Festakt „25 Jahre Donum Vitae Memmingen“ am 24. April 2026 in Memmingen

 

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Anrede

 

Sie haben eingeladen zur Feier, zu einem Vierteljahrhundert Donum Vitae in Memmingen.

  • Das sind 25 Jahre Beratungsarbeit.
  • Das sind Tausende Menschen, die Rat erhalten haben.
  • Das sind unzählige empathische Gespräche mit dem Ziel,
    Bewusstsein zu schaffen für den Wert des Lebens – 
    basierend auf der Überzeugung: 
    Jedes Leben ist ein Geschenk! 

 

Es gibt wohl keinen Antrieb, der sinnstiftender sein könnte: 
als Mensch für den Menschen da zu sein.

Und zwar in den entscheidenden, existenziellen Fragen.

Auf diese Fragen geben Sie Antworten – 

  • sind da,
  • wenden sich den Schwangeren zu und
  • helfen mit Wort und Tat.

Das ist unschätzbar wertvolle Arbeit – jedes Mal, 
und das über so eine lange Zeit!

 

Ihre Arbeit bringt es mit sich, dass 
Sie sich selbst in der Regel zurücknehmen – 
und Menschen, die Verunsicherung und Verzweiflung verspüren, in den Mittelpunkt stellen.

Heute aber ist es anders. 

Heute stehen Sie im Mittelpunkt. 

Und das Lob müssen Sie schon ertragen: 

  • Auf Ihr Angebot,
  • auf Ihren Einsatz,
  • auf Ihre Leistungen 

können Sie stolz sein.

Sie haben allen Grund zu feiern – 

aber noch viel mehr: 
Wir haben allen Grund, Ihnen zu danken.

Und ich bin hergekommen, um das zu tun: 

Ich sage voller Bewunderung: Herzlichen Dank!

 

Ich schaue in die Runde – auf Ihre Gäste heute – 
und finde es bemerkenswert, 

  • wen sie alles haben ansprechen können,
  • wer alles gekommen ist und
  • wie aufmerksam und fokussiert hier alle bei der Sache sind.

Große Teile unserer Gesellschaft, der Memminger Stadtgesellschaft, sind hier repräsentiert. 

 

Mir zeigt das, 

  • wie fest verankert Donum Vitae in Memmingen ist.
  • Wie das Beratungsangebot in Memmingen wertgeschätzt wird.
  • Und wie Sie persönlich, Frau Weißfloch, und wie Ihr Team in der Mitte der Gesellschaft stehen. 

Das freut mich ungemein – 

zumal ich darin ein klares Bekenntnis sehe:

  • Zu Donum Vitae.
  • Zur Nächstenliebe.
  • Zum solidarischen Miteinander. 

Das ist ermutigend – 
und dafür danke ich Ihnen, die Sie heute hergekommen sind! 

Danke!

 

Es sind bekanntlich keine leichten Fragen, 
die den Beginn und das Ende des Lebens betreffen.

Es sind die schwierigsten Fragen.

Ein Kollege wie Klaus Holetschek weiß das sehr gut – 

dass wir uns das mit einem christlichen Menschenbild, 

dass wir uns das in Verantwortung vor dem Leben und unserem Zusammenleben niemals leicht machen dürfen. 

 

Ich gebe Ihnen mal einen kurzen Einblick in meinen Terminkalender heute.

  • Ich bin heute Vormittag also bei Ihnen.
  • Dann werde ich zu einem Gelände des KZ-Außenlagers in Kaufering fahren, in dem so viele Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen hingemordet worden sind. Wo das Leben nichts zählte. Wo Leben vernichtet wurde durch Arbeit.
  • Und dann werde ich zu einem Spatenstich nach Polling aufbrechen. Dort baut der örtliche Hospizverein zwei neue Heimstätten für sterbenskranke Menschen: 
    für Erwachsene – und für Kinder. 
    Um für die letzten Meter auf dem Lebensweg medizinische, pflegerische Versorgung zu organisieren, 
    aber auch um Lebensfreude nochmal neu erlebbar zu machen. Weil jedes Leben, weil jedes Lächeln zählt!

Meine Damen und Herren, 

ich weiß nicht, wie es Ihnen geht.

Wir können über große Steuerreformen reden, 
über Verschuldungsregeln oder Freihandel. 

Das ist alles sehr wichtig für uns und unseren Wohlstand.

Aber ich denke: 
Kein Thema rührt uns Menschen so an, 
wie die Fragen über Leben und Tod.

 

Deshalb gehören diese Fragen auch ins Zentrum von politischem und bürgerschaftlichem Engagement.

