Sieben neue “Orte der Demokratie in Bayern“ benannt

Beschluss des Landtagspräsidiums

18. März 2026

MÜNCHEN.     Das Präsidium des Bayerischen Landtags hat die Benennung von sieben weiteren „Orten der Demokratie in Bayern“ beschlossen. Damit wird das erfolgreiche Projekt, das seit sechs Jahren die Geschichte und Bedeutung der Demokratie im Freistaat sichtbar macht, konsequent fortgeführt. Ziel ist es, demokratische Werte, historische Erfahrungen und gesellschaftliches Engagement im öffentlichen Raum erfahrbar zu machen und das Bewusstsein für den Wert der Demokratie weiter zu stärken.

Neu benannte „Orte der Demokratie in Bayern“ sind:

Ismaning (Oberbayern) – Ziviler Widerstand der Freiheitsaktion Bayern am 28. April 1945 mit Besetzung des Rundfunksenders und Aufruf zur Beendigung der NS-Diktatur.

Mödlareuth (Töpen, Oberfranken) – Das ab 1949 durch die Grenze zwischen Diktatur und Demokratie geteilte Dorf („Little Berlin“) wurde zum Symbol der deutsch-deutschen Teilung und hält die Erinnerung daran seit 1990 wach.

München (Oberbayern) – Auszeichnung für die Frauenstimmrechtsbewegung um 1900, deren Forderung mit der Bamberger Verfassung von 1919 erfüllt wurde. Die Prinzensäle im Café Luitpold waren Versammlungsort des Frauenstimmrechtskongresses von 1912.

Nürnberg (Mittelfranken) – Volksbegehren „Mehr Demokratie in Bayern“ für Bürgerbegehren und Bürgerentscheide. Zum ersten Treffen kam es im Jugendzentrum für politische Bildung in der Nürnberger Altstadt.

Traunreut (Oberbayern) – Vertriebenenintegration, Würdigung der Integration und des Aufbaus eines kommunalen Gemeinwesens als bedeutendes Ereignis für die Demokratiegeschichte Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg.

Tutzing (Oberbayern) – Die 1957 gegründete Akademie für Politische Bildung steht stellvertretend für die Bedeutung politischer Bildung und Aufklärung in der Demokratie, wie die Evangelische Akademie für die Bedeutung des demokratischen Diskurses steht. Tutzing ist somit ein Ort des demokratischen Diskurses und der politischen Bildung.

Wunsiedel (Oberfranken) – Vorbildliches zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus (Rudolf-Heß-Gedenkmärsche), aus dem 2005 die Bürgerinitiative „Wunsiedel ist bunt“ entstand.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner betont: „Die neu benannten „Orte der Demokratie“ stehen für Haltung, Engagement und Zivilcourage. Demokratie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, und von Orten, an denen diese Verantwortung sichtbar geworden ist. Sie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern muss immer wieder neu erlernt, gelebt und verteidigt werden. Die „Orte der Demokratie in Bayern“ machen erfahrbar, wie demokratische Werte, Mitbestimmung und Rechtsstaatlichkeit im Freistaat gewachsen sind und wie sich die unterschiedlichen Aspekte der Demokratieentwicklung in ihnen widerspiegeln. Gerade in Zeiten aktueller Krisen sind sie Erinnerung und Auftrag zugleich: Demokratie braucht unseren Einsatz – vor Ort, im Alltag und in der Gesellschaft insgesamt. Die „Orte der Demokratie“ geben Orientierung und unterstreichen die Bedeutung des gemeinsamen Einsatzes für Freiheit, Frieden und ein Leben in Würde.“

Die neuen Orte machen Demokratiegeschichte im öffentlichen Raum sichtbar und stärken das Bewusstsein für die Bedeutung demokratischer Werte in der Gegenwart. Sie veranschaulichen historische Ereignisse, prägende Persönlichkeiten und gesellschaftliche Entwicklungen und regen zur Auseinandersetzung mit ihrer heutigen Relevanz an. Zugleich sollen sich in den neuen Orten der Demokratie die unterschiedlichen Aspekte der Demokratieentwicklung widerspiegeln – etwa politische Teilhabe und Mitbestimmung, die Durchsetzung von Grund- und Freiheitsrechten, Rechtsstaatlichkeit, der Aufbau demokratischer Institutionen sowie das Engagement von Zivilgesellschaft und Einzelpersonen. So zeigen die Orte, wie Demokratie im Freistaat Bayern gewachsen ist und bis heute von Verantwortung, Haltung und Beteiligung lebt.

Sichtbar gemacht werden die Orte der Demokratie mit einer goldenen Gedenk-Stele, Fotos der Stele und weitere Infos zu den Orten der Demokratie finden Sie ►hier

Die Auswahl der neuen Orte erfolgte auf Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats unter dem Vorsitz von Staatsminister a.D. Dr. Ludwig Spaenle und Prof. Dr. Ferdinand Kramer. Der überparteiliche Beirat begleitet das Projekt seit Beginn mit fachlicher Expertise aus Wissenschaft, politischer Bildung, kommunalen Spitzenverbänden und der Heimatpflege.

/ SM

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