Der Bayerische Landtag erinnert am 10. Jahrestag an die Opfer des Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum in München

 

  • Der Bayerische Landtag hat am heutigen Mittwoch seine Plenarsitzung für einen Gedenkakt an die Opfer des rechtsextremistischen und rassistischen Anschlags vor zehn Jahren unterbrochen.
  • Am 22. Juli 2016 hatte ein 18-jähriger Attentäter am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen ermordet und viele weitere zum Teil schwer verletzt.
  • Die Abgeordneten gedachten der Opfer mit einer emotionalen Gedenkfeier.
  • Landtagspräsidentin Ilse Aigner: „Dieser rechtsextremistische, rassistische Anschlag ist im kollektiven Gedächtnis unseres Landes fest verankert! Die Opfer waren ein Teil von uns, der gewaltsam aus unserer Mitte gerissen wurde.“

 

MÜNCHEN.      Am 22. Juli 2016 ermordete ein 18-jähriger Attentäter am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und verletzte viele weitere zum Teil schwer.   Am 10. Jahrestag ist im Bayerischen Landtag ein Zeichen der Erinnerung gesetzt und der Opfer des rechtsextremistischen und rassistischen Anschlags gedacht worden. Am Nachmittag spricht Landtagspräsidentin Ilse Aigner auch bei der zentralen Gedenkfeier in der Hanauer Straße. 

2016 fand der zentrale Trauerakt für die Opfer des Attentats im Bayerischen Landtag statt, entsprechend war es Landtagspräsidentin Ilse Aigner wichtig, dass der Landtag auch zehn Jahre später Trauer trägt „Uns war es wichtig, auch hier im Hohen Haus – im Herzen der Demokratie in Bayern – ein klares Zeichen zu setzen: Dieser rechtsextremistische, rassistische Anschlag ist im kollektiven Gedächtnis unseres Landes fest verankert Die Opfer waren ein Teil von uns, der gewaltsam aus unserer Mitte gerissen wurde. Wir stehen zusammen mit den Verletzten, ihren Familien und mit den Familien der Ermordeten. Was den Opfern vor zehn Jahren widerfahren ist, war kein Schlag des Schicksals. Es war die Entscheidung eines Täters. Er handelte aus purem Hass.“

Mit Blick auf die Einordnung der Tat betonte sie: „Zu lange war hier bei uns von einer Amok-Tat die Rede. „Amok“ – das Wort vermittelt den Anschein von Willkür. Das war falsch und verharmlosend. Der Anschlag vom 22. Juli 2016 am OEZ in München war rechtsextremistisch motiviert, war rassistisch. Der Täter ging ganz bewusst an diesen Ort und nahm dort gezielt Menschen ins Visier, die er – Zitat – als „Untermenschen“ betrachtete – selektierte.“ Vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Verbrechen habe dieses Motiv eine besondere Tragweite. „Diesen Hass in seiner fürchterlichen Logik verurteilen wir. Wir bekämpfen ihn aus tiefer Überzeugung!“

Die Präsidentin des Bayerischen Landtags erinnerte auch an die Reihe rechtsextremistischer und rechtsterroristischer Anschläge weltweit, angefangen vom Oktoberfestattentat 1980 über die Morde des NSU Anfang der 2000er und Utoya 2011 bis hin zu Halle, Hanau und Schongau in jüngster Zeit: „Immer wieder ist von „Einzeltätern“ die Rede. Aber die Muster der Verachtung sind nicht zu übersehen. Gleichgesinnte Gewaltbereite vernetzen sich international. Über Soziale Medien, Internet-Foren, Gaming-Plattformen. Sie radikalisieren sich gegenseitig. Sie pushen sich in extreme Sphären der Radikalität. Sie munitionieren sich mit tödlichem Gedankengut. Und schließlich tauschen sie sich darüber aus, woher sie welche Waffen bekommen können. Wir können die Vergangenheit nicht verändern – nicht im letzten Jahrhundert und nicht in diesem. Aber wir haben die Gegenwart und die Zukunft in der Hand. Und wir können und müssen alles Menschenmögliche tun, um dieses Netzwerk des Hasses zu zerschlagen und weitere Opfer im Heute und Morgen zu verhindern!“

Zuletzt verlas sie die Namen der Ermordeten: 

  • Armela Segashi,
  • Can Leyla,
  • Dijamant Zabërgja,
  • Guiliano Kollmann,
  • Hüseyin Dayıcık,
  • Roberto Rafael,
  • Sabine Sulaj,
  • Selçuk Kılıç und
  • Sevda Dağ.
     

Mit den Titeln „Fliegen“ und „10 Jahre“ - der Abwandlung des Songs „7 Jahre von AnnenMayKantereit – wurde der Opfer durch die Musikerin Ami Warning auch musikalisch gedacht. Für das Gedenken wurde die Plenarsitzung unterbrochen. Für den heutigen Jahrestag des Anschlags hat Landtagspräsidentin Ilse Aigner für den Bayerischen Landtag Trauerbeflaggung angeordnet.

(CK)

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