Innenausschuss informiert sich über Stand der Olympiabewerbung Münchens
Fachgespräch im Ausschuss für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport
15. Juni 2026
MÜNCHEN. Ende September wird der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) beschließen, mit welchem Bewerber er in das internationale Auswahlverfahren um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele ab 2036 geht. Neben Berlin und Rhein-Ruhr ist auch die Landeshauptstadt München noch im Rennen. Über das Bewerbungskonzept, die mit einer Bewerbung verbundenen Chancen für den Freistaat sowie die weiteren Schritte bei einem positiven Votum haben sich die Mitglieder des Ausschusses für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport mit Fachleuten ausgetauscht.
Bereits zu Beginn der Sitzung und wiederholt im weiteren Verlauf wurde deutlich, dass eine Kandidatur Münchens auf breite fraktionsübergreifende Unterstützung stößt. Der Ausschussvorsitzende Roland Weigert (FREIE WÄHLER) betonte die Bedeutung von Olympia und hob die gemeinsamen historischen Wurzeln der Wettkämpfe und der Demokratie im antiken Griechenland hervor. Im Anschluss an weitere einführende Worte des stellvertretenden Vorsitzenden Florian Siekmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) schilderten die zahlreichen Experten aus Sport und Politik ihre Sicht auf die Olympiabewerbung Münchens und gingen in den Austausch mit den Abgeordneten.
Olympia als große Chance für München und Bayern
Stephan Brause, Ressortleiter Olympiabewerbung des DOSB, erklärte, dass die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 nach Europa vergeben würden. Nun komme es darauf an, diese auch nach Deutschland zu holen. Für München spreche in jedem Fall das klare Votum der Bevölkerung, die sich mit 66,4 Prozent für eine Bewerbung ausgesprochen hat. „Deutschland will Olympia, München will Olympia“, fasste es Brause zusammen.
Von einem „großartigen Fest für die ganze Welt“ sprach Florian Kraus, Leiter des Referats für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München. Durch die Olympischen und Paralympischen Spiele könne ein großer Fortschritt für München entstehen. Unter Berücksichtigung von Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft plane man „die nachhaltigsten Spiele aller Zeiten“.
Der Koordinator der Olympiabewerbung der Landeshauptstadt München, Michael Asbeck, ergänzte, dass Olympia äußerst kompakt geplant werde. 98 Prozent der Athleten würden im Olympischen Dorf unterkommen und die Hälfte der Sportarten könne im Olympiapark ausgetragen werden. Aus finanzieller Sicht liege man mit knapp 5 Milliarden Euro auf dem Niveau der Budgetberechnungen des DOSB, obwohl eine völlig andere Rechnungsart herangezogen worden sei. Vor allem aber rechne man fest damit, diese Summe wieder komplett einspielen zu können.
Staatsminister Joachim Herrmann hob die große Strahlkraft weit über den Sport hinaus hervor. Des Weiteren verfügten München und Bayern bereits heute über starke sportpolitische Rahmenbedingungen sowie gute Erfahrungen mit internationalen Großveranstaltungen. Olympia sei „eine einmalige Chance für den Sportstandort Bayern, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die internationale Wahrnehmung des Landes“, so Herrmann. Eine erfolgreiche Bewerbung könne jedoch nur gemeinsam und im engen Schulterschluss aller Beteiligten gelingen.
Als „das transparenteste und objektivste, das wir bislang erleben durften“ lobte Jörg Brokamp, stellvertretender Sprecher der Spitzenverbände des DOSB und Bundesgeschäftsführer des Deutschen Schützenbunds, das Bewerbungsverfahren. Das Konzept Münchens sei stimmig und es handele sich um „eine hervorragende Bewerbung“. Für den Schießsport sei die Olympia-Schießanlage „das Wimbledon für den Gewehr- und Pistolensport“. Brokamp fügte jedoch an, dass für Olympia Änderungen in der Gesetzeslage mitgedacht werden müssten.
Kompaktheit und Inklusion als zentrale Ziele
Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbunds, betonte, man fühle sich „sehr gut aufgehoben in München“ und sei mit verschiedenen Wettbewerben wie der Handball-WM oder dem Supercup regelmäßig in der Landeshauptstadt zu Gast. Die Kompaktheit des Olympia-Konzepts spreche für München als Ausrichtungsort.
Von einer „Wir machen das“-Mentalität sprach Josia Topf, Para-Schwimmer und Paralympionike, der den Einsatz bayerischer Vereine und Ehrenamtlicher für Inklusion lobte. Denn sie ermöglichten auch Menschen mit Behinderung eine Sportkarriere. Diese Grundhaltung gelte auch für die Olympiabewerbung: „Bayern denkt nicht nur in Olympischen Spielen, sondern auch in Paralympischen Spielen.“
Dass es etwas Besonderes sei, an Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen, machte Steffen Hamann, ehemaliger Basketballprofispieler und Olympiateilnehmer, deutlich. Als Wahl-Münchner sei es außerdem schön zu sehen, dass die Menschen erfahren hätten, wie toll es sei, Sportgroßveranstaltungen vor der eigenen Haustür zu haben: „Es spricht für München, dass München sportbegeistert ist.“
„Der deutsche Sport braucht dringend Olympische und Paralympische Spiele im Herzen Europas, hier in Deutschland“, brachte es Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landes-Sportverbands, auf den Punkt. Sport gebe „Mut, Aufbruch und Zuversicht“ und wirke sich positiv auf die Gesundheit aus.
