„Bavaria ruft – für mehr Frauen in der Politik“ im Maximilianeum am 19.5.2026

 

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Sehr geehrte Damen und (wenige) Herren.


Wie schön:

Ein Saal voller Frauen!

Ich muss gestehen:

Das ist immer wieder ein Highlight für mich.

Denn Sie wissen es:

Diese Frauen-Fülle im Bayerischen Landtag ist eher eine Ausnahme.

Aktuell sind es hier im Parlament 203 Abgeordnete.

Davon nur 51 Frauen – seit gestern durch die Berufung von Dr. Ute Eiling-Hütig zur Ministerin in R-Pf eine weniger.

Das sind knapp 25 Prozent. 

Deshalb sehen Sie mir meine Freude bitte nach, 
meine Herren!

Sie sind mir gleichermaßen willkommen.

Ich freue mich, dass Sie alle heute meiner Einladung gefolgt sind.

Frauen und Männer.

Denn das Thema des heutigen Abends,

das ist kein reines Frauenproblem.

Das geht alle an!

Schön, dass Sie alle hier sind!

 

BAVARIA RUFT.

Das ist das Thema des heutigen Abends.

Und das Motto einer ganz wunderbaren Initiative:

Engagierte und motivierte Frauen aus ganz Bayern haben sich zusammengetan:

  • Politikerinnen,
  • Vertreterinnen von Verbänden
  • und Unternehmerinnen.

Über die Parteigrenzen hinweg.

Mit einem gemeinsamen Ziel: 

  • weibliche Kräfte in Bayern zu bündeln
  • und mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu gewinnen.

 

Liebe Kathrin Alte,

liebe Unterstützerinnen,

mit der Kampagne habt Ihr engagierten Frauen in Politik und Gesellschaft ein Gesicht geben.

Ihr habt motiviert, vernetzt, gefördert und sichtbar gemacht.

Vor allem aber habt Ihr gezeigt, dass Ihr viele seid.

Und dass Frauen mitreden und mitbestimmen wollen.

Ich fand und finde die Idee großartig.

Deshalb habe ich gerne die Schirmherrschaft für Eure Initiative übernommen.

Aber ich sage auch ganz deutlich:

Wir sind noch längst nicht am Ziel.

Es gibt noch so viel zu tun!

Werfen wir doch mal einen Blick auf die aktuellen Zahlen:

Bayern hat gewählt.

Am 8. März waren Kommunalwahlen im Freistaat.

In den letzten Wochen haben sich die neu gewählten Gremien konstituiert.

Bürgermeisterinnen und Bürgermeister,
Landrätinnen und Landräte haben ihre Arbeit aufgenommen.

Es weht ein frischer Wind durch Bayerns Kommunen.

 

Und wie steht es nun um den Frauenanteil?

  • Die positive Botschaft lautet: Der Frauenanteil unter den Bewerberinnen und Bewerbern für die Kommunalwahl ist gestiegen: 3, 5 Prozent mehr Frauen haben für ein kommunales Mandat kandidiert – im Vergleich zur letzten Kommunalwahl 2020.
  • Und immerhin: Bayerns Rathausspitzen sind insgesamt weiblicher geworden. 
    12 Prozent der bayerischen Rathäuser werden von Ersten Bürgermeisterinnen und Oberbürgermeisterinnen geführt. 
    In der vorangegangenen Wahlperiode waren es ca. 10 Prozent.
  • Leider haben sich aber gerade einmal 20 Prozent Frauen um die kommunalen Spitzenämter als Landrätinnen oder Oberbürgermeisterinnen beworben. Das waren noch weniger als vor sechs Jahren.
  • Vor der Wahl gab es drei Oberbürgermeisterinnen in den Rathäusern in Augsburg, Regensburg und Hof.
    • Jetzt werden alle 25 kreisfreien Städte in Bayern von Männern geführt!
  • Vorher gab es in Bayern immerhin sieben Landrätinnen.
    • Jetzt sind es nur noch sechs!

Ich will nicht alles schwarzsehen.

Aber in der Fläche, bayernweit,

da können uns Frauen die Ergebnisse der Kommunalwahl nicht zufriedenstellen.

Ich gebe es offen zu:

Das stimmt mich sehr nachdenklich.

 

Natürlich sollte das Geschlecht bei der Auswahl von politischem Personal nicht das einzige Kriterium sein.

Auch nicht das wichtigste.

Zumal jeder und jede Abgeordnete, 
jeder und jede Stadt- und Gemeinderätin 
ja allen Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet ist.

Aber es liegt doch auf der Hand:

  • Wenn Frauen in der Politik unterrepräsentiert sind, 
    wo ist dann ihre Stimme?
  • Wo ist dann ihre Lebenserfahrung?
  • Wo kommt das im politischen Prozess noch unmittelbar zur Geltung?

