Verleihung des Tiroler Adler Ordens am 8. Mai 2026 in Innsbruck

 

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Anrede

 

Als ich heute Mittag in den Wagen gestiegen bin, 
war ich voller Vorfreude.

Die Strecke von München nach Innsbruck führt durch die schönsten Landschaften und wunderbarsten Bergwelten.

Und am Ziel steht eine Bühne – gebaut von Ihnen hier.

 

Da wird eine bewundernswerte Idee zur Aufführung gebracht: 

Nämlich Menschen mit dem Tiroler Adler Orden auszuzeichnen, 

  • die außerhalb Tirols geboren sind –
  • und doch Tirol innigst verbunden sind. 

Welch ein Zeichen von Tiroler Weltoffenheit und Herzlichkeit!

Etwas Vergleichbares ist mir in Deutschland nicht bekannt.

Tirol ist uns voraus.

Ich bin begeistert und sage: 
Herzlichen Dank!

 

Dass ich hier bin, nehme ich nicht als Selbstverständlichkeit.

Ich bin ja unverkennbar eine Bayerin.

Aber mein Stimmkreis grenzt an Tirol.

Die Menschen im südlichen Oberbayern arbeiten mit Tirolerinnen und Tirolern eng zusammen.

Das ist zwar eine Grenze.
Die trennt aber nicht, sondern es gibt viele Verbindungen. 

 

Sie verbindet so sehr in unseren Gemeinsamkeiten, 
dass Außenstehende es „für Eines“ halten:

Da ist die Sprache, da ist die Tracht, 
da ist dieses sicht- und hörbare Bekenntnis zur Heimat… 

Das geht so weit, dass ich früher nördlich der Donau oft für eine Tirolerin gehalten wurde! 

 

Gleichwohl kenne ich die Geschichte von Bayern und Tirol – zumindest in Grundzügen – sehr wohl.

Und damit meine ich jetzt nicht die Diskussionen um Blockabfertigung und Grenzkontrollen.

Da muten wir uns gegenseitig einiges zu….

 

Nein, ich meine das, was über Jahrhunderte fortwirkt.

Napoleon hatte mit seinen Verbündeten Österreich besiegt, hatte Tirol von den Habsburgern abgetrennt und die Region dem Königreich Bayern zugeschlagen.

In der Folge gab es harte, brutale Eingriffe auch in das kulturelle Leben. 

Verbriefte Landesfreiheiten wurden von Bayern einfach vom Tisch gewischt.

Die Tirolerinnen und Tiroler haben im Tiroler Volksaufstand stolz und aufrecht gekämpft.

 

Jetzt sind wir angesichts der zurückliegenden Jahre sicher alle ohne Schuld – aber nicht frei von Verantwortung.

Weil wir um den Lauf der Geschichte wissen und 
Lehren gezogen haben.

Und die Lehre aus dem Tiroler Volksaufstand lautet:

Die starken Regionen, 

  • mit ihrem Brauchtum,
  • mit ihren Traditionen,
  • mit ihrer eigenen Identität 

müssen unantastbar sein.

Sie dürfen nicht Opfer von Fremdbestimmung sein.

Die starken Regionen haben ihren Stolz. 

Und sie brauchen ihre Freiheit.

Stolz und Freiheit darf man ihnen nicht nehmen!

 

Und auch heute, in einem zusammenwachsenden Europa, 
das unser Glück ist, brauchen wir diese starken Regionen.

  • Wo der Ort der Entscheidung, von Regierung und Verwaltung, nahe an den Menschen ist.
  • Wo Heimat sehr bewusst gelebt und 
    Zusammenhalt großgeschrieben wird.
  • Starke Regionen, wo das Gefühl der Freiheit spürbar ist.

Sie merken es, ich meine es ernst: 

Ich verneige mich vor dem Tiroler Freiheitswillen!

Ich stehe hier unter sehr würdigen Ordensträgerinnen und Ordensträgern.

Sie alle haben großartige Verdienste um das Land Tirol errungen, Lebenswerke sind hier ausgezeichnet worden.

Das macht mich zum einen demütig.

 

Und zum anderen erkenne ich, wie sich 
ein Bild zusammensetzt – ein Mosaik:

  • Da geht es um den Wissenschaftsstandort und die Experimentalphysik.
  • Es wird Hochwasserschutz betrieben und 
    auf Klimawandel reagiert.
  • Es wird viel getan 
    für den Erhalt von seltenen Nutztierrassen.
  • Es werden Antworten gegeben auf Starkregen und Hagel.
  • Es werden Menschen mit Behinderungen integriert.
  • Es werden soziale Zwecke tatkräftig unterstützt.
  • Der Betrieb von Casinos wird nicht zum Glücksspiel.
  • In der Verwaltung werden Landesinteressen auf europäischer Ebene zur Geltung gebracht.
  • Im Burgenland hat man enge Verbündete.
  • Und Tirol hat eine starke Stimme in Wien.

Das ist kein Wünsch-Dir-was.

Das markiert den Standort.

Wirtschaft – Forschung – Klimaschutz – Biodiversität – Sport – Solidarität – Regionalität 
und zugleich ein Denken über Grenzen hinaus. 

Freundschaftlich auch zwischen Tirol und Bayern. 

Das sind die Mosaiksteine – 
sie passen zusammen und ergeben ein Ganzes:

Das ist Tirol!

 

Meine Damen und Herren,

ich bin selbst ein Kind vom Dorf.

Ich wohne da noch heute:

Man kennt sich, man sieht sich – und man ist sich nicht egal.

Man hilft zusammen.

Das ist für mich Heimat.

 

Unsere Zeit ist 

  • von Kriegen,
  • nationalen Egoismen und
  • Großmannssucht geprägt. 

Wir sind betroffen. 

Bringt einen das zum Kopfschütteln, zum Verzweifeln?

Fühlen wir uns als Einzelne ohnmächtig?

Ja, so ist es wohl.

 

Aber wenn wir auf uns schauen, sind wir dann ohnmächtig?

Die Menschen, die heute hier ausgezeichnet worden sind, machen jeden Tag ihre Arbeit. 

Sind voll engagiert.

Für ein gutes Leben.

Modern, effektiv, mitfühlend.

Großartige Persönlichkeiten: 

Sie haben Tirol als Heimat angenommen oder sind – wie ich – mit dem Herzen dabei!

 

Heimat – das ist für mich Gestaltungsraum.

Der Raum, in dem wir etwas bewegen können.

Und das tun Sie alle, 
liebe Ordensträgerinnen und Ordensträger!

 

Sie machen Tirol zu einem großartigen Ort, 
zu einem Sehnsuchtsort:

  • Danke für Ihren Einsatz!
  • Danke für Ihr Bekenntnis!
  • Danke für diese Ermutigung!

 

Es ist mir eine Ehre, unter Ihnen zu sein!

 

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