Bildungsausschuss: Kultusministerium informiert über Konzepte „Schule fürs Leben“ und „Digitale Schule 2020“

23.01.2020

Begleitet von der Diskussion über die Pläne des Kultusministeriums, den Lehrermangel an Grund-, Mittel und Förderschulen durch Mehrarbeit aufzufangen, informierte Staatsminister Piazolo über das ebenfalls kontrovers diskutierte Konzept zur Vermittlung von Alltagskompetenz an Schulen. Darüberhinaus erfuhr der Bildungsausschuss vom Kultusministerium, wie es um den Modellversuch zur Digitalisierung von Schulen steht.

„Alltagskompetenz und Lebensökonomie“, Lehrermangel an Grundschulen und „Digitale Schule“: ein Potpourri verschiedener Themen beschäftigte den Ausschuss für Bildung und Kultus. Staatsminister Prof. Dr. Michael Piazolo (FREIE WÄHLER) verwies in seinem Bericht über das Konzept „Schule fürs Leben“ zunächst auf das Ziel, den Praxisbezug von Schülerinnen und Schülern zu stärken und sie auf ein gutes Zusammenleben in unserer Gesellschaft vorzubereiten. In den fünf Handlungsfeldern Ernährung und Landwirtschaft, Gesundheit, Umwelt- und selbstbestimmtes Verbraucherverhalten sowie Haushaltsführung sollen fächerübergreifend Kompetenzen vermittelt werden. Das soll in einer Projektwoche in einer der Klassen 1 bis 4 und einer weiteren Projektwoche zwischen der 5. und 9. Klasse erfolgen.

Der pädagogische Ansatz besteht laut Ministerbericht darin, Ort, Zeit und Inhalt der Vermittlung anders zu gestalten als die Kinder und Jugendlichen das im normalen Schulalltag gewöhnt sind. So können die Lehrkräfte Experten von außen hinzuziehen und fächerübergreifend sowie team- und projektorientiert, jenseits des 45 Minuten-Rhythmus, mit den Schülern arbeiten. Mit der Entscheidung, kein eigenes Schulfach, sondern Projektwochen einzuführen, ist der Staatsminister sehr zufrieden. „Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass man einen Schwerpunkt setzt, dass wir etwas Besonderes machen“, erklärte der Minister. Kooperationen seien beispielsweise mit Landwirten, Lehr- und Versuchsanstalten oder den Landfrauen möglich. Entsprechende Materialien aus best-practice-Beispielen hält das Kultusministerium vor. Der Nachtragshaushalt stellt Piazolo zufolge für das Projekt knapp fünf Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem Thema hatte sich der Landtag schon Ende vergangenen Jahres in einer Aktuellen Stunde beschäftigt.

„Schritt in die richtige Richtung“

Die Regierungsfraktionen lobten das Konzept. Nikolaus Kraus von den FREIEN WÄHLERN sprach von einem „politischen Pflänzchen, das angewurzelt ist“ und einem „überfälligen Schritt in die richtige Richtung“. Die CSU-Abgeordnete Gudrun Brendel-Fischer würdigte den Anwendungsbezug in einer zu theorielastigen Gesellschaft.

Der Opposition war das zu wenig. Mit Blick auf seine eigenen beruflichen Erfahrungen als Lehrer verwies der Ausschussvorsitzende Markus Bayerbach (AfD) darauf, dass das Konzept des Ministers schon seit langem Praxis an den Schulen sei. Die Abgeordneten Dr. Simone Strohmayr (SPD) und Matthias Fischbach von der FDP bemängelten, für Alltagskunde sei zu wenig Zeit vorgesehen. Die vom Minister hervorgehobene Entlastung der Lehrkräfte durch das Heranziehen von Experten in der Projektwoche nannte Strohmayr „lächerlich und nicht nachhaltig“. Fischbach verlangte, den Schulen mit einem eigenen Budget die Freiheit zu geben, einen individuellen Ansatz zu verwirklichen. Gabriele Triebel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) forderte einen Projekttag in jeder Jahrgangsstufe. Dennoch dürften die Nöte des Lehrpersonals an Grund-, Mittel- und Förderschulen nicht vergessen werden, die unter der für kommendes Schuljahr geplanten Mehrarbeit leiden würden.

