Bayerischer Landtag

Im Zeichen des Dankes und des Dialogs: Empfang für Flüchtlingshelferinnen und Flüchtlingshelfer im Landtag

Samstag, 1. Oktober 2016

Mit einem Empfang im Maximilianeum hat der Bayerische Landtag rund 1000 engagierte Flüchtlingshelferinnen und Flüchtlingshelfer aus allen Teilen des Freistaats geehrt. Der Tag bot den Ehrenamtlichen zudem die Gelegenheit, sich zu informieren, ihre Erfahrungen mit anderen Helfern auszutauschen und Netzwerke zu knüpfen. Probleme wurden offen angesprochen und Verbesserungswünsche aufgezeigt – dafür waren Institutionen wie Arbeiterwohlfahrt, Bayerisches Rotes Kreuz, Diakonie, Caritas oder UNHCR sowie staatliche Einrichtungen mit ihren Fachleuten in den Landtag gekommen. Rede und Antwort standen auch Abgeordnete aller vier Landtagsfraktionen mit Präsidentin Barbara Stamm an der Spitze.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm war der Empfang im bayerischen Parlament ein persönliches Anliegen, wie sie in ihrer Ansprache betonte: „Die Integration und die Begleitung der Flüchtlinge wäre ohne das großartige Engagement der ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen und Flüchtlingshelfer nicht möglich gewesen und ist es auch in Zukunft nicht“, hob sie hervor. „Alle Helferinnen und Helfer tun unwahrscheinlich viel für den Staat und die Demokratie – und dafür danke ich Ihnen!“ In vielen Gesprächen suchte die Präsidentin den Austausch mit den Ehrenamtlichen und ließ sich darüber informieren, ob und wo bei der Arbeit der Schuh drückt. 

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Versprochen hatte sie die Einladung in den Landtag bereits bei der Verleihung des Bürgerpreises im Jahr 2015, als zum damaligen Thema „Willkommen! Bürgerschaftliche Initiativen für Menschen auf der Flucht“ rund 150 zum Teil hochkarätige Bewerbungen eingegangen waren, jedoch nicht alle Projekte berücksichtigt werden konnten. „Daraus ist, in Übereinkunft aller Fraktionen, diese Veranstaltung entstanden. Für mich ist es wichtig, dass die demokratischen Parteien hier im Landtag bei den grundlegenden Zielen an einem Strang ziehen – bei allen unterschiedlichen Meinungen, die es zwangsläufig gibt. Denn wenn wir als demokratische Parteien uns nicht auf einen Grundkonsens verständigen können, dann können wir den Menschen im Land nicht vorwerfen, wenn sie den Dialog auch nicht mehr suchen", erklärte Barbara Stamm, die versprach, dass allen Anliegen nachgegangen werde. „Das Thema wird der Landtag auch 2017 noch verfolgen", sagte Stamm.

Rund 900 000 Flüchtende haben bis Ende 2015 Deutschland erreicht, die überwältigende Mehrheit von ihnen ist zuerst im Freistaat angekommen. Gesichter, die sich hinter dieser abstrakten Zahl verbergen, zeigte im Anschluss Mirco Keilberth, Nordafrika-Korrespondent unter anderem für „Deutschlandfunk“, „Deutsche Welle“, „Spiegel“ und „Stern“. Zusammen mit Oliver Rolofs von der Münchner Sicherheitskonferenz initiierte er die Ausstellung „Leben auf der Flucht“. Das Multimedia-Projekt erzählt die Geschichten von Menschen, die mit der Herausforderung der Migration konfrontiert sind: Grenzpolizisten, Schleuser, die mit illegaler Migration Geld verdienen, Menschen, die sich auf den Weg in ein besseres Leben gemacht haben, aber auch von engagierten Bürgerinnen und Bürger, die sich aktiv für Flüchtlinge einsetzen. Keilberth zeigte sich davon überzeugt, dass die Menschen in Europa sehr viel tun könnten, um den Flüchtenden auch bereits vor Ort in Afrika zu helfen.

Ein Mutmacher-Beispiel: Die Geschichte von Freshte Ibrahimi

Ein Beispiel, das Mut macht und zeigt, wie Integration gelingen kann, ist die Geschichte der Afghanin Freshte Ibrahimi. Die heute 17-jährige kam 2009 mit ihrer Familie von Afghanistan nach München, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Nach dem Besuch einer Übergangsklasse wechselte sie bereits nach einem Jahr in die Realschule und stellte dort fest, dass der Stundenplan auf dem Gymnasium eigentlich noch viel spannender ist. Mit großem Fleiß und der Unterstützung eines ehrenamtlichen Tutors schaffte sie den Übertritt aufs Gymnasium. Sie möchte später unbedingt Medizin studieren und Ärztin werden, erzählte sie auf der Bühne des Senatssaals im Gespräch mit BR-Moderatorin Heidi Wolf.

Bei ihren Rundgängen durchs Haus konnten die Flüchtlingshelferinnen und -helfer auch den Plenarsaal besichtigen, auf den Stühlen der Abgeordneten Platz nehmen und mit den Politikern ins persönliche Gespräch kommen – viele Abgeordnete hatten sich unter die Gäste gemischt. „Bei allem Engagement und bei allem Einsatz erleben wir auch viel Frustration und viele Enttäuschungen bei unserer Arbeit. Es war gut, heute hier gewesen zu sein und mit Vertretern der Regierungspartei direkt sprechen zu können“, berichteten Peter und Christa Bart aus dem Landkreis Dachau. Auch Hans Singer vom Helferkreis Sulzberg im Allgäu zog eine grundsätzlich positive Bilanz: „Das war auf jeden Fall ein konstruktiver Tag, der motiviert, weiterzumachen.“    / kh, zg  

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