Gedenkveranstaltung zum 10. Jahrestag des Anschlags am OEZ, 22. Juli 2026, Denkmal „Für Euch“, Hanauer Straße 77, München

 

Es gilt das gesprochene Wort.



Sehr geehrte Angehörige der Opfer, 

hoch geschätzte Überlebende, 

liebe Familien

  • Adilji,
  • Azemi,
  • Bayri,
  • Dağ,
  • Dayıcık,
  • Kılıç,
  • Kollmann,
  • Leyla,
  • Rafael,
  • Segashi,
  • Sulaj
  • und Zabërgja. 


Wir sind heute hier, 
mit Ihnen, 
in diesem Moment. – 
Wir haben verstanden, 
dass es keinen anderen Ort gibt,
an dem wir jetzt sein sollen. 

Niemand sollte in seiner dunkelsten Stunde alleine sein! 

Wir sind hier, um Ihnen – so gut wir können – 
Kraft zu geben und Halt.

Um als Stadt, als Land, als Staat, 
als Gemeinschaft mit Ihnen zu trauern. 

Niemand sollte das Gefühl haben, 
mit seinem Schmerz allein zu sein!

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir trauern um neun Menschen, 

  • die aus dem Leben gerissen wurden,
  • aus dem Leben ihrer Familien,
  • aus unserer Mitte. 

 

Ihr Tod war kein Schicksal. 

Er war die Entscheidung eines Täters, 
der aus purem Hass handelte. 

Ein rechtsextremistischer Rassist. 

Gezielt auf der Jagd.

Nach Menschen, die er als anders stigmatisierte – 

  • als fremd,
  • als Feind,
  • als Zitat: „Untermenschen“. 

Und das – in unserem Land, mit unserer Geschichte. 

Das erschüttert uns alle! 

 

Deswegen ist es nicht nur wichtig, dass wir heute hier stehen. 
Sondern dass wir jeden Tag aufstehen,

  • gegen Rassismus,
  • gegen Rechtsextremismus
  • und gegen Menschenverachtung aller Art. 

 

Liebe Familien, 
wir können Ihr Leid nicht heilen, 
nicht einmal lindern. 

Aber wir können versprechen, 
die Opfer – ihre Namen, ihre Geschichten – nie zu vergessen.

Und wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun,
um neue Opfer zu verhindern! 


Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus ziehen eine Blutspur über die Kontinente – auch durch unser Land. 

Der OEZ-Anschlag steht in einer Reihe mit Oslo und Utøya oder Christchurch, 
in einer Reihe mit dem Oktoberfestattentat, 
den NSU-Morden, 
mit Halle und Hanau – 
und wohl auch mit Schongau.

Mögen die Täter als „Einzeltäter“ in die Statistik eingehen – 
wir sehen doch 

  • das Muster der Verachtung,
  • die weltweite Vernetzung,
  • die globale Inspiration mit tödlichem Gedankengut.

Und hier bei uns bedeutet das jedes Mal den Bruch mit dem wichtigsten Versprechen unseres Landes: 

„Nie wieder!“

 

Meine Damen und Herren,

der 22. Juli 2016 war ein strahlend schöner Tag. 

[Pause]

Alle sind auf dem Weg irgendwohin ins Wochenende. 

Um 17:51 Uhr bleibt die Welt stehen.

In kaum drei Minuten werden neun Menschen ermordet, 
fünf weitere schwer verletzt.

Stundenlang herrscht Panik in der ganzen Stadt.

Irgendwann in der Nacht die Entwarnung, 
fast Erleichterung. –  

Aber nicht für die Familien der Opfer! 

Ihr bisheriges Leben ist vorbei – für immer! 

Tagelang ist die Betroffenheit in der Stadt groß.

Rund um das OEZ entsteht ein Meer aus Blumen.
Plüschtiere, Mitgefühl, letzte Nachrichten an die Opfer.
Gemeinsame Trauer im Dom und im Landtag.

Bundespräsident, Bundeskanzlerin, Landtagspräsidentin, Ministerpräsident … 

 

Die Welt dreht sich wieder. – 

Aber nicht für die Verletzten:

  • beeinträchtigt bis heute,
  • gezeichnet für immer, Sie und Ihre Familien.

Es wird nicht mehr gut. 

 

Auch nicht für die Ermordeten und ihre Familien.

Sie stehen in leeren Kinderzimmern.

Vor leeren Betten, leeren Stühlen am Esstisch. 

Sie halten Fußballschuhe in der Hand.

  • Trikots,
  • Make Up,
  • Haargel,
  • Boxhandschuhe,
  • Kleider,
  • Ohrringe 
    – die nie wieder benutzt werden. 

Mit dem Tod ihrer Liebsten sind Freude und Glück in ihren Familien gestorben – 
geblieben ist eine nicht zu füllende Lücke. 

 

Träume, 
die nicht mehr wahr werden. 

Fotos, 
Gesichter, 
Augen, die nie wieder funkeln werden – 

  • keine Abschlussfeier,
  • keine Meisterfeier,
  • kein Geburtstag mehr,
  • keine Hochzeit. 

Ihre Liebsten kamen nicht wieder nach Hause.

Sie werden sie nie wieder im Arm halten. 

Nichts ist schrecklicher – 
für Eltern, Geschwister, Kinder, den Ehepartner! 

 

 

Als Politikerin möchte ich immer Zuversicht geben. 

Als Mensch muss ich anerkennen: 
Auch nach zehn Jahren werde ich keine Worte finden, 
die Ihnen Trost spenden können.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden. 

Aber eines, eines möchte ich Ihnen so gerne nehmen:
Das Gefühl mit Ihrem Schmerz, Ihrer Trauer und Ihrer Wut allein zu sein. 

  • Wir sind bei Ihnen!
  • Wir hören Sie!
  • Wir sehen Sie!

Ihre Liebsten und Sie – sie sind ein Teil von uns! 

Sie gehören zu uns, zu München, zu Bayern!

 

Sie fehlen in unserer Mitte.

Und wir verurteilen aus tiefstem Herzen den rassistischen Hass, der sie uns entrissen hat! 

 

Ich verneige mich vor 

 

  • Armela,
  • Can,
  • Dijamant,
  • Guiliano,
  • Hüseyin,
  • Roberto,
  • Sabine,
  • Selçuk
  • und Sevda  

    – neun Engel. 

     

Liebe Familien, 

es ist unendlich schwer zu ertragen,
wie die Welt sich weiterdreht, 
wenn doch die eigene stehen geblieben ist.


Als Vertreterin des Bayerischen Parlaments stehe ich hier und heute neben Ihnen, voller Demut.

  • Ich weiß um Ihren Schmerz,
  • Ihre unendliche Trauer.
  • Ich weiß um Ihre Wut, Ihre Enttäuschung,
  • Ihr Gefühl von Ungerechtigkeit, 
    weil Sie zu schwer kämpfen mussten –
  • für die Wahrheit, für Respekt,
  • für Anerkennung,
  • für Ihre Rechte
  • und Verständnis. 

Ich verstehe Sie! 


Ihr Leben hätte ein anderes sein können. 
Sein sollen! 

Das weiß ich. 

Und es tut mir fürchterlich leid. 

Aber: 
Sie sind nicht allein. – Nicht heute. – Nicht morgen.

 

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