Darüber hinaus müsse man sich auch die Frage stellen, wie der Sport im Jahr 2040 aussehen werde, erklärte Prof. Dr. Susanne Burger, Vorsitzende der Geschäftsführung des Bayerischen Landes-Sportverbands. Wichtig sei es, vor allem Kindern zu ermöglichen, Leistung zu zeigen: „Leistung darf Spaß machen“ – dies müsse vermittelt werden. Hier könne ein Ziel wie Olympia helfen, „um einen Ruck durch die Gesellschaft zu bekommen“.
„Wenn Deutschland den Zuschlag erhalten möchte, müssen wir mit dem stärksten Standort ins Rennen gehen – Bayern und München bieten dafür die besten Chancen“, sagte Florian Geiger, 1. Vorsitzender von TEAM Sport-Bayern und Präsident des Bayerischen Ringer-Verbands. Dennoch dürfe man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. Notwendig sei eine weitere Professionalisierung der sportlichen Strukturen, insbesondere durch eine Stärkung des Berufsbilds des Trainers.
Notwendige Rahmenbedingungen und langfristige Effekte
In der anschließenden Fragerunde machten die Mitglieder des Ausschusses für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport deutlich, dass eine Olympiabewerbung Münchens auch auf Fraktionsebene breiten Rückhalt findet. In ihren Wortbeiträgen thematisierten sie insbesondere die landessportpolitischen Rahmenbedingungen sowie die langfristigen Effekte einer Austragung der Spiele.
So fragte Max Deisenhofer von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, was es brauche, um Sport- und Bewegungsfreude nachhaltig zu fördern, sodass es nicht bei einem Einmaleffekt durch Olympia bleibe. BLSV-Präsident Jörg Ammon betonte hierfür die Notwendigkeit eines bundesweiten Schubs für Sport und Bewegung von klein auf. Ebenso gehe es um Sportstätten sowie um Unterstützungsmaßnahmen für Trainer, die nicht nur in den Leistungszentren, sondern in den Vereinen überall vor Ort tätig sind. TEAM Sport-Bayern-Vorsitzender Florian Geiger ergänzte, dass man in den Schulen die Begeisterung hochhalten müsse, damit viele Kinder in Vereine kommen und dort Sport treiben.
Für die SPD-Fraktion erkundigte sich Christiane Feichtmeier, welche Sportarten bei einer möglichen Olympia-Austragung wegfallen oder neu aufgenommen werden könnten. Die Vorsitzende der Geschäftsführung des BLSV, Prof. Dr. Susanne Burger, erklärte hierzu, man könne noch nicht beantworten, wie die Spiele der Zukunft aussehen, da dies im Ermessen des IOC liege. Dort gebe es Arbeitsgruppen, die sich mit dieser Frage beschäftigen. Stephan Brause vom DOSB fügte an, dass es trotz mancher Anpassungen auch weiterhin die Möglichkeit geben werde, als Gastgeber Sportarten ins Programm aufzunehmen.
Standortfaktor als möglicher Vorteil
Der CSU-Abgeordnete Jürgen Eberwein fragte nach möglichen entscheidenden Alleinstellungsmerkmalen, welche die Delegierten und das IOC von München überzeugen könnten. Michael Asbeck von der Landeshauptstadt München stellte hier die internationale Strahlkraft der Marke Bayern sowie den Standortfaktor Münchens heraus.
Wolfgang Hauber von den FREIEN WÄHLERN wollte wissen, wie Bayern als Spitzensportstandort aufgestellt ist und welche Rolle der Sport für Politik und Gesellschaft hat. Sportminister Joachim Herrmann sprach von einem „sehr respektablen Spitzensport im Land“. Dazu trage auch die Spitzensportförderung der Bayerischen Polizei bei, die sich gut entwickle und inzwischen 100 Kolleginnen und Kollegen umfasse. Ein Blick auf die Statistiken großer Wettbewerbe wie Olympischer Spiele sowie Welt- und Europameisterschaften zeige, dass über alle Sportarten hinweg etwa jede dritte deutsche Goldmedaille von Spitzensportlern aus Bayern gewonnen werde. Hinsichtlich der Rolle des Sports für die Gesellschaft betonte er, dass fast die Hälfte der Bayern Mitglied in einem Sport- oder Schützenverein sei und es im Hinblick auf Großveranstaltungen in München einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung gebe.
Von Abgeordneten der AfD-Fraktion gab es keine Rückfragen.
Die Anhörung machte deutlich, dass die Olympiabewerbung Münchens unter den Abgeordneten und Fachleuten auf breite Zustimmung stößt und das weitere Verfahren mit Unterstützung begleitet wird. Am 26. September wird die Entscheidung fallen, mit welcher Region sich Deutschland um Olympia bewerben wird.
/ TK