Fortschritte bei der Behördenverlagerung in Bayern

Regierungserklärung: Finanzminister Albert Füracker (CSU) zieht Bilanz zur Regionalisierung der Verwaltung – Opposition kritisiert Kosten

24. März 2026

MÜNCHEN.  Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) hat in seiner Regierungserklärung im Landtag über die Behördenverlagerung im Freistaat berichtet. Ziel sei es, gleichwertige Lebens- und Arbeitsverhältnisse in allen Regionen Bayerns zu schaffen und strukturschwächere Räume zu stärken. Die Opposition kritisierte Kosten und Umsetzung einzelner Maßnahmen und fordert eine genauere Bewertung der bisherigen Ergebnisse.

Mit der Behördenverlagerung als zentraler Bestandteil der Heimatstrategie sollen gleichwertige Lebens- und Arbeitsverhältnisse in allen Landesteilen geschaffen und strukturschwächere Regionen gestärkt werden, wie Staatsminister Füracker zu Beginn seiner Regierungserklärung ausführte. Zugleich werde eine „Win-win-Situation“ für Zielregionen und Beschäftigte angestrebt. „Wir verlagern Stellen und nicht Menschen“, sagte Füracker. Die Umsetzung sei sozialverträglich erfolgt und immer freiwillig gewesen. Viele Beschäftigte hätten so die Möglichkeit erhalten, in ihre Heimat zurückzukehren oder dort zu bleiben. Nach Angaben des Ministers sind 64 von 65 geplanten Projekten gestartet. 43 der 46 Zielorte lägen in strukturschwachen Regionen. Insgesamt seien 2513 Beschäftigte und Studierende bereits vor Ort. Rund 85 Prozent der Arbeits- und Studienplätze seien bereits dorthin verlagert worden.

Von Marktredwitz bis Zwiesel: Projekte im ganzen Freistaat

Füracker verwies zudem auf einzelne Projekte in allen Regierungsbezirken, darunter Standorte in Marktredwitz, Kulmbach, Kitzingen, Gunzenhausen, Amberg, Zwiesel und Windischeschenbach. Verzögerungen gebe es vor allem bei Bauprojekten mit speziellen Anforderungen, etwa bei der Justizvollzugsanstalt in Marktredwitz. 

Als zentrale Ziele der Maßnahmen nannte Füracker die Stärkung der regionalen Wirtschaft, die Entlastung der Ballungsräume sowie die Nutzung freiwerdender Flächen. Durch die Verlagerungen seien zusätzliche wirtschaftliche Impulse in den Zielregionen entstanden, etwa in Form neuer Arbeitsplätze, beispielsweise im Bayerischen Wald. 

Mehr Arbeitsplätze und wirtschaftliche Effekte vor Ort

Füracker betonte zudem, dass die Maßnahmen von Beginn an wissenschaftlich begleitet und evaluiert worden seien, unter anderem durch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Bewertung sei nach wissenschaftlichen Standards erfolgt und nicht durch das Ministerium selbst. Zwischen 2017 und 2025 seien zusätzliche Nachfrageeffekte in Höhe von rund 440 Millionen Euro entstanden. Zugleich habe man bewusst auf Sozialverträglichkeit gesetzt. Stellen seien verlagert worden, nicht Menschen, Zwangsversetzungen habe es nicht gegeben.

Mit Blick auf den Umsetzungsstand zeigte sich der Minister zuversichtlich, dass die gesetzten Ziele erreicht oder übertroffen werden. In einzelnen Bereichen entstünden bereits mehr Arbeitsplätze als ursprünglich vorgesehen. Verzögerungen oder Abweichungen seien dabei nichts, was als Misserfolg gewertet werden könne, sondern Ausdruck langfristiger Planungen. 

„Regionalisierung darf kein Selbstzweck sein“

Andreas Winhart (AfD) bezeichnete die Darstellung als „zu selbstzufrieden“ und erklärte, „Regionalisierung darf kein Selbstzweck sein“. Ein begonnenes Projekt sei noch kein Beleg für nachhaltigen Erfolg. Es fehle an belastbaren Aussagen zu Gesamtkosten und langfristigem Nutzen. Schriftliche Anfragen hätten ergeben, dass hierzu keine vollständigen Angaben gemacht werden könnten. Zudem verwies er auf aus seiner Sicht bestehende Doppelstrukturen und offene Kostenfragen. Er forderte, Aufwand und Nutzen strenger gegeneinander abzuwägen.

Michael Hofmann (CSU) hob die Bedeutung gleichwertiger Lebensverhältnisse hervor. Der ländliche Raum verdiene Perspektiven und Wertschätzung. Behördenverlagerungen seien ein Instrument, um Regionen zu stärken und Menschen Chancen vor Ort zu bieten. Er betonte, dass Ausbildung und Arbeitsplätze auch in kleineren Regionen möglich sein müssten. Zugleich sprach er sich für eine Fortsetzung des eingeschlagenen Kurses aus.

Katharina Schulze (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) erklärte: „Dezentralität ja, Symbolpolitik nein“. Dezentralisierung sei sinnvoll, wenn sie einen konkreten Nutzen bringe. Am Beispiel der Verlagerung des Staatsarchivs von Würzburg nach Kitzingen verwies sie auf hohe Kosten bei vergleichsweiser geringer Wirkung. Für rund 83 Millionen Euro entstünden dort nur wenige Arbeitsplätze, zudem werde das Archiv von Universitäten und Behörden entfernt. Sie forderte eine offenere Bilanz und eine klare Unterscheidung zwischen erfolgreichen und problematischen Projekten.

Bernhard Pohl (FREIE WÄHLER) betonte die Bedeutung der Behördenverlagerung für die Regionen. Sie stärkten vor Ort das Selbstbewusstsein und zeigten, dass der Freistaat an seine Regionen glaube. Auch wenn zunächst Mehrkosten entstünden, seien langfristig positive Effekte zu erwarten. Er verwies zudem auf eine hohe Nachfrage nach Stellen an neuen Standorten. Dies sei ein Hinweis auf die Attraktivität der neuen Standorte.

Behördenverlagerung reicht allein nicht aus

Arif Taşdelen (SPD) bezeichnete die Behördenverlagerung als richtiges Instrument, aber als nicht ausreichend. Der Staat müsse in allen Regionen präsent sein. Gleichwertige Lebensverhältnisse entstünden jedoch nicht allein durch Behördenstandorte, sondern auch durch funktionierende Infrastruktur. Er betonte, dass Maßnahmen strategisch gesteuert und sozialverträglich umgesetzt werden müssten. Zudem forderte er eine stärkere Gesamtstrategie für strukturschwache Regionen.

/ David Lohmann

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