Wie bringen wir mehr Frauen in die Parlamente?

Eigentlich war ein Besuch der schottischen Parlamentsvizepräsidentin Linda Fabiani in München geplant: Der soll zwar nachgeholt werden, sobald es die Situation aufgrund der Coronavirus-Pandemie zulässt, doch aktuell musste eine Videoschalte das persönliche Treffen mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner ersetzen.

Führungsprogramm als Start für eine Politikkarriere

Die beiden Politikerinnen, die jeweils auf jahrelange Erfahrung in ihren Parteien und in verschiedenen Ämtern zurückgreifen können, nutzten die Schalte vor allem für den Austausch über ein zentrales Thema: die Frage, wie mehr Frauen für ein Engagement in der Politik gewonnen werden können. Die schottische Vizepräsidentin des Parlaments, Fabiani, berichtete dabei von der Initiative "Young Women Lead", die sie selbst 2017 ins Leben gerufen hat. Dieses Führungsprogramm für in Schottland lebende junge Frauen bis 30 Jahre hat zum Ziel, die politische Beteiligung junger Frauen zu erhöhen. Dabei werden unter anderem Modellausschusssitzungen organisiert und Themen untersucht, die junge Frauen in Schottland betreffen.

Das Programm könne schon erste Erfolge aufweisen, berichtete Fabiani: „Eine Teilnehmerin hat auch wirklich schon in die Politik gewechselt“, erzählte die schottische Parlamentsvizepräsidentin stolz. Landtagspräsidentin Aigner berichtete von der Konferenz im vergangenen Jahr „Frauen ins Parlament“: „Der ganze Plenarsaal war voller Frauen“, so Aigner. Allerdings sei die Zahl der Frauen, die bei den Kommunalwahlen zur Bürgermeisterin gewählt wurden, leider nicht entscheidend gestiegen.

Ein Planspiel nur für Mädchen?

Aigner nahm daher das schottische Programm mit großem Interesse auf und entwickelte spontan die Idee, das Planspiel des Bayerischen Landtags „Der Landtag sind wir“ (siehe Homepage) zukünftig einmal nur mit Schülerinnen auszuführen, um herauszufinden, ob sich Mädchen unter Mädchen anders verhalten.

Als Gründe, warum sich Frauen weniger politisch beteiligen als Männer, sieht Landtagspräsidentin Aigner insbesondere auch gesellschaftliche Strukturen: Frauen übernehmen demnach vielfach noch immer den größeren Anteil der Care-Arbeit als Männer und scheuten daher davor zurück, sich zusätzlich für ein politisches Mandat zu bewerben. Aber auch der Umgangston in der Politik und den sozialen Medien sei für Frauen noch schwieriger zu tolerieren als für Männer.

CK

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