Und das, das ist der entscheidende Punkt!

 

Denn Frauen in der Politik – das ist keine Randnotiz.

Das ist ein Demokratiethema.

Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung,

aber sie haben nicht die Hälfte der politischen Macht.

Es ist doch verrückt: 

  • Bei uns haben Frauen im Schnitt bessere Bildungsabschlüsse als Männer.
  • Frauen sind gut ausgebildet, hoch motiviert und 
    im Ehrenamt stark vertreten.
  • Im Elternbeirat von Kita oder Schule, 
    in der Kirche, in der Nachbarschaft – 
    da sind die Frauen in der Überzahl.

Ja, Frauen engagieren sich stark für unsere Gesellschaft.

Aber in der Politik, in der Kommunalpolitik,

da sind Frauen kaum vertreten!

 

Dort, wo entschieden wird,

  • ob der neue Kindergarten gebaut wird
  • wo ein neuer Spiel- und Sportplatz entstehen soll
  • und ob das Schwimmbad saniert wird.

In diesen Gremien sitzen zu wenige Frauen.

In diesen Gremien bestimmen in der Mehrheit die Männer.

Da stellt sich doch die Frage:

Wie geht das zusammen?

Lassen Sie mich eines gleich vorneweg sagen:

Ich will hier nicht zum Geschlechterkampf aufrufen.

Oder Frauen und Männer gegeneinander in Stellung bringen.

Ich sage auch nicht, dass Frauen „per se“ die besseren Politiker sind.

 

Aber eines ist auch klar:

Wenn in politischen Gremien gemischte Teams arbeiten, dann verändert sich die Perspektive.

Dann rücken Themen in den Fokus, die die Lebenswirklichkeit von Frauen stärker betreffen.

  • Kinderbetreuung,
  • Pflege,
  • Bildung,
  • Sicherheit im öffentlichen Raum.

Nicht, weil Frauen „anders“ wären.

Sondern weil sie andere Erfahrungen machen.

Weil sie Ideen mitbringen.

Studien belegen: 
gemischte Teams treffen nachweislich bessere und klügere Entscheidungen.

Und ich kann Ihnen aus Erfahrung sagen:
Das gilt auch für die Politik!

 

Meine Damen und Herren,

woran liegt es denn nun, 
dass Frauen in der Politik so selten sind?

Mein Eindruck ist: 

Viele Frauen scheuen vor einem politischen Amt zurück.

Selbstbewusste, beruflich erfolgreiche Frauen gibt es zuhauf.

 

Aber Frauen fragen sich, 

  • ob sie die neue Aufgabe bewältigen können.
  • Ob sie vereinbar ist mit der Familie.
  • Ob die Kinderbetreuungszeiten dafür ausreichen.

Kinderbetreuung und Care-Arbeit liegen bei uns überwiegend in der Verantwortung der Frauen.

 

Ganz anders Männer: 

Sie wägen anders ab.

Mir scheint: 
Sie fragen sich auch weniger, ob sie eine Aufgabe schon von Anfang an wirklich vollkommen ausfüllen können.

 

Deshalb kann ich Frauen nur bestärken:

Wenn Ihr Euch engagieren wollt, 
aber mit Blick auf Euch selbst zweifelt, 
gebt Euch einen Ruck:

Ihr könnt es – greift zu!

 

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass 
der Ton im politischen Geschäft rauer geworden ist.

Das wirkt abschreckend.

Abfällige persönliche Äußerungen in den Debatten sind keine Seltenheit.

Und besonders Frauen werden in den sogenannten sozialen Medien verstärkt angegriffen. 

  • Frauen, die sichtbar sind.
  • Frauen, die Haltung zeigen.
  • Frauen, die kandidieren.

 

Laut der aktuellen Studie erfahren 63 Prozent der politisch engagierten Frauen digitale Gewalt.

  • Ihnen wird mit Vergewaltigung gedroht.
  • Sie werden beleidigt mit Kommentaren zu ihrem Aussehen und Körper.
  • Sie werden gedemütigt mit Deepfakes

Die rasante technologische Entwicklung der KI verstärkt den Hass im Netz.

In der Anonymität des digitalen Raumes,
da fallen alle Hemmungen!

 

Aber auch im analogen Raum nehmen die Straftaten gegen Politikerinnen zu. 

Im Wahlkampf

  • da wurden Politikerinnen beim Plakatekleben bedroht,
  • da wurden Politikerinnen am Infostand angegriffen.
  • da wurden Politikerinnen bedrängt und mit Morddrohungen eingeschüchtert.

 

Ich bin schon eine Weile in der Politik.

Ich habe auch selbst schon einiges erlebt.

