Kino im Landtag zeigt "Die Premierministerin"

Filmabend mit der parteiübergreifenden Initiative "Bavaria ruft!"

MÜNCHEN.    Im gut besuchten Senatssaal des Maximilianeums ist im Rahmen der Reihe Kino im Landtag der Film “Die Premierministerin” von den Regisseurinnen Michelle Walshe und Lindsay Utz gezeigt worden. Das eindrucksvolle Porträt erzählt die Geschichte von Jacinda Ardern, der ehemaligen Premierministerin Neuseelands. Der Abend rückte die Bedeutung einer stärkeren Beteiligung von Frauen in Politik und Gesellschaft in den Mittelpunkt.

Die neuseeländisch-amerikanische Produktion zeigt, wie Frauen politische Verantwortung übernehmen und gesellschaftlichen Wandel gestalten können. Jacinda Ardern war von 2017 bis 2023 Premierministerin von Neuseeland. Als junge Frau an der Spitze eines Landes steht sie für einen Politikstil, der weltweit Aufmerksamkeit erregt hat: empathisch, klar in der Sache und verantwortungsvoll im Handeln.

Sondervorführung im Rahmen von "Bavaria ruft!"

Dieses Beispiel machte den Abend zu einem passenden Beitrag im Rahmen von “Bavaria ruft!”, einer parteiübergreifenden Initiative zur Förderung von Frauen in der Kommunalpolitik. Entsprechend groß war auch das Interesse: Zahlreiche gesellschaftlich engagierte Frauen kamen zur Sondervorführung in den Senatssaal, der an diesem Abend fest in weiblicher Hand war.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Schirmherrin der Initiative, betonte in ihrer Begrüßung die Bedeutung einer aktiven politischen Partizipation von Frauen, die in Ämtern auch hierzulande nach wie vor stark unterrepräsentiert sind: “Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung, aber sie haben nicht die Hälfte der politischen Macht.” Hier bestehe weiterhin Handlungsbedarf, damit weibliche Perspektiven in öffentlichen Debatten nicht verloren gehen. Neben Jacinda Ardern hob Aigner weitere Beispiele erfolgreicher Politikerinnen hervor und ermutigte Frauen, sich trotz aller – teils zunehmender – Widrigkeiten selbstbewusst in Politik und Gesellschaft einzubringen.

Aigner: "Es reicht nicht immer, wenn es Einzelne sind"

Im anschließenden Podiumsgespräch, moderiert von Journalistin und Autorin Caro Matzko, diskutierten Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Katharina Schulze, Vorsitzende der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bayerischen Landtag, und Kathrin Alte, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Anzing und Mitinitiatorin von “Bavaria ruft!”, zum Thema “Frauen in der Politik”.

Auf die Frage, warum sich unter anderem in der Kommunalpolitik deutlich weniger Frauen zur Wahl stellen, führte Landtagspräsidentin Ilse Aigner an, dass Frauen dazu neigten, sich stärker zu hinterfragen. Zudem thematisierte sie die häufig noch unzureichenden Rahmenbedingungen, insbesondere für junge Mütter. Für sie als Präsidentin sei es hingegen selbstverständlich, auch Kinder von Abgeordneten im Plenum zu begrüßen. Aigner warb in diesem Zusammenhang für mehr Toleranz im Miteinander und ermutigte Frauen, sich stärker zu engagieren: "Es reicht nicht immer, wenn es Einzelne sind, sondern wir brauchen mehr."

Schulze: "Frauensolidarität ist entscheidend"

Auch Katharina Schulze, die sich ebenfalls für "Bavaria ruft!" engagiert, zeigte sich überzeugt, dass es mehr benötige als einzelne Frauen in Führungspositionen: “Eine Frau reicht nicht, damit sich die Kultur verändert.”

Gefragt, was es brauche, damit sich mehr Frauen für öffentliche Ämter entscheiden, plädierte Schulze für mehr Zusammenhalt und Selbstbewusstsein. Frauen sollten sich zugleich stärker von äußeren Zuschreibungen lösen. Authentizität sei der Schlüssel und kein Nachteil. Einen entscheidenden Faktor sieht sie in der weiblichen Solidarität: "Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und Räume geben!"

Alte: "Wir müssen ausstrahlen, dass Politik Freude macht"

Kathrin Alte hob hervor, dass Politik nicht immer einfach sei und man sich häufig durchsetzen müsse, um Mehrheiten zu finden. Gleichzeitig könne dies jedoch auch erfüllend sein. “Ich bin sehr gerne Bürgermeisterin, das ist ein Traumjob”, bekräftigte sie.

Insbesondere die Motivation, konkrete Dinge umzusetzen, sah Alte als wichtigen Anreiz, um Frauen für ein stärkeres politisches Engagement zu gewinnen: “Wir müssen ausstrahlen, dass Politik Freude macht – sein Dorf, seine Stadt zu gestalten.”

Zivilgesellschaft und Politik gefordert

Als positiv werteten die Diskutantinnen, dass der Frauenanteil unter den Bewerbern für die Kommunalwahl im Vergleich zu 2020 um 3,5 Prozent gestiegen ist. Gleichzeitig wurde jedoch darauf hingewiesen, dass viele der Kandidatinnen letztlich nicht gewählt wurden und derzeit keine der 25 kreisfreien Städte von einer Frau geführt wird.

Dies zeige, dass noch ein erhebliches Stück Arbeit bevorstehe. “Bavaria ruft!” bilde den zivilgesellschaftlichen Teil der Bemühungen, so die einhellige Überzeugung der Runde. Der andere Teil liege bei den Parteien und beim Gesetzgeber, die ebenfalls gefordert seien.

/ TK

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