Und da steht es um uns in Bayern 
dank des großartigen Engagements ziemlich gut:

Ich bin wirklich stolz auf unser Miteinander, 
das Profis und Ehrenamtler Hand in Hand voranbringen.

Das gibt uns so viel!

 

Meine Damen und Herren,

wir alle wissen, dass es in Deutschland immer wieder 
harte Konflikte und hitzige Debatten 
um das Thema Abtreibung gegeben hat.

Und das kann auch gar nicht anders sein.

Die Emotionalität ist enorm. 

Weil wir uns in einer sehr schwierigen Dilemma-Situation befinden:

  • Auf der eine Seite das Recht des ungeborenen Lebens.
  • Auf der anderen Seite 
    das Selbstbestimmungsrecht der Frau.

Beides hat enormes Gewicht – und das muss man auch zur Kenntnis nehmen - Mit Verständnis.

Denn ansonsten wird die Debatte ideologisch – 
sie verkommt zur Schwarz-Weiß-Malerei, 
macht uns auf einer Seite blind und 
das gefährdet den gesellschaftlichen Frieden in dieser Frage!

 

Donum Vitae hat sich seit jeher 
der „doppelten Anwaltschaft“ verschrieben – 
also der Verantwortung 

  • für das ungeborene Kind
  • und gleichermaßen für die werdende Mutter, für die Frau.

Die Ergebnisoffenheit ist ein zentraler Grundsatz von Donum Vitae: Die Beratung ist ergebnisoffen gestaltet!

  • Sie respektiert die individuelle Entscheidung 
    der Frau, der Eltern;
  • und sie erfolgt frei von jedem Druck oder Manipulation. 

Donum Vitae war nie blind auf einer Seite!

 

In Berliner Ampelzeiten gab es wieder Versuche, 
das strafrechtliche Abtreibungsverbot aufzuheben.

Zur Wahrheit gehört allerdings:

Abtreibung ist in Deutschland de facto straffrei!

 

Was mir bei all diesen Debatten fehlt – so sehr ich 
zum Teil auch Verständnis für die Positionen aufbringen kann – ist die Rücksicht auf den gesellschaftlichen Frieden. 

Der Entstehungsprozess der gefundenen Lösung war höchst emotional. 

  • Es geht vielleicht um das bewegendste, 
    das wichtigste Thema im Leben eines Menschen –
  • um die Schwangerschaft, 
    die Mutterschaft, die Elternschaft,
  • darum, ein neues Leben in die Welt zu setzen, 
    für das man zeitlebens verantwortlich sein wird. 

Entsprechend emotional wurde auch debattiert – 
von beiden Seiten, über Jahre. 

Dann haben wir einen Kompromiss gefunden – einen guten. 

Einen Kompromiss, der 25 Jahre lang zu „Frieden“ geführt hat. 

Und ich will es klar sagen: 
Es ist für mich völlig unverständlich, warum man 
an diesem Frieden von einer Seite rüttelt.

Donum Vitae jedenfalls hat einen sehr großen Verdienst daran, dass die Frauen 25 Jahre nicht alleingelassen wurden. 

  • Die Beratungspflicht aufzuheben, 
    hätte nämlich noch ganz andere Dimensionen.
  • Der Versuch stellt die Menschenwürde und 
    das Recht auf Leben in Frage –
  • und ließe zudem Frauen in Zeiten einer existenziellen Konfliktsituation allein.

Es sind doch eben Beratungsstellen wie Ihre, 
wie Donum Vitae hier in Memmingen, die Frauen vor unseriösen und zweifelhaften Fehlinformationen schützen.

Wenn Abhängigkeiten bestehen, wenn Druck ausgeübt wird, 

dann sind die Beratungsstellen doch der sichere Hafen.

Die Fachkenntnis und die menschliche Umsicht sind 
– egal, wie die Beratene sich entscheidet – 
ein echter Mehrwert!

 

Ich habe gut gefunden, dass ein Gruppenentwurf aus der Mitte des Deutschen Bundestages im vergangenen Jahr die Beratung weiterhin vorgesehen hat. 

Der Gesetzentwurf wurde verhandelt.

Zu einer Gesetzesänderung kam es bislang nicht – 
da kam das Ende der Ampelregierung dazwischen.

Die Rechtslage ist also bislang unverändert.

Mir ist persönlich sehr wichtig, dass 

  • die Schwangerschaftskonfliktberatung bleibt.
  • Die Hilfe zur Selbstbestimmung.
  • Die professionelle Beratung und Begleitung.

Diesen echten Mehrwert sollten wir nicht ausradieren.