Aber das Ausmaß der digitalen und analogen Gewalt gegen Frauen hat für mich eine neue Stufe erreicht. 

Das ist erschreckend.

Und ich sage klipp und klar:

Mit freier Meinungsäußerung hat das nichts mehr zu tun.

  • Hass ist keine Meinung.
  • Bedrohung ist kein Debattenbeitrag.
  • Das muss strafrechtlich verfolgt werden.

Denn wir haben gelernt:

Der Weg vom Wort zur Tat ist nicht weit!

 

Aber natürlich: 
Wer sich exponiert, setzt sich Kritik aus – 
und da braucht man ein dickes Fell.

Diese Erfahrung machen nicht nur Frauen in der Politik.

Aber Frauen neigen dazu,

sich Kritik stärker zu Herzen zu nehmen.

Oder sich schneller zurückzuziehen.

 

Es gibt schon den Begriff des „Silencing-Effektes“:

Durch die zunehmende digitale Gewalt 
ziehen sich Frauen und Mädchen aus sozialen Medien und politischen Ämtern zurück.

 

Die Folge?

Die Perspektiven von Frauen und Mädchen in öffentlichen Debatten gehen verloren.

Deshalb sage ich ganz deutlich: 

Wir müssen dagegen vorgehen. 

Die Hater im Netz dürfen nicht über unseren demokratischen Diskurs bestimmen!

 

Aber ich weiß natürlich aus eigener Erfahrung,

dass Politik ein hartes Geschäft sein kann.

Als ich Bundeslandwirtschaftsministerin geworden bin, 
habe ich mir vieles zu Herzen genommen.

Aber ich habe dazugelernt:

Ich versuche Kritik nicht persönlich zu nehmen. 

Denn meine Erfahrung ist:

In den meisten Fällen richtet sich die geäußerte Kritik 
gegen das Amt oder eine politische Position. 

Und deshalb ist meine Devise:

Aufstehen, Krone richten, weiter machen! 

 

Meine Damen und Herren,

ich höre immer wieder:

Frauen und Politik – da hat sich doch schon vieles getan in den letzten Jahrzehnten. 

Ja, das stimmt: 

Frauen können heute mit ganz wenigen Ausnahmen alles, was Männer können. 

Und leuchtende Beispiele gibt es viele: 

  • Eine ehemalige Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, die viermal an die Spitze des Landes gewählt wurde,
  • eine amtierende Präsidentin der Europäischen Kommission,
  • oder eine ehemalige neuseeländische Ministerpräsidentin, über die wir anschließend einen wunderbaren Dokumentarfilm sehen werden.

 

Ja, Frauen sind heute auf allen politischen Ebenen vertreten.

Und politische Amtsbezeichnungen in weiblicher Form sind für uns selbstverständlich. 

 

Das war aber nicht immer so.

Das ist auch nicht vom Himmel gefallen.

Ganz im Gegenteil:

Jede Verbesserung haben wir Frauen erkämpft, 

zum Teil in aufreibenden Auseinandersetzungen. 

Und gerade deshalb müssen wir jetzt weiterkämpfen!

 

 

 

Meine Damen und Herren,

ja, Politik ist oft ein hartes Geschäft.

Da muss man gut aufpassen, dass Menschlichkeit und Empathie nicht auf der Strecke bleiben.

Dass man sich selbst treu bleibt.

Diese Erfahrung machen viele Frauen.

 

Auch Jacinda Ardern, 
wie wir im Anschluss an unsere Diskussion sehen werden:

Sie war sechs Jahre Premierministerin Neuseelands.

Und in vielerlei Hinsicht eine politische Pionierin mit internationaler Strahlkraft.

 

Vor allem aber prägte Sie einen neuen politischen Stil.

  • Einen Führungsstil, der Menschlichkeit und Entschlossenheit miteinander verbindet.
  • Einen Stil, der nicht nur auf Härte und Autorität beruhte, sondern auch auf Empathie und Kommunikation.

 

Im Dokumentarfilm „Die Premierministerin“ 
gewährt die ehemalige Premierministerin 
tiefe politische und private Einblicke.

Aber mehr möchte ich nicht vorwegnehmen.

Ich freue mich, dass wir den Film heute zeigen können:

  • Er soll zum Nachdenken anregen.
  • Er soll Gesprächsstoff für 
    das anschließende „Get together“ bieten.
  • Er ist ein flammendes Plädoyer 
    für Optimismus und Menschlichkeit.

Ich finde:

Beides können wir sehr gut brauchen!

 

Jetzt freue ich mich aber zunächst auf eine interessante Diskussionsrunde zum Thema „Frauen in der Politik“ 
und wünsche uns allen einen gewinnbringenden, kurzweiligen und verbindenden Abend!

 

Ich übergebe das Wort an Sie, liebe Frau Matzko!

 

 

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