Akademiegespräch im Bayerischen Landtag
Freund, Förderer und Skeptiker: Das Verhältnis der USA zur deutschen Demokratie nach 1945
18. März 2026
MÜNCHEN. Beim Akademiegespräch im Bayerischen Landtag haben die Direktorin des Instituts für Zeitgeschichte, Prof. Dr. Isabel Heinemann, und der frühere Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg zum Tag der Demokratiegeschichte über das Verhältnis Deutschlands und der USA gesprochen. Eingeladen hatten Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.
Es ist ein kompliziertes Verhältnis – darüber waren sich beim Akademiegespräch im Bayerischen Landtag alle einig. Denn die deutsche Demokratie ist nicht ohne die USA zu denken, wie Landtagspräsidentin Ilse Aigner sagte: „Der Weg in die Zukunft zwischen der Bundesrepublik und den USA war nicht von gegeneinander geprägt, sondern von Miteinander“, so die Hausherrin zu Beginn der Veranstaltung mit dem Titel „Freund, Förderer und Skeptiker: Das Verhältnis der USA zur deutschen Demokratie nach 1945“.
Professorin Dr. Isabel Heinemann, Direktorin des Instituts für Zeitgeschichte, führte zunächst in einem demokratiegeschichtlichen Abriss den Einfluss der USA im Nachkriegsdeutschland aus. Sie plädierte in ihrem Vortrag dafür, „den Blick für die Ambivalenzen und Paradoxien der amerikanischen Demokratie und der deutschen Demokratie zwischen „Stabilität und Zerbrechlichkeit" durch historische Betrachtung zu schärfen“. Mit Blick auf Trump, die MAGA-Bewegung und deren „Project 2025“, „die elementare Schutzrechte des Individuums und von Minderheiten preisgeben“ rief sie ausdrücklich dazu auf, dass sich die Demokratie gegen Versuche der Aushöhlung zur Wehr setzen müsse, so Heinemann.
Aus der Sicht des früheren Bundesministers Karl-Theodor zu Guttenberg, der nun für den Think Tank „Center for Strategic and International Studies“ tätig ist beruht das gemeinsame Wertefundament mit den USA „zu einem nicht unerheblichen Ausmaß auf Illusionen“. Nun könne Deutschland absurderweise dankbar sein für Trump, denn „ohne diese brutale Bewegung gegen das, was uns als europäisches Wertegerüst auszeichnet, hätten wir unseren genügsamen, bräsigen, ständig nörgelnden Hintern nicht aus der bequemen Couch des Beobachters bekommen", so zu Guttenberg - "um plötzlich festzustellen, dass wir uns auf diese Abhängigkeiten, in denen wir uns eingerichtet haben, über die Jahrzehnte hinweg nicht mehr verlassen können“. Nun gelte es, aus dem deutschen „Dornröschen-Schlaf“ zu erwachen und entschlossen zu handeln.
/CK