Vizepräsident Alexander Hold spricht auf der Gedenkveranstaltung zur Befreiung des KZ-Außenlagers Kaufering bei Landsberg
"Aus der Verantwortung erwächst unsere Pflicht, die Menschlichkeit gegen Widerstände zu verteidigen!"
27. April 2026
MÜNCHEN/LANDSBERG-KAUFERING. Vizepräsident Alexander Hold hat die Gedenkveranstaltung zur Befreiung des KZ-Außenlagers Kaufering bei Landsberg in der Unteranlage der Welfenkaserne besucht. In seiner Rede wies er darauf hin, wie wichtig es sei, die Erinnerung an den Holocaust lebendig zu halten und Antisemitismus entschieden zu bekämpfen. Wenige Tage zuvor besuchte Landtagspräsidentin Ilse Aigner das KZ-Außenlager Kaufering VII.
Eine lange Rampe führt unter die Erdoberfläche in die beklemmende, gigantische Bunkeranlage “Weingut II”, die von den Nazis ab 1944 errichtet wurde. Beim Bau dieser Bunker starben bis Kriegsende mehr als 6.000 KZ-Häftlinge, die unter grausamsten Umständen Zwangsarbeit leisten mussten.
Mit viel Engagement halten Offiziere und Feldwebeldienstgrade der Bundeswehr das Gedenken an die Opfer wach und haben am Ort des Geschehens einen Erinnerungsort eingerichtet. Vor 81 Jahren, am 27. April 1945, wurden die überlebenden Häftlinge von der US-Armee befreit.
Heute ein wichtiger Platz der Erinnerungskultur und Wissensvermittlung
„Dieser Ort spielt im Menschheitsverbrechen Shoa eine spezielle Rolle: Er steht für die Fortsetzung der systematischen Ermordung der Juden Europas im Deutschen Reich nach der sukzessiven Auflösung der Vernichtungslager im besetzten Osteuropa. Die Rote Armee rückte immer weiter vor. Und während die Nazis dort versuchten, die Spuren der Infrastruktur ihrer ‘Endlösung’ zu verwischen, drückten sie diese Spuren hier noch tiefer in den Boden der Geschichte. So abgrundtief, dass wir sie bis heute sehen – in den Wänden um uns herum sind noch immer die Gebeine der Häftlinge. Sie wurden in den feuchten Beton gestoßen, sie fielen hinein und niemand rettete sie, während andere Häftlinge vor Erschöpfung und Hunger an der harten Arbeit starben. Dieser Ort war eine Gaskammer in anderem Gewand“, so Vizepräsident Alexander Hold zu Beginn seiner Rede auf der Gedenkveranstaltung.
Auch hier wurde nach 1945 zunächst versucht, die baulichen Spuren zu beseitigen oder zu überformen. Deshalb betonte Alexander Hold, wie wichtig es gewesen sei, dass die Bundeswehr sich der Vergangenheit dieses Ortes angenommen und ihn zu einem wichtigen Platz der Erinnerungskultur und der Wissensvermittlung gemacht habe. “Damit zeigen Sie: Unsere Bundeswehr wird ihrer staatspolitischen Verantwortung gerecht. Nicht nur mit der Verteidigung nach außen. Sie ist ein Pfeiler unserer freiheitlichen Demokratie.”
Verantwortung ist wesentlich für die Demokratie
Je größer die zeitliche Distanz zu den Verbrechen werde, desto wichtiger seien laut Hold Orte der Erinnerungskultur. Denn die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bedeute, Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft zu übernehmen. “Es werden schon wieder neue Unrechts-Geschichten geschrieben. Insbesondere in Form des massiv erstarkten Judenhasses, den wir nicht erst seit dem 7. Oktober 2023, aber erst recht seither erleben. Mitzuerleben, wie dünn das Eis der Menschlichkeit ist und wie schnell Antisemitismus und Menschenverachtung wieder stark werden können, verstärkt diese Verantwortung”, unterstrich der Landtagsvizepräsident.
“Es ist die Verantwortung dafür, dass die Würde des Menschen nie mehr angetastet werden darf. Aus dieser erwächst unsere Pflicht, unsere Verfassung, unsere Freiheit, unsere Demokratie, vor allem aber die Menschlichkeit gemeinsam nicht nur zu leben, sondern auch täglich gegen wachsende Widerstände zu verteidigen!”
Neben Persönlichkeiten aus Militär, Politik und Religionsgemeinschaften kamen auch die Zeitzeugen und Überlebenden des “Weingut II” Abba Naor, George Legman und Lynn Farbman zur Gedenkveranstaltung. Geladen hatte Oberstleutnant Bernd Herrmann.
Besuch des KZ-Außenlagers Kaufering VII
Wenige Tage zuvor besuchte Landtagspräsidentin Ilse Aigner das KZ-Außenlager Kaufering VII. Dieses war eines von elf Arbeitslagern des Kaufering-Komplexes – einem Außenlager-System des KZ Dachau – das primär dazu diente, Sklavenarbeiter für den Bau des Rüstungsbunkers „Weingut II“ bereitzustellen. Von dort aus wurden die Häftlinge, fast 23.000 Zwangsarbeiter, täglich zum Bau der Bunkeranlage getrieben.
/ LC