Auszeichnung der Großen Aula der LMU München als „Ort der Demokratie in Bayern“

Landtagspräsidentin Aigner: „Wenn andere immer neue Gräben aufreißen, müssen wir Brücken bauen!“

6. Juli 2026

MÜNCHEN.         Landtagspräsidentin Ilse Aigner hat der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München im Rahmen eines Festakts die Auszeichnung als „Ort der Demokratie in Bayern“ verliehen. Die Ehrung erfolgte im Rahmen eines Kolloquiums zum Thema „Demokratie und Verfassung“ und wurde durch die feierliche Enthüllung eines Gedenkobjekts begleitet. In ihrer Festrede „Unsere Verfassung – Plädoyer für eine versöhnte Gesellschaft“ sprach die Landtagspräsidentin über die aktuellen Bedrohungen und Herausforderungen für die Demokratie. In der Großen Aula der LMU beriet ab Juli 1946 die Verfassunggebende Landesversammlung über die bis heute gültige Verfassung des Freistaats Bayern. Dort konstituierte sich dann auch der erste bayerische Nachkriegslandtag und wählte Hans Ehard zum Ministerpräsidenten.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner betonte in ihrer Rede, die Demokratie stehe unter wachsendem Druck – sowohl durch äußere als auch innere Bedrohungen. Politik müsse Vertrauen zurückgewinnen und den Menschen Sicherheit geben. Sie appellierte: „Wir müssen unser Land wehrhaft machen gegen Angriffe von außen. An dieser neuen Stärke arbeiten wir. Wir müssen unser Land wehrhaft machen gegen die Angriffe von innen: Wir müssen Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückgewinnen – nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Entscheidungen, die wirken und überzeugen. Und wir müssen dabei ganz dringend die Weichen auf wirtschaftlichen Erfolg stellen. Wachstum möglich machen und damit auch den Glauben an Aufstieg und Wohlstand neu entfachen. Denn das ist die größte Angst im Land: Die Angst vor dem Abstieg!”

Gefahr durch zunehmende gesellschaftliche Polarisierung

Zugleich warnte Aigner eindringlich vor Rechtsextremismus und einer zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung. Angst dürfe nicht zum politischen Instrument werden. Sie erklärte: „Da ist eine in Teilen rechtsextreme Kraft, die absolvierte ihren Bundesparteitag am vergangenen Wochenende – genau am 100. Jahrestag des ersten NSDAP-Parteitages 1926. Auch in Thüringen. Und an der Spitze ein Geschichtslehrer: Bitte! Das ist doch kein Zufall!“

Auch auf das Thema soziale Medien ging Aigner in ihrer Rede ein: „So funktioniert die Destabilisierung einer freien Gesellschaft – unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit! Für mich ist das eine brandgefährliche Mixtur. Einerseits die gefühlte Ohnmacht angesichts der weltpolitischen Unruhe und Unsicherheit – auch Angst, und andererseits die untergrabene Autorität des Staates, seiner Institutionen und all derer, die sich für ihn einsetzen. Das vergiftet die Atmosphäre – und wenn Sie mich fragen: Dieses Gift wird von Populisten und Radikalen in hohen Dosen verabreicht – oft auch gesteuert und zusätzlich befeuert aus dem Ausland – von autokratischen Regimen. Dieses Gift soll unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zersetzen!“ Deshalb habe sie sich auch klar für einen wirkungsvollen Jugendschutz in der digitalen Welt ausgesprochen. Der müsse bei der Debatte über Soziale Medien genauso berücksichtigt werden wie bei der Künstlichen Intelligenz und dem Abdriften in KI-Chatbots, betonte die Landtagspräsidentin.

Einen weiteren Schwerpunkt legte Aigner auf den Kampf gegen Antisemitismus. Dieser sei keine Angelegenheit der Betroffenen allein, sondern eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft: „Antisemitismus ist nicht das Problem der Juden. Antisemitismus ist eine Gefahr für unsere freiheitliche Demokratie. Und da gibt es keine Unbeteiligten. Mir fehlt da der Aufschrei aller! Mir fehlt da ein Gegenwirken”, so Aigner.

Den gesamten Text der Festrede von Landtagspräsidentin Ilse Aigner finden Sie hier.(Dokument vorlesen)

Interdisziplinäres Kolloquium zu „Demokratie und Verfassung“ 

Vor der Rede von Landtagspräsidentin Ilse Aigner fand ein Kolloquium zum Thema „Demokratie und Verfassung“ statt. Die Einführung übernahm Prof. Dr. Ferdinand Kramer, Vorstand des Instituts für Bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Projekts „Orte der Demokratie in Bayern“. Anschließend hielt Prof. Dr. Klaus Stüwe - Inhaber des Lehrstuhls für Vergleichende Politikwissenschaft der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt einen Vortrag mit dem Titel “Das Paradox demokratischer Selbstbindung: Verfassung als Bedingung für Freiheit”. Er betonte nicht zuletzt in der anschließenden Diskussion, dass es auch eine Pflicht gebe zum Einsatz für die Demokratie. Der ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts Peter M. Huber ging in seinem Beitrag dann auf den Demokratiebegriff der Bayerischen Verfassung ein. Sein Resümee: “Dass die Bayerinnen und Bayern zufriedener sind mit ihren Institutionen als im Rest der Republik, hat anscheinend damit zu tun, dass sie sich ernster genommen fühlen können”, so Huber. Den Schlusspunkt des Kolloquiums setzte dann wieder Prof. Kramer mit seinen Ausführungen zum Thema “Erneuerung demokratischer politischer Kultur in Bayern 1945-1949”. 

Eröffnet wurde der anschließende Festakt mit einem Grußwort des Präsidenten der Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. med. Matthias H. Tschöp. Er ging unter anderem auf die besondere Geschichte des Ortes ein, der auch die Zeit der NS-Diktatur überstanden habe: “Unsere Aufgabe ist es, dass Demokratie das letzte Kapitel der Geschichte darstellt.” Im Anschluss an die Festrede der Landtagspräsidentin erfolgte schließlich die feierliche Enthüllung des Gedenkobjekts zur Auszeichnung der Großen Aula als „Ort der Demokratie in Bayern“. Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die Gäste noch an einer Einführung in die Wanderausstellung zum Projekt „Orte der Demokratie in Bayern“ teilnehmen. 

Gäste aus Politik und Gesellschaft beim Festakt

Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft nahmen an der Veranstaltung teil, darunter I. Landtagsvizepräsident Tobias Reiß (CSU), Vizepräsident Alexander Hold (FREIE WÄHLER), Vizepräsident Ludwig Hartmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, Dr. Hans-Joachim Heßler, der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung und zugleich Co-Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Projekts „Orte der Demokratie in Bayern“, Dr. Ludwig Spaenle (CSU), der Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, Joachim Herrmann (CSU), der ehemalige Landtagspräsident Johann Böhm (CSU) sowie Ludwig Prinz von Bayern als Vertreter des Hauses Wittelsbach.

/ PR - CK

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