Thema in der KIKO: Mögliche Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche

Bericht des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege

26. November 2020

MÜNCHEN.      Muss die Maske wirklich sein und sind Kinder "Virenschleudern"? Diesen zwei häufigen Fragen zum Thema „Mögliche Auswirkungen der Coronapandemie auf Kinder und Jugendliche“ stellte sich das Gesundheitsministerium unter anderem, als es der Kinderkommission des Landtags berichtete. Zuvor gab es bei der Sitzung im Senatssaal einen Überblick über die gesundheitliche Situation der Kinder bis zehn Jahre. Die Politiker lobten: „Das war richtig aufschlussreich.“

Dr. Martina Pfob vom Ministerium für Gesundheit und Pflege vollbrachte einen „Parforceritt“, wie die Vorsitzende der Kinderkommission Tanja Schorer-Dremel (CSU) es nannte, als sie die wichtigsten Zahlen zum Thema Kinder, Corona und Gesundheit mit großer Versiertheit vortrug. Viele gute Nachrichten waren darunter – etwa, dass es in Bayern derzeit zwar 194.000 Fälle von Infektionen mit Covid-19 gibt, dass aber nur rund fünf Prozent davon, nämlich um die 10.000 Betroffene, Null- bis Neunjährige Kinder sind. „Kinder sind auch wenig von Todesfällen betroffen, dafür aber stärker von typischen Symptomen wie etwa Husten“, meldete Pfob. „Experten vermuten daher, dass die Viruslast bei ihnen geringer ist, denn diese nimmt mit Eintritt der Symptome ab.“
Zur Verbreitung des Virus durch Kinder zitierte Pfob außerdem eine Studie des Verbands der leitenden Kinder- und Jugendärzte. Dieser testete 100.000 Kinder in Krankenhäusern auf Corona und fand nur 0,5 Prozent Infizierte. Ein geringeres Ansteckungsrisiko als bei Erwachsenen liege somit nahe, so Pfob.

Was die Auswirkungen auf die kindliche Gesundheit betrifft, so vermeldete die Expertin aus dem Gesundheitsministerium insbesondere Erkenntnisse über das Tragen von Masken. So besagt etwa eine Studie des Umweltbundesamts, dass die Stoffschilde bei kleinen Menschen keine Kohlendioxidansammlung im Körper hervorrufen. Gleichzeitig empfiehlt die Studie aber begrenzte Tragezeiten und unbedingt Maskenpausen zum Durchatmen, zum Beispiel während des Stoßlüftens in der Schule, wobei der Mindestabstand eingehalten werden sollte. Diese Tragepausen seien auch im ministeriellen Rahmenhygieneplan festgeschrieben und somit auch in den Hygieneplänen der Schulen, die diesen übernehmen, versicherte Pfob später in der Aussprache.
Von FFP2-Masken für Kinder rät das Gesundheitsministerium ab. „Hier ist der Atemwiderstand zu groß.“ Am besten seien Stoffmasken, die regelmäßig gewaschen und gut getrocknet werden. Unter-Dreijährige sollten Masken überhaupt nur unter Aufsicht tragen, da Strangulationsgefahr bestehe, im Schlaf sowieso gar nicht. Beste Maßnahme gegen Durchfeuchtung der Gesichtsvisiere bei Kita- und Schulkindern: „Wechselmasken mitgeben.

Drei Viertel aller Schulen im Präsenzunterricht

Als weniger erfreulich bewertete die Politikerrunde die Nachricht, dass Kinder während der Pandemie bisher mehr häusliche Gewalt erfuhren. Diese steigerte sich laut einer Studie der TU München um 6,5 Prozent, unter anderem auch wegen der Homeschooling-Situation während des ersten Lockdowns im Frühjahr. Momentan befinden sich allerdings wieder – oder eher noch – 76,2 Prozent aller Schulen im Präsenzunterricht. Nur 23,8 Prozent sind zum Wechselunterricht oder komplett zum Zuhause-Modell übergegangen.

Seine Informationen erhält das Gesundheitsministerium nicht nur vom Robert-Koch-Institut, sondern auch von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Weltgesundheitsorganisation und diversen Fachgesellschaften, klärte Pfob auf.

In der Aussprache wollten anschließend sowohl Julika Sandt von der FDP, Doris Rauscher von der SPD als auch Katrin Ebner-Steiner von der AfD wissen, ob man die Maskenpflicht zumindest für Grundschüler denn nicht aussetzen könne. Expertin Pfob wollte hierzu aber keine Stellung beziehen – die Entscheidung hierüber obliegt bekanntermaßen dem Ministerpräsidenten und dem Kabinett. Ergänzend fügte Gabi Schmidt von den Freien Wählern an, bei der Maskenpflicht für Kinder spreche man ohnehin über „rosa Elefanten“, die es in Wirklichkeit gar nicht gebe, denn es ist bisher kein angezeigter Fall notiert, in dem ein Kind seine Maske nicht trug oder tragen wollte. So gut wie alle Kinder trügen ihre Masken ohne Widerwillen und teilweise sogar gerne. Auch Tanja Schorer-Dremel verteidigte die Maske. Es gebe auch schwere Corona-Erkrankungen unter Grundschulkindern, und jeder, der durch sie geschützt werde, sei es wert, meinte die Kinderkommissions-Vorsitzende.

Verkürzung der Quarantänezeiten

Johannes Becher (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) brachte andererseits das Problem der Arztgänge zur Sprache. Einerseits seien die Praxen voll von Kindern, die ein Corona-Attest für die Schule benötigen, andererseits vermieden Eltern inzwischen normale und wichtige Termine, beispielsweise zu den herkömmlichen Impfterminen, um eine Ansteckung mit Covid-19 zu vermeiden. Er schlug Schnelltests als Lösung vor.
Es werde derzeit tatsächlich geprüft, wie man diese bei Kindern anwenden könne, beschied hierzu Martina Pfob. Außerdem würde „die Attestpflicht überdacht. Auch die Quarantänezeiten sollen verkürzt werden.“ Das Problem der vermiedenen Arztbesuche wiederum sei schon im ersten Lockdown erkannt worden und werde nun beobachtet. „Durch Information der Eltern hat sich die Lage hier schon verbessert“, berichtete die Fachfrau.

„Ein Vortrag, kompetent und in der Materie drin“, lobte Tanja Schorer-Dremel zum Abschluss. Man freue sich schon darauf, Martina Pfob ab Januar wieder in der Kinderkommission zu hören, dann sei Corona schließlich immer noch ein Thema.

Der Bayerische Landtag ist eines der wenigen Parlamente in Deutschland, das über eine Kinderkommission verfügt. Die Kommission tagt seit 2009 öffentlich.

/ Isabel Winklbauer

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