auch unsere Gäste vom Dossenberger-Gymnasium aus Günzburg. Liebe Schülerinnen und Schüler, es freut mich sehr, dass Ihr zusammen mit Euren Lehrkräften zu dieser Ausstellungseröffnung gekommen seid. Ihr habt euch kürzlich im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ dafür engagiert, Kindern in Eurem Landkreis Günzburg jüdische Geschichte und Religion nahezubringen. Ihr habt Euch mit unserer Vergangenheit auseinandergesetzt und gestaltet unsere Zukunft aktiv mit. Das ist ein sehr ermutigendes Zeichen. Im Namen des Bayerischen Landtags danke ich Euch ganz herzlich für euren Einsatz.

Anrede
In rund drei Wochen jährt sich das Kriegsende in Europa zum 70. Mal. Am 8. Mai 1945 ging ein Krieg zu Ende, durch den Millionen Menschen ihr Leben verloren haben. Deutschland wurde von der nationalsozialistischen Diktatur befreit, unter deren Herrschaft unvorstellbare Verbrechen begangen wurden. Menschen wurden verfolgt und ermordet, nur weil sie nicht den Vorstellungen der nationalsozialistischen Ideologie entsprachen. Die Täter überschritten in ihrem Rasse- und Größenwahn jegliche Grenzen von Gesetz und Moral und begingen einen Zivilisationsbruch, der uns heute noch fassungslos macht.

Unsere Geschichte hat uns ein schweres Erbe auferlegt – ein Erbe, das Verpflichtung und Verantwortung für alle kommenden Generationen bedeutet. Vergangenheit lässt sich nicht bewältigen. Wir müssen uns an das Geschehene erinnern, müssen uns mit ihm auseinandersetzen und die richtigen Lehren für jetzt und für die Zukunft ziehen. Das Wissen um die Vergangenheit prägt unsere eigene Haltung und wird unser künftiges Handeln bestimmen.

In den letzten Jahren beobachten wir, dass sich die Gedenk- und Erinnerungskultur verändert. Über lange Jahre hinweg konnten uns Zeitzeugen ganz unmittelbar schildern, was sie gesehen und erlebt haben. Mit ihren Zeugnissen haben sie viele Menschen, gerade auch viele Jugendliche, bewegt. Und wir sind ihnen zu großem Dank verpflichtet. Ihre Einzelschicksale haben das namenlose Leid fassbarer gemacht.

Mittlerweile können wir kaum noch Zeitzeugen befragen. Umso wichtiger werden neue Wege, die eine Begegnung mit unserer Vergangenheit auch künftig möglich machen. Wir sind es den Opfern schuldig, alles zu tun, um die Erinnerung wachzuhalten. Die Porträts Stefan Hankes leisten hier einen unschätzbaren Beitrag. Sie erzählen zusammen mit den biografischen Texten die Geschichten der KZ-Überlebenden und erhalten diese wichtigen Quellen für kommende Generationen. Lieber Herr Hanke, dafür danke ich Ihnen von Herzen.

Anrede
Vor einigen Wochen fand hier im Landtag ein Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Einer der Redner der Veranstaltung war der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer. Auch er hat die Folgen von Intoleranz und Rassismus am eigenen Leib erfahren. Seine Worte haben bei allen Anwesenden bleibenden Eindruck hinterlassen. Er sagte unter anderem:

„Die Freiheit, in der wir leben dürfen, bringt die Verpflichtung zu einem verantwortlichen Handeln für Staat und Gesellschaft mit sich. Nur so können wir überhaupt von Freiheit reden, alles andere bringt Unfrieden und Chaos “

Diese Mahnung an die nachwachsenden Generationen ist uns auch heute im Bewusstsein. Ich bin mir sicher: Mit der Ausstellung „KZ überlebt“ leisten wir einen wichtigen Beitrag, um die Erinnerung an das Geschehene wachzuhalten. Dieses Gedenken bedeutet für uns Auftrag und Verpflichtung zugleich.
Nur wenn wir uns dieser Verantwortung ständig bewusst sind, lassen sich unsere Demokratie und unser Rechtstaat engagiert und wirksam verteidigen.

Um mit Max Mannheimer zu schließen: „Nur wer Erinnerung hat, hat auch Zukunft und Hoffnung.“



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