Bei uns in Bayern soll niemand allein gelassen werden!

 

Meine Damen und Herren,

ganz unaufgeregt werbe ich für diesen Standpunkt.

Vor rund zweieinhalb Jahren hatte ich dazu auch mal ein Streitgespräch in „Der Zeit“.

Auf der anderen Seite war eine 
Vertreterin des radikalliberalen, feministischen Standpunkts – so nennt man das wohl: die Autorin Laura Dornheim.

Ich finde die Sicht verkürzt, 

  • wenn allein auf das Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren abgehoben wird und
  • dem ungeborenen Leben kein moralischer oder 
    nur ein minimaler Status zugeschrieben wird.

Es wird immer wieder daran gerüttelt, 
aber überzeugend ist das für mich nicht: 

Ungeborenes Leben bleibt für mich Leben.

Und Leben braucht Schutz!

 

Und das ist doch der Kern des Kompromisses, der damals gefunden wurde:

  • Ein Schwangerschaftsabbruch beendet Leben.
  • Das sollten wir nicht normalisieren.
  • Das sollten wir nicht bagatellisieren.
  • Das hat uns auch das Bundesverfassungsgericht aufgetragen.

Im Grundgesetz ist der Schutz des Lebens, das nicht ohne schwerwiegende Gründe beendet werden darf, verbürgt.

Gleichwohl liegt die Entscheidung ja heute schon bei der Schwangeren – und das stellen wir auch nicht in Frage!

 

Aber wer an der Beratung zweifelt, muss einfach mal hier herkommen.

Der muss sich das anschauen, wie die Praxis aussieht.

  • Wie gut das Fachpersonal ausgebildet ist!
  • Wie sehr Donum Vitae auf die Schwangeren eingeht, 
    von ihnen her denkt und 
    eben nicht an ihnen zieht oder zerrt.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Donum Vitae sind mit dem Herzen dabei.

Und egal, wie die Entscheidung ausfällt: 

Sie schenken Vertrauen und geben Sicherheit – 
weil sie bei der Selbstvergewisserung helfen.

Das ist ein unendlich wertvoller Dienst – 
und das muss ich den Kritikern schon entgegenhalten:

Wenn es diesen Dienst am Menschen nicht gäbe, dann müsste er erfunden werden!

 

Ihre Aufgaben hier in Memmingen 
bilden ein überaus breites Spektrum ab – 
es geht keineswegs nur um den beschriebenen Konflikt.

  • Sie beraten ganz allgemein zu den Fragen 
    der Schwangerschaft, angefangen vom Kinderwunsch 
    bis hin zu wirklichen Spezialfragen.
  • Sie helfen, auch wenn man ein Kind verloren hat und trauert!
  • Und Sie beraten, wenn keine Hebamme gefunden wird oder keine Gynäkologin – 
    gerade, wenn es Sprachbarrieren gibt! 

     

Unsere Gesellschaft kann auf diese Dienste nicht verzichten.

Denn sie sind ein Beitrag zum individuellen inneren Frieden und sie sind ein Beitrag zum allgemeinen gesellschaftlichen Frieden.

Das kann uns nicht egal sein, dafür müssen wir uns stark machen. 

Das will ich in aller Deutlichkeit sagen!

Meine Damen und Herren,

wenn wir an die Kriege dieser Welt denken – wie hunderttausende Leben einfach weggeworfen werden.

Da können wir als Einzelne leider nicht viel machen. 

Aber wir können es hier anders machen – 

  • in unserem Gestaltungsraum,
  • in unserer Heimat,
  • Sie hier in Memmingen.

Als solidarische, empathische Menschen handeln.

Mit der klaren Devise:

Jedes einzelne Leben zählt!

 

Ich weiß: Das ist der ganz große Bogen.

Aber deshalb sind wir hier:

Weil es um Grundsätzliches geht. 

Und da ist das Engagement von Donum Vitae hier in Memmingen eine Ermutigung. 

 

Jedes einzelne Leben zählt: 

das Leben der Schwangeren, 

das Leben des Ungeborenen – 
das wollen wir ausdrücklich so verstanden wissen.

Und damit zählt auch das Leben in unserer Gemeinschaft, 
über das die Entscheidung in diesem Konflikt so viel aussagt.

Ich bin fast immer Optimistin. 

Und deshalb bin ich auch aus tiefster Überzeugung für Donum Vitae, für das Geschenk des Lebens. 

Ich wünsche 

  • Kraft und
  • Ressourcen und
  • Erfolg für die nächsten 25 Jahre Donum Vitae hier in Memmingen.

Sie machen das großartig!

 

Vielen Dank!

 

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