Verleihung des Bürgerpreises 2015: „Willkommen! Bürgerschaftliche Initiativen für Menschen auf der Flucht“ am 22. Oktober im Landtag

Montag, 19. Oktober 2015

 
MÜNCHEN.         Landtagspräsidentin Barbara Stamm ehrt die Preisträger des diesjährigen Bürgerpreises des Bayerischen Landtags am Donnerstag, 22. Oktober 2015, ab 13 Uhr im Senatssaal des Maximilianeums. Preisträger und Landtagspräsidentin stehen für Gespräche zur Verfügung. Als Medienvertreter sind Sie herzlich zur Berichterstattung eingeladen.

Die Jury unter dem Vorsitz von Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat aus 149 Bewerbungen die Projekte für einen ersten, zwei zweite, zwei dritte sowie einen Sonderpreis ausgewählt. Zudem erfährt ein Projekt eine besondere Würdigung. Der Bayerische Landtag würdigt mit dem Bürgerpreis heuer zum 16. Mal das vorbildliche ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger in Bayern. In diesem Jahr lautete das Leitthema: „„Willkommen! Bürgerschaftliche Initiativen für Menschen auf der Flucht“. Barbara Stamm betont, wie wichtig die Würdigung ehrenamtlicher Arbeit ist. „Ehrenamtliches Engagement ist eine unverzichtbare, tragende Säule in unserer Gesellschaft. Vieles würde ohne das Ehrenamt nicht mehr funktionieren, das sieht man ganz besonders bei der aktuellen Asylsituation“, stellt Stamm klar und freut sich darüber, dass Ehrenamt quer durch alle Gesellschaftsteile funktioniert: „Besonders schön ist: Alle Generationen engagieren sich und nicht selten auch Alt und Jung gemeinsam“.


Die Preisträger:

Mit dem 1. Preis im Wert von je 8.000 Euro wird ausgezeichnet:


Flüchtlingshilfe der Gemeinschaft Sant´Egidio in Bayern, Würzburg/Unterfranken


Die Gemeinschaft Sant’Egidio bietet praktische Lebenshilfe für Asylsuchende rund um das Thema Sprache und Schule. Kerninhalt sind Deutsch-Sprachkurse für Asylbewerber. Darüber hinaus bereitet sie Schülerinnen und Schüler auf Abschlussprüfungen vor, organisiert Begegnungsmöglichkeiten und unterstützt bei rechtlichen, gesundheitlichen, religiösen und sonstigen sozialen Angelegenheiten. Zudem helfen die ehrenamtlich Engagierten in der Gemeinschaft, Schriftsätze zu erstellen oder gehen als Dolmetscher mit zu Behörden. Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Unterstützung von psychisch und schwer körperlich behinderten Flüchtlingen. Herausragend war auch die Dauer und Nachhaltigkeit des Projekts: Schon seit 1989 wird diese Unterstützung für Asylbewerber durch die Ehrenamtlichen der Gemeinschaft Sant’Egidio angeboten.

Den 2. Preis im Wert von je 6.000 Euro erhalten jeweils:

Asylgruppe St. Rochus, Zirndorf/Mittelfranken


Seit über 20 Jahren unterstützt die Asylgruppe der evangelischen Kirchengemeinde St. Rochus in Zirndorf  Asylsuchende in allen Lebenslagen mit ihrem Projekt unter der Überschrift „Heimat auf Zeit“. Gemeinsame Feste werden organisiert, Begegnungen im „Café International“ gefördert und auch Deutschkurse angeboten. Zweimal im Monat veranstalten die Ehrenamtlichen einen „Frauentreffpunkt“, der helfen soll, weibliche Asylsuchende untereinander besser bekannt zu machen, zu vernetzen und eine Gemeinschaft herzustellen. Wichtiger Inhalt ist die Begegnung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort mit den Asylsuchenden. Dazu veranstaltet die Gruppe Treffen und bietet Führungen in der zentralen Aufnahmeeinrichtung in Zirndorf an. Auch Deutschkurse und Begeitung bei Behördengängen haben die Ehrenamtlichen von St. Rochus im Angebot.

ASYLOTHEK Bildungs- und Kultureinrichtung, Nürnberg/Mittelfranken
Als im Juli 2012 eine Asylbewerberunterkunft im Nürnberger Stadtteil Gostenhof eröffnet wurde, entstand die Idee, eine ehrenamtlich initiierte und betriebene Bibliothek im Asylbewerberheim Kohlenhofstraße auf Spendenbasis – ohne jegliche städtische oder staatliche Zuschüsse – zu errichten, eben eine „Asylothek“. Rund 40 aktive Ehrenamtliche und über 200 passive Unterstützer zwischen 16 und 78 Jahren unterstützen mittlerweile den ehrenamtlichen Aufbau, die Einrichtung und den Betrieb der Bibliothek für Asylsuchende. Das Engagement der Ehrenamtlichen erschöpft sich aber nicht in der Bibliotheksbetreuung. Vielmehr werden an fünf Tagen in der Woche Betreuungsprogramme mit Sprachkursen, Schreib- und Lesekursen, kommunikationsfördernden Maßnahmen, Hausaufgabenbetreuung, Malen und Basteln oder Sport angeboten.
Der 3. Preis im Wert von 4.000 Euro geht jeweils an:

