Bayerischer Landtag

Planspiel „Der Landtag sind wir“: Schülerinnen und Schüler erleben und gestalten Politik hautnah

Landtagsdirektor Peter Worm begrüßt die Schülerinnen und Schüler im Plenarsaal. | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die „jungen“ Abgeordneten lernen bei ihrer ersten „Plenarsitzung“ die parlamentarische Arbeit eines Volksvertreters kennen | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Auch der Umgang mit der Presse und Interviews gehören zum Alltag der Abgeordneten | Bildarchiv Bayerischer Landtag

 

Montag, 23. April 2018
– Von Sonja Schwarzmeier –

Unter dem Motto „Der Landtag sind wir“ haben knapp 100 Schülerinnen und Schüler einen Tag die Schulbank gegen das Abgeordnetenleben getauscht. Jugendliche aus ganz Bayern haben bei dem Großplanspiel im Maximilianeum erlebt, wie der Alltag der Abgeordneten im Parlament aussieht und wie Politik wirklich funktioniert. Als Angehörige einer Fraktion und als Mitglieder von Ausschüssen konnten sie im Landtag den Weg eines Gesetzes aktiv mitgestalten – vom Entwurf bis zur Verabschiedung in der Vollversammlung.

„Sie werden miterleben, dass man gute Argumente nicht nur im Deutsch-Aufsatz braucht, sondern dass auch in der Politik der Prozess der Meinungsbildung entscheidend ist“, erklärte Landtagsdirektor Peter Worm, der die Jugendlichen aus Cham, Bergkirchen, Fürstenfeldbruck und Immenstadt in Vertretung von Landtagspräsidentin Barbara Stamm im Plenarsaal willkommen hieß. Nachdem die Schülerinnen und Schüler einer Fraktion „zugelost“ wurden und die Ausschussbesetzungen geklärt haben, ging es auch schon an die Arbeit: Ein Gesetzentwurf zum Verkaufsverbot alkoholischer Getränke und Einführung einer Sperrstunde in Bayern wurde in den Fraktionen kontrovers diskutiert: Soll das Gesetz auch für bereits Volljährige gelten? Gibt es Ausnahmen, und wenn ja wofür? Was passiert mit bereits geplanten Festen?

Pädagogisch angeleitet und unterstützt wurden die „neuen Abgeordneten“ bei ihrer Arbeit von Fachkräften des Centrums für angewandte Politikforschung (C.A.P.) der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Mit entsprechenden Positionspapieren „bewaffnet“, ging es damit in die „Ausschusssitzungen“ beziehungsweise in den Meinungswettbewerb mit den anderen Fraktionen. „Die Jugendlichen erfahren, was Politik bedeutet: Ringen um den richtigen Standpunkt, streiten, aber auch über den eigenen Schatten springen und Kompromisse eingehen“, erklärte Eva Feldmann-Wojtachnia vom C.A.P, das im Auftrag des Bayerischen Landtags das Planspiel entwickelt hat. 2007 wurde das Planspiel erstmals durchgeführt und findet seither jährlich rund 70 Mal in ganz Bayern statt – direkt an den Schulen vor Ort und einmal im Jahr im Maximilianeum.

"Landtagspräsident" Ludwig Böck leitete die Plenarsitzung. | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Die "jungen Abgeordneten" bei der Schlussabstimmung im Plenum. | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Auch Oppositionsparteien können etwas bewegen

Der Gesetzentwurf wurde anschließend im Plenum unter der Leitung von Junior-Landtagspräsident Ludwig Böck verabschiedet. Was war für die Jugendlichen besonders interessant oder überraschend an der Abgeordnetentätigkeit? „Dass man auch als kleine Fraktion was bewirken kann“, so die einstimmige Meinung der Schülerinnen und Schüler, die der Fraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN „zugelost“ wurden. „Man muss halt hartnäckig sein und gute Argumente haben.“

Für alle Fragen, die nach dem Spiel dennoch noch offen waren, standen in einer Abschlussrunde „echte“ Abgeordnete Rede und Antwort: Bernhard Seidenath (CSU), Kathrin Sonnenholzner (SPD), Dr. Karl Vetter (FREIE WÄHLER) und Thomas Gehring (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN). Interessiert waren die Schülerinnen und Schüler vor allem daran, wie man Politiker werden kann. „Schauen Sie welche Partei Ihren allgemeinen Positionen und Interessen entspricht und gehen Sie auf die Vertreter in ihrer Gemeinde oder Stadt zu“, empfahl Bernhard Seidenath. Auch Karl Vetter warb für politisches Engagement: „Unsere Demokratie ist es wert sich zu engagieren. Entweder bestimmen viele andere über euch oder ihr mischt selber mit.“ Thomas Gehring erklärte, dass es einen natürlich ärgert, wenn andere die eigenen Ideen und Argumente ausschlagen „aber Demokratie heißt streiten und wir brauchen Orte wie das Parlament, an dem wir für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger Streit verbal austragen.“ Kathrin Sonnenholzner gab den jungen Menschen mit auf den Weg: „Wer in die Politik geht, muss Dinge verändern wollen, braucht einen breiten Rücken und muss sich daran gewöhnen in der Öffentlichkeit zu stehen.“

An dem Großen Planspiel im Landtag nahmen dieses Mal die Mittelschule Bergkirchen, das Robert-Schuman-Gymnasium Cham, die Mittelschule Fürstenfeldbruck Nord und das Staatliche Gymnasium Immenstadt teil.

Im Dialog mit den Politikern: Jonas Lichtenstein und Franziska Brüchter moderierten die Diskussionsrunde mit den „echten“ Abgeordneten | Bildarchiv Bayerischer Landtag
Knapp 100 Schülerinnen und Schülern nahmen an dem Planspiel im Maximilianeum teil. | Bildarchiv Bayerischer Landtag

Bildergalerie Großplanspiel

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