Bayern: Taktgeber in der Landwirtschaft

Tierwohl, Forschung und Klimawandel – in diesen Bereichen soll in der Landwirtschaft noch mehr investiert werden. Das kündigt Landwirtschaftsministerin Michalea Kaniber mit dem Agrarbericht 2020 an, den sie im Landwirtschaftsausschuss vorstellte.

München, 01. Juli 2020

Bäckereien und Einzelhandel verkauften zuletzt wesentlich mehr Bio-Mehl und Bio-Backwaren. „Als Bio-Direktvermarkter ist es schön, unmittelbar zu erleben, dass die Menschen unser Angebot in der aktuellen Corona-Krise besonders zu schätzen wissen“, sagte Bernadette Lex, Betriebsleiterin vom Biohof Lex. Ihr Betrieb ist Mitglied im Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökolandbau und wird seit 1982 nach Naturland-Richtlinien bewirtschaftet. Der Hof trägt mit dazu bei, dass sich der Strukturwandel in Bayern laut aktuellem Agrarbericht 2020 mit 1,3 Prozent auf einem niedrigen Niveau bewegt. 2019 gab es im Freistaat 105.300 Bauernhöfe mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von rund 30 Hektar. Die Quote der jährlichen Betriebsaufgaben hat sich bei 0,7 Prozent stabilisiert.

Ausbau der Forschung

Der Umbau der Nutztierhaltung, der Klimawandel und die Nachhaltigkeit – diese drei Aspekte zählte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der Vorstellung des aktuellen Bayerischen Agrarberichtes 2020 zu den größten Herausforderungen. Die Forschungsvorhaben des Landwirtschaftsministeriums sollten sich nach Darstellung der Ministerin künftig auf diese Bereiche konzentrieren. Beginnend mit den Öko-Betrieben werde ein bayernweites Netz an landwirtschaftlichen Experimentierbetrieben eingerichtet. Zudem werde an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Weihenstephan ein „Nachhaltigkeitszentrum für die Landwirtschaft“ aufgebaut. In Franken werde darüber hinaus ein Forschungsstandort „Landwirtschaft in Trockenlagen“ eingerichtet, um mit den Landwirten klimaangepasste Anbau- und Bewirtschaftungsmethoden zu entwickeln sowie smarte Wasserspeicherungs- und Bewässerungstechnologien zu unterstützen. Unter anderem mit diesen Maßnahmen werde Bayern laut Kaniber als „Taktgeber“ von Bund und EU gesehen.

 

Umbau der Nutztierhaltung

Die Ministerin will den Umbau der Nutztierhaltung mit einem Investitionszuschlag für besonders tierfreundliche Stallsysteme vorantreiben. Bayern werde auch hier eine Vorreiterrolle übernehmen. „Wir wollen zukunftsfähige, von der Gesellschaft akzeptierte Lösungen, die den Betrieben endlich Planungssicherheit bringen. Deshalb bin ich für den Einstieg in den Ausstieg beim Kastenstand in der Zuchtsauenhaltung“, sagte Kaniber. Sie hoffe, dass der Bundesrat am 3. Juli 2020 dem vorliegenden Kompromiss zustimme, der den Landwirten Rechts- und Planungssicherheit gebe und damit gleichzeitig das Tierwohl entscheidend fördere.

Regionalität fördern

Unter den zunehmend schwierigen Marktbedingungen könne sich Bayerns Landwirtschaft laut Kaniber gut behaupten. „Mit ihren vielfältigen Betriebsformen beweist sie Konkurrenzfähigkeit, Kreativität und Krisenfestigkeit. Bayern verteidigt damit seine Rolle als führender Agrar- und Forststandort in Deutschland“, sagte die Landwirtschaftsministerin. Der Trend Regionalität solle zudem noch stärker genutzt werden. Auch weil regionale Herkunft und Versorgungssicherheit seit Beginn der Corona-Pandemie an Bedeutung noch gewonnen hätten.

 

Ausschussvorsitzender Dr. Leopold Herz (Freie Wähler) bemerkte jedoch, dass der Rückgang der Anzahl der Milchvieh- und Mastschweinehalter um jeweils rund fünf Prozent eine dramatische Entwicklung sei. „Wir müssen aufpassen, dass die Produktion nicht in andere Länder abwandert und dann dort unter schlechten Bedingungen Tiere gehalten werden. Aufgedeckte Skandale dürfen zudem nicht zum Generalverdacht führen“, warnte Herz. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Martin Schöffel (CSU) hob die Stärke der Marke „Bayern“ hervor. „Der bayerische Weg zeigt, dass wir uns um Familienbetriebe kümmern und in den vergangenen Jahrzehnten eine Struktur gewachsen ist, die von der breiten Bevölkerung akzeptiert und unterstützt wird.“

Opposition kritisiert Höfesterben

Kritik kam von den Oppositionsparteien. Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen) fehlte die explizite Würdigung der Leistung der Ökobetriebe. Schließlich seien inzwischen knapp 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Bayern Öko-Modellregionen. Auch Paul Knoblach (Bündnis 90/Die Grünen) empfahl, Öko-Pioniere noch mehr als Blaupause für alternative Bewirtschaftungsmethoden zu nehmen. Ruth Müller (SPD) forderte ein Kriseninstrument, um das Sterben kleiner Familienbetriebe zu verhindern. Christoph Skutella (FDP) wies daraufhin, dass bei Förderprogrammen – wie dem BaySL – die Landwirte beim Einsatz rentabler Technik noch stärker unterstützt werden. Andreas Winhart (AfD) kritisierte fehlende Informationen zur Forst- und Jagdwirtschaft. Diese dokumentiert ein gesonderter Bericht, der im Herbst 2020 erscheint.

Landwirtschaft macht Wirtschaft stark

In Bayern ist die Land- und Forstwirtschaft mit ihren vor- und nachgelagerten Bereichen ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor: Die Umsätze von 173 Milliarden Euro machen rund 14 Prozent der Gesamtumsätze in der gesamten bayerischen Wirtschaft aus. Jeder sechste Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt mit der Land- und Forstwirtschaft zusammen. Der alle zwei Jahre erscheinende Bericht ist das umfangreichste Datenwerk zur Lage der bayerischen Landwirtschaft. Der neue Agrarbericht steht unter www.agrarbericht.bayern.de ausschließlich online zur Verfügung. Er betrachtet die Wirtschaftsjahre 2017/2018 und 2018/2019. Die Corona-Zeit ist damit nicht erfasst.

Anja Schuchardt

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