„tun.starthilfe für flüchtlinge“, Landkreis Eichstätt/Oberbayern
Die tun.starthilfe ist eine von Studierenden ins Leben gerufene Initiative mit dem Ziel, Flüchtlingen im Landkreis Eichstätt Starthilfe zu bieten. Diese umfasst Sprachunterricht und individuelle Begleitung, Kooperation mit den Sozialarbeitern der Caritas, aber auch die Zusammenarbeit mit den Gemeinden des Landkreises und mit der Katholischen Universität Eichstätt/Ingolstadt. Beim Deutschunterricht fahren einmal in der Woche die ehrenamtlichen Lehrer in die Unterkünfte und fördern die Deutschkenntnisse der Flüchtlinge. Die individuellen Begleiter unterstützen die Flüchtlinge im Alltag. Bei Angelegenheiten wie Arztbesuchen, Behördengängen oder auch Einkaufen bieten sie ihre Hilfe an. Die Arbeit von tun.starthilfe wird auch durch ein wissenschaftliches Modul an der Katholischen Universität Eichstätt begleitet.

Haus International e.V., Landshut/Niederbayern
Die rund 130 ehrenamtlich Engagierten des Vereins „Haus International“ haben sich die Vernetzung der hauptamtlichen Asylsozialhilfe mit anderen Projekten der interkulturellen Arbeit und Akteuren der Zivilgesellschaft zum Ziel gesetzt. Der Verein widmet sich dem Aufbau eines Modells einer haupt- und ehrenamtlichen Vor-Ort-Betreuung auf dem Areal der Alten Kaserne unter Einbeziehung der Nachbarschaft und bei Vernetzung zu weiteren Landshuter Projekten. Zielgruppe sind Asylsuchende und Menschen mit Migrationshintergrund. Die ehrenamtlichen Angebote umfassen Alphabetisierungs- und Deutschkurse, Hausaufgabenhilfe, Spielangebote, Patenschaften für Jugendliche, Familienbegleitung, wöchentliche Spielgruppen für Kinder und Schülercoachings durch Studenten der HAW Landshut und das „Café grenzenlos“ (wöchentlicher Treff, gemeinsames Essen, ca. 5.000-6.000 Gäste).

Mit einem Sonderpreis im Wert von 2.000 Euro wird ausgezeichnet:

Nähprojekt „Homeless“, Netzwerk Asyl e.V., Wittislingen/Schwaben


Ein Sonderpreis geht an das Nähprojekt für asylsuchende Frauen, die überwiegend aus Afghanistan kommen. Dabei wurde eine Näh- und Schneiderwerkstätte in der Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet, mit Nähmaschinen, Bügelbrettern, Zuschneidetischen und Regalen ausgestattet.
Die Vision lautet: Potenziale erkennen und Perspektiven schaffen. Das Schneiderprojekt soll helfen, das Selbstbewusstsein asylsuchender und vielfach traumatisierter Frauen zu stärken und den Einstieg in eine wirtschaftliche Lebensgrundlage zu ermöglichen. Das Projekt betreut eine Gruppe des Vereins Netzwerk Asyl e.V. Wittislingen



Eine besondere Würdigung wird zuerkannt:

Bellevue di Monaco eG, Gemeinnützige Sozialgenossenschaft, München/ Oberbayern
Eine besondere Würdigung durch die Jury wird dem Projekt BELLEVUE DI MONACO aus München für das ganzheitliche und besonders zukunftsgerichtete Konzept zuerkannt. Die gemeinnützige Sozialgenossenschaft ist ein breites Bündnis aus Flüchtlingsunterstützern und Juristen, Profis aus der Sozialarbeit, Kulturschaffenden und Politaktivisten. Die Genossenschaft soll der Träger des Willkommenszentrums Bellevue di Monaco sein. Aus Gebäudeteilen der ehemaligen Müllerstraße 2-6 in München soll eine Begegnungsstätte für Menschen aus unterschiedlichen kulturellen und sozialen Milieus werden. Zudem sollen in den Gebäuden auch Wohnraum für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge entstehen. Die Wohnungen werden von Trägern der Jugendhilfe angemietet und den Jugendlichen zur Verfügung gestellt.

Die Preisträger werden am Donnerstag, 22. Oktober 2015, ab 13 Uhr im Senatssaal feierlich geehrt. Zudem sollen Vertreterinnen und Vertreter aller Bewerber zu einem Empfang im Jahr 2016 eingeladen werden, um auch auf diesem Wege nochmals Dank für das großartige Engagement zu sagen.

Als Medienvertreter sind Sie herzlich zur Berichterstattung eingeladen. Wir bitten um kurze Anmeldung unter pressesprecher@bayern.landtag.de

Mitglieder der Landtagspresse sind automatisch akkreditiert.

Aufnahmen der Preisträger sowie der Preisverleihung werden im Anschluss an die Veranstaltung unter www.bayern.landtag.de/aktuelles/presse/pressefotos/ zur Verfügung gestellt./ap



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