Bayerischer Landtag

Gedenken in Landsberg: Landtagspräsidentin Barbara Stamm ruft dazu auf, Erinnerung an Holocaust lebendig zu halten und Antisemitismus entschieden zu bekämpfen

Montag, 30.04.2018

LANDSBERG.        Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat im Rahmen des heutigen Gedenkens in der Welfenkaserne anlässlich der Befreiung der KZ-Inhaftierten der Dachauer Außenlager eine lebendige Erinnerungskultur angemahnt und dazu aufgerufen, den Antisemitismus entschieden zu bekämpfen.
Sie erklärte: „Das Grauen ist denen, die es am eigenen Leib erfahren mussten, für immer in ihr Gedächtnis eingebrannt. Die Überlebenden tragen die Erinnerung daran immer mit sich. Und dennoch oder gerade deswegen sind sie es, die bis heute helfen, das Gedenken wachzuhalten. Sie haben nicht nur die Kraft aufgebracht, die Schrecken in Worte zu fassen und aufzuschreiben. Sie hatten auch die menschliche Größe, in das Land ihrer Peiniger zurückzukehren. Sie sind auf die Menschen zugegangen: Auf die Kinder, die Enkel, die Urenkel der Täter. Denn die Hoffnung, dass das Sprechen über die Untaten ein Weg ist, um solcher Menschenverachtung und solchem Leid künftig vorzubauen, war und ist ihnen innerer Antrieb und Auftrag.

Der Überlebende Abba Naor, dessen neunzigsten Geburtstag wir vor einem Monat gemeinsam mit ihm im Bayerischen Landtag feiern durften, hat auf die Frage nach seiner persönlichen Triebfeder einmal mit den Worten Roman Herzogs geantwortet: ‚Ohne Erinnerung gibt es weder Überwindung des Bösen noch Lehren für die Zukunft.‘ Deswegen berichten die Überlebenden bis heute, was ihnen widerfahren ist – und sie geben diesen Stab der Erinnerung an die jüngere Generation weiter. Das ist von unschätzbarem Wert. Denn nichts kann persönliche Eindrücke ersetzen.

Wie schmerzlich uns die Generation der Überlebenden fehlen wird, das spüren wir leider immer wieder in aller Deutlichkeit. Das Gift des Antisemitismus wirkt noch immer. Es versucht auch heute wieder, unsere Gesellschaft von verschiedenen Seiten her zu infizieren. Das wollen, das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen gemeinsam alles dafür tun, damit dieses Gift bekämpft wird und seine schreckliche Wirkung nicht erneut entfalten kann. Hier darf es keine falsch verstandene Toleranz geben. Hier brauchen wir unmissverständliche und deutliche Antworten unseres Rechtsstaats – und eine Gesellschaft, die sich in ihrem Festhalten an der Würde des Menschen durch Nichts und Niemanden beirren lässt. Dieses Versprechen sind wir den Opfern des Nationalsozialismus schuldig.“ /ap






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