Bayerischer Landtag

Landtagspräsidentin Barbara Stamm ruft in Weihnachtsansprache zu Zusammenhalt und Zuversicht im neuen Jahr auf

Freitag, 23.12.2016


Sperrfrist für ausgewählte Zitate: Freitag, 23.12.16, 24 Uhr
Für die gesamte Rede: Montag, 26.12.16, 10 Uhr

Ausstrahlung: Am Montag, 26.12.16, 18.40 Uhr im Bayerischen Fernsehen und um 20.05 Uhr im Hörfunk auf Bayern 1.



MÜNCHEN.        Landtagspräsidentin Barbara Stamm ruft in ihrer Weihnachtsansprache zu Zusammenhalt und Zuversicht auf: „Unsere Gesellschaft muss immer eine Gemeinschaft sein, in der wir uns füreinander einsetzen. Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es, sich aller Sorgen anzunehmen. Es geht darum, auch in der politischen Debatte immer wieder gemeinsam um die beste Lösung zu ringen, um das Land nach vorne zu bringen. Den Ängsten müssen wir mit Argumenten entgegentreten und den Menschen Sicherheit geben. Es reicht dabei nicht aus, nur auf Statistiken zu verweisen. Die Menschen wollen verstanden werden. Dabei sind wir alle gefordert. Denn wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft auseinanderdriftet.“

Zugleich unterstreicht sie den vielfältigen Einsatz der Menschen in Bayern: „Das, was unsere Heimat Bayern so wertvoll macht, ist Ihr Verdienst. Darauf können wir stolz sein – und das wollen wir gemeinsam erhalten. Vertrauen wir auf das, was unser Land ausmacht. Seien wir stolz auf unsere Heimat und unsere Leistungen und gehen wir vertrauensvoll und zuversichtlich in das neue Jahr 2017.“




Die Rede im Wortlaut:

Guten Abend, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer!
Wir alle stehen noch unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse der vergangenen Tage in Berlin. Wir trauern mit ganzem Herzen um die unschuldigen Toten. Unsere Anteilnahme und unser tiefes Mitgefühl gelten den Angehörigen der Opfer und den Verletzten. Ihnen wünschen wir baldige und möglichst vollständige Genesung am Körper und an der Seele.

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,
wir haben leidvoll erfahren, dass schöne und besinnliche Weihnachtstage im Kreise unserer Lieben auch in unserem Land nicht selbstverständlich sind. Das ist ein Grund, von Herzen dankbar zu sein. In diesen Zeiten müssen wir als Gesellschaft zusammenhalten. Die Welt ist in Bewegung. Oder, wie ich mitunter formuliere: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Viele Menschen sind verunsichert, haben Ängste und Sorgen im Blick auf die Zukunft.

Diese Sorgen, die in vielen Diskussionen mitschwingen, nehme ich sehr ernst. Die Herausforderungen, mit denen wir es zu tun haben, sind enorm, und wir können sie nur gemeinsam bewältigen.  Aber ich bin – trotz allem – davon überzeugt, dass wir dafür gut aufgestellt sind.

Ich denke dabei an die Kraft unserer Wirtschaft, die aus den vielen hervorragenden Ideen und guten Rahmenbedingungen, vor allem aber aus Ihrem Einsatz resultiert. Sie haben im abgelaufenen Jahr, liebe Bürgerinnen und Bürger, Großartiges geleistet!

Ich denke aber auch daran, dass sich bei uns so viele Frauen und Männer ehrenamtlich einbringen: Mit offenem Herzen und offenen Händen für andere Menschen, die unsere Unterstützung brauchen. Gerade auch in den schwierigen und schlimmen Momenten des vergangenen Jahres sind die Menschen zusammengestanden. In der Flüchtlingshilfe, oder etwa bei dem entsetzlichen Zug-Unglück in Bad Aibling, das uns zutiefst erschüttert hat. Sie haben in Niederbayern und in Franken angepackt, als es darum ging, die Schäden des furchtbaren Hochwassers zu beseitigen. Oder beim Amoklauf in München, als viele ihre Türen und ihre Herzen geöffnet haben. Die Rettungs- und Sicherheitskräfte haben auch in schwierigsten Situationen gezeigt, dass sie Großartiges leisten und oft selbst an den Grenzen der Belastbarkeit sind. Dabei denke ich besonders auch an die schrecklichen Attentate von Würzburg, Ansbach und Berlin, die bei uns allen tiefe Spuren hinterlassen haben.