Mehrarbeit statt Unterrichtsausfall

Der Schulminister erklärte sich bereit, jenseits der Tagesordnung, auch über den aktuell diskutierten Lehrermangel zu sprechen. Nach Berechnungen des Kultusministeriums fehlen in den erwähnten Schularten im kommenden Schuljahr 1400 Lehrkräfte. Um diese Lücke zu füllen, sollen die Lehrerinnen und Lehrer bald mehr arbeiten. „Dass die Maßnahmen keine Freude bereiten, ist mir klar“, gab Piazolo zu. „Aber wenn wir nichts tun, dann wird es ein Mangel und ich werde alles tun, damit das nicht passiert.“ Im Gegensatz zu anderen Bundesländern will der Minister keinen Unterrichtsausfall hinnehmen. Der Liberale Matthias Fischbach monierte, die Zahlen seien seit langem bekannt und er fragte, wie die Attraktivität des Lehrerberufs gesteigert werden könne.

Ermutigender war der Zwischenbericht des Kultusministeriums zum seit dem Schuljahr 2017/2018 laufenden Modellprojekt „Digitale Schule“. Der Schulversuch soll die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler stärken und sie fit machen für das digitale Zeitalter. Mit konkreten Konzepten und Strategien wird erprobt, wie digitale Werkzeuge an Schulen effektiv genutzt werden können. Beteiligt sind an dem dreijährigen Projekt 20 Schulen in unterschiedlichen Regierungsbezirken, wissenschaftlich begleitet werden sie von mehreren bayerischen Universitäten.

Modellprojekt: Digitale Medien aktivieren Schüler stärker

Laut dem Zwischenergebnis ist bei der IT-Ausstattung ein leistungsstarkes WLAN nötig. Als mobile Endgeräte eignen sich Tablets und Laptops besser als Smartphones. Bei der Nutzung digitaler Medien für die Schulorganisation zeigte sich eine hohe Akzeptanz bei Lehrkräften und Eltern. So waren die Eltern ausnahmslos bereit, für ihre Kinder digitale Endgeräte für den Schuleinsatz anzuschaffen, auch, weil sie sich von der Medienerziehung überfordert fühlten und auf Hilfe durch die Schule hofften.

Kernstück des Versuchs war die Unterrichtsentwicklung. Dabei ging es zum einen um die Fortbildungsangebote für die Lehrer, zum anderen um den Medienbildungsplan für die Schüler. Wesentlich für den Erfolg insgesamt ist demnach, möglichst das gesamte Kollegium und viele Fächer zu beteiligen. Vor allem für Verwaltungsaufgaben lassen sich digitale Prozesse gut nutzen und sorgen für Entlastung der Lehrkräfte. Geklärt werden müssen allerdings noch rechtliche Fragen zum Datenschutz, wie beispielsweise Cloudlösungen. Fazit des Modellversuchs: Digitale Medien sind sehr gut geeignet, Schüler aktiv zu beteiligen, vor allem, wenn es eine systematische, fachintegrative Vermittlung gibt. Nun sollen die Erkenntnisse für alle Schule nutzbar gemacht werden. Mit den abschließenden Ergebnissen wird im Sommer gerechnet.

Die Fraktionen nahmen Einzelheiten des Versuchs unter die Lupe. So forderte der GRÜNEN-Abgeordnete Max Deisenhofer hauptamtliche IT-Betreuer. Prof. Dr. Gerhard Waschler (CSU) wollte wissen, ob bestimmte Fächer und Schüler von der Digitalisierung besonders profitieren.

Miriam Zerbel

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