Auch an diesen Feiertagen engagieren sich unendlich Viele im Einsatz für unsere Sicherheit und für ihre Mitmenschen: Etwa bei der Feuerwehr, in den Krankenhäusern und Pflege-Einrichtungen. Ganz besonders danke ich unseren Polizistinnen und Polizisten, denen in diesen Zeiten enorm viel abverlangt wird und die rund um die Uhr im Einsatz sind. Weltweit riskieren unsere Soldatinnen und Soldaten ihr Leben und leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Stabilität und Frieden. Ihnen allen und ihren Familien sage ich ein herzliches „Vergelt’s Gott“.

Denn unsere Gesellschaft muss immer eine Gemeinschaft sein, in der wir uns füreinander einsetzen – gerade auch für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, die alt, krank oder einsam sind. Ihnen müssen unsere Anstrengungen im neuen Jahr gelten, damit sie wieder auf mehr Licht in ihrem Leben hoffen können. Dafür wollen wir gemeinsam alles tun.

Ganz besonders wichtig ist mir, dass wir die Familien bei uns in Bayern immer im Blickfeld haben. Ist es nicht eine wunderbare Nachricht, dass in unserem Land wieder mehr Kinder geboren werden? Das bedeutet für mich, dass die Rahmenbedingungen für unsere Familien stimmen müssen.

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,
Vieles macht mir Mut. Und doch verstehe ich die Ängste, die Viele bei uns bedrücken. Wenn manche befürchten, in einer zunehmend globalisierten Welt ein Stück weit auf der Strecke zu bleiben. Viele fragen sich: Nimmt mir die Zukunft etwas weg? Werde ich abgehängt?

Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es, sich aller Sorgen anzunehmen. Es geht darum, auch in der politischen Debatte immer wieder gemeinsam um die beste Lösung zu ringen, um das Land nach vorne zu bringen. Den Ängsten müssen wir mit Argumenten entgegentreten und den Menschen Sicherheit geben. Es reicht dabei nicht aus, nur auf Statistiken zu verweisen. Die Menschen wollen verstanden werden. Dabei sind wir alle gefordert. Denn wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft auseinanderdriftet.
Besinnen wir uns wieder verstärkt auf unsere gemeinsamen Werte! Suchen wir das Gespräch miteinander!
Zentral dabei ist die Würde des Menschen. Sie muss immer die Richtschnur sein; auch dann, wenn die Meinungen noch so sehr auseinander gehen. Das gilt im persönlichen Austausch und auch in der persönlichen Begegnung. Das muss aber auch in den sozialen Medien und im Internet gelten. Gerade dort darf kein Platz sein für Hass oder Hetze.

Vor genau 70 Jahren haben die Väter und Mütter unserer Bayerischen Verfassung darin die Werte des Friedens, der Menschlichkeit und des Rechts  festgeschrieben – auf einem Trümmerfeld, zu dem Hass, Rassismus und Fanatismus geführt hatten. Auch heute müssen wir uns hüten, einfachen Antworten Glauben zu schenken. Denn dass wir heute in Wohlstand, in Freiheit und vor allem in Frieden leben, das ist nicht selbstverständlich. Es ist ein großes Glück. Wir sind in der Pflicht, dieses Glück für unsere Kinder festzuhalten und unsere freiheitlichen Werte mit aller Vehemenz zu verteidigen.

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer,
das, was unsere Heimat Bayern so wertvoll macht, ist Ihr Verdienst. Darauf können wir stolz sein – und das wollen wir gemeinsam erhalten. Vertrauen wir auf das, was unser Land ausmacht. Seien wir stolz auf unsere Heimat und unsere Leistungen und gehen wir vertrauensvoll und zuversichtlich in das neue Jahr 2017. Ich wünsche uns allen Gesundheit, ein friedvolles Miteinander und Gottes Segen.

/ap



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